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Der Israelit · 1923-03-22 · Heft 12 (22.3.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 12 (22.3.1923)
Date
1923-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«Btfte A. Sdr.1L «dl,, * lW»i: ä. MS MhLholoKi« und Märchenliteratur hoch erhabenen Heiligkeitscharakter unserer Neberliesernng. Wenn bei I bin Gorion die Ausdrucksweise, auch an einigen Stelle:: geradezu bedenklich, an anderer: unkindlich ist, so muß das gegenüber dem eminent bilbeubeit Wert des Buches als ganzes Hmgerwmmen werden. Sie sind ja auch nicht so .auffällig, daß man nicht annehrnen kann, daß der Schüler darüber hinweg liest. Dasselbe gilt im Groszen und Ganzen auch vom zweiten Band über „die Erzväter". Bereits in seinem Borwort hebt der Verfasser einige Momente hervor, die sich durch das Buch hindurchziehe;:, und eben diese nrachen es für die Jugeiür wertvoll: die gemeinsame Abstammung aller Menschen, die menschliche Persönlichkeit jener Heroen und ihre Verantwortlichkeit für alles Gute und Schlechte, endlich die phantasievolle Bevölkerung der Natur und Ausnralung der ganzen biblischen Geschichte. Auch der „ B i b e l - u u d T a l m u d s ch ä tz " von I. H. Kohn hat, besonders in der Neubearbeitung von'Tr. S. Bamberger eine poetische Bearbeitung! unserer Agada mit besonderer Berücksichtigung kindlichen Geschmackes und kindlicher, Fassungskraft übernommen. Da er aber für das ganze Haus sein will und nicht nur für die Kinder, da es vielfach in allzuauffälliger Weise mehr erbauen als erzählen will, ivird es immer nur aus eir:en kleinen Kreis jugendlicher Leser beschränkt bleiben können. Ganz arrders die A g a d a-S a m m l u n g von L ew n e r in der Bearbeitung von B. Gottschalk, Barü> 1—5. Da ist Erzählung, ohne daß jemand die Absicht merkt, für die Helden und Ideen zu begeistern, mit allen Borbedingrmgen und Werten einer jüdischen Jugendlektüre, die tief hineinführt in den Blumengarten der Agada. Lonerponaevrev u. üacmckuen. Deutsches Deich. Uom Reichsfchulgefeh. FS erlitt, 18. März. Nach einer Erklärung des Unterstaatssekretars Schulz, des bekannten Vaters des Reichsschulgesetzes, scheint die Regierung entschlossen zu sein, den von der Rechten und vom Zentrum verlangten Aenderungen keinen grundsätzlichen Widerstand mehr entgegenznsetzen, insbesondere die Bekenntnisschule als gleichberechtigte Regelschule anzuerkennen. Hiernach darf man die Aussichten des Gesetzes wieder etwas günstiger beurteilen. Sund gefefcesfreuer jüdifrfier Lehrer. Irankfurt a. M., 18. März. Der Vorstand des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer teilt seinen Mitgliedern mit: „Infolge der enormen Koste ist es uns leider nichtmöglich,unserVereinsorgan einstweilen erscheinen zu lassen. Die Redaktion des „Israelit" ist gerne bereit, Artikel aus Lehrerkreisen, die auch die Allgemeinheit interessieren, zu veröffentlichen. — Den Jahresbeitrag für den Bund haben wir auf 300 Mk. festgesetzt, der an unseren Kassier, Herrn Eugen Ettlinger, Frankfurt a. M., Rückertstraße 45 (Postscheck 5319) baldigst etnzusenden ist." Eine öellhwerSe Ser dsvrWsn lugen- München, 20. März. Der Verband der bayrischen israelitischen KultuSgemetnden erhob durch eine Abord- I nuna bet dem Ministerpräsidenten v.Kuilltng I Vorstellung. Er wies auf die Beschimpfungen der Juden und ihrer Gotteshäuser und auf die Leben und Eigentum