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Der Israelit · 1923-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1923) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1923)
Date
1923-03-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ä. MSrz lSM Dankbarkeit, Ehrfurcht, Gehorsam,' Vertrauen, Gr- , gebung in seinen Willen. Dann die Pflicht des GebelS, -es Thorallrnens. Hierauf die Pflichten gegen die Menschen. Dann „die äußeren Erinnerungszeichen an Gott und seinen Willen", (rsrspyo xvotfc). Der folgende Hauptabschnitt behandelt Sobvat und Festtage, der folgende den Gottesdienst, dann die Speisegesetze, schließlich das jüdische Leben. Bet genauer Anweisung über die Ausführung der rmv und die Herstellung der erforderlichen Ritualien nimmt der Verfasser Gelegenheit gegen die Kritik Stellung zu nehmen oder gegen die Aenderungen, welche die Reform glaubt sich an Thora- . destimmung und Mir lag erlauben zu dürfen. Auch auf das Kleinste und Unscheinbarste, was bei Ausübung der Mtzworh sich in manchen Kreisen eingebürgert, wie z. B. das Betupfen der Augen mir dem Rest des Habdolahwetvs, weist der Verfasser hin, nichts derartiges im jüdischen Leben ist ihm gleichgültig und er weist, solche Gebräuche durch den geistigen Inhalt, mit dem er sie belebt, als etwas Wertvolles auszugkstalten. Dos Buch eignet sich so recht zu einem jüdischen. Fawilienbuche, es belehrt und erhebt. Die schlichte und Überzeugende vom Herzen kommende, zum Herzen gehende Sprache gewinnt jeden, der aus diesem Buche belehren will und so sei es, das der Verlag in schöner Ausstattung der OeffentUchleitüberreicht, weiten Kreisen empfohlen. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß ick im Verzeichnis der Lehrbücher, die der Herausgeber in dankenswerter Weise ergänzt hat, das „Lehrbuch der israelitischen Religion" von De. B. H. Aue-dach V'ST vermisse. Ferner sei angemerkr, dast S. 381, Z. 13 „Mutter" wohl ein Druckfehler ist. Prof. Sulzbach. * Der Eniwickluu.qsgedanke in der gegenwärtigen Natur- und iKeisteswisienschaft. Em Ring gememverständucher Vvrteiungcn für Hörer aller Abteilungen, gehalten an der Erlanger Universitär tm Winter 1921/22 von Dr. Albert tzlei schm ann, Professor der Zoologie, und Dr. Richard Grützmacher, Professor der Theologie. Erlangen 1923. A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung. Es ist der Geist wahrer Wissenschaftlichkeit, der aus diesem schönen Buche, namentlich aus den Vorlesungen Fletschmanns.zu uns spricht, und es verdient besonderen Dank, dast der berühmte Zoologe es nicht verschmäht har, durch eine bewußt einfache, auch dem gebildeten Laren verständliche Ausdruüswetse die oft gar nicht so einfachen Probleme, die au der Grenze der Erkenntnistheorie und der Naturwissenschaft wöhnen, klarzulegen. Die Erschütterung des religiösen Weltbildes durch den Darwinismus und den Häckelianismus hat zwar in der allgemeinen geistigen Atmosphäre der Zeit den Höhepunkt ihrer wirksamen Kraft längst überschritten, aber man darf doch den Eindruck nicht unterschätzen, den die mareriaustischerr Systeme auch heule noch gerade aus die jugendlichen Mediziner und Naturwissenschaftler an den Universitäten machen. Die Entdeckung nun, mit welcher Füue von Scheinbeweisen, Trugschlüßen und Denkfehlern diese Systeme arbeiten, bedeutet für manchen ein Stück geisttg-reitgiöser Gesundung und ebnet am raschesten Leu Weg in die Welt ^neS von Kar t erleuchteten kritischen Denkens. Der zweite Teil der Vorlesungen, der von dem Theologen Grützmacher stammt, rft für uns Juden um deswillen besonders tmereffarrt, weil Grützmacher den dekannten chrtstlich-rheologischen Gedanken von der Höherentwicklung des Christentums über das Judentum hinaus ebenso energisch ablehnt, wie