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Der Israelit · 1923-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1923) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1923)
Date
1923-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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I FeMeton-Veilage m Ar. 13 u. 14 des „Markt". paffch. Bo« BörrieS, Freiherr von Müschhause». - Hier, nimm das Brot, ich zerschlags mit der Hemd Stell an den Tisch deinen Stecken, Heilig umschlingt uns ein mächtiges Band: Einst, einst Warst du, war ich ja tu MtzraimS Land! Häng um die Schultern zur Reise das Kleid, Wie unsre Väter es taten. Süß find die Brote, sie stehn dir bereit, Einst, einst War ja zum Säuern des Brotes nicht Zeit! Koste die Kräuter, wie Gott es gebeut, Bald wird er wieder uns löse»! Ieruschalajim, einst wird eS erneut, Einst, einst Detern wir dorten das Paffah wie heut. <Die vor Jahren mit den Zeichnungen E. W. LilienS zuerst in die Welt.gegangenen kr»stooll.z»rtfiunnigeu jüdischen Dichtungen des Kreiherrn von Münchhausen liegen jetzt in einer neuen, weniger anspruchsvollen, aber ästhetisch ungemein abgerundeten Hülle vor, die von der tief schürfenden Künstlerhaud Joseph BudkoS geschaffen worden ist. Der Zeichner hat fich diesmal in diskreter Vornehmheit darauf beschränkt, wirklichen Buchschmuck zu schaffender fich dem Gedicht a n s ch m t e g 1 und unterordnet. Die ganze Ausstattung ist der D e u t f ch e n B e r I a g S - A «st a l t, Stuttgart, würdig und das Buch wird fich in diesem Gewände neue Freunde erwerben.) Stern und Irrlicht. Historische Flovesse aus Aet-ars Hr?eö<mg. IV. Es jubelten die Flöten und lieblich ergossen sich die Klange der Harfen und Zimbeln, Und die Straßen von ° Tur Schimon füllten sich immer mchr mit Menschen. Gesänge und Hymnen zu Ehren der Braut, die „lieblich wie eine Taube und fromm und gut wie eht Engel" fei, wurden angestimmt, nicht minder für den Bräutigam, der „stolz \vic eilte Zeder die Unmut und die Kraft der Könige Judas in seinen Zügen trug." „'Die Zeder des Libanon stieg ins Tal hinab, um sich mit den schönsten der Saronrosen zu schmücken", sangen die Mädchen. An der Spitze des Hochzeitszuges wurde nach altem Brauch das Hühnerpaar getragen, der Hahn von einem Manne und die Henne von einer Frau. Einen Perlenkranz trug die Henne auf dem Kopfe und der Federn schweif war mit weißblauen Bändern geschmückt, während der Hahn eine rote Krone ans dem Kamm hatte und Goldkettchen cm den Beinen. Bor dem Eingang in die Gerbergasse mußte der Zug anhalten. Trupp römischer Reiter- ■ soldaten hielt den Zugang zu der engen Straße gesperrt. Ter Hahn wurde unruh'g und gab schrille Töne von sich. „Einen netten Trumpeter habt Ihr da," spottete der Römerhauptmann, „gebt ihn her, er soll es bei uns gut haben." „Und -auch das Weibchen mit," ergänzte ein .anderer Soldat lachend, „wir wollen dem jungen Paare einen Palast bauen." „Eirren Palast aus Erde und Scherben auf dem bestell Misthaufell," gab lwch ein dritter dazu und die ganze Legioll brach in schallendes Lachen aus. „Laßt uns unseres Weges gehen und störet nicht unsere Festesfreude," bat Bar Teroma, der Brautvater. „Mcht doch, Inden. Solange Ihr uns nicht Euren Trompeter mit seinem Meibchen hergebt, gibts keinen freien Weg!. Wir müssen einen Trompeter haben, unsere .Kriegsposaunen sind sehr abgebraucht." „Machet Platz," rief jetzt Bar Kusiba