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Der Israelit · 1923-03-15 · Heft 11 (15.3.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 11 (15.3.1923)
Date
1923-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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15. März.3 ' - statutiere Und daß es dem Gerste des VertraKs widerspräche, wenn man an die Stelle be# bloßen Wohnens den Begriff des ständigen Domiziles setzt. Leider ist nichtanzunehmen, daß der Antrag irgendwelche Aussicht auf Erfolg hat. Die Stimmung im Sejm ist unbedingt minoritätenfeindlrch und es ist nach Lage der Sache nur zu natürlich, daß sich der Haß vor allen: gegen die Juden 'richtet. Jüöiftfte fnduRrieüe Unternehmungen in Polen- Warschau, 23. Febr. Das „Joint Distribution Committee" hat im Jahre 1S21 unter Leitung von Ingenieur H e l l er eineEnquste über die jüdischen industriellen Unternehmungen in Polen vorgenommen, deren Ergebnisse in 10 Bänden erscheinen werden. Aus dem ersten vorliegenden Band, der 21 statistische Tabellen für Warschau, ferner zahlreiche Diagramme enthält, veröffentlicht Dr. Jakob Segall in der ersten, soeben in Berlin erschienenen Nummer der „Blätter für Demographie, Statistik und Wirtschastskunde der Juden" einen Auszug, dem wir folgende interessante Daten entnehmen: In ganz Polen befinden sich 70000 jüdische industrielle Unternehmungen und Werkstätten, davon in Warschau 12,414, in Lodz 6322, in Lublin 1721, in Radom 1210, in Czenstochau 1154, in Bialystok 1823, in Grodno 1265, in Lemberg 2512, in Krakau 1455. Von den 12,414 in Warschau registrierten jüdischen Unternehmungen sind 11,878-in Betrieb. In diesen Unternehmungen waren 41,694 Arbeiter beschäftigt, davon 33,776 Juden, d. h. 93 Prozent. Die Zahl der jüdischen Arbeiter verringert sich mit dem vergrößerten Umfang des Unternehmens. In Unternehmungen bis 5 Arbeiter machen die Juden mehr als 95 Prozent aus. In Unternehmungen mit mehr als 60 Arbeitern nur 58 Prozent. Beiden jüdischen Arbeitern ist die Arbeit von Frauen viel geringer als bei den christlichen, dagegen die Arbeit von Kindern um vieles größer. Von den 23,826 jüd. Lohnarbeitern waren 60,7 Prozent Männer, 28,1 Prozent Frauen und 11,2 Prozent Kinder. Die jüdischen Lohnarbeiter verteilen sich auf folgende Branchen: Bekleidung (10,994), Ernährung (2783), Metall (1969), Textil (2497), Leder (1251), Holz (906), ferner auf Bautn-. dustrie, Maschinen und Apparate, Papier, Reinigung, graphische, chemische, Gummi-, Kautschuk-, Stein- und Glasindustrie. Von den 11,878 jüdischen Unternehmungen in Warschau wurde gearbeitet: Am Sabbat in 617 Betrieben, d. h. 5,2 Prozent, am Sonntag in 10,301 Betrieben, d. h. 86,7 Prszent, am Samstag und Sonntag in 179 Betrieben, dH. 1,5 Prozent, weder am Samstag noch am Sonntag in 772 Betrieben, d. h. 6,5 Prozent. 94 Prozent der jüdischen Arbeiter Warschaus feiern den Sabbat. Aus obigen Ziffern resultiert, daß auch gegenwärtig noch in Warschau 93 Prozent aller jüdischen Unternehmungen am Samstag geschlossen find. Von 21,976 jüdischen Lohnarbeitern haben 20,560, d. h. 94 Prozent, den Sabbat durch Enthaltung von Werktätigkeit geheiligt. Marren. nusfdireifunsen ii? Koronoto Kswrro, 10. März. Mas zu befürchten war, traf ein. Tie seit Jahresfrist betriebene Hetze gegen die Juden, die besonders seit Einführung der neuen Währung einen gefährlichen Grad erreichte, reifte sich am