Len Entwicklungsgedanken überhaupt. Dieser sei rviffeuschafritch absolut unerwetölich und gehöre durchaus dem Gebiete des übersinnlichen. Glaubens an. Ob Grützmacher damit nicht zuweit gehl, bleibe dahmgestellt. Jedenfalls ist auch feine etwas radikale Anschauung ein; wohltätiges Gesundbad gegenüber den Ausschweifungen der „Religionsgeschtchte-", auf deren Arbeitsgebiet jeder phamastebegabre brbelkrittsche Kandidat dex Theologie seine wiffenfchaftltchen Sporen verdienen zu können glaubt. Wertvoll find die jedem Kapilel des Buches angefügten Quellennachweise. : m Juden in der deutschen Literatur. Essays über zettgenösfifche Schriftsteller. Hrsg, von Gustav Krojanker. Berlin 1933. Welt-Verlag 359 S., geb. Man kann das vorliegende Buch unter zwei verschiedenen Gesichtswinkeln betrachten,dem politischen und dem wissenschaftlichen. Politisch gewertet, ist es eine hocherfreuliche Erscheinung. Stau dem blöden antisemitischen Gezerer über den „zersetzenden" Einfluß der jüdischen Literaten eine unfruchtbare Polemik entgegenzusetzen, bemühtes sich, einige zwanzig Charakterköpfe deutscher Schriftsteller von berufenen Kritikern zeichnen zu lassen und diese Schriftsteller wegen ihrer jüdischen Abstammung in bewußter Entschtedenhett als Juden zu reklamieren. Das ist — politisch — die einzig richtige Methode. Ihr schnüffelt nach Judentum — wir Helsen Euch und sind stolz auf unsere Kulturleistung, die sich in keiner Weise zu ver» stecken braucht, weder ästhetrfch, noch ethisch. Der Ehrgeiz des Herausgebers geht mdeffen viel weiter. Lr glaubt durch die Sammlung dieser EffayS, Der HrrarW. von denen jedes ganz selbständig durch einen besonderen Autor aus Grund persönlichster Seelenfoischung geschrieben ist, gewissermaßen experimentell den wissenschaftlichen Nachweis einer eigenen jüdischen Kullurnote innerhalb der deutschen Literatur erbracht zu haben. Und dieser Nachweis scheint uns durch fein an sich ungemein fesselndes Buch keineswegs erbräche. Daß diejenigen Schrif - steller, deren Werk wie das von Bub er, Brod, Zweig, Beer-H ofmann, inhaltlich mir dem Judentum verknüpft ist und, die jüdische Stoffe bearbeiten, die jüdische Getstesindividuaiiiät darzubieten scheinen, ist selbstverständlich. Wie aber steht es mil den Niänmrn wie Wassermann, Kerr, Hofwannsthal, Altenberg, Schnitzler, Moritz He im ann u. a. wehr? Hier müssen wrr gestehen, daß uns die ganze Problematik dieser literarischen Raffen-Psychologie noch selten so aufdringlich entgehe»'getreten rft, wie in diesem Buche, das eben durch die Selbständigkeit seiner Auroren Mne Widersprüche scheu: und keine künstlichen Einschachtelungen vorntmmr. Wenn der eine den Witz, der zweite die gesteigerte Geistigkeit, der dritte die Ruhelosigkeit, der vierte die prophetische Pathetik als jüdische Wesenszüge begreift, wenn Tropen und Bilder von orientalischer Prägung aus dem Blute eines Schriftstellers erklärt werden, so spielen eben Tendenz, Geschmack, individuelle Geschichtsauffassung des Beobachiers die entscheidende Rolle und man hat das Gefühl, daß man schließlich jeden Komplex von literarischen WesenSzügeu bet geschickter Gruppierung jeder bestimmten Raffe oder auch jeder bestimmten Kultur zueignen könnte. Gerade die Juden har ihr Schicksal so früh und gründlich in das Gewoge der Nationen hineingespült, daß c» schier unmöglich ist, das original und gemeinsam Jüdische von dem aus der Umwelt, aus Natur und Geschichte Angefiogenen zu scheiden. Hie und da bricht auch bei den Autoren des Buches in ganz deutlichen Worten diese Erkenntnis durch, trotzdem der Ptan des Ganzen jeden Mitarbeiter doch immerhin zu einem positiven Endergebnis der Untersuchung hindrängle. Einzelne der Studien haben durch ihre künstlerische Form einen hohen