Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1923)
- Date
- 1923-03-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 ftr. iS u. U. Der Israelit 3«.Mttz1928 MEcknim sich den Bestinmmnflen des Pariser Minoritöten-Sck»utzverrrages sormeU unterworfen hal, finden sich dessen Bestimmungen in .dem Perfnssnngsentwnrsi' nicht vor. Tie Erlarlgurrg der rnmönlschen Staatsbürgerschaft ist fakultativ deiljenigeu Juden zugestanden, die am 2. August 1914 u i ch t fremde Staatsbürger tvaren. Es ist aber nicht gesagt, daß bis zum Beweise des Gegenteils jeder Jude, der am 2. August 1914 in Rumänien gewohnt hat, als Rumäne angesehen werden muß. Die Behörden können sich also ohne iveiteres den Spaß machen, dem unglücklichen Bewerber um die rumänische Staatsbürgerschaft die B e w e i s l a st dafür a u f z n e r l e g e n , daß er keine m Staate d e r W el t am 2. August 1914 augehört hat. Wenn es nicht gelingt, diese Berfassungs'bestimmungcn dahin umznältdern, daß alle 1914 im alten Rumänieir lebenden Juden ohne weiteres rumänische Staatsbürger werden, sofern sie nicht zugestandenermaßen einem fremden Staatsverbmide angehörten, so wird der Kampf der rumänischen Juden um ihre elementaren Rechte noch immer nicht zu Ende gekämpft sein. Ties gilt natürlich nur für die alten Landesteile, während man den jüdischen Bewohnern von Beßarabien, Siebenbürgen und Bukowina eine - Verschlechterung ihrer staatsbürgerlichen Stellung nicht angcwnnen hat. Verhängnisvoll ist auch, daß die Verfassung den religiösen Gemeinschaften kein Steuerrecht zugesteht. Man darf gespannt darauf sein, welchen Verlaus die Beratungen in den beiden Kammern, in denen auch die agndistische Orthodoxie durch Rabbiner Z i r e l s o h n vertreten ist, nehmen werden. NatirMnu. Sie lllsklen?ur gesetzgebenöen!Mperlckütt. Aerusaler», 3. März. Tie Wahlen zur gesetzgebenden Körperschaft vollziehen sich im ganzen Lande ohne besondere Aufregung, da die arabischen Kreise sich bekanntlich an den Wahlen zum allergrößten Teil n i ch t beteiligen, und für die Juden die Aussicht in einer Körperschaft von 22 Mitgliedern zwei Vertreter zn wissen, naturgemäß den Eifer nnd die Leidenschaft nicht gerade besonders anregt. Zunächst findet die Wahl der Wahlmänner statt, die ihrerseits die Abgeordneten wählen. Im ganzen Lande werden 70 jüdische Wahlmänner zu wählen sein. In Jerusalem mit seilten 16 Wahlbezirken hat der allgemeine Waad Hoir versucht, einen jüdischen Block zu bilden und dabei die unabhängige Ortho- SäsJpessachsest in kalen-mWer Vedeutung. Aach 13 jähriger Unterbrechung feiern wir in diese»: Lahre den ersten Tag nc& am Sonntag, und mannigfache Bestimmungen für nns z-y am rer treten wieder in Kraft. Diese Konstellation gehört zu den seltenen Erscheinungen in unserem Kalender, sie ereignet sich in 100 Jahren ungefähr 7—8 mal. So hatten wir nov sns? -m rer im Jahre 1903, 1910 und jetzt 1923, dann wieder 1927, 1930, um dann 20 Jahre bis I960 auszubleiben. Es dürfte von Interesse sein, daß der früheste und späteste Termin, an welchem nea sein kann, nicht weniger wie 29 Tage auseinander liegen, der früheste ani 26, März, der späteste am. 25. April. Der frühe Termin fand im Jahre 1899 statt, und wird r,CB in diesem Jahrhundert nicht mehr so früh fallen; auch der späteste wird erst wieder im Jahre 1967 eintreten. In diesem Jahre tritt auch der seltene Fall ein, das; das christliche Osterfest mit dem jüdischen zusamntenfäUt. Das christliche Osterfest wird bekanntlich nach den Beschlüssen des Konzils zu Nicäa immer an dem Sonntag gefeiert, der zunächst auf den , Frühlingsdollmond folgt, also wenn dieser Vollmond selbst auf einen Sonntag fällt, an dern nächstfolgenden Sonntag. Der zur Bestimmung des Osterfestes dienende Vollmond ist aber nicht der astronomische, sondern der mittels oer sogen. Epakte berechnete mittlere Vollmond, der 14 .Tage nach dem Neumond gesetzt wird. Man soll damit bezweckt haben, daß das christliche Osterfest nie mit dem indischen ans denselben Tag des Jahres Men könne. , boxte a u # fi v f ch' a ff e tr. AenkgegerMsr- . iff „ Ägudas I i s x-o e l " und Waad Hoir aschkenasi mit bemerkenswerter Energie