ernst. „He, schöner Jüngling. Sprich nicht mit Römern m solchem Befehlertone. Wenn auch ' heute eine Siegerkrone Dein Haupt ziert." „Teurer," flüsterte die Braut Bar Kusiba KU, „ich fürchte mich deinetwegen." Ter Jüngling schaute in die erschrockenell Kindesaugen Ehamras. „Keine Angst, Channa. Die werden es nicht wagen, mich anzurühren." Und in Mchrheit rührten sie ihn nicht an, sie umringten ihn mit ihren Pferden und Lanzen wie mit einer eisernen Mauer. Inzwischen ritt der Hauptmmrn dicht an Channa heran, machte eine leichte Verbeugung uird im Nu hatte er sie zu sich in den Sattel emporgezogen. Channa tat einen Schrei, daß das Pferd des Römer sich scheu aufbaumte, und den Hochzeitszug erfaßte eine unbeschreibliche Bestürzung, reiner brachte nur ein - Wort heraus. Jnznüschen rissen andere Soldaten Hahn und Henne aus. der Hand her- Juden, und der ganze Trupp' trabte lachend und singend davon. Nur die schrille Sttmme des Hahnes war noch eine Zeitlcmg in der Ferne zu hören, als wollte er um Hilfe schreiell und Rechenschaft fordern. * V. Schon nach wenigen Minuten dröhnte es in der Gerberstraße von Stahl und Eisen. So viele Waffen, Schwerter, Lanzen und 'Dolche kamen -auf einmal aus dem Versteck zum Vorschein, wie mall es nie geahnt hätte. Und nun formten sich die Rechen der jüdischen Jünglinge nach dem Kommando Bar Kusibas. Bald hatten die bewaffneten Juden den Römertrupp erreicht. Men voran Bar Kusiba, der mit eisenrell Fäusten nach rechts und links einschlug. Wer von den Römern nicht zu Roß aus der Stadt flüchten konnte, sah sich bald in eisernem Ringe der wütenden jüdischen Krieger. Me ' die Stäbe zerbrachen die römischen Lanzen. Bar; Kusiba, ohne Waffe, warf mit beiden Händen -alle, die ihm im Wege standen beiseite, daß sie nicht wieder -ausstanden; er machte sich die Bahn frei bis zum Haupttnaml. Auch an ihn ging er ohne Waffe heran, denn er fürchtete, er könnte mit dem kalten Eisen die Geliebte seines Herzens 'berühren. Mit bloßer Hand nur riß. er deil Brauträuber vom Pferde und nahm das ohnmächtige Mädchen in die Arme. „Meine teure Channa, mir zum Weibe beschieden. Ich habe nun die Dir angetane Schmach gerächt und Deine 'Ehre beschützt. Nun auf, Tochter Bar Deromas, öffne die Augen, Gott hat uns geholfen. Mein, was ist Dir, Channa, Teure?" Aber Channa öffnete die Augen nicht mehr. Der Kuß aus unreinen Lippen hatte ihr die Seele geraubt. — — — Die Frauen umringten die tote Braut mit Schmerzensschreieli, die bis zum Himmel dranfeit. Der alte Bar Teroma, der Vater, stand ill mit zitterndem Körper da. Auch Bar 'Kusiba war zuerst wie versteinert, dann aber entrang sich ein Ruf seiner Löwenbrust,. daß es durch die ganze Straße dröhnte: „Channa, meille reine Braut? Ich schwöre bei Deinen ausgelöschten Angen, bei Deinem znm ewigeli Schweigen geschlossenen Büunde, bei der -Reinheit und Heiligkeit Deiner vernichteten Jugend schwöre ich, daß ich nicht eher ruhe und raste, als bis der letzte römische Soldat über die Grenze unseres Landes gejagt ist. Und soll ich eher ins Grab steigen, so wisset Ihr lMen und Jungen in Judäa, wes heilig Vermächtnis Ihr zu erfülleil habt ..." Stolz und groß und mächtig wie eine Riesenzsder stand wieder der Jüngling da, aus seinen Augen sprühten Funken. Unb die Männer Juoäas zogen ihre Schwerter und hoben ihre Lanzen hoch und scharten sich wortlos um Bar 'Kusiba. VI.! Dort im kleinen, nur einige Hütten umfassenden Dorfe Bene Berak faß der greise Rabbi Akkiba und um ihn herum die Weyen des Volkes, Räbbi Josua, Rabbi Clieser, Rabbi Tarfon und der jugendliche Rabbi Elafar, Sohn Asarjas. Es war die erste Pessachnacht und die Weisen Israels sprachen vom Auszug aus Mizrajim. 