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Der Israelit · 1923-03-08 · Heft 10 (8.3.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 10 (8.3.1923)
Date
1923-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Üttii 4. nt. 10 SCNfr HSraelit. Pessachzucker zu liefern, ist der Kleinhändler berechtigt, einen Teil in Pessachzucker, den Rest in gewöhnlichem Zucker zu verabfolgen. Das PMikum darf jedoch auf keinen Fall in seinem Recht auf Erhalt des ganzen ihm zuftehenden monatlichen Zuckerquantums geschmälert werden. Gemeinnützige Anstalten und gewerbliche Betriebe haben eine vom Vorstand der für sie zuständigen jüdischen Gemeinde erteilte Bedarfsbescheinigung, welche bei gemeinnützigen Anstalten die Anzahl der zu verpflegenden Personen bei gewerblichen Betrieben die Menge des im Vorjahre für das Pessachfest verbrauchten Zuckers zu enthalten hat, an einen der nachstehend genannten Großhändler einzusenden. 'Tie Großhändler reichen diese Bescheinigung der Freien Vereinigung, Berlin N. 24, Artilleriestraße 31, zur Genehmigung ein. Sowohl der nichtv erkaufte Pessachzucker als auch die durch die Zuteilung des Pessachzuckers bei den Händlern freiwerdeude Menge anderen Zuckers sind zur Verfügung der zuständigen Zuckerkontrollstelle zu halten. Mit dem Vertriebe des Pessachzuckers sind als Großhändler folgende Firmen betraut: I. Anton Äklexander, Berlin, Oranienburgerstraße 3,' Adolf Goldschmidt, Berlin, Neue Friedrichstraße 45, Sanrnel Haaß, Berlin, Gipsstraße 12 a, David Bauer, Frankfurt a. M. Börnestr. 29, „ Cöln, 'Schaafenstr. 36, „ „ Hanrburg, Grindelallee 138, H. Bodenheinrer, 'Darmstadt (für Hessen). Es ist von der größten Wichtigkeit für die jüdische Bevölkerung, daß diese BestimmungAt von den' .Kleinhändlern auf das strikteste eingehakte n werden. Die flof der Berliner Gemeinde- Aerttit, 5. März. Die letzte Repräsentantenversammlung am 18. Februar befaßte sich mit der Finanzlage der Gemeinde. Nachdem die Versammlung eine größere Anzahl von Zulvendungen genehmigt und Rechnungsabschlüssen verschiedener Verwaltungen ihre Entlastung erteilt hatte, wurden die durch das Ausscheiden der früheren Repräsentanten freigewordenen Stellen in den Kommissionen mit den neugewählten Herren besetzt. Bei Besetzung des Schul- und Talmud Thoravorstandes konnte Einigung nicht erzielt werden. Tie Erhöhung der Beamtenbesoldung gab den Anlaß zur scharfen Debatte. 'Der Vertreter des Gemeindevorstandes, Herr Badt, schilderte die Lage in den schwärzesten Farben. Die ungeheure Anschwellung sämtlicher Ausgaben und die immer neuen Erhöhungen der Beamtengehälter können mit iden Einnahmen der Verwaltung nicht mehr in Einklang gebracht werden. Die Steuern des Vorjahres seien verbraucht, die Schuld bei der Bank habe einen Stand erreicht, .der bereits zur Mlehnung einer weiteren Kreditgewährung durch die Bank geführt habe. Mit Steuern für das Fahr 1923 könne wegen der schleppenden Veranlagung der Reichsbehörden erst zu Mitte des Jahres gerechnet werden, und es fehle bereits an Geld zur Auszählung der Ultimogehälter. Tie Notlage seidaher akut und er sehe keine Mittel, der Not zu begegnen, da mit kleinen Summen nicht zu Helsen sei und Hunderte von Millionen erforderlich wären. Er habe daher, da wieder ein Antrag auf Besoldungserhöhung der Beamten vorliege, eine Versammlung sämtlicher Gemeindevertreter mit den Beamtenvertretern für morgen' einberufen, um über die Schritte zu beraten, die zur Sanierung der' Finanzlage erforderlich seien. Es kam nunmehr zu einer äußerst lebhaften Debatte, bei der es an Borwürfen gbgeu den Vorstand nicht fehlte, aber. auch die verschiedensten Vorschläge zur Sanierung vorgebracht wurden. Eine eingehende Beratung über die Finanzlage wurde jedoch auf den nächsten Tag verschoben.- Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde ein Dringlichkeitsantrag des Vorstandes vorgekegt, das Gemeindeb'latt aus finanziellen Gründen vorläufig eingehen und bereits die Märznummer nicht mehr erscheinen zu lassen. Dieser Antrac fand Ablehnung. Es wurde vielmehr eine Kommission gewählt, welche das Fortbestehen des Blattes gewährleisten soll. Die söckilisäie ReligionsuerfBlgung im Reichsfagsausidiuf. Aerlin, 3. Mär,. Der Bildungsaus schuß desReichstags, der mit dem § 2 des Reichsschulgesetzes immer noch nicht weitergekommen ist, beriet gestern die Petitionen, die gegen die berüchtigte Verordnung des sächsischen Kultusministeriums über den z w a n gsw ei sen Schn l b e su ch und Schreibzwang an religiösen Feiertagen eingegangeu sind. Nach Mitteilung des Abgeordneten Marx (Zentrum) ist die auch von manchen jüdischen Blättern gebrachte Nachricht, die sächsische Regierung habe ' ihre Verordnung zurückgenommen, bisher nicht richtig. Der -Abgeordnete Everling (Volks- Partei) erhob schärfsteil Protest gegen die Haltung der sächsischen Regierung, die durch und durch verfassungswidrig sei und in öffentlicher Reichstagssitzung gebührend gekennzeichnet werden müsse. Auf Wunsch der Regierung wurde die weitere Beratung der Frage mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen wegen Aufhebung der Verordnung vertagt. Aus einer jüiifdiwi Gemeinde. Dresden, 2©. Febr. Ein Bild aus der sächsischen Hauptstadt. Infolge der allgemeinen Teuerung ist hier sowohl dem zweiten Rabbiner wie dem zweiten Kantor gekündigt worden. Tie Gemeindebeamten -werden ganz unzulänglich besoldet. 'Daher sind letztens zwei Religionslehrer der Gemeinde und der Synagogendiener freiwillig aus dem Gemeindedienst ausgeschieden. Die Anzahl der zu erteilenden Stunden des Religionsunterrichts wurden stark reduziert. Als man letzthin dem Vorstand klar machte, daß die Genreindebeamteu mit den bestehenden Gehältern ihren Lebensunterhalt unmöglich fristen können, und daß sie sämtlich der: Dienst verlassen werden, entschloß sich der Vorstand, eine Liste um freiwillige Speichen herumgehen zu lassen, um den Beamten das Gehalt zu erhöhen. So wird der Kultusbeamte zum Almosenempfäuger herabgewürdigt, obwohl es den zum Teile sehr wohlhabeichen Gemeindemitgliedern ein Leichtes wäre, das 'Defizit des Gemeiudeetats durch eine Selbstbesteuerung zu decken. Die unerquicklichen Verhältnisse sind bereits so weit gediehen, daß die hiesige orthodoxe ostjüdische Gemeinde heute ihre Schochtim und Talmud- Thoralehrer besser besoldet, als die finanzkräftige Hauptgemeinde. Es ist dies auch garnicht zu verwundern, denn wo ein vitales Interesse an der Erhaltung des Judentums vorhanden ist, ist es stets der Wille, der den Weg schafft. Vollen. Die JTlajjosDßrforgung in DJarfdiau- Warschau, 3. März. Die Mazzosfrage bildet sich hier, seitdem die Kriegs- und Nachkriegskalamität der freien wucherischen Spekulation Tür und Tor offen hält, zu einer wahren Katastrophe aus. Leider hat die Gemeindeverwaltung aus den Erfahrungen des Vorjahres so gut wie gar nichts gelernt. Sie dachte auch dieses Jahr nicht daran, sich rechtzeitig mit Mehl einzudecken und die Sache von Gemeindewegen zu zentralisieren.. Dagegen verspricht sie, für die arme, unterstützungsbedürftige Bevölkerung Mazzos zu backen und sie ihnen zu billigen Preisen oder ganz umsonst zu verabreichen. Wenn dieser Plan zur Ausführung gelangt,! so