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Der Israelit · 1923-02-22 · Heft 8 (22.2.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 8 (22.2.1923)
Date
1923-02-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWMWMWWWWW 38. AabwarlSK > V« Mrarltz. ftv. 8 etife B M dann das Gesetz über BundeS- und Landesbürgerschaft folgen, dessen gegenwärtiger Entwurf die fünfjährige Seßhaftigkeit fordert, jedoch auf die zehnjährige korrigiert werden soll. Der nächste Schritt wäre dann die Entziehung der politischen Rechte für diejenigen, die nicht zur österreichischen Raffe" gehören. Wir wollen diesem Versuch Vorbeugen und berufen uns mit Herrn Dr. Frank auf den Satnt-Germainer Staatsvertrag,' der im Artikel 66 ausspricht, daß „Unterschiede in Religion, Glauben oder Bekenntnis niemandem beim Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte, wie namentlich bet Zulassung zu öffentlichen Stellungen, Aemtern und Würden, nachteilig sein dürfen." TfLyerho-KloroaKet. Rücktritt des Rektors Trag, 19. Febr. Der Rektor der Deutschen Universität Dr. Steinherz ist nun zurückgetreten. Der Mann, der den antisemitischen Anstürmen seinerzeit tapfer standgehalten hatte, hat es jetzt, nachdem sich die Gemüter beruhigt, doch nicht länger mit seiner Ehre als vereinbar erachtet, einem Lehrbetrieb in einer Hochschule vorzustehen, wo der Judenhaß solche Formen annehmen konnte. Polen. Her numerus clausus- Warschau, 19. Febr. In der Sitzung der Konstitutionskommission kam der Vorschlag der Prozentierung der jüdischen Studenten auf der Universität zur Verhandlung. Ursprünglich hatte die etngebrachte Bestimmung alle nichtpolnischen Nationalitäten im Auge. Der Referent änderte aber den Vorschlag aus freien Stücken dahin, daß er sich nur auf Juden beschränken soll. Gleich nach Beginn der Kommissionssitzung legte einer von den vier anwesenden jüdischen Vertretern, Dr. Reich, Protest ein gegen die eilige und hastende Einberufung der Konferenz und beantragte Vertagung. Andere Deputierte, auch von anderen Parteien, schließen sich dem Vertagungsatttrag an. Deputierter Knochschineski verteidigt das eingebrachte Gesetz mit der Begründung, daß, prozentual gerechnet, die jüdischen Studenten um das doppelte die polnischen an Zahl übertreffen. Deputierter Grünebaum weist all diese Ausreden und Bemäntelungen zurück und verlangt, daß man doch wenigstens den Mut haben möge, das Kind beim rechten Namen zu nennen und die Entrechtung als solche zu deklarieren. Man solle doch klipp und klar erklären, daß man gewillt sei, die konstitutionellen Rechte der Juden zu begrenzen. Auch von sozialdemokratischer Sette wird Einspruch gegen das Gesetz eingelegt, während der eigentliche Jnitator, Lutoslawski, es mit aller demagogischer Kraft verteidigt. Es wird zunächst beschlossen, das Projekt mit einigen Aenderungen vor die nächste Kommissionssitzung zu bringen. kin Terrorakt gegen HJarfchauer Rabbiner. Warschau, 19. Febr. Die Rabbiner Rabbi Salomon David Kahana und Rabbi Chaim Pos ne r, zwei bedeutende Mitglieder des Warschauer Rabbtnates, wurden auf einem Dorfe bei Warschau, das sie zum Zwecke der rabbinischen Aufsicht über die Mühlen aufsuchten, von einem großen Haufen angefallen, beschimpft und tätlich mißhandelt. Den Rabbinern riß man die Zhlinderhüte vom Kopf, die durch die Straßen des Dorfes wie in einem Fastnachtzug getragen wurden. Hutlos, mit zerrtffenen Kleidern und aus Wunden blutend, konnten sich die Angegriffenen noch mit knapper Not in den Bahnwagen flüchten und nach Warschau entkommen. Line Intervention bei den