Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1923)
- Date
- 1923-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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äs. März ähnliche Verwaltungsmaßnahmen der Länder Sachsen, Thüringen und Braunschweig wenden. Namens des Zentrums begründete Abgeordneter Marx die erste Interpellation, indem er nachwies, daß die. Maßnahmen der sächsischen Regierung durchaus verfassungswidrig seien. Die Katholiken feien verpflichtet, die von der kirchlichen Behörde festgesetzten Feiertage zu beobachten und dürften die Kinder an diesen Feiertagen nicht zur Schule schicken. Die zweite Interpellation wurde vom Abgeordneten Dr. Barth (Dettschnätlonal) begründet. Der Reichsminister des Inneren, O eser, gab in einer großen Rede Auskunft über alle in Betracht kommenden Rechtsfragen und tatsächlichen Vorgänge. Das Retchsministertum hat im Dezember mit den beteiligten Staaten verhandelt und sie zu überzeugen gesucht, daß die Verordnungen zum mindesten nicht dem Geiste der Verfaffung entsprechen, wenn auch der Wortlaut zu Zweifeln Anlaß gebe. Eine maßgebende Auslegung sei jedoch nur durch oberstgerichtliche Entscheidung herbetzuführen. Trotzdem hätten sich die Länder bereit erklärt durch neue Verordnungen auf die zu Tage getretenen' religiösen Beschwerden Rücksicht zu nehmen. Schweres Aergernis im Hause erregte die Rede des sächsischen Kultusministers, F l e i ß n e r, der eine richtige Kultuskampfsttmmung an den Tag legte. Er erklärte rundweg, in Sachsen hätten die Kirchen , in der Schule nichts mehr zu suchen. Selbstverständlich blieben die Parteien Herrn Meißner die Antwort nicht schuldig. Peffadifcoff auf den Dampfern. Ikeme«, 6. März. Eine erfreuliche Mitteilung geht uns von maßgebender Seite zu über wichtige - Bestimmungen der amerikanischen Schiffahrtsgesellschaft „United States Lines" betreffs Verpflegung der jüdischen Passagiere an den jüdischen Festtagen (Peffach). Es sind Maßnahmen getroffen, um alle Schiffe mit den erforderlichen rituellen Waren, Mazzot, Wein usw. auszurüsten. Die Stewards und sonstigen Angestellten sind angewiesen, die Maßnahmen der jüdischen Köche nach jeder Richtung zu unterstützen. Die jüdischen Köche tragen die Verantwortung für die richtige Einhaltung aller diesbezüglichen Vorschriften. Die Direktion dieser Schiffahrtsgesellschaft hat sich durch diese Anordnung sicherlich um die jüdische Emigration ein Verdienst erworbendie jüdischen Auswanderer werden diese Mitteilung ganz gewiß mit dankbarer Befriedigung aufnehmen. Etwaige Auskunft über Einzelfragen der Auswanderung und namentlich der Ritual- »rrMrartts.__ Verpflegung erteilt die General-Vertretung der United States Lines in Bremen und das Büro des Htlfsvereins der Deutschen Juden, Abt. Bremen, auf deffen Mitarbeit so manche erfreuliche Einrichtung zu Gunsten der jüdischen Auswanderer zurückzuführen ist. Gestervetrh. Streift 9er Demeinöeanoeftellfen. Wim, 20. März. Der Verband der Angestellten der Wiener KultuSgemetnde hat beschlossen, heute in den Streik zu treten, weil der Vorstand sich weigert, den Beamten eine 80prozenttge Gehaltserhöhung über die Bezüge der städtischen Beamten hinaus zu gewähren. Man darf wohl annehmen, daß es zu dem Streik nicht kommt, Und daß die Beamtenschaft sich mit einer Abschlagszahlung begnügen wird. Ungarn. Neue Unruhen in BuöapeR. Budapest, 18. März. Ter akademische'Antisemitismus feiert neue Orgien. Tie Hvrthy-Studenten lehnen sich jetzt trotz der Einführung des uumerus clausus an den Hochschulen dagegen aus, daß die wenigen noch zugelassenen jüdischen Kommilitonen die Vorlesungen besuchen. Ohne sich durch die Gegenwart der Professoren stören zu lassen, erschienen die jungen Herren in den Hörsälen, um die Juden hinauszuwersen und zu verprügeln. Es entstanden tumultuöse Szenen, die sich fortsetzten, als eine Reihe von Stabenten beit Versuch machten, *bte Redaktionslokale angeblich „jüdischer" Zeitungen zu zerstören. Tiefen Ausschreitungen trat. die Polizei mit Erfolg entgegen. Eine der Hochschulen, die volkswirtschaftliche, istgeschlossen worden. SLyweir. 