'Dazwischen aber auch von den Nöten der Zeit und der Erlösungssehnsucht des geknechteten Juda voll heute. ,Mom übertrisst mit seinem Haß den Pharao in Egypten," Hub Rabbi Tarfon an, „Mizrajims 'König hatte es nur auf das Volk abgesehen. Rom aber legt die Axt an die Wurzel, lästert dell Gott Israels. Pharao behauptete wohl, Gott nicht zu kennen, Rom aber kennt ihn und erklärt ihm den Krieg, es schickt sich -an, cm der Statte, wo das Heiligtum stand, einen Tempel für Jupiter zu erruhten. — — —" „Treulos und wortbrüchig ist die römische Regierung," fiel der jugendliche Elafar, Sohn Asarjas, ein. „Versprachen uns doch die Römer, uns die heilige Stadt wiederzugeben und dell heiliger! Tempel wieder zu errichten und sind jetzt daran, aus der Stadt ein Zentrum des Heidentums zu machen. — —" Der ältere Rabbi Josua griff heschtvichtigeird ein: „Wir müssen uns mit Geduld wappnen. Wir sind Juden mrd leiderprobt. Gott verlaßt sein -Volk nicht. Gr hat es damals in Mizrajim nicht verlassen und wird auch jetzt die Stunde der Erlösung, sobald sie geschlagen hat, nicht verpaffen." „Nicht doch, Bruder," stand der greise Rabbi Akkiba auf. „Auch ich dachte alle Zeit so mrd harrte eines Wunders. 'Doch kann es auch Wunder geben, die in natürliches Gewand gelleidet sind. Unser Zeitalter ist der biblischen Wunder, wobei Naturgesetze vorübergehend außer Kraft gesetzt werden, nicht würdig. Kein Sterben der Erstgeborenen und keine ausgetrockneten Meere dürfen wir heute erwarten. Aber Wunder geschehen, glaubt mirs, alle Tage. Und auch vor unseren Augen ist ein Wunder geschehen. Habt Ihr nichts von den Vorgänger! irr Tur Schimort gehört? Dort hat der junge Bar Kusiba mit eiserner Faust die römische Besatzung in die Flucht gejagt. Sollen wir nicht . darin ein Zeichen sehen, das Neuaufblühen des Sternes am Nachthimmel Judas? Ich höre, das begeisterte Volk jubelt ihm zu und heißt ihn nicht mehr Bar Kusiba, sondern Bar Koch La. Klingt das nicht wie Erfüllung der biblischen Verheißung: Es tritt hervor ein Stern aus Jakob?-" „Wir hörten davon," sagte Rabbi Josua, „aber ich mißtraue der Sache. Es ist zuviel Menschliches und Mächtiges dabei. Dürfen wir auch heute auf außerordentliche Münder nicht hoffen, so darf doch bei jüdischen Kämpfen, wenn sie zum Siege führen sollen, nicht die Macht vorherrschend sein. Die Macht des Geistes nmß offener an den Tag treten, als dieses bei dem Aufftande in Tur Schimon geschehen ist. Ich denke etwa an die Helden von Vdodin, diese Heldenpriester, die doch immer, im KriegWvie im Siege, mehr Priester denn Helden gewesen, und geblieben sind. Warum spricht man soviel vom starken Arm Bar Kusibas? Ich rate, noch zu warten, tvas die nächsten Tage bringen." „Nein", ertviderte Rabbi Akkiba mit zitternder Stirüme. „Wir haben keine Zeit und keine Kraft mchr, zu warten. Jeder Dag und jede Stunde kostet uns viele unserer Besten. Die Einen wandern in Ketten geschmiedet nach Rom, die Anderen freiwillig in dre Verbannung und viele suchen in diesen Tagen der Verwirrung Heil und Halt an neuen Lehren, von einem neuen Messias und seinen neuen Aposteln aus-

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