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Der Israelit · 1923-02-22 · Heft 8 (22.2.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 8 (22.2.1923)
Date
1923-02-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Grtte 4. m. 8 xw summzi Jehraar 1923 Aber nt: vielen Mellen seiner Tagebücher sind ihm die religiösen Faktoren nnb die religiösen Wh rer lediglich Mittel für die Endzwecke der J-::de.n, a m P o l i lisch en it ii d w i r t s ch a f P l i ch e n B itt j a n h a n r e z nt : tzuw i r k e n., d a m i t i h m d e r r e l i g i ö s e B i n j a n politischen Bewegung. Er schreibt: „Daß ich nichts Religionswidriges borhabe im Gegenteil -- geht daraus her vor, daß ich mit den Rabbinern, mit allen**) Rabbinern gehen will." Aber eilt paar (Seiten vorher verspricht Herzl den Rabbinern, die ihm mithelsen: „Zum Lohn werden sie in eure schöne, stolze Hierarchie gegliedert, die freilich imtner den: Staat unterworfen bleibt." Historisch interessant iß irr diesem Zusammenhang folgende Eintragung: „8. Mm (1896). Der' Chassid Ahron M arcus in Podgorce schreibt mir wieder einen schönen Brief, worin er tnir als möglich in Aussicht stellt, daß die drei Millionen Chassidirn Polens in meine Bewegung eintreten. Ich antworte ihm, daß die Mtwirkrtng der Orthodoxie hochwillkommen ist — aber eine Theokratie wird nicht gemacht." Das sind Stellen, aus denen der Zeitgeist, der vergängliche Zeitgeist, nicht Theodor Herzl spricht. Denn er fühlte beit untrennbaren Zusammenhang der nwdernen Palästinabewegung mit der religiösen Vergangenheit des Volkes: „Ich nehme die abgerissene Traditwn unseres Volkes wieder auf. Ich führe es iiJ gelobte Land." Herzl, der Zeit seines Lebens fast ausschließlich von religiös assimilierten Kreisen umgeben war, erreichte nur Weniges von den Aeußerungen ursprilnglichen, jüdischreligiösett Lebens der Vergangenheit und der Gegenwart. Aber auch . diese Rudimente genügten, um ihn ehrfürchtige Scheu vor dem geistig eit Bau der Väter erlebet: zu lasset:. Und er schreibt: „So wie wir im Wirtschaftlichen und Politischen neue Berhältnisfe schaffen wollen, so gedenken wir im Gemütlichen alles Mte heilig zu haltet:." Im Gegensatz zu manche:: taktlosen Aeußermtgen Einzelner unter den Heutigen, sagt er, dem es sicherlich nicht leicht war/ vom Aeußeret: in das Innere des Ostjuden einzudringen: „Wem es beliebt, det: Kaftan zu tragen, der soll es ruhig und ungeschoren weiter tun." Herzls itinere Entwicklung hat iht: tveit entfernt von der Weltanschauung und Lebensführung des gesetzestreuen Jude::. Da trotzdem in seinen Tagebücher:: Aeußernngen einer ursprünglichsten, tiefinnigsten jüdischen Religiosität verzeichnet sind, steigt die Vermutung auf, daß hier seelische Möglichkeiten vorhanden waren, die bei näherer, intensiver Bekanntschaft mit dem jüdischen Erbe sicherlich zu herrlicher, schöpferischer Entfaltung gekommen wären. Ein Aehnliches roie für Herzl gilt für Teile seiner zionistischen Organisation: in stärkerem Maße als die billiget: Losungen des wissenschaftlichen mü) politische:: Zeitgeistes, treibt die Unwissenheit vom eigenen Reichtum so manchen Juden zur Abkehr. Herzl gebraucht die „liebe, alte, wuudervolle Wbreviatur" Gott nur selten, aber dann immer an „Makom hakadosch", an heiligen: Orte, und er wußte um die religiösen Perspektiven der modernen