Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1923)
- Date
- 1923-03-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450238-2450250--70429-2527678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
L. Skr. 18 u. 14 &vx JSraeltt. begegnen, hält sie von der Emigration nach Palästina zurück. So vereiteln die Zionisten selber den jüdischen Zuwachs in Palästina durch Emigration. Andererseits bewirkt die Ueberfulle unpraktischer Schulen negativer, materialistischer Richtung, welche die Zionisten in Palästina geschaffen haben, die Auswanderung der örtlichen Jugend, nach Absolvierung jener LehrarrstalLcn, nach Amerika und Europadie großen Summen, welche die Zionisten auf ihren Schulen verschleudern, schwächen und vermindern somit den natürlichen Zuwachs der Juden in Palästina und schädigen ihre erwünschte Kolonisation, auf welche so viele Hunderte Millionen Marken und Franken verausgabt worden sind. 'Es' ist daher kein Paradoxon, wenn von orthodoxer Seite behauptet wird, daß die Zionisten, weit mehr als ihre Gegner, den e r w ü n s ch t e n, echt jüdischen Z i o n i s m u s untergraben und eine fruchtbringende Kolonisation Palästinas durch ihre unjüdische, taktlose Politik verhindern. Sie bauen auf ihre verschwenderische, höchst kostspielige Agitation und Propaganda, auf ihre Prahlereien mit ihrer quasi diplomatischen Gewandtheit, die bis jetzt tatsächlich nichts gebracht hat als Enttäuschungen auf Enttäuschungen, denen, die so naiv waren, auf die vorgespregelten zionistischen diplomatischen Erfolge ihre Hoffnung zu setzen. 'Die Kolonisation Palästinas -ist an sich eine so sympathische und solide Bestrebung, die keiner verlockenden Vorspiegelungen bedarf. 'Dieselbe will ehrlich, geräuichlos, bescheiden, plan- und zweckmäßig betrieben werden, ohne schreiende Reklame und schädliche, unbesonnene Prahlereien, worin leider die Zionisten Meister sind. Wäre die stille Arbeit der wohlgesinnten Jehudim, die die alten Kolonien geschaffen haben, geräuschlos und solid fortgesetzt, ohne alle diplomatischen Schwindeleien, die Kolonisation Palästinas wäre unvergleichlich besser gediehen und stieße auf viel weniger Hindernisse, als bis jetzt durch die ungebetene Bevormundung und Führerschaft der Zionisten. Es ist der von ihnen ersonnene politische Zionismus, der das ganze Judentum und den Judaismus ersetzen und erschöpfen soll, in Wirklichkeit aber nichts mit den Idealen und Verheißungen des Judentums zu schaffen hat. Die gesetzestreuen Juden, weil sie an die unausbleibliche Rückkehr in das gelobte Land der Väter unerschütterlich fest glauben und weil die Kolonisation Palästinas im Geiste der Thora für sie eine heilige Sache ist, müssen die unwürdige, unjüdische Politik und Propaganda der Zionisten verschmähen und in ihren --Bestrebungen ihren eigenen Weg gehen, voll Zuversicht, daß die Worte des Pro- 8 pheten "1PVTÖ 'rrh-n mir) XLN ll'LV '2 leben dige Wahrheit werden wird. eonerpovaenre« u. llaeimcdkev. Deutsches Reich. Irankforl a. 38.,' 27. März. Der unab hängige Verein israelitischer Lehrer im Volksstaate Hessen teilt Folgendes mit.i Der Jahresbeitrag für 1923 (eirischlichltch Mk. 300.— für den Bund) beträgt Mk. 400.— . Die Mitglieder werden gebeten, diesen Betrag baldigst auf Postscheckkonto Nr. 11480 Frankfurt a. M. einsenden zu wollen. TTÜffeieuropälfchs misradii-Honferen?. Merlin. 16. März. Die Verhandlungen der hier stattgebabten Misrachikonferenz, über deren Eröffnung bereits berichtet wurde, fanden unter dem Vorsitz der Herren Färb stein-Warschau, Rabbiner A m i e l - Antwerpen und Oberrabb. Dr. B r o d y - Prag, statt. Die Verhandlungen betrafen in erster Reihe Oraanisationsfragen, wobei durch sämtliche Reden eine stark pessimistische Note klang. Austerlitz-Wien Mes auf die Notwendigkeit hin, den zionistischen Instanzen gegenüber eine weit entschiedenere Tonart im Interesse des jüdisch-religiösen Lebens anzufchlagen, bis jetzt habe der Misrachi einen nennenswerten Einfluß