1W5 Sem Bsfeler 6emein9eleben. Aafe5, 16. März. In der Generalversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Basel, die dieser Tage stattfand, wurde mitgeteilt, daß die Mitgliederzahl etwa 500 beträgt. 'Tie Zahl der die Religionsschule besuchenden Kinder ist von 255 auf 228 zurückgegangen. ■ Das Budget balanciert mit etwa 150.000 /Franken. An Unterstützungen für Notleidende und Passanten wurden 27.000 Francs verausgabt. Im ganzen scheint das lebendige Interesse der weiteren Mitgliederkreise für das Wohl und : Wehe der Gemeinde nicht besonders groß, wie _ i4 mm 6 die überaus geringe Beteiligung an der Generalversammlung ergäbt €in neues Attentat der IDarfdiauer DemeinöenermalfunQ. Warschau, 20. März. In der W!arschauer Gemeindeverwaltung, bei der, wie es scheint, auch' daK Unmöglichste möglich wird, ist plötzlich eine neue „Frage" entstanden, die Frage nämlich, ob die Verwaltung berechtigt sei, die Leichen verstorbener Patienten des jüdischen Hospitals der Anatomie auszuliefern, damit sie zu wissenschaftlichen Sektionen Verwendung finden! Daß über diese „Frage" überhaupt eine Diskussion entstehen konnte, ist schon ungeheuerlich gnnng; noch unglaublicher aber die Tatsache, daß trotz des energischen Widerspruchs zweier Vorstandsmitglieder auf Antrag des Herrn Tavidsohn beschlossen wurde, Leichen, für die sich innerhalb 24 Stunden nach Eintritt des Todes kein Verwandter meldet, nicht der Friedhofsverwaltung zur Bestattung zu übergeben, sondern zur Verfügung der Anatomie zu halten. Hiesige Blätter melden, daß auf Grund des Beschlusses in der Praxis bereits in einem Falle gehandelt worden sei. Einem Verwandten, der sich am zweiten Tag meldete, wurde die Herausgabe verweigert, weil eine Unstimmigkeit hinsichtlich des Namens Vorgelegen haben soll. Es kann bei dem ungeheuerlichen Beschlüsse unter keinen Umständen sein Bewenden haben, denn er verletzt das Religionsgesetz und das jüdische Empfinden in einer Weise, daß selbst die geduldige orthodoxe Bevölkerung Warschaus ihn kaum ertragen kann. Rumänien. Die neue rumänifcfte verfaffung un5 öle Juden« Ankarest, 15 März. Im rumänischen Parlament steht gegenwärtig der Entwurf der neuen Verfassung, dessen tauptaufgabe es ist, die neu hinzugekommenen andesteile mit Altrumänien zu einem einheitlichen Rechtsgebilde zu verschmelzen, zur Beratung. Es ist natürlichdaß die Geister hart aufeinanderprallen, und daß die Opposition die Annahme der Verfassung mit allen Mitteln zu verhindern sucht.. Was die Stellung der Juden anbetrifft, die nach ihrer langen Leidensgeschichte seit dem Berliner Kongreß endlich eme hochherzige und von jeder Schikane freie Lösung des Judenproblems erhofften, so ist leider eine starke Enttäuschung zu konstatieren. Während Zwei literarische Ereignisse. Die. Druckerei Ronr in Wilna erfreut die jüdische Welt durch die Kunde, daß sie einen Neudruck des Jerusal>mischen Talmuds fertiggestellt hat. Der Text ist nach der Petrikauer Ausgabe hergesteM, während die Varianten nqch der Zusammenstellung von Rainer hinzugefügt wurden. Der Ausgabe sind etwa vierzig, zumeist noch unbekannte, nach Manuskripten herausgegebene' Kommentare beigegeben. Das Werk ist in sechs Halblederbäuden gebunden vow Jalkut-Verlag in Berlin zu beziehen. Näheres besagt die Anzeige im Inseratenteil. * Ein halbes Jahr nach seinem ersten Versuch gute Ausgaben von wir« auf dem Wege der Vervielfältigung dem Publikum zu annehmbaren Preisen zugänglich zu machen — die erste Probe war die Herausgabe des >2>«B.2 auf'vB .23£’2 — hat der rührige Serieger ein umfangreiches Werk, den'2y'l2vna nach*) der von R. Sch. Hurwitz^'l durch die Mekize Nirdomtm zuerst edierten Londoner Handschrift des M. B. auf den Büchermarkt gebracht. Die neue Ausgabe bringt die gesamte Erstausgabe einschließlich des CBVDn B2v3lp in einer technisch glänzenden Form. Das Papier ist vorzüglich, der Text ausgezeichnet klar. Er steht keinem Originaltext nach, der Einband ist geschmackvoll, so daß die Ausgabe schon rein äußerlich einen gefälligen