maßgebenden In- * stanzen dürfte nach den bisherigen Erfahrungen kaum den gewünschten Erfolg haben. Rusireibungen Ser tteimiolen. Warschau, 18. Febr. In einem Interview mit Pressevertretern erklärte Ministerpräsident Sikorsky, daß etwa 15000 jüdische Heimlose in Warschau registriert wurden. Das Verhalten gegen die Heimlosen, die zur Einbürgerung nicht zugelassen werden und die binnen kurzem das Land verlassen müssen, erklärt er als eine Notwehr Polens gegen die Ueberftemdung. Immerhin tut sich Sikorsky sehr zu gut auf die getroffenen Erleichterungen, wie die Verlegung des Termins vom 1. März auf den 15. April. Für diejenigen Emigranten, die sich der Registratur entzogen, haben, droht er die schärfsten Maßregeln an. „Der Zorn und die Drohungen" der jüdischen Deputierten, so sagt Sikorsky, ließen ihn vollkommen kalt. Er kümmere sich nicht darum, wenn er für den einen Teil als Philofemit und für den andern als Antisemit gelte. Erstellt fest, daß die russischen und ukrainischen Behörden mit Ausnahme der jüdischen Instanzen sich mit der polnischen Emigrantenpolittk vollkommen einverstanden erklärten. (Siehe auch Leitartikel.) Die vertriebenen Jelcbiwvs. Warschau, 16. Febr. Im „Warschauer Jud" erläßt der Rabbiner aus Schitomir einen flammenden Appell an die jüdische Öffentlichkeit, den nach der Ukraine vertriebenen Jeschiwvs aus Litauen zu Hilfe z ukommen, wenn nicht bei den dort obwaltenden trostlosen Zuständen Lehrer mitsamt Jüngern verhungern und die Anstalten vollkommen eingeh en sollen. Die duftunff des russiscken Judentums Montreal, 10. Febr. '(©in In terview mit dem Moskauer Rabbiner Mia so.) Ein Mitarbeiter des „Eanadaer Adler" hatte Gelegenheit, in Moskau den dortigen Rabbiner Maso, einen der populärsten Männer der Moskauer JUdenheit, zu sprechen. Das Gespräch wandte sich bald den Verfolgungen der Zionisten und Orthodoxen durch die Sowjetbehörden zu. Rabbiner Maso gab der Ansicht Ausdruck, daß die großen jüdischen Hilfsorganisationen Amerikas, welche Sowjetrußland in der Bekämpfung des Hungers halfen, der russischen Regierung, ohne sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einzumischen, zu verstehen geben könnten, daß die Vexationen von Juden als Juden diesen Organisationen es unmöglich machen könnten, die nötigen Mittel für ihre Hilfstätigkeit in Rußland aufzubringen. Rabbiner Maso ist im übrigen nicht pessimistisch. Er sagte: „Die JUden sind das Volk der WUnder. <Äe werden auch diese Krise überstehen. Mas in zweitausend Jahren geschaffen wurde, kann nicht in zehn Jahren vernichtet werden. Die Lage ist nicht so gefährlich wie man meint, obwohl sie sehr schwer ist und diele gefährliche Möglichkeiten in sich birgt. In der Zeit der Kerenski-Regierung be--, stand eine starke Daufbewegung in Rußland, gerade jetzt aber hat eine starke Gegenbewegung eingesetzt. Jetzt lernen viel mehr Juden hebräisch als vor der Revolution. Das Verbot des Druckes hebräischer Bücher ist ein trauriges Kapitel, entstanden aus der abnormalen Lage, aber bloße technische und mechanische Swierigkeiten haben noch nie den Jdealisinus abgeschreckt. Der Ehcher hat Abtrünnige h'ervorgebracht; die Verfolgung des ©Hebers' hat die entgegengesetzte Mirbing." Das Gespräch kam dann auf die wirtschaftliche Lage der Juden in Rußland. Die Frage des Interviewers, ob die proletarische Revolution in Rußland größere jüdische Massen dazu gebracht habe, sich mit produktiver Arbeit zu befassen, verneinte Rabbiner Maso': „Es gab Einzelfälk^ die durch geänderte Lebensbedingungen hervor* gerufen wurden, aber von