wird es als Verdienst der Fürsorgekommission in der Verwaltung zu buchen sein. Auf alle Fälle wird bis jetzt in Warschau noch nirgends gebacken, da die 8. März 1028 Differenzen zwischen Unternehmern und Arbeitern noch nicht ausgeglichen sind. Der Verein „Beth Lechem" entfaltet eine sehre rührige Tätigkeit zur Versorgung der Armen und Bedürftigen aus dem Mittelstände mit billigen Lebensmitteln für die Peffachwoche. Mffl-m* ITO W BW <*; Warschau, 3. März. Aus einer Reihe polnischer Städte in Kongreß-Polen wie Galizien und Pomerelien gelangen Mitteilungen, daß in den dortigen Schulen die jüdischen Kinder zum Schulbesuch an Sabbat Und Feiertagen,' in manchen auch zum Schreiben und anderen Arbeiten gezwungen werden. Aus diesem Grunde wandte sich Herr Sejmdeputterter Kirschbraun an das Btldungsministerium mit der Bitte um gänzliche Befreiung der jüdischen Kinder vom Schulbesuch an Samstag und Feiertagen. Der Minister versprach, den Antrag eingehend zu prüfen. Postgebllenlrleliiins für WWe Seitungen. Warschau, 11. ftrör.; Das Regierungskommissarmt (die politische Zensurstelle) veröffentlicht fotzende Liste jüdischer Zeitschriften, denen das P o st d e b i t entzogen wurde: „Abend-Najes", „Arbeiterfreund", „Die Zeit", „Unser Stimme" (alle in London), „Die Zukunft", „Die Zeit", „Der Emeß", „Der Fortschritt", „Freie Arbeiterstimme", „Der Frajnd", „Hadoar-Haitori", „Jüdische Zeitung", „Jüdisches Tagblatt", „Jüdischsozialistische Monatsschrift", „Morgenjournal", „Miklath", „Naje-Welt-Emeß", „Tog-Wahrheit" (smutliche in New-Iork), „Jüdische Zeitung" (Buenos-Aires), „Arbeiterwort" (Argentinien), „Kanadaer Adker" (Montreal), „Jüdische Tribüne" (Paris), „Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz" (Zürich), „Der Misrach-Jid" (Berlin), „Jüdische Morgenpost" (Wien), „.Haschonrer" (Wien?), „Der Jid" (Kischinew), „Hafchiloach" (Jerusalem). Wtauen. Bas £nie §es iüüifchen JTTInifleriums? Kowrr» 20. Fetz"-. Wie hiesige jüdische Blätter melden, hegt man in Regierungskreisen die Absicht, entgegen allen früheren Versicherungen, die von litauischen Ministern im Auslände abgegeben worden sind, das jüdische Ministerium aufzuheben und die Behandlung der jüdischen Angelegenheiten einem Referenten im Innenministerium zu übertragen. Obgleich man der Wirksamkeit der bisherigen jüdischen Minister, die radikale Feinde des überlieferten Judentums waren, in orthodoxen Kreisen keine Träne nachweint, muß doch dem lebhaften Befremden über die Mjaßnahme der Regierung Ausdruck gegeben werden, die sich in unzweideutigster Weise auf die Aufrechterhaltung des jüdischen Ministeriums der Welt gegenüber festgelegt hatte. Der neue Minister für jüülfdie Angelegenheiten- Korona, 1. März. Kreisrichter Bernhard Friedmann, der der assimilatorischen Richtung angehört, ist als Nachfolger von Dr. Brutzkus zum Minister für jüdische Angelegenheiten ernannt worden. Einige Gemeindeverwaltungen, in denen die Zionisten den maßgebenden Einfluß besitzen, haben gegen die Ernennung Friedmanns Verwahrung eingelegt. In orthodoxen Kreisen ist man natürlich von der Ernennung auch überrascht, erhofft aber doch größere Objektivität, als von einem zionistisch-nationalistischen jüdischen Minister uu& kommt dem neuen Minister mit Vertrauen entgegen. _ Gnglan». KinSerfpeifung In Rußland. Torrdon 16. Febx. Der Joint hat ein Abkommen mit der ÄRA. getroffen, wonach diese dem Joint weitere 50 000 Portionen zur Speisung jüdischer Kinder in Rußland zur Verfügung stellt. Es werden damit ungefähr 20000 Kinder, die sich in den

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