Eindruck macht. Der Verleger hält, was er in seinem Vorwort versichert, daß sein Bemühen sich darauf richtet, selten gewordene Litteraturschätze dem Kreise der lernenden und der Wissenschaft in gediegener Form zu bieten. Es ist ein Verdienst des Verlags ein solches Unternehmen unter den gegen- *)’H&,1 “WUS* Nach der Ausgabe der Mekize Nirdomim, neu herausgegeben von I. Bulka, Buchhandlung, Verlag Nürnberg. wärttgen Zeitverhältnissen gewagt zu haben und das Gelingen des Versuches muß von allen interessierten Kreisen freudig begrüßt werden. Der Preis ist in Anbetracht der Unkosten keineswegs als hoch zu betrachten und es darf erwartet werden, daß die Kreise der D'2b£ und aller, die Sinn für jüdische Lttteratur. Werke desitzen, auch ihrerseits das Opfer der Ausgabe für Anschaffung deS 2BB nicht scheuen werden — gering im Verhältnis zum Wert deS Buches. In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine Merkwürdigkeit Hinweisen, die der erste Herausgeber, Rabbiner Hurwitz b"t nicht behandelt hat. Bekanntlich zitieren p;un n*i ay '3 711222 rpsam vom na’i nvnv eine Erklärung von 'Ul «22 'BP «rr sv« dahingehend, daß dieser Satz ein Doppelgebet enthält: Erstens «rr «22 'p' DP der jetzt nur zweibuchstabige Name Gottes möge in seiner vollen Größe wieder vierbuchstabtg in Erscheinung treten (mit Anspielung auf abv DPn p«). Zweitens: *p2B .... xn» dieser Name sei gepriesen. fliBBtti weisen nach, daß diese Auffassung unhaltbar ist, da die «2D5 in hebr. Sprache sagt: *p2B 2H32 «BP «n\ Es ist nun merkwürdig, daß in dem und vorliegenden '2VN 2ima diese Erklärung des 2*P «rr ja« gar nicht enthalten ist. Der l"na gibt vielmehr nur folgende Erklärung des pnpivi diIn Zukunft wird der Name GotteS als groß anerkannt fein, da alle Völker den Ewigen änbeten werden. Er wird ferner heilig werden. Jetzt nämlich dürfen wir ihn nicht in der heiligen Sprache sprechen, vielmehr ist die gebrauchte Form '32« aramäisch, wird er Piip werden, d. h. pp'» P2pn gesprochen werden. Das Gebet lauter also: der Name '.2 möge anerkannt und wieder in seiner ursprünglichen Form in der heiligen Sprache gesprochen werden. Damit erklärt l"na die Anwendung von zweierlei Sprachen im P'2p-Gebet. Es beginnt mit den hebr. Worten, weil eine Anlehnung an den :piss 'np-ipnni Tb23lfn vorliegt. Die Erwähnung des aramäisch gesprochenen ap veranlaßt die Benutzung der aramäischen Sprache, dann fährt der p'2p fort: 1"23 «adr>2 «22 «BP. Die aramäische Sprache wird nun betbehalten bis zur nochmaligen Erwähnung des «22 'ap und fährt dann mit 3"21 ^2251' hebr. fort bis wiederum der BP erscheint, wo dann wieder aramäisch fortgefahren wird. (Der Text scheint hier nicht ganz korrekt zu sein und ist wohl nach ü Pp '"P2B B2ir,2 zu korrigieren.) Eine Erklärung zu «22 "BP «,2' gibt der l"rtB weder hier noch weiter r-v }B'D, wo ebenfalls das P'2p behandelt wird. riBDin muß also eine andere Handschrift deS 1 na Vorgelegen haben. Auch im BN2212« wird in der Erklärung zur .223.2 vom 1"nö manches zitiert, was sich in unserer Ausgabe nicht findet. H. B. zitiert er eine Frage vom l"na, warum eS nicht heißt, 1-2' «Bnv «r». Ferner schreibt 217121: BI22212« «7« D'23tB2 dPin&b 13".2 DHDJMPB J3'D23 tÜ2 1"NB2 D'23tB2 13"!2 B'22J>1PB (auf dieses letztere hat mich mein geschätzter Freund, Herr Rabbiner Dr., ManneS Schwabach »"3 aufmerksam gemacht); auch aus diesem Autor ist zu ersehen, daß eine andere Rezension de« 1"NB existieren muß. ES ergibt sich aus dem Vorhergehenden, daß nach der von riiBBiri dem i"hd zugefchrtebenen Auffassung des «22 «BP «re, 'BP mit'» zu schreiben ist, da ja 'HP zerlegt werden soll in BP und "p'. Dagegen ist nach der uns vorliegenden Erklärung des i"NB, obwohl er "BP mit'' schreibt, das'» nichts als eine mater lectionis. Daher hat der Gloffator zu i"v }a>a, der wohl tm Sinne des l"nB die Form »bwi verteidigt, recht, denn auch nach dem i"NB enthält das «22 «ap «m auch wenn man 'B7P71 mit 1 spricht, nur 28 Buchstaben, da das 2 fortfallen kann. Die diesbezügliche Bemerkung des Herausgebers trifft alsi» nicht zu. Rabb. Dr. Klein.