nicht ausüben und die öffentliche Verletzung des jüdischen Religionsgesetzes innerhalb des zionistischen Stedlungswerkes nicht verhindern können. Podhorzer- Lemberg tritt für selbständige Kolonisattonsarbeit des Misrachi ein, .anstelle der Konzentrierung aller Kräfte auf den Keren hajesfod. Die Orthodoxie habe recht, wenn sie ihr Geld nicht für die Förderung von Kewuzos Hergeber? wolle, in denen ein unjüdifcher Geist herrsche. Einen wesentlich „toleranteren" Standpunkt vertritt Rabbiner Kaplan aus Kowno. In der zweiten Sitzung hielt Rabbiner Amte! ein Referat über die „geistigen Probleme des Misrachi", das noch im Wortlaut vereinen ebenso merkwürdigen wie rätselhaften Brauch kennen. Als inan nämlich beim Aufsagen der Hagada zu der Stelle: „Lefikoch anachnu chahabim" kam, kommandierte der Bal-Häbajit (Hausherr) mit lauter Stimme: „Fuß in die Hand!", und alle Anwesenden folgten pronrpt diesem Kommando und sagten die betreffende Stelle, indem sie dabei ihren rechten Fuß ansaßten. Da bald nach diesem Stücke die Mahlzeit beginnt, bei der eine Unterhaltung gestattet ist, brauchte der Bachur seine Neugierde nicht lange zu zähmen, um den Grund dieses seltsamen Brauches zu erfahren. Auf seine Frage, warum man beim Sagen dieses Stückes den Fuß anfassen müsse, antwortete ihm der Wirt ganz entrüstet: „Was? Sie wollen ein Bachur sein und wissen nicht einnml, was in der Hagada steht? Hier, überzeugen Sie sich selbst," sagte er und schlug seine schon ziemlich alte.Hagada auf. Der Bachur las and wußte Bescheid. Ueber der kritischen Stelle stand in jüdisch-deutschen Lettern: „Bei Lefikoch limmt M»N den DIB in fit** »in Zufall, vielleicht die Rauheit des Papiers, mochte )eim Druck den Punkt im ersten Buchstaben verzerrt and mit dem oberen Teil desselben verbunden haben, sodatz aus dem 2 ein & und aus dem sw (Becher) :in &1ft (Fuß) geworden war. 4. Als man sich über ein ebenso reiches wie geizige» Äemeindemitglied unterhielt, meinte einer, es könnte hm doch garuicht cntft sein, wenn er an den Sederchenden das vorgeschriebene: „Kol dichsin jesse ve'jechol (jeder Hungrige komme und esse) sage. »Gewiß nicht," bestätigte ein anderer. Darum fragt a auch das Kind ganz erstaunt: ma nisch-tano halajlo ' iase mikol halelos? (Warum unterscheidet sich diese - Nacht von allen andern Nächten?) „Und die Antwort des Vaters ist der Frage angepaßt," sagte ein dritter. Sie lautet: Abadim hajinu lefareo (Wir waren Pharaos Knechte), das will nach Raschis Erklärung zum Wochenabschnitt Wajigasch sagen: Wie Pharao beschließt und nicht aus führt, verspricht und nicht hält, so mache ich es auch. (Ans dem zweiten — noch unveröffentlichten Teil — „Rabbinischer Humor" von Dr. P. Jacob Kohn). Schir haschirim. Rechtzeitig zum Pesach-Festp bietet Distrikt srabbiner Dr. R. Breuer aus Aschaffenburg dem jüdischen Leserkreise eine Festesgabe dar, welche sicherlich auch in den Kreisen derjenigen, die mit den früheren litterarischen Produktionen des Autors sich nicht immer einverstanden erklärten, vollen Beifall finden wird. Bereits vor il Jahren hat der Verfaffer einen Kommentar zum hohen Liede geschrieben, ohne dabei deffen ältesten Kommentar, den Midrasch Schir Haschirim, zu berücksichtiaen. In dem vorliegenden Werke holt Breuer das Versäumte nach und versucht es unseres Wtffens zum ersten Mal, einem deutschen Leserkreise die wundersamen Erläuterungen unseren Weisen zu Schir Haschirim näher zu bringen. Wer auch nur einigermaßen Kenner des Midrasch Schir Haschirim ist, weiß, welche Schwierigkeiten rein technisch einer Wiedergabe dieser Allegorie in deutscher Sprache entgegenstehen; noch viel schwieriger aber ist das Ausweisen des Zusammenhanges zwischen den einzelnen kühnen Bildern und Geschichten, mit welchem die Weisheit unserer Weisen fast jedes Wort des hohen Liedes begleitet. Der Autor hat eS aber verstanden mit geradezu unheimlicher Sprachgewandtheit nicht nur die - 39. März 1933 öfferttlicht werden soll. Der Redner