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Der Israelit · 1923-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1923)
Date
1923-03-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 18 u 14. Teite S SS.. März 19W lästina aufgehört baS Land, zu fein, welches der Ewige geschworen, hat den Nachkomnten der Patriarchen zu geben, was so oft in der . Thora,' die für den Orthodoxen ein unantastbares Heiligtum ist, nachdrücklich wiederholt wird. Ist ja die Rückkehr in das gelobte Land ein Glaubensdogma des orthodoxen Juden, welches mit seinen: M'esfiasglauben eng zusammenhängt, um welche er tagtäglich in seiner Andacht inbrünstig betet. Sollten nicht vielmehr die Orthodoxen lobend die Tätigkeit der Zionisten anerkennen, welche bewirkt haben, daß die siegreiche, mächtige Entente den Zionisnms zur Geltung brachte und England das Mandat auf Palästina verliehen ward. Sind es doch die zionistischen „Poalei Zion", welche erfolgreich irtt Palästina an der Verwirk-- lichung des biblischen Ideals von der Aufhebung (? Red.) des Privateigentums und seiner Sozialisierung und Verstaatlichung unermüdlich arbeite::. Haber: ja keine andere Juden als die Zionisten in den von ihnen in Litauen gegründeten zahlreichen „jüdischen Gymnasien" einen wissenschaftlichen Bibelunterricht eingeführt und die hebräische Sprache zur Unterrichtssprache gemacht. Solche eminente Verdienste der Zionisten sollten doch wohl von der jüdischen Orthodoxiegehörig gewürdigt und bewertet werden!!" ■SiaS geschieht auch, war nreine Antwort, und daher sind wir ausgesprochene Gegner der Zionisten und erachten es als unsere heilige Pflicht, sie energisch zu bekämpfen, weil tatsächlich Niemand dem eigentlichen, echt jüdischen Zionismus so sehr schadet als ober: die Zionisten. Alles, was das Judentum untergräbt, untergräbt eo ipso den Zionisnms. Hat ja bereits der unvergeßliche Begründer des erneuten Zionismus, Herzl hervorgehoben: „Tie Rückkehr nach Zion setzt die Rückkehr zum Judentum voraus." Dadurch aber, daß die Zionisten die Erziehung unserer Jugend in ihre, unberufenen Hände genommen haben und in ihren zahlreichen quasi „jüdischen Gymnasien", die ebensowenig jüdisch, als Gymnasien sind, einen quasi „wissenschaftlichen Bi'belunterricht" eingeführt haben, welcher in Wirklichkeit in einer systematischen gottlosen Entheiligung unserer heiligen Thora durch ein kritikloses Nachschwatzen der antisemitischen Bibelkritiker besteht — schon dadurch allein schaden die Zionisten unabsehbar dem Judentum und in erster Linie den: Zionisnms. Kein anderer als der tonangebende Führer der Zionisten in Litauen, der frühere Minister für jüdische Angelegenheiten har inseinen öffentlichen fotzen, bibelkritischen Vorträgen und in seinem biblischkritischen Pamphlet in'solchen, die Dhora herabwürdigenden, zynischen Ausdrücken sich ergangen, die wiederzugeben meiner Feder widerstrebt. weniger bekannt sein dürfte, möchte ich hier wiedergeben, die mein ehrwürdiger p'tP jikjh wn in seinem hebräischen Kommentar „Sichraun Oscher" — Stdur haminhagim im 1. Teil,' an Hand anderer Kommentare bringt. Bekanntlich wird die Frage aufgeworfen: Selbst wenn wir den göttlichen Beschluß von der ägyptischen Knechtschaft von Jsaks Geburt rechnen, so sind es auch nur insgesamt 460 Jahre, während uns die Thora ausdrücklich berichtet r „und die Zeit des Aufenthaltes der Söhne Israels, welche sie in Aegypten gewohnt, war 439 Jahre" (2. B. M.. K. 12, B. 40). Wie verhält es sich nun mit dem Ausfall der 30 Jahre? (S. Tr. Megilo S Jbn Esra und Ramban zur Stelle.) Rechnet man nun aber auch die Sabbattage während der 210 jährigen Knechtschaft?"m pan, an welchen die Aepypter die Kinder Israels widerrechtlich zur Arbeit zwangen, so werden jene fehlenden 30 Jahre hierdurch, ergänzt (210X52 --- 10920, ebenso 30X384 10920). Unsere Väter, die durch Tradition und Ueberlieferung von einem seinsollenden 430 jährigen Exile im Mizrajim wußten, merkten nun bei ihrem beschleunigten Auszuge die ihnen erlassenen 30 Jahre, schrieben diese den heiligen Sabbattagen zu, an welchen man sie, zu doppeltem Unrecht, zur Arbeit nötigte, folgerten daraus die eminente Heiligkeit der schon von ihren Urahnen heilig gehaltenen Sabbate und nannten ihn, als den ersten Sabbat, den sie noch 210 jähriger ägyptischer Tyrannei wieder feiern durftenmit Recht „Schabbos» Hagodaul". (S. Tr. Sabbat 87 ‘m‘5 'öDin) Soweit von y'BT W! 