letzten Donnerstag zu einem Pogrom versuche icms, wie ihn Kowno in der russischen Zeit nie erlebt hat und auch nie, für möglich gehalten hatte. Cm großer HMfen halbiwüchsiger Burschen, untermischt mit Bauern, die zur Stadt gekommen waren, und großstädtischem Gesindel Vrr Avrartrs. stürmte die von Jstden fast ganz bewohnte Alt-; st a d t im Nemenviertel urrd um den Paradeplatz herum und erösfnete ein Steinbombardement lauf die Fenster jüdischer Läden und auf jüdische Passanten. Es brach eine unbeschreibliche Panik aus. Alle Läden wurden geschlossen und es stand das Schlimmste zu erwarten, wenn nicht die Behörden sofort mit aller Energie eingeschritten wären, was ihnen rückhaltlos anerkannt werden muß. Polizei und Militär waren, fobialb die Sache einen ernsten Charakter angenommen hatte, an: Platz, sodaß die Straßen bald gesäubert und die Haupträdelsführer in Haft waren. Doch herrscht noch in der Stadt gedrückte Stimmung. Unmittelbare Gefahr, ist nicht mehr vorhanden, nachdem vom Innenminister eine verstärkte Ueberwachung der Stadt durch Militär an geordnet und die schwersten Strafen für jeden weiteren Versuch der Unruhestiftung angedroht sind. Daß es in Litauens Hauptstadt, wo alle Zeit Juden, Polen und Litauer in friedlichstem Einvernehmen miteinander lebten, jetzt soweit - komme:: konnte, ist das Verdienst einiger Hetzer, die nicht au Hören, in Wort und Schrift die Inden für alles Elend der Welt und speziell Litauens verantwortlich zu machen. Hat doch jüngsthin der Finanzminister einer jüdischen Deputation gegenüber geäußert, er würde keinen Finger rühren, wenn eines Tages „Abrechnung mit den Inden" erfolge. Zum Glück haben seine Kollegen im Ministerium anderes und menschlicher gedacht und ihre Pflicht getan. In den besseren litauischen Kreisen schämt man sich der Vorgänge ein wenig und schiebt die Schuld auf gewisse polnische Elemente. In Wahrheit aber fitzen die Hetzer in allen Lagern, und man darf hoffen,, daß. die traurigen Vorgänge der Regierung die Augen über die Gefährlichkeit der Lage geöffnet haben. Wie uns ferner aus Kowno berichtet wird, fanden die Ausschreitungen im Anschluß an eine Sejmsitzung statt, in welcher die Wahl eines jüdischen Deputierten in das Sekretariat beanstandet und auch! äbgelehnt wurde. Der Zug der Demonstranten setzte sich nachgewiesenermaßen vom Platze vor den: Sejmgebäude aus in Bewegung. Zn bemerken ist noch, daß die Polizei von Offiziere:: mit dem Revolver gezwungen wurde, einige der Verhafteten wieder auf freien Fuß zu setzen. Lettland. ver sksSemislhe flntifemltismus- Hliga, 8. März. Der Spuk numerus clausus hat auch die lettischen Studenten und akademischen Behörden ersaßt. Dem lettischen Sejm liegen zwei Memoranden zur Beratung vor, eines der lettländischen Studenten, die kategorisch die Prozentnorm für die Juden verlangen und ein Gegenmemorandum der jüdischen Abg eor dneten. Zu diesen beide:: Vorschläge:: brachte der Unterrichtsminister von sich ans noch einen Vermittlungsvorschlag ein, dahingehend,, daß die über den Prozentsatz hinausgehenden jüdischen Studierenden nicht ausgeschlossen, wohl aber höhere Gebühren zahlen müßten. Es ist selbstverständlich, daß die jüdischen Abgeordneten auch diesen Vorschlag, der die Entrechtung im Prinzipe billigt, ärtschieden ablehnen müssen. Daß der Unterrichtstninifter Gejlit sich nicht gerade ein objektives! Urteil in jüdischen Fragen