Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Wer ASrsÄltt. lauten selber, daß sie die Spuren ihres Ursprungs nicht verwischen können. Nur eine Assimilation gibt es, die befreiend uub beglückend wirkt: die Assimilation des Inden an seinen Bruder. Die zweite Krankheitsquelle, von der aus die. Indifferenz sich allen Schichten der Judenheit mitgeteilt hat, ist die Furcht, im Genuß des Lebens gestört zu werden. Der Stumpfsinn gegen jedes jüdische Interesse, die gewissenlose Gleichgültigkeit gegen alles öffentliche jüdische Leben. Der Familienvater zieht sich in die vier Wüude seines Privatlebens zurück, die aufgehört haben die vier Ellen der Halacha zu umfassen, seitdem die Religion Privatsache ist. Der junge Mann geht ins Kaffee und zeigt nur noch insoweit Interesse am Schicksal des Judentums, als ihm daraus Stoff zur Unterhaltung, wenn nicht gar persönlicher Borteil dabei winkt. Im allen Judentum gab es solche Philister nicht. Berbmrnung und bürgerlicher Tod wäre ihnen sicher gewesen. „Du sollst dich nicht ausschließen aus der Mitte der Gemeinde" und „wer trotz seiner Mittel hierzu die Gemeinde nicht stützt, ist todesschuldig!." Die Entstehung des jüdischen und nichtjüdischen .Philistertums fällt in ein und dieselbe Zeit. Dieser Zug im Gesicht des modernen Judentums ist das unheilvollste, was die Emanzipation darin hinterlassen hat, seine Ausrnerzung wird vielleicht die größte Wohltat sein, die wir dem Antisemitismus einst zu verdanken haben werden. So schmerzlich das Anschwellen der antisemitischen Welle ist, so hat sie doch so manchen kaltherzigen Egoisten zu rechtem Nachdenken über die Grundlagen seines Lebens angeregt, daß ihn: eine Ahnung aufdämmert von der Schekolimlehre, gleich dem ernster: Memento. Mordechais: D^irrn -mö Tran rps ‘ftrain wn?rr rftxm rrn nttin nw ■»arnnn «nnn '2 ns DtpöD D’-nrr? *7122" Wocheimmdschau. Ser proseffor der Slulliige Wir hatten in letzterer Zeit wiederholt Gelegenheit, uns mit Herrn Professor und Pfarrer P. Nivard Schlögl zu befassen, zuletzt aus Anlaß seiner famosen Talmudübersetzungen. Wir können uns füglich eine Charakteristik der „talmudischen Gelehrsamkeit" dieses Herrn sparen und verweisen nur auf die kritisch sachlichen Vlitke m die Rolle Wer, Bo» Rabb. Dr. Felix Kanter inZwittau (Mähren). Der König Achaschwerosch regierte über hundert, undsiebenundzwanzig Provinzen. Hundert Provinzen so bemerkt der Midrasch dazu — befanden sich auf dem Festlands und die stebenundzwanztg Provinzen bestanden aus Inseln des Meeres. Für diese Be. hauptung findet sich ein Anhaltspunkt in der Rolle Ester selbst, wo es heißt: B\n m pxn bv dö T?on Der Zahienwert von vv ist gleich hundert (40 und 60); diese befanden sich pKn bv auf dem Festlands; der Zahlenwert von "rn beträgt siebenundzwanzig und sie bildeten Bestandteile avr des Meeres *) „Der König zürnte gar sehr und fein Zorn brannte in ihm", rptv und nvn klingen wie Synonima, und doch besteht zwischen diesen beiden Ausdrücken ein gewisser Unterschied.?]itp ist der Ausdruck für den .a u s. wallenden, sichtbaren Zorn f.vor Mut schäumen, daher &'&n bv?)jtp); n&n hingegen bezeichnet d en Zorn, der zricht sichtbar zum Ausdrucke kommt, Artikel unseres verehrten Mitarbeiters, des Herrn Professor Dr. A. Sulzbach, der dem Manne, der sich erkühnt, der Welt „die Geheimnisse des Talmuds" zu offenbaren, Schritt für Schritt zum Himmel schreiende Ignoranz nachweist. Nun ist zwar Unwissenheit an sich kein Verbrechen. Ein Verbrechen wird sie erst dann, wenn sie sich als Wissen gibt und noch darüber hinaus bewußt auf Verdummung und Verhetzung der Menschen htnarbeitet. So weit ist nun Herr Schlögl auf der schiefen Ebene seiner „wissenschaftlichen Forschungen" angelangt. In einem Artikel,. der natürlich in der „Wiener Reichspost" (vom 24. Januar) eine dankbare