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Der Israelit · 1923-03-22 · Heft 12 (22.3.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 12 (22.3.1923)
Date
1923-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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K*. 12 cscta« & 23. März '.ft 3 Zungen hätte, obgleich sie vielleicht nicht ganz orthodox fein mögen." Arnenikcr. 0!e Zeigen Ssr jüSWen emigrsnten. ÄfW-Hork. 3. März. Hm „New-Dorker Miorgerrjournal" vom 19. Februar lesen ivit: Gestern sind hier 5 große Pas fagierdamp fer angekommen, die viele jüdische Emigranten auZ SowjetruWantz und Polen brachten, die zum großen Teile auf dem Schiffe festgehalten wurden. Tie Emigranten der Lappland", zumeist Juden aus dem galizischen Polen, mußten zurück auf das Schiff, nachdem es dem Vertreter der Hias gelungen war, ihre Landung zu bewirken. Alle Vorhaltungen, Bitten und Nachweise, daß die Auswanderer mit Paß und Visum versehen seien, halfen nichts. Auch nützten nicht die Briefe von den Familienangehörigen in Amerika, die sich verpflichteten,, für die Einwanderer zu sorgen. Am meisten Glück hatten noch die Auswanderer aus Sowjet-Rußland, da ihre Quote noch nicht überschritten ist, am schlimmsten gcht es aber den polnischen Emigranten, deren Höchstzahl längst erreicht ist. Ostgalizien wird trotz der eigenen Autonomie nicht als eigenes Land betrachtet, sondern bezüglich der Quote zu Polen geschlagen, wodurch die Airswanderer von dort sehr im Nachteile such. - '.!Ter Amerikanische Kongreß wird demnächst eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung zu entscheiden haben. In einer Familie, die aus Polen im New-Aorker Hafen anlangte und keine Erlaubnis zur Landung erhielt, genas eine Frau eines Kindes just in dem Momente, als das Schiff amerikanisches Gebiet erreichte.!Tie Frage ist nun, ob das Kind, das im Bereiche der Union das Licht der Welt erblickt hat, in Amerika als amerikanischer Bürger leben und großgezogen werden darf. Tie Hofenbehörden wiesen das Kind zurück, eben-so die auf der Landungsinsel. Nun wird als höchste Instanz der Kongreß darüber zu befinden haben, und man darf begierig sein, wie die Entscheidung dem Neugeborenen gegenüber, ausfallen wird. k!ne Renegafenggfcftldife- Wkw.Yarü. 10. März. Seit einiger Zeit treibt in Amerika ein „Rabbiner" sein Unwesen, der sich als Renegat entpuppt hat. Ein Bes - Tin von Rabbinern in Amerika konnte feststellen, daß ein Mann, der bisher das Rabbineramt in '«der Synagoge von Bronks inne hatte, A p o st a t und Verbrecher schlimmster Art ist, der auch nicht davor zurnckscheute, Zeugnis zu Gunsten der Blutbeschuldigung abzulegen. Tiefer famose „Herr Rabbiner" heißt Jude! Elfenbein, alias Stanislaw Tillinger und hatte, bevor er zu seiner jetzigen Stelle kam, bereits mchrere Gemeinden in Amerika als „Rabbiner" und Leiter von Talmud Thora- Schulen genaseführt. Tie Entlarvung dieses Betrügers ist dem Räbbiner-Verbande zu verdanken, dem von Europa aus Wind.über die Sache zuging. Als Zeuge gegen Tillinger, der seit 1920 fein Unwesen in Amerika treibt, trat der bekannte Schriftsteller Gerson Bader auf, der die galizische Vergangenheit Tillingers genau kennt und sie etwa wie folgt schilderte- Tillinger beendete im Jahre 1895 seine Studien in Czernowitz mit Hilfe des dortigen griechisch-katholischen Erzbischofs, dem er zum Danke den Uebertritt zur griechisch-katholischen Kirche versprach. Trotzdem gelang es ihm gleich darauf, unter falschen Angaben als Hörer am Wiener Rabbinerseminar unterzukommen. Im Jahre 1899. oder 1900 nahnt Tillinger offiziell die Taufe, was seinerzeit auch in der „Welt", in der Ta. Bloch'scheu „Oesterreichischen Wochenschrift" und anderen Zeitungen gemeldet wurde. Von da ab veröffentlichte Stanislaw Tillinger, so hieß er jetzt. ", Der Israelit. ■_ in einem von Jesuiten geleiteten polnischen AntisemiLenblatt 'Artikel, mit denen er nachzuweisen suchte, daß die Juden Christenblut für ihre Osterzwecke gebrauchen. Tiefe Artikel unter Fälschung und falscher Auslegung! von talmudischen Stellen erschienen zur Zeit des Hilsner-Prozesses und machten gewaltigen Eindruck. Zur gleichen Zeit, als der jetzige Präsident der tschechoslowakischen