Palästinabewegung, wenn er niederschreibt: „Denn Gott hätte unser Volk nicht so lange erhaltet:, wenn wir nicht :wch eine Bestimmung in der Geschichte der Menschheit hätten." Dieser Ausruf ist als Motto den vorstehenden Anmerkungen zu Herzls Tagebüchern vorangesetzt worden. Hätte Theodor Herzl zu dieser isolierten Stelle seiner Aufzeichnungen Weiteres, Altjüdisches hinzufügen könne::, wer weiß, ob nicht eine elementare, religiöse Palästinabewegung die Sehnsucht des Volkes nach Jeruscholajim stärker entflammt hätte, als es alle politische und wirtschaftliche Argumentation gestern, heute und morgen vermag. Umso geheiligter ist aber die AufMbe aller gläubigen, gesetzestreuen : **) Für Original gespurt. ha - a 11t h i 11 z u gesellt tu erde. N achbem erkttng der Red akti0 tt. Der Verfasser der vorstehenbett Ausführungen ist aus der Assimilation über den Weg des Zionismus zur Gesetzestreue und zum liebevollen Anschluß nn die religiöse Tradition gelangt; schon nt:: deswillen hallet: wir ::ns für verpflichtet, seine:: Ausführungen, die über den Rahmen einer Buchbesprechung hinaus eine Art persönlichet: Bekenntnisses darstellen, Raum zu gewähren. Sachlich können wir seine Auffassung natürlich nicht teilen. Es wäre eine verhängnisvolle Illusion, wollte ment in der heute üblichen Unterschätzung der wissenschaftlichen Kultur Europas die Gefahren, die von dieser Seite auch heute noch der religiösen Wahrheit drohen, minimalisieren, tviees der Verfasser tut, und die mrfechtbare Behauptung aufftelten: e i n gesetzestreuer Zionist wiege für den Charakter der Palästinabewegung das „Geschrei eines ganzen Haufens europäisierter Inden" aus. Wir schätzen den Gegner etwas höher ein und folgern daraus die Notwendigkeit organisierten Zusamm ens ch lusses zur Verteidigung unsrer g e i st i ge tt P 0 siti 0 :: e n. Daß der Verfasser in der persönlichen Beurteilung Herzls, auf der Suche t:ach embryonische:: religiösen Ansätzen oder Reminiszenzen in seines Helden Seele, beim Vergleich dieser leichten Spuren mit seinen: festgewurzelten traditionslosen Europäertun: mit ungleichen Mäßet: mißt, ist zu offenkundig, als daß es eines Beweises bedürfte. Der Zionismus gleicht seinem Begründer; wie dieser völlig ein Kind der areligiösen Zeitkultur war und bis an sein Ende blieb, so haftet auch der zionistischen Organisation als geradezu konstitutiv es. Merkmal die die Tendenz 'Ungleichung des eigenartigen jüdische:: Volksbegriffes an die politische Nation der Gegewvart an, ut:d es ist schwer zu glauben, daß von inner: heraus eine Beseitigung dieses konstitutiven Grundzuges der Bewegung möglich seit: sollte. Korrespondenzen u. fiadtrtcinen Deutsches Jn letzter StunOe. Krankfurt a. M., 14. Febr. Von dem I ü d i s ch e n B e a m t e n - B u t: d (einer Znsmnmensassung der Lehrer-, Rabbiner- und Kantorenverbände im ganzen. Reiche) geht uns folgender Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung zu: In letzter Stunde! wenden sich die in dem Jüdischen Beamten-Bund zusammengeschlossenen Vereinigungen an die jüdische Öffentlichkeit, insbesondere an die Gemeindeverwaltungen. Das Judentum in Deutschland ist in Todesgefahr! Schon habet: zahlreiche Rabbiner, Lehrer und Kultusbeamte ihren Benss preisgegeben, schon sind zahlreiche Gemeinden ohne Beamten, ohne geistigen Führer. Die Seminare haben ihre Tore