einer Bewegung mit allgemeinem Charakter kann man bisher nicht sprechen." „Mas die Stimmung der Inder: gegenüber der Sowjetmacht anlangt," schloß Rabbiner Maso das Gespräch, „so ist sie gut zu nennen, und die Regierung begeht einen Fehler, wenn sie sie als Feinde betrachtet. Das jüdische Kommissariat ist ohne Zweifel die unglückseligste Institution, weil es mit den jüdischen Miassen nicht in Berührung kommt. Me Juden sehen es mit scheelen Augen an. Im allgemeinen aber stehen sie dem heutigen Regime sympathisch gegenüber, weil sie wissen, daß ihr Geschick und ihre Sicherheit vom Bestand der heutigen Ordnung abhängt. Dies hat sich deutlich zur Zeit der großen Pogromwelle gezeigt. Gäbe es Anzeichen dafür, daß die Sowjetmacht wankt, so würde unter der russischen Judenheit sofort eine mächtige Auswanderungswelle entstehen, eine wilde Flucht vor den schrecklichen Folgen eines Zusammenbruches des heutigen Regimes. Und doch ist die geistige und moralische Lage der Juden in Rußland eine sehr schwere." Gntztand. Sie Missionare ln London. London, 19. Febr. Der Bischof Henrich Stefany beklagt sich in der Zeitung „Ehurch Family Newspäper" darüber, daß die Juden in London-Ost sich immer vermehren, während die Christen dort in starker Abnahme begriffen sind. Immer mehr sollte die Erkenntnis Platz 'greifen, daß die Mission nicht eher mit Erfolg arbeiten könne, als bis eine Gruppe von Judenchristen gebildet ist, die dem Christentum auf ihre jüdische Art, möglicherweise -auch in ihrer Sprache, huldigen. Wie der Herr Bischof ankündigt, wurde die Missionsarbeit in Whitechapel auf diesen Punkt konzentriert und auch ein eigener bewährter Prediger mit der Bildung und Leitung solcher «Gruppen betraut. Dem Herrn Bischof dürfte es allerdings zur Aufklärung dienen, daß ihm keineswegs die Priorität für diesen Gedanken zukommt. Es hat bereits in früheren Zeiten abtrünnige Juden gegeben Hie und da, die für ein solch jüdisches Christentum «Propaganda machten, und es ist zu erwarten, daß der Erfolg der neuen Versuche kein größerer sein wird. kine sensationelle Ruswanderung? London, 9. Febr. Hierher ist, nach einer Mieldung des „Jewish Ehroniele" die Nachricht gelangt, das' Wiener H aus Rothschild habe beschlossen, seine österreichische Niederlassung aufzugeben. Die Inhaber. seien ferner entschlossen, aus dem österreichischen Staats'verbande auszutreten und die tschecho slovakische Staalszugehörigkeit zu erwerben. Ms Ursache wird der immer mehr überhand nehmende Wiener AntisemitisNrus angegeben, der auch dieser jüdisch-aristokratischen Familie den Aufenthalt allmählich unleidlich gemacht habe. Eine Bestätigung der sensationell klingenden Nachricht bleibt wohl abzuw arten. Es scheint insbesondere unwahrscheinlich, daß sich die. Wiener Rothschilds' fv ohne weiteres entschließen könnten, die ihnen Jahrzehnte lang liebgewordene österreichische Staatsangehörigkeit aufzugeben. Eine jede Hausfrau weiß genau, welche Schwierigkeiten es in der heutigen Zeit macht, bei den geringen Kohlenvorräten und den hohen Kochgaspreisen mit dem Wirtschaftsgeld auszukomrnen und oabei den Familienangehörigen ein gut und schmackhaft zubereitetes Essen vorzusetzen. Ein Kinderspiel ist es aber, diese scheinbar unerfüllbare Aufgabe zu lösen, wenn '■ man Rieschels Patent-Grudeherd mit der patentierten Wellsiebfeuerung besitzt, wie er irn Geschäft von 1 Walter Rieschel & Co. G. IN. b. H., Liebertwolkwitz 304 | bei Leipzig, zu haben ist. Beachten Sie das Jnseral in der vorliegenden Nummer!

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