bedrohenden Terrorakte hin und erklärte als unerhörte Beleidigung, daß in Versammlungen und in der Presse die Juden und Deutschlands Feinde als innerlich zusammengehörig und voneinander abhängig bezeichnet würden. Es werde als Mangel an Rechtsschutz empfunden, daß solche Behauptungen öffentlich unter Aufreizung der Volksleidenschaft gegen einen großen Bevölkerungstetl ausgestellt werden dürsten. In einer gleichzeitig überreichten Eingabe wird der Rechtsschutz Ser Behörden gegen das gewalttätige und aufreizende Vorgehen Nationalsozialistischer und völkischer Kreise verlangt. Es wird gesagt: „Die jüdische Bevölkerung in Bayern ist nicht gewillt, diese tiefste Kränkung -ihrer vaterländischen Ehre hinzunehmen und ein Verhalten länger zu ertragen, das zur Aufhebung der persönlichen Freiheit und zu öffentlicher Gewalttätigkeit notwendig führen muß und in zahlreichen Fällen schon geführt hat. Sie wendrt sich darum an die Staatsregierung, daß sie einem solchen Vorgehen Einhalt tue und der jüdischen Bevölkerung den in der Verfassung verbürgten Rechtsschutz angedeihen lasse." Ministerpräsident Dr. v. Knilling hat „die Ausführungen der Abordnung in längerem Empfang mit Interesse und Wohlwollen entgegengenommen." Von Ser Misrachi-Konkeren?. Merlin, 12. März. Man schreibt uns:!Am Sdnntag, ben 11. März, wurde in Berlin (wie bereits kurz berichtet) eine europäische Misrachi - Konferenz mit einem öffentlichen Begrüßnngsabend eröffnet. Da eine Anzahl Herren — lt. a. Rabb. Rnbinstein-Wilna — ihr Erscheinen absagen mußten, ist unter der geringen Zahl auswärtiger Delegierter von geistigen Führern des Misrachi nur Rabb. Amiel-Antwerpen zu bemerken. (Rabb. Brody-Prag wird noch erwartet). Von der gewaltigen Kraft des mznynn wie sie bei der Breslauer Zentralratstagung der Agudo zu Tage trat, verspürte man hier kaum einen Bruchteil. Ein ernster Ton. der Resignation über die Palästinaarbeit der Zionistischen Organisation wie über die Leistungen des Misrachi sprach offen aus sämtlichen Reden. Wenn auch einzelne Redner eine Zusammenarbeit mit dem großen Teil der Orthodoxie, der außerhalb des Misrachi steht, wünschten, so ist es doch bedauernswert, daß man noch immer nicht versucht hat, in die Grundidee der Agndas Jisroel, die Idee von der Souveränität 5er mvi, tiefer einzudringen, vielmehr noch immer mit den alten Schlagworten von Parteiwille, Leugnung der Einheit des jüdischen Volkes, Formen ohne Inhalt usw.usw. sowie mit dem Märchen von den „unberufenen Führern der Orthodoxie", „von dem D~srT/ der auf die Anwesenden von den Rabbinern geschleudert" fei, operierte. Sehr offen — so traurig es ist — war das Geständnis von Farbstein-Warschau, daß, was die Wahrung seiner religiösen Interessen beträfe, der Misrachi jedes Vertrauen auf die Führer des Zionismus verloren habe. Auf der Tagesordnung der Konferenz, der allerdings eine konstitutionelle Unterlage fehlt, steht n. «. Stellungnahme zum Keren Hajeffod, Weltkongreß und den sich mehrenden Verstößen gegen das Religionsgesetz in Palästina. 