Abnehmerin fand, schreibt der „Herr Professor der biblischen orientalischen Sprachen" wörtlich wie folgt: „Und welchen Zweck haben die vielen Rtrualmorde? Doch nur den, damit sich die Juden, falls I. doch der verheißene Christus war, durch Genuß von Christenblut vor der ewigen Verdammnis bewahren? Sollte eine schlechtere Absicht als dieser religiöse Wahn den Ritualmorden zugrundeliegen? Warum werden alle Prozesse über diese Morde von der „A llianc e Isr aelite" unterdrückt? Jedenfalls sollten jene Juden, die nicht diesen Irrglauben teilen, zur Entdeckung der Wahrheit Mitwirken. Wie heißt es wörtlich bet Johannes 8, 32? „Die Wahrheit wird euch freimachen." Eingeweihte sind der Meinung, Herr Schlögl wolle sich aufbieseWeisebetderKurie,mit der er es infolge einer Schrift verdorben hatte, wieder einschmeicheln. Würde nicht seine Ignoranz, seine absolute Unkenntnis der jüdischen Quellen sonnenklar nachgewiesen sein, man käme auf den Gedanken, Schlögl sei der Satz in den Klageliedern Vrrl? N'IL Vn und die talmudische Interpretation in dem Sinne, daß „wer zur Höhe kommen will, sich erst als Judenfeind legitimieren müsse" bekannt und für sein Tun entscheidend gewesen. Wie Herr Schlögl, der gerade von einer Romreise zurückgekehrt, ist, sich dort mit den Kirchenfürften über verschiedene dogmatische Fragen abgefunden hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Das Dogma des Ritualmordes, das er nun mitgebracht, und nun „wissenschaftlich" wie immer, in die Massen wirft, kann unter Umstanden doch sein Gutes haben. Es zeigt uns und der großen Welt, aus welchem Geiste dieser Forscher auch seine Talmudübersetzungen, mit denen er sonst Leichtgläubigen etwas hätte vormachen können, schöpft. Der Ignorant hat sich nun als I n t r ig a n t entpuppt. „Jedenfalls sollten", um mit Schlögl zu reden, „jene Juden, die nicht Irrglauben teilen, den Aerger im Stillen. Der König ärgerte sich dem. nach doppelt: er schäumte vor Wut öffentlich und ärgerte sich auch im Stillen, ietzteres deshalb, weil, wie der Talmud (Megilla 12b) bemerkt, Waschti ihm seine niedere Abstammung zum Vorwürfe machte. Daß Waschti seiner Aufforderung, sich dem Volke zu zeigen, keine Folge leistete, darüber ,-zürnte der König gar sehr" und machte aus seinem Zorn gar kein Geheimnnis. Ueber den Vorwurf wegen seiner niederen Abstammung, „brannte sein Zorn in ihm" (2 niw wem), diesen Zorn suchte er wohlweislich zu verbergen. Und erst als dieser Zorn sich legte (-pan nvn 7)lW), erinnerte sich der König der Waschti rc.*) Als das Gesetz (zur Vernichtung der Juden) vom Könige unterschrieben und Haman übergeben wurde — so wird im Midrasch rab. erzählt — tr as Mordechai drei Knaben, die gerade aus der Schule kamen. Da fragte er den ersten von ihnen, was er gelernt habe. Dieser sprach: "«) Bisnu ineD KYv 7k. Der zweite sprach: ich habe heute gelernt “Hi idiril nXl> Der dritte hingegen begann: "IN Kirr '2K rttpt m Als Mordechat dies hörte, freute er sich gar sehr. Auf die Frage Hamans, worüber er sich so freue, gab ihm Mordechai zur Antwort: Ich habe soeben sehr gute Nachrichten aus dem Munde der Kinder vernommen, so daß ich deine Anschläge nicht fürchte. Dreimal wurde Israel von Amalek und deffen Nach, kommen überfallen. Das erste Mal gleich nach dem Auszuge aus Aegypten. Dieser Ueberfall geschah ganz plötzlich und unverhofft. Demgegenüber sprach der erste Knabe "w bikto nrffiB kyb 7k, „Fürchte dich nicht vor dem plötzlichen Ueberfalle rc." Das zweite Mal überfiel Amalek Israel gleich nach dem Tode Ahrons. In rip'n wird nämlich erzählt 7K1P2 . . . ’Jwnn pvir»i. Äer dort genannte __ 1. März lWZ. zur Entdeckung der Wahrheit Mitwirken. Wie heißt es wörtlich in ... Die Wahrheit wird euch freimachen." Freimachen auch von Schlögl und Konsorten! ... Sie Raffenfrage hei -er Volkszählung. Wir