'TIÜ. Nach meiner bescheidenen Ansicht heißt dieser Sabbat deshalb der „Große", weil an ihm jene Haftora zur Vorlesung gelangt, in der Gott den einstigen großen und furchtbaren Tag ankündigt, vor besten Anbruch Er uns den Prophet Slijahu entsenden wird. Vsr Z-rseM. Wer' aber die Göttlichkeit der Thora leugnet, für den ist Palästina nicht mehr „das Land, welches der Ewige geschworen, den Kindern Israels zu geben"; für den ist es höchstens das Land, über welches die Entente zeitweilig verfügt und auf das sie England ein Mandat verliehen hat. Die Entente hat aber zu gleicher Zeit das ethnographische Prinzip proklamiert, welches im Grunde das historische Prinzip aufhebt, auf welches der moderne-Zionismus sich beruft. Laut dem ethnographischen Prinzip ist es pure Konsequenz von Seiten des englischer: Mandats, . Palästina zu einen: Bestarrdteil eines arabischen Staates zu machen. Sollei: ja ca. 80 % der gegenwärtig ansässigen Bevölkerung Palästinas Araber sein, während Inder: dort eine rvirrzige Minorität ausmachen. Oder soll etrva England, das ca. 100 Millionen Moharnrnedaner zu feinen Untertanen zählt, znlieb der schönen Anger: der zionistischer: Führer, den: von der Entente proklamierten Prinzip und (einen eigenen Lebensinteressen zuwiderhandeln? Für Nits gesetzestreue Juden, an der Göttlichkeit der Thora festhaltend, ist die Rückkehr in das -Land, welches der Ewige geschworen hat uns zu geben, unser unantastbares, gutes Recht, welches vor: keiner Entente der Welt, vor: keinem englischen Mandat streitig gemacht werden darf. Nur der allgntige 'Schöpfer des Alls,' der allein berechtigt ist zu sagen: piKH '2 nur Er allein hat über Palästina zu bestimmen. Und Er hat bereits vor Jahrtausenden ein fitr allemal es für uns bestimmt. Aber die irreligiösen, bibelkritischen Zionisten, welche die Offenbarung leugnen, an den Gott Israels nicht glauben, für nwlche die blinde Natur Alles ist, welchen Anspruch haben sic ans Palästina? Fiir sie müßten die natürlichen Dinge, die Prinzipien der Entente, das englische Mandat, die arabische Majorität maßgebend sein, welche einen jüdischen Staat in Palästina aussichtslos machen. Wir, die an die Allmacht des Allmächtigen unentwegt glauben, ist die künftige Majorität Israels in: „gelobten Lande", wenn auch eine übernatürliche, aber nichtsdestoweniger eine unausbleibliche Tatsache, weil': »*? und daher ist uns die Kolonisation Palästinas, allerdings nur im ewigen Geiste der Thora, eine große, heilige Miztvo: aber ja nur nicht im kommunistischen Geiste der „Poale Zion". Nach der Thora ist das redlich erworbene Eigentum ein unantastbares Heiligtum. Auch nur zu gelüsten nach fremdem Eigentum verbietet das zehnte Gebot. Tie Thora verflucht denjenigen, welcher nur wagt, „die Grenzen des Nächsten zu verschieben." Nur darf nach der Thora das Nach Tr. Eruwin 43 wird der Prophet Elijahu am Ausgang des.'Sabbat erscheinen und die künftige Erlösung soll nach Rabbi Josua («*» n"n) und nach dem Sohar ebenfalls tm Monat Nissan sein (v?t«3 pm pW ID'»). Da nun der Sabbat vor Pesach in eine Zeit mündet, in der sich, wie einst, so auch in Zukunft, große und bahnbrechende Weliereignisse vollziehen werden, so wurde ihm als Wendepunkt und Vorbote einer neuen weltsrtösenderr und menkchenbeglückenden Zettepoche die unS 'rv?8 bald offenbaren möge, der ehrenvolle Beiname „Hagodaul" der „große" beigclegt: n^sj -iück dwd ps» inrrrr ww. Heileres zur Sagabah. 1. Ein Witzbold, hatte sich den Scherz gemacht, diezehn Namen' der Söhne Hamans, die in der Me gillat-Esther ausgezählt sind, aus einer solchen ausznschneiden, um sie in der Hagada-schel-Pessach eines Am-Haarez (Unwissenden) nach den Esser-makot (10 Plagen) einznkteben. Bekanntlich taucht man bei der 'Nennung der 10 Plagen, bei je einer Plage den kleinen Finger irr den Wein und wirft den daran hängenden Tropfen zu Boden. Als nun der Mann mit der bereicherten Hagndn zu dieser Stelle kam, merkte er nichts von der Veränderung und setzte seine Manipulation auch beim Aufzählen der! 10 Söhne Hamans fort. Sein kleiner Sohn hatte aber rin besseres Gedächtnis, und über die Verdoppelung der Plagen erstaunt, sitigte er seinen Vater: „Me