selbständig i n d e u W^ ahlkampf eingetreten und hat in 9 Wahlbezirken eigene Kandidaturen ausgestellt. Man darf außerordentlich gespannt sein, wie sich die bisher noch politisch ganz unerfahrene Jerusalemer Orthodoxie bei dieser ersten Gelegenheit, die religiösen Ideale des übenlieferten Judentums im parlamentarisch-politischen Leben zu betätigen, bewähren wird. Die löaiilen. Jerusalem, 12. März. Tie Zahl der zu wählenden Wahlmänner wird offiziell ans 246 angegeben. Hiervon sind 126 Muselmanen, 90 Inden, 22 Christen, 8 Drusen. Von der Liste der Agudas Jisroel sind bisher gewählt die .Herren Judelowitz, Rabbiner Bernstein, L e w i n, Siew, O r nst ein, Rabbiner G. H o r o w i tz, S. S o l o - weizik. Von besonderem Interesse ist die Niederlage, die der Redakteur des Doar Hajaum, Jthamar Ben Je hu da, den man den Mut hatte, in einem streng orthodoxen Stadtviertel aufznstellen, gegenüber den Agudakandidaten erlitten hat. Genauere Berichte folgen. Hücherdesprechungen. Das Buch der Pflichten des Herzens von Rabbi Bachja ben Jofef Pakuda. Dis 2., 3. und 4. Pforte der Narurbetrachtung, des Gottesdienstes und des GoriverirauenS, mit einem Vorworte von Dr. Seiigma.m Bamberger,^ 3. Auflage. Hamburg iv32. Bering von Geortz^K r n m e r. Hamburg, hebr. Buchhandlung. *, Hrrzenspftichten, von Rabbi Bachs a benPakuda, übersetzt von E. Baumgarten. Hamburg 1922. Verlag von George Kramer, hebr. Buchhandlung. Der „Chowas hatewowaus^ gehört zu dem klassischen Grundbestände der jüdischen Voiksiitteratur, und die Geschichte seines Einflusses auf die tiefste Innerlichkeit jüdischen Lebens, wen» sie je geschrieben werden könnte, wäre eine der größten Triumphe des „Buches" überhaupt in feinem Verhältnis zum lebendigen Menschenherzen. Von dem in den höchsten Höhen des Intellektualismus wettenden Talmudforscher vis zum jüngsten Schüler der Lehrstube, Chasjtd und Mtönaged, der gelehrte Baal bajls und oer einfache Marktgeher, alle haben sie jahrhundertelang aus diesem Borne jüdischer Ethik Frische, Tiefe, Seelenadel ge. Allein dasselbe siel 1805 (14. April), 1825 (3. April), 1903 (12. tzlpril) mit dem Pefachsesr zusammen und wird außer in diesem Jahre noch 1927, 1954 und 1981 wieder zusammen fallen. Seil längerer Zeit sind in christlichen Kreisen ans prakttschen Gründen, z. B. Schulferien, Bestrebungen zur Festlegung des Osterfestes im Gange und hat ein Vorschlag von Pros. W. Foerster, Direktor der Sternwarte in Berlin, vielfache Zustimmung erhalten. F. schlägt vor, das Osterfest nicht nach dem Monde, soiu ent auch nach der Sonne zu richten und daher die Nachtgleiche nicht an den 21. März zu letten, sondern sie von Fall zu Fall astronomisch vorauszuberechnen. Das Datum des Osterfestes würde alsdann zwischen den 8. und 11. April fallen. Was die Nachtgleiche angeht, so soll sie aus den Tag gelegt werden, an welchem sie jeweils aus einen, ein für allemal bestimmten Merioian fällt. Um allen nationalen und konfessionellen Zwistigkeiten vorzubeugen, schlägt Foerster den Meridian von I e r n s a l e m vor, da jeder andere, in astronomischer, staatlicher oder religiöser Hinsicht maßgebende Merioian einen Zankapfel ab gebe. Prof. Jos. Plaßmann, der den Foersterschen Gedanken lebhaft propagiert, meint naiverweise, daß „wohlmeinenden Juden der Uebertritt zum Christentum erleichtert würde, wenn die Christenheit ihren geschichtlichen Zusammenhang mit dem auserwählten Land und Volke auf solche Art unterstreiche." * In jetziger Zeit, in welcher Erez Israel wieder in breiteren Massen lebhafte und begeisterte Liebe gewidrnet ist, darf jedenfalls der Foerstersche Vorschlag das Interesse auch des jüdischen Volkes erwecken, Wenn ihm auch praktisch für das jiidische Pesachfest eine Bedeutung nicht innewohnt. ... ._< ~ Jos. Bsnder. I schöpft und unendlich find die Spuren, die Rabbenu > Bechajis Kompendium der jüdischen Sittenlehre in der GesamUtleratur des RabbiniSmuS Hinte rlaffen hot. ~ Es ist darum ein wahrhaftes Verdienst um die jüdische Gesamtheit, daß der Kramersche Verlag sowohl in einer vollständigen Ausgabe alS in einem Sonderdruck ein. zelnsr Kapitel den „Thomas halewowauS" für die Gegenwart