Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1923)
- Date
- 1923-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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etftc i. *¥. ii Lrr KSraritt. Obiges ist nur für solche Gemeinden geschrieben, in denen kein rmTin fmiö ist und soll keinesfalls einen bindenden POS darstellen. Nur eins wollen wir noch erwähnen. naw njTüW map wird die einstige kommen. "Halten Mr an diesem unserem Heiligtum fest, damit zwir wieder der Erlösung würdig befunden werden. 4j Korrespondenzen u. Kacvncdtt«. Deutsches Reich. kine große Misrscki-ttonkeren?. Aerttn, 12. März. Heute vormittag wurde hier die lange vorbereitete Europäische Misr achikonferenz eröffnet. Tie Tagesordnung umfaßt Palästinaarbeit, Organisationsfragen, Stellungnahme zum nächsten Zionistenkongreß und zum 1 „Keren Hajessod". In einer vorausgegangenen ' öffentlichen Versammlung sprachen die Rabbiner & Aro nsohn-Kiew, Nurok^Riga, Tr. S- E- Rapaport-Baden/Wien und andere. In l einem Massenmeeting heute Montag abend soll K u. a. Oberrabbiner!Dr. Brody-Prag sprechen. M Rabbiner L. Ru bin st ein-Wilna, der als Redner genannt war, ist am Erscheinen ver- : hindert. f \ r Vom Lellrerleminsr. r i Würzöurg/ 7. März. Heute ging die unter Vorsitz des Oberreg.- ß Rates Blaß abgehaltene Seminarschlußprüfung? an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzbürg mit dem mündlichen Prüfungsteil zu Ende. Sämtliche 8 Schüler der 5. Klaffe bestanden den 1. Abschnitt und rücken in Klaffe 6 vor. Alle 5 Schüler der 6. Klaffe bestanden den 2. Abschnitt und werden in die Praxis entlassen. Es sind dies die Herren Frank-Scheinfejd, Jckelheimer-Rteneck, Katz-Rhtna, Meyer-Stuttgart und Ntederland-Würzburg. * J GesterretLh. Die Vorgänge in Wien. Men, 7. März. Eine für Samstag nachmittag in der Volkshalle des Rathauses stattgefundene, von Zehntausenden besuchte jüdische Protest Versammlung brachte das ganze Heer der Hakenkreuzler auf die Beine, und es kam auf dem Rathausplatze zu einer regelrechten Schlacht mit Stöcken, Gummiknütteln und Messern, wobei es auf jüdischer Seite viele Verwundete gab. Auf der Ringstraße bildete sich dann die Balgerei zu einem kleinen Prgrom aus. 'Tie Angriffe waren gut organisiert und allem Anscheine nach von einem Generalkommando, das in der Universität sein Domizil hatte, geleitet. Hier, vor der Universität, sammelten sich auch die Exzedenten zu einer Demonstration. Tie Polizei versuchte wiederholt, ihre Pflicht zu tun, nahm viele Verhaftungen vor und konnte wenigstens einen geplanten Einbruch des Mobs in die vornehmlich von Juden bewohnte Leopoldstadt verhindern. Während draußen die Schlacht wütete, nahm drinnen in der von Berittenen geschützten Vvlkshalle die jüdische Versammlung ihren ungestörten Verlaus. Ter Vorsitzende, Tr. Jsrdor Schalst, Vizepräsident des Zionistischen Landeskomitees, hielt eine kurze Ansprache, worin er auf die jüdische Tragödie in Oesterreich hinwies. 