kommt es, lieber Vater, daß wir in diesem Fahre 20 Plagen gegen 10 im vorigen Jahre haben?" Eigentumsrecht rächt unbegrenzt, sondern durch Belastung mit sozialer: Servituten begrenzt sein, aber nicht ausgehoben werden. Ter Mensch, ein freies, vernünftiges, individuelles und zugleich soziales, kulturelles Wesen, hat mit seiner Geburt, als ein im Ebenbilde Gottes geschaffenes Wesen, ein unveräußerliches Recht aus Leben und Freiheit mit zur Welt gebracht. Dieses Recht bedingt ein gewisses Eigentum, ohne welches der Mensch entweder fein Leben, oder durch Arbeitszwang seine Freiheit einbüßcn würde. Dieses Recht steht jedem Merlscher: als solchem zu, weil als Menschen sie alle gleich sind. Alle Menschen sind mehr oder weniger durch ihre komplizierte Natur und durch ihre kulturellen Bedürfnisse, die ihrem Wesen nach sozial sind, begrenzt und dürfen nicht unbegrenztes Eigentum haben. Unbegrenztes Ei gentun: erstreckt sich unvermeidlich auf Kosten der Mitmenschen, welche durch Arbeitszwang ihrer Freiheit beraubt werden. Daher begrenzt, wie der Mensch selber ist, muß, nach der Thora, sein Eigentumsrecht sein, begrenzt durch die sozialen Servitute der Thora welche das Privateigentum durchaus nicht aufheben, sondern vielmehr begründen. Ter religionsseindliche, materialistische Ko in« munismnS der „Poalei Zion", dieser prinzipiellen Gottesleugner, verleugnet mit Gott auch die gottähnliche Würde des Menschen, wie auch sein'Recht auf Leben und Freiheit, und ist bestrebt, durch Aufhebung des Privateigentums und durch Arbeitszlvang die Juden in Palästina in willenlose Sklaven zu verwandeln. Was haben diese zionistischen Kommunisten in: heiligen Lande nuferer gottbegnadeten Ahnen zu suchen? Durch ihr wüstes Treiben können sie nur zerstören und nicht bauen, und die Kolonisation Palästinas in Mißkredit setzen und' Pogrome hcrallfbeschwören. Freilich, nicht alle Zionisten sind „Poalei Zion". Es jiitb, abgesehen von Misrachi, auch „allgemeine" und' „politische" Zionisten e tutfci qnanti, aber sie alle treiben eine unjüdische Politik in Palästina und dadurch schrecken, sie die. jüdischen Elemente von der Kolonisation Palästinas ab, die es ehrlich mit den: echtjüdischen Zionismus meinen. Wären es doch Zionisten, welche ians der legislativen Verfassung für Palästina die Ehe TWö'l1 buvrf) rtPilPi nö*Paufheben!vollten. Es sind wahrlich nicht-wenige fromme Iehudin:, die nicht angewiesen sind, in der Emigration materiellen Gewinn zu suchen, welche, von religiösen Motiven geleitet, gern in das heilige Land mit ihren Familien übersiedeln möchten, aber der Gedanke, gerade auf heiligem Boden der Verletzung und Entweihung jüdischer Heiligtümer Vonseiten atttireligiöfer Zionisten.zu „ A m - H a a r c g! " belehrte ihn lächelnd der Pater. „Weißt da denn nicht, daß wir diesmal ein I b bnr - Fahr (Schaltjahr) Haben? . Tie jüdische Satire hat sich von jeher gern des Am-Haarez als besonders geeigneten Objektes ihrer Darstellung bedient. Die Bal-agalot (Kutscher, cm bei den Juden Rußlands und Polens weitverbreiteter Stand) sind die Hauptvertreter des Am-Haarez- Standes und von ihnen kursiert folgendes köstliche Geschichtchen: Die Bal-agalot hatten - um ihren Stand aus der Höhe zu erhalten einen Verband gegründet, dessen Hauptbestimmung dahin lautete, keinen Ben- Thora (Gelehrter) in ihren Kreis auszunchmen. Eines Sabbats wurde der junge Schwiegersohn und Nachfolger eines Perbandsmitgliedes zur Thora aufgerufen. Es war geradr h»r wbschni»: mp an b*r HM&c und als er in ganz korrekter Am-Haarez-Weise den Segen über die Thora gesprochen hatte und die Verlesung des Abschnitts beginnen sollte, unterbrach er plötzlich der: Vorleser mit dem Ruf: „Die Seser-Thvra ist pojsul!" — „Warum?" wurde er allseitig bestürmt. — „Nun", meinte er, hier steht das Wort mp mit einem |5 am Anfang trb einem n am Ende, ich weih ans ez^aoda dosr pp »ni: {«• einem 2 am Anfang und Ende geschrieben wird (das Wort pr in der Hngada hat nämlich eine andere Bedeuttkns,, und heißt: verbinden). Am nächsten Tag flog der „Ben-Thora", der zwei Fehler in der Sefer- Thora zu entdecken irnstnnde geiuesen war, aus oem Verbände. 3. Ein Bachur (Talmudfchüler), der von einen: Am-Haarez zum Gsder eingelad«, war, lernte dort

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