Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1923)
- Date
- 1923-03-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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39. März 1933 tz«Ü» I . *x ,!ä& l Ö11 et * treue mit den wechselnden Zeiten entstehen und vergehen. .Braucht erst nachgewiesen zn werden, daß diese äußeren Bedingungen heute .anders sind als in früheren Zeiten? Politik ist heute Weltpolitik, Wirtschaft ist heute Weltwirtschaft. Was sich heute an der Ruhr vb'spielt, berührt daS Schicksal der ganzen Welt, auch wenn die einzelnen Länder sich noch so krampfhaft bemühen, aus künstlich geschaffenen Isolationen politische und wirtschaftliche Vorteile zu gewinnen. Wissenschaft ist Weltwissmschaft. Wen deutschen Universitäten droht Verkümmerung, weil die geistige Not den Zusammenhang mit den wissenschaftlichen Geschehnissen des 'Auslandes zerfasert. Tie Zeiten geruhsamer Selbstbeschränkung lauf den heimischen Kreis sind vorbei: Es bildet ein Talent sich in der Stille, ein Charakter nur im Strom der Welt: Nur im Strom der Welt finden Ideen, Interessen, sowie die Gemeinschaften, die sie tragen, die Möglichkeit ihrer Bewährung. Daß wir eä bei unserer heiligen Thora mit einer Wleltangelegenheit zu tun haben, die weder in der Synagoge, noch im Beshamidrasch, weder auf dem Schach tpl-atz, noch in der Mikwo,. weder in den Koscherkonditoreien, noch imMazzabackhaus restlos erledigt werden kann, daß auch sie nur im Strom der Welt sich zu bewähren vermag, daß dieser ganze, so beglückende und beseligende Reichtum des nwön der religiösen und rituellen Heiligung des individuellen jüdischen Lebens über sich selbst hinausweist in den Zusammenhang eches großen sittlichen Meltganzen, der, an Gottes Münde hangend, von Gottes Geist erfüllt, von Goftes Autorität getragen, auch das vollkommenste Einzelleben nur üts ein Saatkorn im Gottesacker des Weltalls wertet, diese Erkenntnis drängt sich Jedem auf, der in unsere heiligen Schriften, in Bibel und Talmud, einen mehr als oberflächlichen Blick getan. Tiefe Erkenntnis war schon in den vergangenen Zeiten des engen politischen und wirtschaftlichen Horizontes wahr, sie drängt sich uns heute als die wichtigste Tatsache unseres jüdischen Bewußtseins aus, die im Unterschied von der geistigen Lage der Vergangenheit den organisatorischen Ausbau des Körpers ersehnt, der dieser Erkenntnis Halt und Schutz gewähren soll. Ist es nicht ein Widerspruch, wenn Kaufleute, deren.geschäftliches Denken und Handeln das Weltmeer überfliegt, ihre jüdischen Interessen. auf die Gemeinde des Ortes beschränken, an 'dem sie zufällig . ihren Wohnsitz haben? Täglich und stündlich trägt ihnen der elektrische Funken die Ereignisse in der Weltpolitik und auf dem Weltmärkte . zu.' Ihr geschäftliches Denken umspannt die Welt, doch ihr.jüdisches Denker: haftet an dem Siynagvgmsitz, den sie bezahlen. Sie sind nicht politisch erzogen, denn sonst müßten und würden sie fühlen, daß in der Enge ihres jüdischen Horizontes ihr oder ihrer Kinder Judentum einmal erftidfot wird. Fragt man aber nach den Wegen und Methoden der Politischen Erziehung, so ist die Antwort auf diese Frage nicht schwer zu finden. Mangel an jüdischem Wissen, an jüdischem Erkennen und Verstehen, Mangel an jüdischer Andacht und jüdischer Gedankentiefe ist die Ursache des Mangels an politischer Erziehung. Welch eine Fülle von politischer Weisheit, von