Republik, Professor Masarik, die Juden verteidigte, schrieb dieser „Herr Rabbiner" die schlimmsten Anschuldigungen gegen seine Stammesgenossen. Ein zweiter Zeuge, Professor Selikowitz, stellt fest, daß die neuen gefälschten Zitate, mit denen die Antisemiten im letzten Jahre arbeiteten, fast alle in Tillinger ihren Urheber haben. Nun kommt das Interessanteste und Verblüffendste. Während das Kollegium die Zeugen anhörte und hin und her beriet, ging die Türe auf und herein trat der Beschuldigte selbst. Erkannt, richtete der Vorsitzende, Rabbiner Margolis, sofort au ihn direkt die Frage, ob er seine Identität mit Tillinger zugebe und sich zu den Anschuldigungen bekenne. Nach einigem Sträuben legte Elfenbein-Tillinger ein umfassendes Geständnis >äb. Er unterschrieb dann eine Erklärung, daß er nie und nimmermehr das Amt eines Rabbiners oder Lehrers versehen werde. Vom Rabbiner-Verband ist dann noch eine Erklärung und eine Warnung an alle Gemeinden ergangen, vor dem Ueverlänfer und Verräter Elfenbein-Tillinger auf der Hut zu sein. Man sieht wieder einmal, wie nötig dem amerikanischen Judentum, und vornehmlich dem orthodoxen Judentum, eine straffe Organisation täte. Bei einem geregelten Kehillaleben wäre es einem Schwindler dieser Art gewiß nicht möglich gewesen, eine jüdische Gemeinde in dieser unerhörten Weise irrezuführen. 'Der Ansatz einer solchen Organisation, der Orthodoxe Rabbinerverband, hat aber in diesem Falle gezeigt, was ein einheitliches, geschlossenes Vorgehen zu leisten vermag. UaLitstina. PeMcke »uswsnSerer. Jerusalem, 3. März. Tie jüdischen Verfolgungen in Persien haben zu großen Auswanderungen der dortigen Juden geführt. Täglich treffen hier größere und kleinere lAuswanderergruppen aus Persien ein. Am letzten 'Freitag, kurz vor Sabbateingang, konnte man etwa 40 persische Juden, Männer, Frauen und Kinder im Hofe einer Synagoge sehen, die vollständig fremd und verlassen nach Hilfe 'ausfchauten, die ihnen natürlich auch bald geworden ist. -Zumeist finden sich Verwandten und Annehmer der Einwanderer ein, die für sie sorgen. Tie meisten der eiwvcmdernden persischen Juden verfügen über einige Geldmittel. Zgmptome 9er vellerung. Jerusalem, 5. März. Tie in Jaffa stattgehübte jüdische Arbeiterkonferenz nahm eine volle Woche in Anspruch. Am Sabbat fanden keine Sitzungen statt. Es ist das erste Mal in der Geschichte des' neuen Jischuw, daß Arbeiter Rücksicht auf den Sabbat nehmen, und darf man' darin ein Zeichen der Besserung sehen. Nicht unmöglich ist es, daß die letzte Aussprache der orthodoxen Teputation mit dem Oberkommissar über die Sabbatheiligung in Palästina schon hierbei ihren Einfluß gezeigt hat. Personalien. Hersseld, 12. März. Frau Josef Bacharach hat nach kurzen, schweren Leiden im Blltev von erst 15 Jahren ihre reine Seele ausgehaucht. Sie war eine seltene Frau, deren Wirken gerade in unserer Zeit schmerzlich vermißt werden wird. Im Hause widmeten der Schwiegersohn, Herr Dr. Eisenmann.Nürnberg und Herr Lehrer Stein -Frankfurt, der Heimgegangenen herzliche Worte des Dankes für all die Liebe, die fie ihrem Familienkreise entgegenbrachte. Ein selten großes Geleite folgte dem fviK auf das a^y W2. wo Herr Provinzkalrabbtner Dr. Ca hn -Fulda der Verschiedenen einen ergreifenden nvv.i hielt. Des Lebens tiefste» Ernst und schwerste.Sorge mutzte sie in den Jahre» des Krieges ertragen; und sie schöpfte die Kraft zum seelischen Gleichgewicht aus dem Gedanken “jriwöl -sv2V ’iön:» non; aber auch die Zeiten des Glückes, die ihr später beschicken waren, brachten sie nicht aus ihrer inneren Ruhe und lietzen sie ihre Schlichtheit und tief, innige Frömmigkeit bewahren. Herr Lehrer Eisen» mann-Würzburg dankte mit herzlichen Worten der Verstorbenen im Namen der weiteren Famllie. Nach der sprach Dr. Herz-Fulda im Hause und hob besonders heroor, welch innige Freude sie empfand, wenn ihre Kinder min lernten. n"2Xjn. Vermischtes. Frankfurt a. M, 32. März. Wir werden von sachkundiger Seite gebeten, darauf hinzuweisen, daß Pflanzenfette, die nicht ausdrücklich koscher al Peffach hergestellt find, am Pessach nicht benutzt werden dürfen. Berlin, 16. März. Der Israelitische Forlbtl^ungSverein „Montefiorr" versende! Einladungen zu der am Sonntag, den 2-,. März d. I., pünktlich halb 4 Uhr stattfindenden Generalversammlung. