Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1923)
- Date
- 1923-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450238-2450247--70385-2527631- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
. ^^.... ,* - 8. März E , \ ' / _ NoDIV. ' Seite 3, M Religionsverfolgungm in Rußland. 'Das in einigen früheren Korrespondenzeil bereits erwähnte Memorandum d'es Joint Foreign Committee in London über seinen Schriftwechsel mit der Siowjetregierung" hinsichtlich der Religionsverfolgungen in RuWatrd liegt uns nunmehr vor. Während das eigentliche Memorandum noch einmal die in den veröffentlichten Briefen bereits dargestellten Tatsachen kurz zusammenfaß-t, sind im .Anhang die von der Sowjetregierung erlassenen.'Dekrete und strafgesetzlichen Vorschriften!äbged ruckt, uns denen die Unterdrückung und Verfolgungder religiösen Erziehung beruht. Aus den Bestimmungen ergibt sich, daß es streng verboten ist, Personen unter 18 I ah r e.n irgendwelche religiöse Belehrung zu erteilen und zwar einerlei, ob es sich um öffentliche oder private Schulen h andelt. I e d e U e b e r t r e 1 u n g wird durch Z w a u g sa r b e i t nicht u n t e r e i n e m I ah r b e st r a f t! Bei etwaigem hebräischeil Unterricht ist die Benutzung der B i b e l o d e r a n d e r e r r e l i g i ö s e r B ü che r streng verboten. Weder jüdische Geschichte noch jüdische Literatur dürfen gelehrt werden. Die jüdischeil Gemeinden dürfen sich um die Schulen überhaupt nicht kümmeril. Allerdings erhellt aus allen btcfen Gesetzes-, bestimmungen und Zeitungsauszügerl, daß die Verfolgung sich nicht etwa ausschließlich gegen die jüdische Religion richtet, sondern ohne Unterschied gegen alle Religionen. Allein eine Besonderheit bilden die „jüdischen Kommissionen", die, aus bolschewistischen Juden bestehend, sich die Unterdrückung und Verfolgung jedes Funkens religiöseil Lebens zur Aufgabe gemacht haben. Gelänge es, diesen fanatischeil Feinden der eigeilen Mütter das Handwerk zu legen, so .Ware schon viel gewonnen. Leider hat es vorläufig nicht bejt Anschein, als lob das Memorandum Beachtung fiuden sollte. DieKonstitmerimg -es jüd. Kriegs- Sn'nnemngsson-s ln England. London, 20. F-br. Die endgültige Anilahme der B e r f a s s u il g des K r i e g s e r i n n e r u il g s' fand s, üb er bessert Geschichte Ihre Leser fortlaufend unterrichtet worden sind, hat mm am Donnerstag! voriger Woche unter Donner und Blitz stattgefuilden. Das Schauspiel, das diese Aunähmesitzung' bot, erinnerte auch in arlderer Hinsicht' an die Offenbarung am Sinai, insofern der KpirituL rector des Gailzen, Sir Robert Waley Cohen, die Versammelten zu einem kurzen und, bündigen ztvang. Wer zu widersprechen wagte, ivurde abgekanzelt, urld von einer offenbar' vorher /gut einexerzierten Mehrheit niedergestimmt. Zu den Abgekanzelten gehörte auch der Chief-Rabbi, der noch eiitmat die schüchterne Feststellung wagte, daß er der berüchtigteil „religiösen Klausel" in der Verfassung zwar angesichts der Uebermacht der Tatsachen keine Opposition mehr entgegensetze, daß er ihr aber niemals in voller Freiwilligkeit zugestimmt habe. 'Diese Klausel in ihrer Ungeheuerlichkeit muß schoil zum Andenkeil für künftige Geschlechter hier doch iloch einmal wiedergegeben werden. Sie lautet: „Es wird sestyestellt, daß die Täli.qkciten und die Institutionen, welche die Gesellschaft zu schaffen oder 31t unterstützen beabsichtigt, mit dem G l a n-- b e. n und d er P r a x i s der 0 r t h 0 d 0 r e n j ü - d i s ch e n G e rn e i n d e n im Einklang stehen müssen, mit der Einschränkung jedoch, daß die Gesellschaft das Recht hat, jedwede Institution oder Tätigkeit zu beginnen oder zu unterstützen, die von andern Gemeinden, Körperschaften etc. ausgeht, die gegenwärtig in der Gefells chn f t vertreten sin d." . Mit aildern Worten: der