wieder erschlossen hat, wobei man die un. vermeidlichen Schwächen des anastatischen Druckverfahrens gerne in den Kauf nimmt. Im übrigen ist die Ueversetzung volkstümlich, rein und verständlich und die Ausstattung gediegen. Beiden Werken, die Hausbücher im besten Sinne des Wortes find, ist weiteste Verbreitung zu wünschen. Das Buch Samuel, von Dr. B. Wolf. 1. Band. Verlag von Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M. In guter Ausstattung läßt der rührige Verlag soeben ein Werk erscheinen, das vielen sehr willkommen sein dürste, eine Uebersetzung und Erklärung des ersten Buches Samuel. Die Uebersetzung ist im vorliegenden Falle schon an und für sich eine Erklärung; denn sie beachtet jede Abweichung des Textes vom Sprach« gebrauch, sucht den Grund zu entdecken und läßt ihn bei der Wiedergabe erkennen. Selbstverständlich bleiben dabei auch die Variationen des Keri Ukethtb und die Tonzeichen nicht unbeachtet. Der Kommentar beschränkt sich auf das Notwendige. In den geschichtlichen Teilen der Bibel bedürfen naturgemäß viele Stellen keiner Erklärung. Der Verfasser hebt durch feine Bemerkungen hervor, wie alle Handlungen sich aus der Eigenart der Personen ergeben und z°igt, in welcher ehrfurchtsvollen Gesinnung unsere Weisen an das Lesen der Schrift herangetreten sind. IHN* Geographie Palästinas für Mickel- und Bolks'chnlen. Mit Karten und Illustrationen von Dr. Samuel Klein. Hebräischer Verlag Menorah, Wien. «. Es ist ein ebenso vortreffliches Lehrbuch für jüdische Schulen, wie eine gute Orientierungsschrift für 'palästinafreunde und Palästinafremde. Die jüdische Religion. Bon Dr. Michael Fried l ä n d e r, Frankfurt o. M. 1922. I. Kauffma n.- XX. und 429 S. Das vorliegende Buch ist eine von Josua Friedländer unter tetlweiser Mitarbeiterschaft eines im Kriege gefallenen Freundes abgefaßte deutsche Uebersetzung des 1890 in erster und 1900 in zweiter Auflage erschienenen englischen Meisterwerks des hinlänglich über die Grenzen seines Wirkungskreises hinaus bekannten langjährigen Leiters des „Iewish College" in London. Dem Uebersetzer gebührt reichlicher Dank, er hat die jüdisches Wissen umspannende deutsche Literatur um eine prächtige Gabe bereichert, die ganz dazu angetan ist, reichen Segen in die jüdischen Häuser zu tragen und namentlich die Herzen der jüdischen Jugend für ein frommes thoratreues Leben zu gewinnen. In schlichten, ohne Pathos gehaltenen Worten legt der Verfasser den Inhalt der jüdischen Glaubens« und Pflichlenieyre dar. Die Glaubenslehre lehnt er an die 13 Glaubensartikel Maimontdes'an, bespricht in klarer Weise die Lehren, die wir aus ihnen entnehmen und geht dann in besonderen anschließenden Anmerkungen auf die Kontroversen, die diese Gl aubensartikel ausgelöst haben, ein. Hier sei gleich einschaltend bemerkt, daß die Anmerkungen, die vielfach wtederkehren, zu den schönsten Partieen des Buches gehören. Das reiche talmudische Wissen des Verfassers, wie seine umfassende Kenntnis der Mussar-Literaiur setzen ihn in den Stand über vieles, was dem Laien unerklärbar oder schwer erklärbar scheint, Aufschluß zu geben. So . namentlich die über den SrvöpfungSbertcht, dem die Monisten ihr Dogma entgegensetzen, oder die Unverletzlichkeit der Minhagim, oder die Unzulässigkeit der Gebetresormen u. dgl. —.'Die Pfltchtenlehre lehnt sich an die Zehn Gebote an, die einzeln besprochen und erläutert werden. Namentlich wird hier, da das erste Gebot unbedingte Pflichterfüllung, unbedingten Gehorsam durch daS 'a #n '228 verlangt, auf die Unverletzlichkeit irgend einer Bestimmung der Thora htngewiesenr ist u»S in dem Komplex der Pflichten einiges unverständlich, so gibt uns dies nicht das Rechtes abrogieren zu'wollen, ver Mangel liegt in uns, nicht in der Bestimmung. Auf dieser Grundlage werden dann die Herzenspflichten gegen Gott besprochen: Gottesfurcht, Liebe zu Gott, 5adbar--inks»g «na /iurgavg. NO 2 7>m-? NOV 1L N2V- O r t r Anfang Datum AuSgang UhrjMln. 1923 5683 Uhr Min. Frankfurt a. M. 6 20 31. 14. 7 - 40 Berti« .... 6 30 März Nitzan 7 18 München . . . 6 30 7 22 Löl«. 6 30 7 4* Stuttgart... 6 30 7 83 BreSta« / . . — - — Sttirnbera. . . 6 so 7 25 - - -