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Der Israelit · 1923-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1923) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1923)
Date
1923-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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£9. MarZ ISA. Seite 1» Nr. 13 u. U ' jMend. Es muß etwas Lescheherr, um das ' Volk zu wecken, zu retten. Auch in Mizrasim wäreunterlegen, wenn nicht Moses mit starker Oand das Volk aus der dLot gerissen hatte." „Moses kam als Gesandter Gottes." „Und Bar Kusiba ist vielleicht nicht weniger von Gott gesandt, als „Bar Kochba", als Stern, der das Ende der Nacht, das Aufgchen eines neuen Morgens kündet . . ." Eine römische Patrouille zag mit Pfeifen und Glocken vväei. Vom matten Lichte angelvckt, klopften die Soldaten mit ihrem Hammer an das Tor. 'Da fing Itabbi Elieser an Veten ..." „Und es führte uns Gott heraus aus Mizrafim, nicht durch einen Engel und nicht durch Zeinen Seraph und. nicht durch einen Boten, vielmehr der Heilige, gelobt sei er, allein irr seiner r ichkeit . . . Und wir singen ihm' ein neues Halleluja ..."!Zäe Wachtmänner hörten eine Weile zu und gingen dann ihres Weges. „Die -Huden beten aber auch immer, so oft mau sie sieht und hört, beten, nichts wie beten " Und der greife Mabbi Akkiba setzte fort: .„Es ist, Brüder, keine Zeit und keine Kraft mehr, zu warten." VII. Schon kündete der Hahn mit schriller Stimme den Morgen und noch faßen die Weisen Bene Beraks und lauschten am matten Scheine der Fackel aus ihren allen Lehrer: „Eäsavea," sagte Rabbi Mkiba ganz vertieft in feine Gedankerr, „CÄsarea ist durch das Erdbeben völlig erschüttert, die vornehmsten Götzenbilder stürzten und zerbrachen, weil unser heiliger Boden sie nicht mehr tragen mochte. Die Parier sanuneln Menschen und Massen gegen Rom und alle Vasallenstaaten in Ost und Weist sind in.hellem 'Aufruhr. Auch bei uns regen sich die Herzerr und die Hmrde. Lockert sich ein einziger Stein in diesem mächtigen Bau, so fällt er rascher in sich zusammen, als man ahnt. Ävm wird bald seine Tyrannenrolle ausgespielt haben. Es naht die Zeit." Es klopfte ans Fenster. Ob es wi.eder Römer waren? Rabbi Mkiba selbst trat ans Fenster und öffnete es weit in die klare Morgenluft. Draußen standen die Scharen der Jünger und mahnten bescheidenllich: „Verehrteste Lehrer, es ist Zeit für das Nchemagebet des Morgens." Und Rabbi Mkiba rief in den Morgen hinaus: „Höre Israel, der Etvige ist unser Gott, der Ewige ist äugig ..." Und wie im Echo ertönte es aus tausend ßungen Kehlen, daß die Luft erzitterte: „Schema Israel! — — —" Und die Morgenluft trug den Chor über Berg und Dal bis zum Mittelmeer und von allen Höhen kam es zurück: „E—chv—d! —-" Noch war die Somre nicht voll aufgegangen mrd durch die Straßen Bene Beraks flüchteten bestürzt die wemgen römischen Krieger. Hinter ihnen her, entfesselten Löwen gleich', die jüdischen Jünglinge mit lautem Siegesgeschrei. Von allen Bergen und Hügeln blitzten Waffen auf. „Nach Dur Malka!" lautete der Kommandoruf. Und bald wieder: „Nach Bethar, wo sich die letzten römischen Truppen verschanzt hatten. >Dahin zieht Bar Kbchba mit seinem Kriegsheer, und wir mit ihm!" — Voll ging der Morgen über die judäischen K^rge auf.!Der Freiheitsdrang erwachte nach hundertdreißiMhrigem Schlafe. „Bar Kusiba, nän, Bar Kochba führt ms Volk an, führt es zum Siege, führt es Mr Nwiheit!" . „Dir nach, Stern Jakobs'! — —" , -&VI Ds Rabbi Mkiba hob die seelenv-üen Augen geMst die Bepge, von denen die Lanzen blinkten, die Freiheit winkte und weinte. War das der Stern am NachLhimmel des Leides!? Rabbi Jofua schüttelte besorgt den Kopf. „Zuviel Waffen, zuviel Macht, zuviel Krie^geschrä. Ich fürchte, fo geht der Stern der Erlösung nicht auf. Gäbe Gott, der Stern werde nicht zum Irrlicht, Bar Kochba nicht zum Kosiba. — — —" , lDann stimmte er läse unter Dränen iü das Gebet Rabbi Akkibas än. MH m'schtanoh. Bon Heinrich Einstädter. Was ist denn heute? — Lichtgllanz strahlet In vollen Fluten durchs Gemach. Die Tafel dehnt sich; auf ihr pranget 'Ter Sederschüssel Kstgesäch. Aus sie gerichtet ist das. ..Auge,!Durch sie geeint der Gäste Kreis. Nicht Wetter.reicht die Welt uns heute;!Gs gibt feiit Draußen. — Mchl ich weiß, Daß Pefach wir zusammen fäern Bei Mazzo, Moraur und bei Wein! Auch manches andre Fest beging ich Mit euch schon, bin ich auch noch klein. Sie «alle waren zwar verschieden, Doch ähnlich in der Feier Art. Nur dieses ist ganz eigenartig; Das fühlet selbst die Jugend zart. Nicht unser Haus, ein Tempel baut sich Heut unter unsrem