Kricgsrriunerlnlgsfonds ist 0 r t h 0 d 0 x im P rinzip mtb ueol 0 g in der Praxis. Er erkennt den in den neologen Gemeinden verkörperten Abfall vom JudentllUl sofort uild ohne weiteres an, sobald solche neologen Gemeinden ihm,— einen Beitrag zahleil. Diese Bestimmung? ein „Kompromiß." zu nennen, wie es in der Debatte geschah, ist schon eine' sehr milde Form der Beurteilung. Die. opponierende Minderheit hob., ferner vergebens hervor, daß die ganze Verfassung ein Treubruch gegenüber Jewish College sei, zu dessen Erhaltung und Ausgestaltung die Sammlullg von vornherein unternommen worden ist, ulrd das null in die demütigendste Abhängigkeit von den liberalen Geldgebern des Kriegserinnerungsfonds gebracht werden soll, Indem man feine Subventionienutrj14.b 1t rchlüns voll dein Belieben der Machthaber des Fonds und voll beit B ed i ngu n gen, die sie stellen werden, abhängig lilacht. ' Eine dieser Bedingungen ist bekanntlich die Zweitetlung des Instituts, das ganz im Geiste der oben erwähnten Bestimmung kiulftig nach dem Prilizipe des 'NV rDlß eingerichtet iverden soll. Neben etnent räbbinischen Seminar, das angeblich orthodox bleiben soll, ivird sich ein freies wissenschaftliches Forschungsinstitut erheberi, indem sich das aus'toben kann. land in acht nehmen, denn für die Legion sind immer zu wenig Leute. Leider kommen in den letzten Jahren sehr viele Deutsche freiwillig in die Legion und bereut ein jeder den Schritt bitter, den er gemacht hat. Lieber 10 Jahre in einer deutschen Strafanstalt, als 1 Jahr in der Legion. Das Essen ist in Syrien ausreichend und bester als überall in der Legion. Das Klima hier ist für einen Europäer das denkbar schlechteste. Jetzt ist momentan die Regenzeit und regnet es schon von Anfang Dezember bis jetzt. Stellen Sie sich vor, wir liegen auf freiem Felde, in der Wüste in einem Zelte mit 6 Mann. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alle Strapazen. Nächsten Monat beginnt die große Hitze, die von 50 bis 90 Grad steigt. Des Nachts haben wir um unsere Zelte immer großes Doppelkonzert, bestehend aus dem Geheule der hungrigen Hyänen und Schakale. Dieselben gehen nur an Tote und sind sehr menschenscheu. Da wir hier im KriegSgebiet find, so bekommen wir eine Löhnung von 742 Piaster und habe schon viel Geld zusammengespart. Wegen der Kursschwankungen wird nach Deutschland kein Geld angenommen, und syrische Geldscheine tauscht die Deutsche Bank nicht um. Kaufen kann man sich auf dem Marsche garnichts und müssen wir warten bis wir nach Bayrouth kommen, wo alles sehr billig ist. Werde Ihnen von dort aus auch eine große Kollektion asiatischer Briefmarken senden. Zugleich werde ich auch Sie mit einem Postpaket orientalischer Früchte erfreuen, die dort sehr billig find, und jetzt in Deutschland doch wohl nicht sind- Wollen Sie bitte nochmals meine schlechte, flüchtige Schrift entschuldigen und werde sobald es mir gesundheitlich wieder bester geht, Ihnen einen ganz ausführlichen Brief nachsenden. Indem ich Ihnen noch vielmals für Ihre Zeitungen danke, grüße Sie mit treudeutschem Gruß aus weiter Ferne. (Folgt Unterschrift.) (Entjuduttg und Germanisierung des altcn Testaments.) Der Chefredakteur des deutsch-völkischen Organs „Deutsche Zeitung", der frühere Sozialdemokrat Mar Maurenbrecher, veröffentlicht in seinem Blatte einen längeren Artikel über ein neues Buch-, des deutsch-baltischen Schriftstellers .Heinrich Lhotzkh, welches einen Versuch darstellt, das alte Testament im altgermanischen Sinne nmzndichten. Die Ueberschriften de'r einzelnen Bücher tragen Rainen ans der altgermanischen Mythologie, wie „W-Hinei", „Urd", „Werdandi", „Skull". 