geschlossen, die noch offenen stehen leer! Es wird in wenigen Jähreu an jeglichem Nachwuchs fehlen. So steht das deutsche Judentum vor seinem Untergang. — In klarer Erkenntnis! dieser katastrophalen Lage rufen wir den Führern der schion so lange geplautsn Gesamte rgämsationrn zu: ' - Gilet, ehe es zu ' spät ist! . Stellt alle M:re Gotwerwünsche zurück! Ei lügt Euch, um zu retten, was! noch zu retten ist! Es gilt, für Gott und seine Thora zu kämpfen! Aus der Mt des Augenblicks rufet: wir den G e m e i n d e v 0 r st e h e r n u n.d d e u Gemeinden zu/ Bringt jegliches Opfer! - Stellt die Beamten und Lehrer mindestens den Staatsbeamten gleich! Gebt ihnen ein menschenwüMges, menschenmögliches Dasein! Sie gehen Euch sonst samt uttb sonders verloren, und Ihr findet keine anderen, keinen Ersatz! Denkt an die Zukunft Eurer Kinder, Eurxr Gemeinden, Eurer Gemeinschaft, Eures Glaubens! Schon jubelt kann die Sachlage greller beleuchtet werden? — die christliche Mission ob unserer durch die Vernachlässigung der Glaubensdiener gekennzeichneten Glaubens- , schwäche, schon hat die judenfeindliche Presse sich dieses Beweises für unseren krassen Materialismus bemächtigt, schon nehmen sich die allgemeinen Beamtenverbände der im (Nend verkommenden jüdischen Beamten an — soll dieser Chillul haschem noch größer werden? Noch wenige Mionate dieser sträflichen Lässigkeit, und die deutsche Jüdenheit steht an dem Grabe, das sie sich selbst geschaufelt, dessen schauriges Memento mori verwaiste Gotteshäuser, verödete Schulen bilden. Nicht um unsertwillen, nein, um unseres .heiligen Glättbetts willen ertönt unser Notschrei. Wenn Euch das Judentum noch etwas gilt, laßt imsern Ruf nicht ungehört verhallen! dj. Don der Yolhsjähluna- Me», 19. Febr. Auf Grund des Bundesgesetzes vom 24. Januar 1923, wird die mit dem Gesetze vom 10. November 1921, nun verschobene Volkszählung nach dem Stande vom 7. März 1923 durchgeführt. Die Besttmmungen der Verordnung deSBundesministeriums für Inneres undUnterricht vom 7. Juli 1921, finden bet dieser Zählung mit folgenden Aenderungen Anwendung: „Zur Frage 7 des Zählblattes (Sprache) ist auch BolkSzugehörgkeit und Raffe anzugeben." Die Verordnung kommt zugegebenermaßen der Resolution antisemitischer Antragsteller entgegen und entspricht angeblich den verschiedenen Entscheidungen des VerwaltungsgerichtShofes in Opttonsangelegenhetten. Die Wiener M. Z. verficht die Verordnung mit folgendem Kommentar: „Herr Dr. Frank weiß, wie er seine Verordnung ausgefaßt wissen will, und die Inden, denen diese Stinkbombe vermeint ist, wissen es auch. Es ist ja bekannt, daß die Ergebnisse dieser für den 7. März ausgeschriebenen Volkszählung als Grundlage der Abänderung des Wahlgesetzes dienen sollen, und die Verordnung des Ministers, die so unschuldig tut und ja nur eine Feststellung erzielen will, soll nichts anderes einletten, als den großen antisemitischen „legalen" Festzug, so wie er in den Versammlungen der Völkischen gepredigt wird. Dieser Verordnung Sabdat-Mlavg «ml Mrga»g. Ort: Anfang Datum Ausgang UhrlMtn. 19231 508B Uhr Min. Frankfurt a. M. 5 30 34. 8. 6 45 Berlin .... 5 25 Febr. Adar S 1« München . . . 6 30 S 30 Töln..... 5 'j|5 45 Stuttgart . . . 5 6 40 BreSla« . . . ** — Mirnberg. . . S 25 s ' 0 28 SSMhALF ... — — — —

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