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren, 2. Anträge des Vorstandes und der Mitglieder, 3. Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren, 4. Antrag des Vorstandes. Berlin, 38. Jan. Von der Zentralwohlfahrlsstelle der deutschen Juden wird mitgeteilt: Dem Reichs» Präsidenten sind aus Amerika 13.000 Dollar, daS find. 840 Millionen Mark, zur Verfügung gestellt worden. In Verbindung mit dem Zentralausschutz für die Auslandshilfe ist in einer Sitzung am 8. Dezembrr, bei dem alle großen Wohlfahrisorganisationen, darunter auch die Zentralwohlführisstelle vertreten waren, folgender BerleilungSmoduS festgestellt worden: 30 Millionen erhalten eine Reihe von Verbänden für die Unterstützung ihrer Mitglieder. 35 Millionen solle» von folgenden Verbänden verteilt werden: CaritaS Innere Mission, Zentralwohlfahrlsstelle der deutschen Juden, HauptauSschutz für Arbeiterwohlfahrt, Ausschuß für die christliche Arbeitergenossenschaft. 30 Millionen sollen durch den Zentralausschutz für AuslandShtlfe, Wohlfahrtsausschüssen in 60 Städten zugute kommen. 5 Millionen bilden einen Reservefonds. Die Zentralw ohlfahrtSstelle der deutschen Juden erhält 2^/, Millionen. Angesichts der schweren Notlage, in der sich die jüdischen Lehrer und Kultusbeamten befinden, hat die Zentral» wohlsahrtsstelle beschlosten, 2 Millionen dem Jüdischen Beamtenbund zur Verfügung zu stellen. Mönche», 14 März. Der Israelitische Lehrer, verein für Bayern teilt mit: Die Mitgliederversammlung, die am 1. und 5. April in Würzburg stattfinde» sollte, wird wegen der Halbfeiertage verlegt. München, 3. Jan. In der Zeitschrift „Das Tage» buch" lesen wir folgendes: In der Georgenstratze in München wurde nach Hitlers Maffenveriammlungen spät in der Nacht ein Mann von einer Rotte junger Burschen überfallen und unter Totschlagdrohungen ge» zwungen, den Beweis anzutreten, daß er kein Jude fei. Der Bedrohte wies seine Papiere vor. Dies allein genügte jedoch nicht. Er wurde einer gewaltsamen körperlichen Untersuchung nach bestimmten Merkmalen ritueller Art unterzogen und erst wieder loSgelasten, nachdem diese Probe negativ ausgefallen war. Den scheußlichen Vorfall zu verschweigen, Hätte keinen Sinn, denn der Mann war ein Amerikaner und hat über seine Erlebniste den grotzen amerikanischen Zeitungen berichtet. Auf der anderen Sette verdient der Fall aber schärfste Aufmerksamkeit, weil es sich hier offenbar um eine Uebertragung von Budapester Manieren auf München handelt. In Budapest war diese Art der Zwangsuntersuchung mit Totschlagfolge, wenn das Judentum festgestellt worden war, von den Hejas-Banden zum System erhoben worden. Bei Tag und Nachr spielten sich in den Stratzen der ungarischen Hauptstadt Szenen ab, deren unflätige Roheit und unsägliche Scheußlichkeit jeder Beschreibung spottet. Barmen, 5. Jan. Der Verband der jüdischen Frauenvereine in Rheinland und Westfalen hat beschloffen, seine in der Generalversammlung vom Mat aufgenommene Idee einer Adoption?Vermittlung jetzt großzügig auszubauen und richtet an alle Frauenoerbände und Vereine, die keinem Verband angehören, die Aufforderung, in gleicher Weise ein Werk der Nächstenliebe zu beginnen, damit die Meldungen über die Zentrale von Ost nach West, von Nord nach Süd weitergegeben werden können. Anfragen an die Zentralstelle für Adoptionsvermiitlung sind zu richten an Frau Lina Mosheim, Barmen, Unterdörnerstratze. Mühlen a. N>, 16. Jan. Nachdem sich die hiesige israelitische Kirchengemeinde aufgelöst hat und die drei noch hier wohnenden Familien der Gemeinde Horb einverleibt worden sind, ist heute die hiesige Synagoge an Leopold Stein, Eisenhandlung engroS in Freiburg i. Br., um 180 000 Mk. verkauft worden. Karlsruhe, i3.März. Vom 15. Mat bis 15. Ok» tober findet in Karlsruhe die Große deutsche Kunstausstellung statt. Hierbei ist auch eine Abteilung für alte und neue jüdisch-synagogale Kunst vorgesehen. In dem einen der hierfür zur Verfügung gestellten Räume sollen synagogale, in dem anderen häusliche Kultgegenstände aufgestellt werden. Zur Bor-

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