4lach dieser Ordnung erzählt Lhotzky die Vätergeschichte. „Urd ist Abraham: der erste Schritt, in welchem arische Wihinei in semitisches Volkstum einbrach". Unter Werdandi erzählt er die Geschichte-der Rebekah und den. Kumpf Jakobs und Esans. Unter Skült erzählt er die Geschichte Josephs. Rach derselben Ordnung Uieroen; auch die anderen Bücher Mose in altgermanische Mythen verwandelt. Mar Maurenbrecher begrüßt dieses Buch ' als einen Versuch zur „Entjndung und Beroentschung des alten Testaments". Die ivirklichen Offenbarnngsträfte des alten Testaments erscheinen ihm hier als religiöse Zeugen gegen das jüdische Volkstum. Er schreibt: „Manchem Deutschvölkischen wird das Buch *ditc Erlösung ans einem Zwiespalt sein, /indem wir das alte Testament, soweit es die heilige Schrift des Judentums istj mit aller Bestimmtheit ablehnen müsfcn." „Alls diesem Zwiespalt kommt man heraus, wenn man erkennt, daß das alte Testament, größer ist als das Judentum, daß es die Offenbarung einer großen Kraft ist, die vom Jndelktttm nicht verstunoen war und im Judentinn daher nur zur Entartung geführt hat." „Mancher Pfarrer, der dieses Buch . gelesen hat, > wird darnach wieder Mut gewinnen, über alttestamentarische Texte zu predigen; alle BergMich war auch der Hinweis der besonnenen 'Minderheit, daß inan ein Unrecht tue, in der heutigen Zeit „ K r i e g s erinnerungen" zu stiften und daß es besser sei, dem Fonds eilten andern Nanteit zu geben. Sicher ist der Name, alt beut die Mehrheit der .Bersantmlung fefthtelt, in iganz anderem Sinne außerordeittlich passend für den Fonds, der seiner gjanze'n Strrtkütf nach den K a ntp f der religiösen Wahrheit init der Lüge, der Treue mit dem Abfall widersviegelt und ein trauriges Dettkmal dieses Widerstreites bleiben wird. Nicht minder traurig Ist, daß der Chief-Rabbi sich entgegen seiner offertbektutdeten besseren Ueberzengung dem allem gefügt und nicht vorgezoge.lt hat, auf ein Mnt zu verzichten, das sein ent Träger ein so schweres sacrificium intellectus auf erlegt. ßorrespondenze» v. ßaeferiebte*. UsutMes Reich. Peffäcfijuefter. Aerktu, 1. März. Ans deut B e r l i it e r B i't r 0 d e r F r e i e u V e r e t nt g u ng für die Int er essen des v r t h 0 d 0 x e n ,J u d e n tu in s wird uns geschviebeit: 'Das Reichsernähriutgsministerinut hat die Herstellung und Verteiluttg von Pessachzucker davott abhängig gemacht, daß die Freie Bereittigung für die .Jnteresfen des orthodoxen Judentums E. V. die Kontrolle über die Verteilung vortnmntt. Die Kleinhändler fiitb verpflichtet, den Pessachzucker in der gleiche;! Weise an die Verbraucher zu verabfolgen, lvie Her gewöhnliche Zucker verkauft wird. In denjenigen Örtert, in welchen Zucker nur auf Grund von Zrtckerrnarken oder sonstigen Ausweiseit verabfolgt wird, hat dies auch für Pessachzucker zu geschehert. Die Marken sind .an die Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums & V. Berlin N. 24, Artilleriestraße 31, bis spätestens zum 20. April 1923 eiitzusenden. Die Freie Vereinigung hält die Martert zur Verfügung des Reichsernährungsrntnisteriums. Falls der Bestand des Kleinhärtdlers an Pessachzucker nicht ausreicht, nur dein Pnbliknrrt das ihm zustehende volle M-onatsquantürn itt . völkischen Lehrer aber, denen die^biblische. Geschichte des alten-Testaments bisher ein «tein des Anstoßes war, werden in diesem Buche ein Bvrbilo finden, wie sie diese Geschichten vor deutscher Jugend lebendig zu machen vermpgen." FamwennachrWen. Barmizwohfeier. Günther—Samuel, Sohn des Herrn Emil Damm. Berlin W., am 17. März 1923. Vermählte. Lehrer Julius Goldstein und Frau Martha geb. Hirsch, Reichelsheim i- O. Gestorbene. Frau Lehrer Strauß, Ran Ni geh. Heidelberger, 61 Jahre alt, Gelnhausen. 5abvat-H«ka«g «itd Mrg<mg «trn '2 roü' O r tr Anfang AuSgang UhrsMin. 19231 5688 Uhr Min. Frankfurt a. M 5 50 10. 22. 7 05 Berlin .... 5 50 März Adar 6 41 Münchs« . . . 6 — 6 50 Eölu. 6 — 7 10 Stuttgart. . 6 — 7 01 BreSla« . — — — — NSruber« - . 5 45 6 51 - . — — — -7