haben bereits in voriger Nummer den Rassenpunkt in der vom österreichischen Innenministerium ausgeschriebenen Volkszählung kurz gestreift. Die Sache ist indes von weit einschneidenderer Bedeutung als es im ersten Augenblick erscheint, und ' die Tragweite der Bestimmung spiegelt sich auch in der allgemeinen Erregung, die die gesamte Oesterreichische Judenheit ohne Unterschied der Partei ergriffen hat. Nachdem wir in der vorigen Nummer eine Glosse der „Wiener Morgenzeitung" im Auszug wiedergegebenZ haben, seien hier auch die beherzigenswerten, die Lage bis auf den Grund erfassenden Worte. unseres Wiener Bruderorgans, der „Jüdischen Presse^,, teilweise angeführt. , Nach wissenschaftlicher Präzisierung des Be- Ä „Raffe" richtet das Blatt, unter der Hsetzung, daß es mit der von den Zeitungen angekündtgten, im Wortlaut noch nicht vorliegendem Bestimmung seine Richtigkeit habe, folgende Fragen an das Ministerium: „Will man wirklich aus dem neu geschaffenen Staate Oesterreich unter frevelhafter Heraufbeschwörung des ganzen Jammers einen neuen Nationalitäten-Staat machen? Wagt man es wirklich, ohne Rücksicht auf die notwendigen Folgen die nationalistischen Leidenschaften aufs Neue wach zu rufen, um die Ansprüche, die aus solchen Leidenschaften über Nacht emporwachsen, zu legitimieren? Hat man wirklich die Absicht, den Gedanken der Personalautonomie, der einst von Karl Renner für das alte Oesterreich geprägt wurde, um die drohende Zersetzung aufzuhalten, in das neue Oesterreich zu übertragen, um hier den Keim einer neuen Zersetzung einzupflanzen? Ist man denn wirklich von allen guten Geistern verlassen, um jetzt, da für die Kredttoperation gerade die Elemente der Festigkeit gestärkt werden sollen, den alten Weg zum neuen Zerfall etnzuschlagen?- „Von verschiedenen jüdischen Seiten wurden wir direkt gefragt, wie denn nun die Eintragung zu vollziehen sei. In bezug auf die Frage nach der Raffe haben wir oben schon eine zureichende Antwort gegeben. In bezug auf oie Abstammung ist die Antwort klar. Selbstverständlich empfinden wir die grobe Ironie, die für die Täuflinge und ihre Nachkommen in dieser indiskreten Frage liegt. Ebenso leicht ist „König Arad" war, wie unsere Weisen bemerken (vergl. auch Raschi z. St.), kein anderer als — Amalek. Diesmal, so bemerken ebenfalls unsere Weisen, ging Amalek planmäßig zu Werke. Er gab stch als Kanaanite aus, um Israel zu täuschen und es um so sicherer zu bekämpfen und zu vernichten. Daher sprach der zweite Knabe l&Wi nsö> .istiy, „Mögen sie Pläne schmieden, mögen sie noch so planmäßig Vorgehen, ihre Anschläge werden doch vernichtet werden re." Den dritten Angriff auf Israel unternahm Haman, der Nachkomme AmalekS. Dieser sprach iw, „der <$ott Israels sei alt und schwach geworden" und kann seinem Volke keinen ausreichenden Schutz mehr angedeihen laffen. Demgegenüber sprach der dritte Jüngling: "wikvi »iKfüpT ipl, „Auch im höchsten Greisen alter bin ich derselbe geblieben; ich habe Israel bis jetzt geleitet und werde es weiter retten und schützen". Ueber diese Verheißungen freute sich Mordechai gar sehr. Er mochte sich wohl ganz besonders darüber gefreut haben, daß die Heranwachsende Jugend nicht nur Trost und Hoffnung im Glauben suchte, sondern daß sie schon frühzeitig gelernt habe, in jeder Epoche der Geschichte ihres Volkes das Walten der göttlichen Vorsehung zu verstehen und za erfassen. Auf eine solche Jugend gestützt, brauchte Mordechai wahrlich die Angriffe Hamans nicht zu fürchten. Denn wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft*). Den 3BiB vieler Gemeinden, bei Nennung deS Namens Haman in der Megillo auf die Betputte zu schlagen, ist nach dem 7"2nv in dem Verse (5. B. M., Kap. 95,2) angedeutet Win von p bk nm Die Endbuchstaben von p bk n'ni ergeben nämlich das *Hach R. «lja Wilner