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Der Israelit · 1923-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1923) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1923)
Date
1923-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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: Munmer 6. - 29. März 1923. ff h e raus g e g e b en vom ==■■ IX. Jahrgang : 12. YM« 5683. GruppenverdaW, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel' für Deutschland. / \ IVIvll Im vtv JIVVIV||l¥ yVVWfMV Wff| f Am 1. Aar muffen Wählerliste und Kopfsteuer in Halberstadt sein! Ar verliert sonst Euer Wahlrecht! (Siehe Wahlordnung Hß 8—1«)> Was ist Keneisio Gedaulo? ,Sie ist die Erfüllung eines alten Traumes. 'Endlich soll die jüdische Gemeinschaft vor aller Welt den innigen Zusammenhang des Lebens jedes einzelnen Juden und der jüdischen Gesamtheit mit Gottes Wärt bekunden. 'Tie Kenessio Gedaulo ist eine Demonstration für die Ewigkeit unserer heiligen Lehre. Die Kenessio Gedaulo wird die Antwort geben auf alle 'Fragen, welche heute jedes jüdische Herz belasten. Die Kenessio Gedaulo wird.zeigen, daß in «engster Anlehnung an unsere heiligen Gebote die Judenfrage gelöst werden kann. Tie Kenessio Gedaulo wird unsden Weg weisen nach Erez Jisroel. Sie wird uns Klarheit geben darüber, wie wir am besten die Möglichkeit, die der 'Allmächtige in so wunderbarer Weise erschlossen hat, zur Ehre des Judentums und seines Heiligtums benützen können. Dazu ist aber nötig, daß jeder, dem es ernst ist um den Sieg der Thora in Israel, sich an den Wahlen zur Kenessio Gedaulo beteiligt. Es hat kein ehrlicher Jehudi das Recht, gleichgültig beiseite zu stehen, wenn es sich um die ganze religiöse Zukunst seines Hauses und seiner Kinder handelt. Man erwirbt das Recht, für die Kenessio Gedaulo zu wählen oder gewühlt zu werden, dadurch, daß man Mitglied der Ortsgruppe der Agudas Jisroel wird. Deshalb eile jeder, sich als Mitglied in die Listen der Agnda eintragen zu lassen, um zur gegebenen Stunde sich an der Kenessio Gedaulo zu betätigen. PMWe Erziehung. Wie sehr unser diesseitiges Heil und irdisches Wohlergehen von einer vernünftigen Regelung politischer Fragen abhängt, das empfinden wir alle seit dem 1. August 1914 von Tag zu Tag in steigendem Maße.' Tie Zeiten sind vorüber, wo ebenso beschränkte, wie ehrsame Spießbürgerüber den Zusammenhang ihres persönlichen Schicksals mit den politischen. Ereignissen sich hinweggetäuscht und gesprochen haben: Was 'gehen uns diese Tinge an, politische Welthändel sind unnützer Diplomatensport! Man denkt heute 'anders. Man ist «aufmerksam und nach-- denklich geworden. Man hat seine stillen Stunden, wo man sich die Frage vorlegst, ob ein lebhafteres Interesse für Politik nicht doch mancherlei hätte rechtzeitig verhindern können, woraus am Ende das große Weltunglück entstand, dessen Nachwirkungen noch Generattonen belasten werden. Vielleicht liegt der Sinn dieses Meltunglücks darin, daßes der politischen Erziehung der Menschheit in diesen'unheilschwangeren Jahren gelang,, einen größeren Schritt nach vorwärts zu tun, als ihr in glück- . liehen Friedenszeiten jemals gelungen wäre. Doch nicht von der Weltpolitik wollen wir hier reden, sondern von einem Ausschnitt daraus, von einem allerdings sehr wichtigen Ausschnitt, durch welchen, mehr als man glaubt, eine glückliche Lösung wichtigster Weltgesundungsfragen bedingt ist: von der jüdischen Gemeindeünd Gesamtheitspolitik, von der politischen Erziehung der jüdischen. Massen, soweit man bei uns hierzulande befugt ist, von