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Der Israelit · 1923-03-22 · Heft 12 (22.3.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 12 (22.3.1923)
Date
1923-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Lr. Mrz HW ^...- _ . m ersten Bänd föill I Rn Mrion GrzLHlnnAn, Wäschen vnd Geschichten wiederge.be::,. die sich im jüdischen - Schrifttum vorfinden, so wie es auch in der nichtjüdischen Literatur Mythen, Märchen und Legenden gibt, die in „1001 Nacht" und ähnlichen Sammlungen enthalten sind. Nun werden zwar die Erzählungen von „1001 Nacht" vielfach der Jugend zur Lektüre vorgelegt, aber durchaus nicht gerade empfohlen, vielmehr gerade von pädagogischen Autoritäten aus gewichtigen Gründen als ungeeignet für die Jugend erklärt. Der Vergleich mit „1001 Nacht" ist unabweisbar, wenn man den ersten Band „Bon Liebe und Treue" liest. Ten überlieferten Legenden, die zum Teil fremden Ursprungs sind, liegt oft unsittliche, zum mindesten keine sittliche Tendenz zu Grunde. Erotik und Sexualität spiele:: in vielen Stücken die Hauptrolle oder sie kommen in einzelnen Terminis zum :Ausdruck, die das ganze Stück für die Jugend ungeeignet machen. Das ist der Hauptgrund, aus welchem der erste Band für die Jugend absolut werderblich ist. Daß einige Stücke wegen ihrer abergläubischen Tendenz, einige wegen ihres Gegensatzes zum Pentateuch nicht ohne Kommentar zu lesen sind, sei für die Orthodoxie nur nebenbei bemerkt. Etwas anderes wäre cs', wenn aus diesem Barche eine Schulausgabe hergestellt werden könnte. In einer solchen müßten wegsallen: Die samaritanische Susanne; Susanne, 'die Tochter Gilkias; Judith (nach dem 1. und 3. Bericht); die Hasmonäerbraut; die Magd und der Sohn des Priesters; der Tod Mariannens, Ärchelaos mch Holofernes; die Geburt Alexanders; Alexander und sein Vater; Paulina; ähnliche Geschichten vom Tempel Wilius; das himmlische Hemd; der Mann mit der Glorie; der Fromme iauä Laodizia; die Zeugen; Bräutiganr und Braut; eine Bekehrung; R. Meir und die H . . . frau; an der Schwelle der Sünde (Befreiung, 'Umkehr, Dirne und Schüler), vom Todesengel; Mathanja; JosNa, Sohn Nnns. Die Probleme und Seelenkonflikie, die in diesen Stücken wirksam sind, die Verhältnisse und die Umgebungaus denen heraus' Menschen und Dinge zur Darstellung gelangen, sowie die Ansdrucksformen sind Kindern fremd oder sollen ihnen wenigstens fremd sein. Wenn uns e:ttgegengehalten wird, warum wir unseren Kindern römische und griechische Götter und Heldensagen zum Lesen geben, so ist dieser Einwand inchl stichhaltig. Denn erstens erhält unsere Jugend sie in einer für sie hergestellten -Auswahl, zweitens aber wird sie ihr so nähegebracht, daß sie sich bewußt bleibt, daß die j Götter dieser MhthvloM me gewesen sind. Aber ' | die „Mythen" des Bornes Judas' knüpfen an Namen und Schriftstellen an, die uns und unseren Kindern heilig sind. Darum mögen die genannte:: „Legenden" des ersten Bandes von noch so hohem literarische:: Wert sein, dein sittlichen Zweck der Jngendlektüre widersprechen sie, für die ästhetische Geschmacksbildung der Kinder sind sie ebenso gefährlich wie fitv die Entwicklung ihrer Religiösität. Den Märchen und Erzählungen, denen ihr Zusammenhang mit der Geschichte Wert verleiht oder ein sittlicher Gedanke zugrunde liegt, steht eine große Anzahl mrderer gegenüber, die keines von beiden auftveisen oder durch die Ausdrucksweise ungeeignet sind. So die Erzählungen: Vom goldenen Tisch; das weise Mädchen mit dem Tiergesicht (könnte in etwas anderer Form verwendet werden); auf der Meerestafel; Tihnon (wodurch geradezu ei »re Verwirrung sittlicher Begriffe erzeugt werden nmß); der Todeskuß; von einem Fremdling (widerspricht jüdischen Anschauungen); die tugendsame Frau und der bekehrte König; die Aerztin; eine ähnliche Geschichte; das fromme Weib mrd der Zauberer; Höbaw und Rahel; Tochter Sahatris; Joeser; Seker; Thilas; Joefer und Rahab (unverständlich); der Vater der Liebenden; von da an der ganze Rest des ersten Bandes. Wesentlich wertvoller ist der zweite und besonders der dritte Band als Jugendlektüre; zwar enthalten auch sie genug Stücke, die in einer eventuellen Jugendausgabe weggelassen und beim Vorlesen übergangen werde:: müssen. Wer sie nehmen lange nicht den breiten Raum ein wie im ersten. Banb. Was übrig bleibt, ist sowohl zum Vorlesen wie auch zur selbständigen Lektüre zu überlassen (zum Teil schon für 12 jährige, meist für 14—15jähAge Knider). Ungeeignet sind vom zweiten Band: Gottesgericht; der wahre Sohn, die drei Schwestern; die Büßer; Jose der Galiläer (wegen des kabbalistischen Einschlags); die Hexengeschichten von S. 185 (selbst die mit geschichtlichem Hintergründe widersprechen unserem modernen Empfinden); Pseudosirach (2. u. 3); aus den Ergänzungen, zur Geschichte des geheilten Jünglings; vom Propheten und dem Blinden. In einer Jugendausgabe oder beim Borlesen müßten außerdem einige Kleinigkeiten geändert werden. So z. B. in dem Stück „Die Lehre speist ihre Getreue::" muß die Bemerkung über die Frauen weggelassen werden; die rote Kuh und die Geschichte von Elieser ben Hyrkanos wäre in ihrer ■ Ansdrucksweise ein wenig zu feilen, „der Armen Bo. 12. gelte 8, Gut" mit den: utilitaristischen. Motiv, Lohn zu empfangen, und Seite 274 von den mythischen Fragmenten besser fortzulassen. Ans den: dritten Band müßte die Jngendnusgabe. S. 46 und S. 48 die sexuellen Ausdrücke entfernen, ferner die Stücke S. 90 u. 95: Ein Wort des Predigers und Bor den Augen des Gemahls wäre wegzülassen, ebenso der' „Fremü) Salonros", der die Frau verprügelt, und „die Genossen des Meisters", die „wilden Mensche:: und Tiere", das „Grab des Athemenes" und „die treulose Witwe" wegen ihres sexuellen Charakters. Der „Brief des Athen:e::es" muß. mit seinen: verallgemeinernden. Urteil über.die Opfer irreführen. Von demselben Verfasser (Berditschewsky) sind „Sagen der Juden zur Bibel" geschrieben worden, von denen mir einsttveilen der erste und zweite Ba:ü) vorgelegt wurde. Dazu sei mir eine Vorbemerkung gestattet. Alle Dinge dieser Welt bergenL^rrvv, Boten Gottes, Engel in ihren: Schoße. Dieser tiefsittliche Kern legt den Grund zur bunten und mannigfaltigen Kosmologie unserer Agada, - in der die Mächte der Natur vielfach personifiziert und die Vorgänge in ihr als Erlebnisse übermenschlich gÄachter Wesen erschienen. Die Schöpstlng der Welt und ihr Bestand sind viel mehr, als die nüchterne bibl. Geschichtserzählung ahnen läßt, eine Offenbarung Gottes, der erste Mensch und die ersten Geschlechter sind durch die geringere Distanz von der Zeit des Paradieses hoch über die heutigen n:enschlichen Maße erhoben. Was die Götter- und Heldensagen der Griechen und Römer nach Plato und Commenins mit einem gewissen Recht für Unterricht und Erziehung ungeeignet macht, das ist die Stellung, die die Götter und Helden zum Sittengesetz einnehmen, die Ebenbürtigkeit des Bösen neben dem Guten, ferner die Unfreiheit, in der selbst der höchste Gott der" moira luocya) gegenüber gehalten ist. All dies ist bei den „Sagen der Juden zur Bibel" nicht: der Fall. Ob sie zur Beseelung der Natur oder zur klareren und anschaulichen Durchführung der sittliche:: Weltordnnng beitragen oder als Vorbereitung zu den Erzählungen des Pentateuchs dienen, in jedem Fall sind sie für unsere Kinder von größerem 'pädagogischen und didaktischen Wert als die Mythologie der Griechen und Römer ebensowohl wie die deutschen Märchen, denen der Zusammenhang mit der Geschichte und vielfach der sittliche Grundgedanke fehlt, der diesen Produkten der Phantasie die einzige Berechtigung gewährt, ganz abgesehen von dem über jeden Vergleich mit irgend einer und dann nach der Ukraine zu gehen, in der Hoffnung, dort als Jude erschlagen zu werden. Er wollte mit dem Tode seine schwere Schuld sühnen. Die Worte machten auch auf Kostia den stärksten Eindruck, und er wollte sich seinem Bruder ünschließen. ES beschloffen beide Brüder zum Judentum überzutreten, allein im Städtchen D.