0eftetneiäf* eine Kundgebung der wiener ludenheil. Me«, 18. März. Die in einem gemeinsamen Vollzugsausschuß vereinigten Vertreter aller jüdtschen Parteien und Korporattvnen Wiens haben in ihrer unter Vorsitz des Präsidiums der Kultusgemeinde tagenden Vollversammlung vom 14. d. einhellig nachstehende Kundgebung beschlossen: „Die judenfetndliche Bewegung in Wien und in Oesterreich hat in der letzten Zeit derartige exzessive Formen angenommen, daß die jüdische Bürgerschaft, die sich in ihrer staatsgrundgesetzltch gewährleisteten Gleichberechtigung gefährdet sieht, zu diesen Vorgängen nicht länger schweigen kann. In aufreizenden Plakaten, Druckschriften und Versammlungen wird die Ehre der jüdischen Bevölkerung herabgesetzt, zu Haß und Gewalttätigkeiten gegen jüdische Bürger'aufgefordert und die Lehre ihrer Religion durch Erdichtungen und Entstellungen schwer verunglimpft. Die Bestrebungen nach Einschränkung der Lehr- und Lernfrethert zum Schaden der jüdischen Lehrer und Studierenden begegneten an zuständiger Stelle bisher keinem Widerstand. Als Bürger dieses Staates, welche sich treu zu unserer Republik bekennen, Leid und Freud dieser Staatsgemeinschast teilen und ihre Pflichten gegen die Gesamtheit stets erfüllt haben, verlangen wir, daß die Regierung der zu Feindseligkeiten gegen die jüdische Bevölkerung aufreizenden, die Staatsautorität im Innern und das Ansehen der Republik nach außen schädigenden Bewegung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegentrete. Die Judenschaft Wiens und Oesterreichs ist fest entschlossen, jeder Beeinträchtigung ihrer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung und der Schmälerung ihrer bürgerlichen und politischen Rechte entschiedenen Widerstand entgegenzufttzm. In diesem Bestreben fühlt sich die gesamte Judenschaft Wiens und Oesterreichs, -ohne Unterschied ihrer Gesinnung und Partetrtchtung einig." Ißaien« Rituelle üerpflegung für Soldaten- Warschau, 19. März. In einem flammeicken Aufruf im „Jud" wendet sich Rabbi I srael M!eir aus Radin an die jüdische Oeffentlichkeit in Warschau und Polen, für die rituelle Verpflegung der jüdischen Soldaten besorgt zu sein. Das Zentralkomitee der Schlome Emune Jisroel gibt den lAufruf an seine Ortsgruppen weiter, und ist zu hoffen, daß die Sache jetzt in Fluß kommt und einer befriedigenden Lösung zugeführt wird. Mauen. Nuklvlung 8es llfsuifdien Selm- KvwttS, 15. März. Der Sejm ist aufgelöst worden, nachdem er mit Stimmengleichheit (die jüdischen und polnischen Abgeordneten stimmten mit der Opposition) dem Ministerium das Vertrauen verweigert hatte. Die hierdurch geschaffene Lage ist für die Juden Litauens höchst unerfreulich. Die Neuwahlen sollen Mitte Mat stattstnden. England. klne Paläftina-flnfrage im Oberhaus. «London, 15. März. Lord!Apsley fragte gestern im Oberhaus den llit terstaatssekretär für die Kolonien, wieviel jüdische Einwanderer jeden Monat nach Palästina zugelassen würden, wieviel Chaluzim unbeschäftigt seien, wieviele von ihnen ihrer Religion nach orthodoxe Juden seien, ferner, ob die Regierung sich darüber klar sei, daß eine große Zahl dieser sogenannten jüdischen Kolonisten sich überhaupt zu keiner Religion bekennten. O r m 's b y - G o r e erwiderte: „Der monatliche Durchschnitt deMndischen Einwanderer, die im Jahre 1922 nach Palästina kamen, war 654, für Januar 1923 ist die Zahl 872. Die Gesamtzahl der Kolonisten in Palästina im Februar betrug 2500. Die Berichte lassen nicht erkennen, wieviele von diesen Einwanderern Juden seien. Auf den zweiten Teil der Frage kann ich nicht antworten, aber ich glaube kaum, daß irgend ein Jude als lAusivianderungsland Palästina wählen würde,, wenn er nicht irgendwelche religiösen Uoberzeu-

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