jüdischen Massen zu reden. Wie ist es mit dem lebendigen Interesse der deutschen Judenheit an der jüdischen Gesamtheitspolitik bestellt? Ueber diese wichtige Agnda-Frage möchten wir uns ein offenes Wort 'erlauben. Wer die 'Ereignisse der Zeit wirklich miterlebt, wird zugebeu, daß unsere physische und psychische Existenz vielleicht noch nie so gefährdet war, wie in diesen Tagen. Ringsum werden wir von einem Judenhaß umtobt, der die völlige Vernichtung der Judenschast als das letzte Ziel seines Wollend längst enthüllt hat. Und wie. dieser äußere Feind die Zerstörung unseres leiblichen Lebens erstrebt, so wird unser geistiges Leben durch den inneren Feind der religiösen und nationalen Assimilation (Neologie und Zionismus) unterwühlt. ' , Was geschieht min zum Schutz vor diesen Feinden? Tie Abwehr des Antisemitismus ist die Spezialbcschäftigung des liberalen Judentums. Sie steht im Mittelpunkt der Interessen der deutschen Judenheit in ihrer überwiegenden Majorität. Man braucht aber bloß die ständigen Klagen der Zeitung des Zentralvereins über die mangelhafte Opferfreudigkeit ihrer Leser im Abwehrkampfe zu kennen, um einzusehen, daß das, Was hier geschieht, nur ein kleiner Bruchteil dessen ist, was hier geschehen müßte. Die alte jüdische Solidarität, welche die Gesamtheit. für die Einzelnen und die Einzelnem für die Ge- " samtheit einstehen läßt, ist längst, nicht mehr in jener ungebrochenen Intensität vorhanden, wie sie der Anttsemitismus, der sich hier ganz in aus vergangenen Zeiten überkommenen Vorstellungen bewegt, zu verleumderischen Zwecken hinzustellen Pflegt. Der Untergang der alten jüdischen Kehilloth, dieser mächtige Träger und Pfleger des jüdischen Gemeinschaftsgefühls, hat auch die seelischen Grundlagen der jüdischen Solidarität erschüttert, sodaß heute nur dann und dort, wann und wo jüdische Menschen sich unmittelbar in ihrer Existenz gefährdet fühlen, der Wünsch nach starkem Zusammenhalt, der einzig und allein eine wirksame Abwehr ermöglicht, in diesen Menschen erwacht und sie zu einem lebendigen, tatkräftigen, vpfer-! freudigen Tun veranlaßt. Die politische ' Erziehung fehlt, die den Einzelnen in den! großen Zusammenhang des jüdischen Ganzen j stellt und ihn für das Schicksal der jüdischen j Gesamtheit verantwortlich macht, s Anders liegen die Verhältnisse in den! Kreisen des orthodoxen Judentums. Hier ist j 110cf; reges Kehillaleben vorhanden. Man braucht! sich bloß in den Zentren der deutschen Orthodoxie nmzuschcmen, um die erhebende Ueberzeugung zu gewinnen, daß, auch in Deutschland „nicht verwaist ist Israel". Synagogen und Lehrhänser sind überfüllt, die rituellen Anstalten der Gemeinden blühen, es ist alles da und «wird alles geübt, was seit je zu den Kriterien eines gesunden jüdischen Gemeindelebens zählte. Gleichwohl fällt es der Agudas Jisroel nicht immer leicht, sich hier durchzusetzen. Viele denken: Was soll uns die Aguda? Jüdische Gesamtheitsaufgaben? 'Dafür sind doch die Gemeinden da. Jahrtausende gab es ein Judentum ohne Agnda. Es kann doch alles so weiter gehen, wie es immer ging. Auch für Palästina war stets Interesse und Geld vorhanden. And wenn sich die Thoratreuen in andern Ländern nicht selber Helsen können, wir werden ihnen nicht helfen können. Bedenken Sie doch: bei« der Valuta! — Die politische Erziehung fehlt, die in dem Einzelnen das Bewußtsein weckt, daß bei aller 'Ewigkeit und Unaufheblichkeit des Gottes- Wortes und der Pflicht seiner Erfüllung doch die äußeren Bedingungen der Thora-

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