Selbstwert. Ihre Kenntnis vom Judentum haben die meisten der Mitarbeiter aus Martin Bubers Schriften geschöpft, was zwar eine starke Einseitigkeit bedingt, aber immerhin den Vorzug hat, daß das Märchen vom seelenlosen Intellektualismus der Juden auch bei den ntchljüdtschen Autoren von vornherein keine Rolle spielt. Die „entwurzelten" geistigen Existenzen unter den besprochenen Literaten werden daher von keinem dem alten Judentum aufs Schuldkonto geschrieben, wie dies sonst leider oft — nicht nur in evangelisch'theologischen Kreisen — üblich ist. Als Einzelheit sei Alfons Paquers Polemik-gegen die von orthodoxer Sette an Buber geübte Kritik erwähnt; diese Polemik bleibt allerdings — und mußte es in diesem Zusammenhang — zu sehr an der Oberfläche, um die Diskussion weiterbefördern zu können. Alles in allem darf man sich des Buches, das vom Verlage mnstergüirig ausgestattet worden ist, als einer wertvollen literarischen Erscheinung freuen. Personalien. Hers seid, 28. März. Den in den letzten Wochen an dieser Steile v» klagten beiden Todesfällen innerhalb unserer Gemeinde folgte nach wenigen Tagen schon ein dritter von nicht minder erschütternder Tragik. Am Donrerstag, 5. Nissan, war -es, da man die irdische Hülle des unvergeßlichen Moritz Nutzbaum rr'y zu Grabe trug, dessen von felsenfester Gottergebenhe»r und von seitenem Duldersinn bis zum Todkskampf ersültteö Leben es verdient hat, daß man ihm ewige Worte des Gedenkens widmet. M» aller. Fasern seines Wesens unerschütterlich verankert tm Boden unseres heiligen Glaubens, rastlos tätig für die Seinen wurde dreser edie Mensch auf der Mittagshöhe seines Lebens — 41 Jahre alt — nach 8jährigen, schwerem Kampf mit seiner Krichswunde dem Kreise seiner Lieben entriffen. Dem vom Krankenhaus Fulda überfüyrten pn# folgte ein unabsehbares Trauergesolge, ein Zeugnis öer allgemeinen Verehrung des Heimgegangenen nicht minder als der Ausdruck rührender Teilnahme am Schmerze der Hinterbliebenen, die nunmehr 4 sdavon 3 verheiratete)Brüder dem Vaterlande opferten, während ein weiterer Bruder kriegsoerwundet tst. Herr Lehrer Müller aus Tann (Rhön) wehklagte am Grabe, daß er schon jetzt, um Jahrzehnte zu früh, dem geliebten Schwager den letzten Ltevesdienst erweisen müffe, glaubte jedoch, es einem solch Frommen schuldig zu sein, daß man bet seinem Heimgang jedes religiöse Gebot respektiere und deshalb mit Rücksicht auf den Monat Nissan von einem ivvn absehe, zumal da ein jeder — weit über die konfessionelle Grenzen hinaus, das bescheidene, jeder Aufdrwgttchkett abholde, frtedUeoen.de und treuherzige Wesen des Verstorbenen gekannt habe. Ein Gelöbnis, den Hinterbliebenen zum Tröste und zur Ausrichtung aller Kräfte zu widme»» und eine Mahnung an die ntchtjüdtscyen Brüder, durch konfessionellen Unfrieden die Herzenswunden solch schwer betroffener Familien ntcht von neuem aufzureitzen, beschloß die schlichten Worte. Mögen teilnehmende Liebe und oaS Tiwt deS Dahingefchtedenen der hochbetagten Mutter, den ebenfalls , " No. 18 w. U «ette 7 'schw^raeprüften" Schwiegereltern, der tiefgebeugten, rastlosen Witwe, sowie den 8 so religiös erzogenen, noch schulpflichtigen Waisen beziehen. — Mitglieder der. Bundes jüdischer Frontsoldaten zu Hersfeld beschlösse», dem verklärten Kameraden durch abwech'etndes Kad. dtschsagen ein lebendige« Gedenken zu widmen. n"32Jn. Bades» bei Wien, 20. März. Schabbos hachodesch wurde ein Zögling des Aguda Waisenhauses in Bade» Varmizwoh. Früh morgens wurde er im Tempel Mastir aufgerufcn, er trug die Haftorah korrekt und so geläufig vor, wie man es nur von einem Kinde erwarten kann, das eine gute jüdische Schule besucht Nach Mincha versammelten sich alle Vornehmen der Kuliusgemeinde in Baden, an deren Spitze der Oberrallbiner, im „Aguda"-Woist »Hause, um an der schönen Suda-scke! Mtzrvoh leilzunehmen. Ein Freund des Warf nhauscs srrgte für eine solenne Mahlzeit, alle Zöglinge wurden mit Fische, Backereien und Obst bewirtet. Als erster Redner sprach der Barmtzwoh, mit kindlichen aber aufrichtigen Worten dankte er der „Agvda'', die ihm Gelegenheit geboten, eine echt jüdische Erziehung zu erhalten und sich im jüdischen Wtffen zu vervollkommnen, er versprach seine Lebensbahn im Sinne der Anschauung der „Aguda" einzurichten. Hiernach sprach Direktor Jrtedmavn einige gewählte Diwre Thora, worin er den Barmizwoh nahelegre, das hier im Haus Erlerme im ernsten Leben in die Tat umzuwandeln, und auf diese Weise als Zögling des Waisenhauses den Ruhm und die Ehre der„Aguda" noch mehr zu vergrößern. Dann sprach Oberrabbtner Reich, welcher nicht genug LobeSworte über den Erfolg der Waisenkinder ft rechen konnte. Den Schlüße der Feier bildete einige von allen Kindern, die in bester Laune gewesen, vorg-tragenes Smiroih; kurz vor Schabbos-AuSgang schloß da« Fest, das allen Besuchern stets in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Srieflasten. Lehrer G. in N. Es bleibt ein Ueberschutz von 78 Mk. für das zweite Vierteljahr. Herr Lehrer in G Mk. 946 s«r daS erste Bterieljahr für Lehrer, üblicher Preis M. 1650. B. in B. Peffachetnsendung aufgenommene Bespreuung kann erst später erfolgen. > Kantor B. in H. Der „JSraeltt" wird hier am Donnerstag Nachmittag expediert, müßte also unbedingt spätestens Freitag Nachmittag in Ihrem Besitz sein. Etwaige Beschwerden müßten Sie an die Post richten. H. S. in Frankenthal. Postscheck-Nr. der „Agudas Zisroel" tst 6712. Lehrer R A in Mrttelfinn Sie schulden uns 500 Mk. bis 1. 4. 23. I« S., Kaiserslautern. Sie wünschen zu wiffkN, bet welchem Beilag dre von dem verstorbenen Schriftsteller und Gelehrten Dr. Josef Seliger, dem Herausgeber des Krakauer „BaSkol", hinterlaffencn fozial-philosophtschen Schriften in deutscher und hebräischer Sprache zu erhallen sind. Wir wtffen darüber keinen Bescheid, veröffentlichen aber Ihre Anfrage, um gegebenenfalls aus unserem Leserkreise Auskunft zu bekommen. Herr M—hm in Köln. Die Ostjüdifchen Typen des Frankfurter Künstlers Wilhelm Tauber find, wie in der Besprechung angegeben war, tm Verlage von „Sänger u. Friedberg", Frankfurt a. M., Allerheiligenstraße 81, erschienen. Sprechsaal. Butzbach, März 193». Verehrte RedaktionI Erlaube mir dem Eingesandt in Nr. 9 deS „Israelit" bez. des Mazzen-PreiseS und deS Mazzen-Bersandes noch einiges hwzuzufügen, was derOeffentlichkett nicht vorenchalren werden bars. Ich habe bet einer Bäckerei 35 Pfd. Mazzen und 3 Pfd. Mehl bestellt. Die Vorauszahlung erfolgte an» 21. November 1933 mit 4050 Mk. und am 11. Februar 1928 mit 2700 Mk. Am 24. pt. kam die RechltUNg mit folgendem Wortlaut: 25 Pfd. Mazzen ä M. 900 M. 32,500 2 „ Mehl k „ 950 -- „ 1,900 Verpackung „ 3,000 M. 27,400 Ab Vorauszahlung „ 6,750 M. 30,9)0 durch Nachnahmeer hoben. Am 2. l. MtS. kamen 3 in Papier verpackte Packete in verlottertem, schwchiem Zustande an. Ich bringe daS deshalb in die Oeffenilichkett, weil ich nicht weiß, zu welchem Zwecke mir 3000 M. für Verpackung angesetzt worden sind. Im veifloffenen Jahre war die Verpackung meiner Mazzen in Kisten, die ich sofort wieder zurücksandle und heute verlangt man für eine solche Verpackung in Papier und Kordel 3000 M. Bet solch anhaltendem Regenwetter Dtazzen per Bahn ln dieser Verpackung abgehen zu laffen, ist eine Nach, lässtgkeit sonoergletchen. Mit Peffach-Ware, die so verpackt wird und in solch defektem Zustand an Ort und Sülle, wie meine'Mazzen, ankommt, erfüllt man seine religiöse Pflicht durchaus ntcht, wenn auch die Her-

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