18 o/o der gefallenen Studenten waren Juden, Mbelpreisträger wurde sin früherer jüdischer Hörer der Wiener Universität, die j jüdische Fürso rgetätigkeit steht beispiel-! tos da. Und bei all dem dieser unversöhnliche Haß, die Politik der Entrechtung. „Wir ver- I langen Rechtsfreiheit und Rechtsgleichheit!" — j Gemeinderat Tr. Plaschkes klagt die Regiej ntng an und die Justiz, die keine Mittel finden wollen, der infamen Hetze entgegenzutreten. — Gemeinderat Tr. Pol l.ak spricht von den ungeheuren Verdiensten der Juden für den österreichischen Staat von früher uird heute. Tie Regierung solle sich doch endlich einmal belehren lassen, daß nicht die Juden, sondern Ludendorff und Konsorten den Krieg verloren, haben. -- Gemeinderat Tr. Ehrlich weist nach, daß der ganze Kanrpf, der nach den ungarischen Horthy- Methoden geführt wird, sich nicht allein gegen die Juden, sondern gegen die Republik wendet. — Eugen Buchbinder spricht im Namen der jüdischen,Studentenschaft und legt Verwährung ein gegen die Haltung des derzeitigen Rektors Tr. Diener und des Kanzleidirektors B l u m - auer, die mit ihrer wütenden Haßpolitik die akademische Jugend vergiften. — . Oberbaurat Stricker beschwert sich gegen die andern jüdischen Parteien, die dem Ruf der Zionisten, bei der Kundgebung mitzutnn, nicht folgten und erklärten, es sei nicht jüdisch, zu p ro v o zi e r e n. Tie Kundgebung nrußte aber veranstaltet werden, weil es hier nicht so weit wie in München und Budapest kommen dürfte, wo sich die Juden nicht mehr auf die Straße l.inauswagen. Cr vermutet, daß die Hetze zum Teil auch mit Mischern Gelbe finanziert werde, da sie die Unterstützung der Großindustrie, in der Juden stark vertreten sind, in weitestem Maße findet. Es wird zuletzt eine Resolution, angenommen, die sich nicht allein gegen die Hetzer, sondern auch gegen die Regierung und das passive Verhalten gewisser jüdischer Kreise wendet, auch gegen die Justiz, die die deutschnationale Studentenschaft ungestört gewähren läßt. Tie Versammlung spricht ihre Entrüstung über all dieses aus und fordert, daß die Rechtssicherheit und R e ch tsgleichheit für alle Bewohner des Staates hergestellt und allen gesetzwidrigen Umtrieben des Antisemitisntu§ Einhalt geboten wird. Unter den Anführern der antisemitischen Exzesse ist auch ein Polizei bezirksi n s p e k t o r namens Franz S chl au ch festgestellt. Er gehörte zu denen, die den Zionistensührer N i m m h ä u s e r überfielen und schwer mißhandelten. In der „Wiener Morgenzeitung" wird eine lauge Liste von leicht- und schwerverletzten Juden veröffentlicht. Am Sonntag wiederholten sich die Unruhen und cm: Montag früh pflanzten sich vor der Rampe der Hochschule die akademischen Hakenkreuzler auf und verwehrten den jüdischen Kommilitonen den Eintritt in die Universität. Ter Schrei nach der judenreinen Universität hat inzwischen seine teilweise Erfüllung an der Wiener Technischen Hochschule gefunden. Dort Prangt seit Dienstag am schwarzen Brett eine Kundmachung folgenden Wortlautes: „Tie Jnunatrikulierung fremdstaatUcher Bewerber wird künftighin aus Grund ihrer tatsächlichen Eignung und ihrer Volkszugehörigkeit unter Bedachtnahme au', volkswirtschaftliche Interessen erfolgen. Für die jüdischen Bewerber des Auslandes wird noch insbesondere bestimmt, daß ihre Jmmatrikulierung in der Regel nur in dem Ausmaße erfolgen wird dürfen, daß die Gesamtzahl aller an einer Fachschule zu immatrikulierenden jüdischen Bewerber 10 Prozent nicht überschreiten dürfe. Mit der Durchführung dieses Beschlusses wurde ein besonderer Ausschuß betraut, gegen dessen Entscheidung kenierlei Berufung zulässig ist und dem auch zustehen wird, die geforderte Eignung der Bewerber in angemeffener Weise festzustellen." Unterschrieben ist dieses 'Dokument des tätigen Menschenhasses vom Prvkurator der Technischen Hochschule, unter Berufung ilmf einen Beschluß des' Pro fessv renko llegiums vom 21. Februar 1823. 