bewahrt hat, gcht aus seiner Äußerung hervor, die er bei Besprechung der studentischen Unruhen im Parlamente getan hat. Er ist der Meinung, daß die Juden an der Universität sowohl durch ihren Wohlstand wie durch ihr russisches Wesen „die ruhigen und geduldigen lettischen Studenten provozieren." Der Herr Minister vergißt, daß es noch garnicht lange her ist, daß man aus den «l. 11 Ü russischen Universitäten d i e In den un d die Letten verdrängte. Rumänien. Gin gutes öorbilö in Rumänien- Bukarest, 8 März. Eine Erklärung des Bukarester Universitätssenates stellt zunächst fest, daß die antisemitische Bewegung von den Feinden des rumänischen Volkes in die Kreise der Jugend hineingetragen wurde^um ans diesem Wege in Rumänien Ruhestörungen größeren Stils hervorzurufen. Es heißt dann darin wörtlich: „Der Senat ist bereit, die Universität für sämtliche Hörer, ohne Unterschied der Russe und der Konfession, wieder zu eröffnen. Die in schlechtem Latein Numerus clausus getaufte Bewegung stehe der Seele des rumänischen Volkes ebenso ferne, wie den Traditionen der Universitäten aller gebildeten Völker. Der Numerus clausus ist aus Budapest über die Grenze geschmuggelt worden, wo der gewesene ungarische Unterrichtsminister Stephan Haller im September 1920 ein gleichnamiges Gesetz geschaffen hat. An einer Universität, die sich ihrer Würde und ihrer kulturellen Mission bewußt ist, gibt es keinen Numerus clausus. Sollte ein Teil der Studenten die Vorlesungen an der Universität dennoch weiter stören, so würde die Universität für dieses Jahr endgültig geschlossen. werden." Der Aufruf des Senats schließt mit den Worten: „Die Universitäten dürfen nicht z,ü Brutstätten des Hasses werden, sie müssen wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft die Brennpunkte der Annäherungsbestrebungen zwischen den Völkern und des Fortschritts der Wissenschaft sein, wenn sie ihre Existenz rechtfertigen wollen." IW Rabbineruerbanö in Rumänien- Bukarest, 15. Febr. In Altrumänien hat sich ein Rabbinerverband gebildet, dessen Aufgabe es sein soll, in Verbindung mit der gemeindlichen Gesamtorganisation die religiösen Interessen zu wahren. Der Exekutivausschuß bestcht aus den Herren Oberrabbiner Dr. Nimirower und den Rabbinen Schaf ran, Löbel, Roller, Tennen, B. Roller und Riabinowitz. Amerika. eine orlho8oxe öeitfchriff In Rmerlha- 20. Febr. Seit Mitte Schewat erscheint hier unter dem Namen „The Light of Israel" eine von Rabbiner Dr. Leo Jung herausgegebene Wochenschrift, die im Geiste der „Agudas Jisroel" für das traditionelle Judentum wirkt. Tie Zeitschrift, die durch ihren reichen und vielfältigen Inhalt und durch ihre gediegene Ausstattung auffällt, hat einen englischen und einen jüdischen Teil. Cs ist zu hoffen, daß sie in weiten Kreisen günstige Aufnahme findet und zur Förderung der Orthodoxie kräftig beitragen wird. Uatästina. Palfiffinenfifdie mahlen. Aerusate», 5. März. Das Wahlgesetz für das Legislative Council bestimmt je einen Wcchlmann für 200 Urwähler. Die Urwahlen, die am 20. Febr. beendet sein sollten, mußte:: wegen des bekannten Wahlboykotts der Araber bis zum 7. März verlängert werden. Bis jetzt sind 172 Wahlmänner mit!34000 Stimmen gewählt worden. Ueber die Hälfte (89) der gewählten Wlahlmänner sind Juden. Bis zum Endtermin dürfte sich die Wahlbeteiligung noch wesentlich erhöhen.

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