lieben Dach! Nicht Vater, nein, än König schaltet Heut unter uns! — Bin ich denn wach? , Denn wie im Traum sch' ich in Scharm Die Menschheit hm nach Zion ziehn, Höre!Erlösungslieder schallen, Seh ivor dem Recht das' Unrecht fliehn. Es ist kän Traum. Die Hoffnung ist es, Die unsre Herzen macht so froh, Der 'Dank für Gottes' Gnadenfulle, Die Anttvort auf: Mäh nischtanoh. Mndevecke. mm Ser 6to& Msis. (Nach alten Midraschim.) Der Stab, mit dem Mioses die WUnder vollftchrt hat, ist von Gott am sechsten Tage, kurz vor dem Schöpfungsschluß, geschaffen worden und trug die rätselhaften Worte ,,'Dezach, Adasch, Beachob." Als Adam sänen Platz im Paradiese angewiesen bekam, durfte er diesen Stab als Stütze benutzen und ihn dann später auch mit hinausnchmen, da er aus dem Paradiese vertrieben tvurde. 'Adam vererbte den Stab Chanoch, und dieser übergab ihn Schem. Von Schem ging er .auf Ab r a ha m, von diesem auf I s a k und zuletzt auf Jakob über; ihm diente er als Wiaiiderstäb auf seinen Leidenswegen und mit ihm überschritt er auch, wie er selbst sagt, -den Jarden. 1 Don Vater Jakob erhielt den Stab der würdigste der Söhne Joses, der ihn mit nach Egypten nahm. Mit dem ganzen Eigentum Josefs warwerte aber nach dessen Tod auch dieser Stab in die Schatzkammern der Pharaonen. Dort mühten sich die Chartumim vergebens ab, die rätselhafte Schrift zu entziffern. Jithrv, der in jungen Jahren ebenfalls zu den Chartumim Pharaos gehörte, entwendete den Stäb und pflanzte ihn in seinen Garten. Er saß da so tief und fest im Bohen, daß kän Mensch ihn herausbringen konnte. Als aber Moses, nachdem er den Töchtern am Brunnen geholfen hatte, in das Haus Jithros kam, sah er den Stäb und hob ihn mit einem Satz aus der Erde. Wie dieses Jithro sah, ahnte er, daß Mioses kän gewöhnlicher Erdgeborener war, so gab er ihm säne Tochter Zippora zur Frau und noch den Wunderstab dazu. Jithrv fragte Moses, ob' er auch die Schrift zu därten wisse. „Noch nicht," sägte Moses, „aber es kommt die Zeit, da ich die 'Deutung aller Welt kundgeben werde." Später, nachdem Jithro auf die Kunde von der den Egyptern gewordenen Strafe und Israel gewordenen Mlösung mit einem vollen Bekenntnis zum Judentum Moses in der Wüste aufsuchte, zeigte ihm dieser noch einmal den Stab, deren Inschrift nunvon ihm, wie von aller Welt verstärken war. „Diesen Stäb," so fügen die alten Schriften noch hinzu, „hielt später auch König Dawid als Zepter iw der Hand, und er wird dermaleinst als Wegwäser in der Rechten des Moscht ach rrchen." Sie hatten leine Älitzwans. Bon Heinrich Eiutzadter. Pesach war vorüber, und zum ersten Male waren die Kinder wieder in der Schule. Der Lehrer warf einen Rückblick auf die verflossene Festzeit und ließ die Kinder vom Seder erzählen. Da waren manche darunter, die leuchtenden Auges berichteten. Andere aber hörten still und wehmütig zusie hatten keine Sederfeier gesehen. Unter ihnen befand sich ein Kind, dessen Mern der Lehrer kannte und für religiös ge--, halten hatte. Er fragte darum den Kleinen: „Warum erzählst du mir nichts, Otto?" Leise antwortete der Knabe: „Wir hielten keinen Seder." „Weshalb denn nicht?" „Wir hatten keine Mitzwaus." — Armes Kind. — Bedauernswerte Eltern. — Ste haben keine Mitzwaus. — Weil sie gerade keine Matzaus gehabt hatten, die mit Löchern versehen waren, hatten sie geglaubt, die Sederfeier ausfallen lassen zu müssen. Arme Menschen. Selten hatte der Lehrer ein solches Mitleid empfunden wie mit diesen Leuten. Sie hatten keine Mitzwaus. Auf dem Lande geboren, waren sie in die Stadt gezogen, um mehr zu verdienen, um ihre Kinder „besser erziehen" zu können. Hatten zunächst den Schabbos geopfert und dann im Laufe der Zeit noch vieles Andere, das man in den neuen Verhältnissen nicht mehr so leicht halten konnte. Nicht gerade gerne, aber auch ohne besondere Gewissensbisse. „Es geht heutzutage nicht mehr anders." Sie hatten sich damit getröstet, daß sie sich hiermit in großer Gesellschaft befanden. Verkehr mit Glaubensgenossen hatte man in dem neuen Wohnort fast gar nicht. Man war hier ftemd. Jüdisches Leben — ein unbekannter Begriff. Sie lebten, um zu verdienen, hörten nichts von Religion, lernten nichts hinzu und vergaßen das Wenige, was sie einst gehört und gesehen hatten. So kam es, daß von dem, was bisher noch nach alter Gewohnheit geübt worden war, immer mehr wegfiel, so daß einst ihren Kindern selbst das fehlen wird, was ihnen wenigstens noch teilweise geblieben ist, die Erinnerung an ein besseres „Ernst." Arme, arme Kinder! Ste haben keine Mitzwaus.

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