stärkster Anregung zu politischem Denken und Fühlen ist schon allein in den schlichten Worten enthalten, die wir.Dag für Tag so und so oft zu sprechen Pflegen, wenn wir den Segen aussprechm über den Ewigen, unfern Gott, den König der Welt! Wie wird hier irgend ein geringfügiger Anlaß unseres Persönlichen Lebens und Erlebens zur Höhe einer die Gotteswelt .umfassenden Anschauung erhoben! Wir gewöhnen uns diese Segenssprüche, Wer uns selbst und über die Enge kleinlicher Interessen in das Ganze eines.großen Zusammenhanges hineinzuschauen! Und erst der Sabbat und die Festtage!!Tie Begriffe Zion und Jerusalem, Priesterreich und heiliges Volk, heiliger Gott und heiliges Land! Schon ein Ueber- - blick über die unendliche Z ähl der Gebiete, die in Mischna und Talmud durch das Licht der Thora bestrahlt und durchleuchtet werden, müßte Jeden stutzig machen, der an° den Fragmenten . des jüdischen Lebens, das ihm in seiner Kehilla zu leben verstattet istsein Genüge findet und die Sehnsucht in ihm erwecken, durch Zusammenschluß aller Thoratreuen der Welt zumindest die Vollkommenheit des jüdischen Lebens zu erringen, die im Galuth erreichbar ist. Ein gedankenvoll gelebtes Kehillaleben ist die beste Schule der politischen Erziehung. R. B. Aufgaben der Agudas Mvel in Srez Zisroel. (Spezialbericht aus Palästina für die Agudablätter.) In einer für Nmschöpfunym nicht eben günstigen Zeit hat gegenwärtig m Erez Jisroel die schwere, aber bedeutungsvolle Arbeit der Neubelebung des Agudas Jisroel-Gedankens, die Organisierung der gl aubens treuen Inden des alten und neuen Jischuws unter dem Banner dex.-Agudas Jisroel eingesetzt. Unsere Gesinnungsgenossen in Chuz-Laarez können Schwierigkeit und Bedeutung dieser Arbeit nicht genügend würdigen, wenn sie nicht ein getreues, ungeschminktes Bild der gegenwärtigen. sozialen und wirtschaftlichen Lage in Erez Jisroel im Allgemeinen besitzen. Wir wollen hier nicht dem Beispiele der Exponenten und Reklameschreiber des jenseitigen Lagers folgen und der jüdischen Welt in Ehuz- Laarez eine rosafarbene Brille vor die Augen setzen, durch-welche sie die Verhältnisse im Erez Hakdoschah in einer parteipolitischen Färbung und Aufmachung fthen würden, die den Tatsachen leider nicht entspricht und die nur jene bitteren Enttäuschungen bei gelegentlichen Besuchern und Neueingewanderten zeitigt, unter deren Folgen jetzt der größte Teil der jüdischen Bevölkerung hierzulande so schwer leidet. Unser Situationsbericht fußt auf nüchternen, von allen Eingeweihten festgestellten Diäten und Tatsachen. Me in der neueren Zeit hat Erez Israel eine schwerere Wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Krise durchgemacht, als es die momentane ist. Geldmangel, Arbeits- und Geschäftslosigkeit lasten schwer auf allen Gebieten des Gewebes, aus Kaufmannschaft, Unternehmern und Arbeiterschaft, was durch ein panikartiges Gefühl der Unklarheit und Unsicherheit in der äußeren und inneren politischen Lage noch verschärft wird. \!Der Geldmangel ist zum nicht geringen Teile einer verfehlten, kurzsichtigen. Finanz- und Wirtschaftspolitik des gegenwärtig die. Zügel haltenden Systems zuzuschreiben. 