verlangt die Schaffung einer miscachisttschen Id eölo gie, an der es bisher vollkommen gebreche. In der Debatte meint Lazarus Barth, eine Ideologie könne erst ausgebaut werden, wenn man die Begriffe schärfer definiert habe. Dr. Wolffsberg erblickt im Misrachi die Partei der geistigen Kompromisse,- es sei seine Aufgabe, Tradition und Forschung zu versöhnen. In der dritten Sitzung erstatteten Dr. A. Barth und etn Vertreter aus Warschau Pa-- lästinareferate, während der letzte Verhandlungstag der Frage des Weltkongresses gewidmet war. Auf einzelne Aeußerungen der verschiedenen Redner, insbesondere in der am Montag abend stattgehabten öffentlichen Versammlung wird vom Standpuekt der Aguda noch zurückzukommen sein. Ueber die Stellung des Misracht zum K e r e n H.a j es s o d wurden endgültige Beschlüsse nicht gefaßt. Doch besteht eine starke Geneigtheit, selbstständige Sammlungen einzuleiten und sich vom Keren Hajeffod nach den gemachten Erfahrungen zurückzuziehen. In der Debatte berichtete etn holländischer Mtsrachist über die beabsichtigte Ausbildung orthodoxer Chaluzim gemeinsam mit der holländischen Aguda. Eine Dame aus Polen verlange klare Stellungnahme zur Frage des Frauenwahlrechts im Misracht. Ueber den Weltkongreß referierte Dr. A. Barth. Ungeachtet der inzwischen erfolgten Stellungnahme der Agudas Jisroel, die einen Weltkongreß ablehnt und an deffen Stelle eine Wettkonferenz der vorhandenen Organisationen gesetzt wissen möchte, hält der Misrachi am Weltkongreß fest, der von der zionistischen Organisation als Jewish Agency etnberufen werden müsse. Der Referent meinte, daß die von der Aguda angeregte Konferenz gerade den Zwecken nickt gerecht werden könne, dte der Misrachi verfolge: nämlich dte Stärkung der Etnheitsorganisatton des jüdischen Volkes, sowie die Schaffung einer Stimmung für Palästina in den jüdischen Massen, die nur durch öffentliche Wahlen wachgerufen werden könne. Ein formeller Beschluß wurde auch in dieser Frage nicht gefaßt. Jnferpgüafion über Sie Religionsfreiheit in Sachfen. Merlin, 23, März. Im Reichstag standen gestern zwei Interpellationen auf der Tagesordnung, die sich gegen die bekannten religionsfetpdlichen Schulverfügungen des sächsischen Knltnsministers und geaen Wmte, sondern auch den Geist des Midrasch den Lesern zu vermitteln, ohne irgendwie das Midraschwort als Form für eigene Gedanken zu mißbrauchen. Man hat bet der Lektüre das seltene Gefühl, daß hier in der Tat sich die ganze Heimlichkeit des Midraschwortes enthüllt, man gewinnt Verständnis für die grandiose Perspektive, mit welcher unsere Weisen Israels Nationalge'chichte, fein Entstehen, sein Werden und sein Ziel in den Worten Schir Haschirims wiederfanden. „Dieses Lied", so leitet der Autor seinen Kommentar in freier Wiedergabe des Midrasch zum ersten Verse ein. „überragt alle Lieder, weil es htneinschauen läßt in Anfang und Ziel jüdischer Nationalität und in das Wesen jüdischen-Volkstums - weil es einen Garten auflut, in dem sich Gott und Israel lustwandelnd ergehen und in. Worten voll mächtigen Klanges, in Bildern voll berauschenden Dustes, in Geschichten voll zaube. rischer Süße von der Heiligkeit und Ewigkeit ihrer Äebe reden. Andere Lieder, die von Gott »»fr seinem Volke fingen, türmen zwischen beiden eine weltenhohe Mauer auf, die Israel, von Gott gepriesen, oder in Gott preisender Sehnsucht, zu überfliegen strebt. WaS dort Sehnsucht ist, wird hier Erfüllung. Auch das Lied des Größten der Propheten weiß nur vo» GotteS und Israels Liebessehnsucht zu erzählen. „Bon dieser Liebe selbst und von den tiefsten Geheimnissen ihrer Erfüllungen singt nur d as Lied d er Lieder." Wir sind der Ueberzeugung, daß das im Uebrigen auch gut ausgestaltite und relativ billige Werk viel dazu beitragen wird, das Verständnis für den wahren Geist des Midrasch unserer Zeit näher zu bringen. E. Das Lied der Lieder. Uebers, u. erläut.^von Distriktsrabb. Dr. R. Breuer. Franks, a. M. 1923. A. I. Hofm ann.