15. Mörz MS Don der Oemeindeaufonomle in 6aii?ien. Lemberg, 8. März. Während der Kriegsfahre wurde die Gemeindeautonomie in den Kreisen Lemb'erg, Darnopol und Stanislau von der österreichischen Regierung so Wt wie gänzlich aufgehoben. Die Gemeinden wurden und werden noch kommissarisch verwaltet, wodurch sich trostlose, unerträgliche Zustände herausgebildet haben. Ter Jüdische Klub hat nun im S e j m beantragt, in Berücksichtigung der inzwischen veränderten Sachlage den genannten Gemeinden ihre autonomen Rechte wiederzugeben und dort reguläre G e m e i n d e w a h l e n auszuschreiben. Dolen. DJarfdiauer niierlei. Warfcha«, 11. März. Vorgestern intervenierte der Sejmdeputierte Kirschbraun im Kriegsministerirrm für die Dienstbefreiung der jüdischen Soldaten wie der zur Uebung einbernfenen Reservisten während der Pessachwoche und Erteilung von Heimurlaub an di: Familienväter.!Tjas Kriegsminifterium nahm das Ansuchen günstig auf und versprach prompte 'Erledigung. Große Sensation hat der Beschluß der Gemeindeverwaltung erweckt, dem „Keren hajesod" zwei Millionen zu stiften. Diese hochherzige Spende wird, wie hingewiesen wird, in einer Zeit gemacht, da die Gemeindekasse so leer ist. daß die Gehälter an die Gemeindeibeamten und Angestellten nicht ausbezahlt werden können. Folgender Fall wird hier Mgemein besprochen: Ein in Rußland weilender General der russischen Leibgarde hatte, als er in den Krieg auszog, bei einem jüdischen Hausbesitzer seine Habe hinterlassen. Der General ist jetzt zurückgekehrt und verlangt sein Eigentum wieder. Der Hausbesitzer behauptet aber, die Sachen seien, während der Okkupation zum Teile von den Deutschen beschlagnahmt worden. Der General, der Grund hat, diesen IAngäben nicht zu trauen, forderte den jüdischen Hausbesitzer zu einem Din Tauro vor dem Rabbinate auf, das auch stattfand. Auf Antrag des Generals wurde dem Besitzer ein Eid auferlegt, den er nach hiesigem Brauche in der Synagoge zu schwören haben wird. Auf der Plenarsitzung der Gemeindeverwaltung wurde ein Protest gegen Einführung der Numerus elausus an den polnischen Hochschulen beschlossen. Tier Protest soll sowohl dem Sejm und dem Senate, wie auch dem Ministerpräsidenten und Bildungs'minister zugestellt werden. . Enfrechfung der jüdiftfien Smanfuolrfe- Warschau, 9. März. Der Jüdische Klub hat im Sejm eine Interpellation eingebracht, in der nach Anführung einer Reche von Fällen, in denen man jüdischen Schankwirten zu Gunsten ihrer christlichen Beruss'genossen die Konzession entzogen hat, gefragt wird : l1. Gedenkt der Finanzminister, der Zusage des Ministerpräsidenten gerecht zu werden, wonach bei der Regelung der Mlkvholfrage Juden nicht benachteiligt werden sollen? 2. Mas geschieht, um den entrechteten jüdischen Schenkern zu ihrem früheren Rechte zu verhelfen und ihnen den entstandenen Schaden §u ersetzen? 5ur Einbürgerung der ruffikfien Slüdifilnge. Warschatt, 20. FeLr. Ter jüdische Sejmklub hat beantraM, allen ehemaligen russischen Staatsangchörigen, die am 10. Januar, dem Dägd der Ratifizierung des Versailler Vertrages durch den polnischen Landtag, in Polen gewohnt haben, das polnische Staatsbürgerrecht ohne besonderes Perfahren zu verlechen. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß der Vertrag lediglich den tatsächlichen Mufenthalt als Borbemntzung für den Erwerb der OtaEbürgerschaft