'Durch » forcierte, spekulative Bodenkäufe, durch mit gewagten Transaktionen durchgeführte fieberhafte Bautätigkeit, die auf einen rapiden Aufschwung der Bevölkerungszunahme. und des wirtschaftlichen Lebens in Erez Israel rechnete, sind riesige Kapitalien festgerannt, ungeheure Summen in arabische Hände geraten, aus denen das Geld nicht wieder zu Juden zurückkommt. Tie Banken haben Plötzlich die für Bauten präliminierten Kredite eingestellt, an vielen Orten mußte die Bautätigkeit unterbrochen werden, die Unternehmer haben ihr bereits darin investiertes Vermögen stecken, Arbeiter erhalten seit Monaten keine Löhne und fristen durch verzweifelte Kredite ihr Dasein, Tausende von Handwerkern und Chaluzim treiben sich arbeitslos im ganzen Lande herum, verzweifelt und verbittert, ein Bild des unbeschreiblichsten, jedes jüdische Herz tiefb etrüb enden Massenjammers. Infolge der Besorgnis vor einer kriegerische!: Komplikaüon in Europa haben die Banken dm Kcmflmtm die Kredite gekündigt und wollen den in Klemme geratenen Industriellen nicht zu Hilfe kommen. Tie Verschärfung und Zuspitzung des Verhältnisses Englmrds der Türkei gegenüber, die Kriegsrüstungen Sowjet-Rußlands üben auf das kommerzielle Läden hierzulande eine geradezu lähmende Wirkung, hierzu kommt noch die 'Agitation der arabisch-nationalistischen Presse mit ihren unzweidmtigen Hoffnungen und Zielen. Unter dm Folgen der sich nach Schlagworten und Prestigepolitik orientierenden Kolonisationspolitik leidm auch die jüdischen Kolonisten, die durch Mangel an rechtzeitiger Kreditgewährung selbst in einer rationellen landwirtschaftlichen Produktion 'gehindert sind und daher mit dm größten Existenzschwierigkeiten kämpfen. Jüdisches Geld aus dm Städten, ja selbst aus den Kolonien fließt tagtäglich unaufhaltsam in arabische Hände für Grüngemüse, Geflügel und andere Lebensmittel, die doch im Sinne eines jüdischen Erez Jsroel jüdische Kraft produzieren sollte, um dem jüdischen Kapital die nationalökonomisch notwendige Kreisbewegung zu geben. Tiefer schweren, durch das vis-major der polittschen Verwicklungen noch verschärften Krise steht der mächtige, riesige Kräfte und Geldmittel verschlingende Apparat der sogenannten „Palestine Executive" der am Ruder stehenden Organisation macht- und tatenlos.gegenüber, da man dort selbst einen verzweifelten Kampf mit absoluter Mittellosigkeit und dem Versagen der vielerhofften Hilfsquellen zu bestehen hat. So konnte Waad Hachinuch dm Lehrkräften sechs Monate hindurch die Gehälter nicht auszahlen, die Beamten in den verschiedenen Aemtern und Exposituren sind mit ihren Bezügen im Rückstände und die materielle Teroute zeigt sich bis tfäfriplL iWfitl *mnDS 7NN finden 6 öffentliche Versammlungen 4iuitviw vivivvi; Vvilill« mu dem Thema: „Me rnnj itdid“ statt. Bezirk Mittel!: Am Dienstag, den 3 April: Bezirk Norden: Lokal: Wfefferverg, Schönhauserallee 176, Redner: Rabb. Dr. W. Hildesheimer, Rabb. W. Uokach m w Bezirk Osten Lokal: Lehrervereinshaus, Alexanderstraße 41. Bez. -ösUevne. Redner: Rabb. Dr. I. Siugermarm, Herr M. Jl. Loev. Bezirk Mitte l: Lokal: Hrenadierstr. 37. v' Redner: Rabb. Dr. E. Munk, Dr. Wathan Airnöaum, Bezirk Westen: JaKoK Land an, Frankfurt a. M. Beginn aller Versammlungen um 8 M. iD^lPn unnnjot weise uns erneut den Weg zum ’roi Lokal: &otd Attas,. Friedrichstraße 105. Redner: Rabb. Dr. K. Klein, Dir. ßarkeöach, Hamburg. Lokal: KKarkottenho^.Händelftraße. Redner: Rabb. Dr. Moses Anervach, Dr. A. Schlesinger Am Mlwoch, den 4. April. Lokal: Wrüdervereirrshaus, Kurfürstenstr. 115-116. Redner: Rabb. Dr. K. Mnnik, Rabb. Dr. M. Aneröach. Eure Pflicht ifl er, zu erscheinen!