—tz verhielt man sich diesem Versuche gegenüber mißtrauisch und abweisend. Sie aber nahmen das Judentum freiwillig auf sich, ruhten an Sabbat und Feiertagen, hielten alle Fasttage nsw. Wasstl wanderte bald wirklich nach der Ukraine aus und sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Kostja aber ruhte und rastete nicht, erlangte in Belz die Erlaubnis zum Religionswechsel und unterzog sich am 28. Dezember vorigen Jahres der Milohoperation. Als man dabet Narkose anwenden wollte, wehrte er fich dagegen mit den Worten: „Ich habe soviel jüdisches Blut vergoffen und wünsche jetzt, dieses kleine Opfer bet klarem Bewußtsein zu bringen". Er lebt seitdem im Städtchen als Jude allgeachtet, und ist eifrig bemüht, die Kenntnis der hebräischen Sprache und deS jüdischen Gesetzes zu erlange^ Ostjüdische Typen. Bon dem Frankfurter Künstler Wilhelm Tauber ist bet Sänger u. Friedberg eine prachtvolle Mappe erschienen, die eine Serie ostjüdtscher Typen enthält. Die Radierungen erinnern schon in der Wahl der Motive stark an Hermann Struck, doch ist auch die eigene künstlerische Note unverkennbar. Wir sehen ehrwürdige Gestalten in der Ekstase deS Gebetes oder mit dem leuchtenden Auge deS schöpferischen Forschers am Folianten. Der Jefchiwajünger und der Thoraschreiber, roter die Männer beim - Talmuddispute; durchwegs? interrstanie Charakter köpfe, bilden Kunstblätter, die ficherlich in Fachkreisen wie überall tm kunstsinnigen jüdischen Hause Beachtung und Wertschätzung finden werden. S-tz. Die dlesiahrige Tekuphas Man. Bon Dr. Meier Mrmk in Berlin. Zu den Worten des Herrn Rabb. Dr. M. L. Bamberger in Schönlanke in Nr. 11 gestalte ich mir Folgendes hinzuzufügen. Die Tekufa - Berechnung von Samuel entspricht etwa dem Julianischen Kalender, die Tckufah Berechnung von Rabb. Adda dem Gregorianischen. Die Tekufa, wie sie in unserem Luchoth angegeben ist, stimmt mit den Sonnenwenden des russischen Kalenders überein. Der Vorabend des 25. Dezembers alten Stiles ist zugleich die Tekufath Tebeth, also der „Nittel" des Talmuds. Unser Luach ist nun nach dem Tekufa des Rabb. Adda aufgebaut, das heißt, als Länge des Sonnenjahres, die unserem Kalender zugrunde liegt, und nach der in 19 Jahren 7 Monate zum Ausgleich von Sonnen- und Mondjahren nötig find, ist die von Rabb. Adda angegebene von 865 Tagen 5 Stunden, 997 Teilen 48 Momenten (Teil bedeutet V1080 Stunde, also Vl,Minute und Moment V78 Teil, also 10/B28 Sekunden). Der vierte Teil dieser Länge ergibt die Dauer von Tekufa zu Tekufa, 91 Tage, 7 Stunden, 519 Teile und 31 Moment. Die Berechnung des Momentes dieser Sonnenwende ist kompliziert und die betreffenden Daten werden in unserem Luach nicht angegeben. Auf diese Tekufa bezieht fich die Regel, daß sie nicht später aiS der IS. Riffan fallen darf, eS wird auch nie Vorkommen, daß der 15. Ntffan nach dem 32. März ist. (Minchath Ehinrrch, Lemberg 1889, Seite v u. 10). Diese Tekufa» berechnung des Rabb. Adda ist nach „Taschbaz I, Resp.. 108" die richtige, die auch Samuel für gruuvlegendannahm, nur wegen der Kompliziertheit der Berechnung hat er die Länge des SonnenjahreS abgerundet auf 365 Tage 6 Stunden. Dadurch wurde eine bequeme Angabe im Luach ermöglicht. Diese hat halachisch nur Bedeutung für den Beginn der Einfügung von „Tal umotor" und Einführung eines SonnenzykluS von 28 Jahren für „k'dufch hachama", der nach Rabb. Adda nicht existiert. Unsere Weisen bedienen fich deS Ausdrucks : »•ö.ttkj dnwrp nyjjto rnn 21 rioipn Sabbat-flnfana und Ausgang* Ott: Anfang Datum AuSgang UhrMin. LÄ23 5683 Uhr Win. Frankfurt *« M. 6 15 94. 7. 7 80 Berti» ... * 6 15 März Nitzan 7 08 Müuche» . 6 15 7 12. Cöl». 6 20 7 35 Stuttgart. . 6 80 7 98 BreSla» . — — — — SAiruber« - . 6 10 Sa«»«»« . - ... —>

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