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Der Israelit · 1923-02-22 · Heft 8 (22.2.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 8 (22.2.1923)
Date
1923-02-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IS MovEr MM Wer -MrsrM. Ben Jeh uda ^als »Erster mid Einziger" aus dem Oelberge" geschildert worden ist, wurde nun der kurz darauf in Paris verstorbene Max Nordauzum„Rab.hiAkiba unsererZettt' erhoben, der „dem jüngeren Bar Kochba, Dr. Herzl nämlich, die Hand gereicht." Er ist dann ein paar Zeilen weiter: „der Prophet des derzeitigen Judentums, ein zweite; Jesajas, ein Jirmejahu zuweilen und am > meisten ein R a b b i M r t b a in seinem tiefer, Glauben an sein Volk-—" Und sehr taktvoll wird noch im darauffolgen- 'den Nekrolog verzeichnet: „Der Verstorbene war mit einer Frau verheiratet (darüber schwieg in Europa -er zionistischen Sänger Höflichkeit. D. Red.) die als vortrefflich und einzig in ihrer Art bezeichnet werden muß. Sie wußte seine zionistische Gesinnung zu schätzen, obwohl sie Christin ist. Seine einzige Tochter Moxa — Ztonisttn oder Christin, oder beides? — eine Zwanzigerin, ist bereits berühmte Malerin-- Hätte der Meister der ^Paradoxen" dieses Attentat nach seinem Tode — zu Lebzeiten wäre er einmal beinahe das Opfer eines solchen geworden— geahnt, er hätte sicherlich das Para, boxen 'in sein Testament ausgenommen: „Und ihr lieben Leichenredner, verschont mich, ich bitte Euch, mit den konventionellen Lügen und geschmacklosen Uebertreibungen. Denn, habe ich auch keinen Anspruch darauf, daß alle Welt mir nachwetnt, so doch darauf, daß nicht die Welt infolge Euerer maßlosen Verstiegenheiten an meiner Bahre lacht! . . ." Die noch lebenden zionistischen Größen sollten sich vor dem Jerusalemer „Doar Hajom" zeitig sichern. . . Anmekkimgeir zu Theodor Herzls Tagebüchern. Bon Dr. Robert Weiß in Frankfurt a. M „Denn Gott hätte unser Voll n.ch so lange erhallen, wenn wir nicht noch eine Bestimmung in der Geschichte der Menschheit hätten." <2. 112. I. Theodor Herzls Tagebücher *) sind mehr als die Aufzeichnungen eines Einzelnen. In ihnen klingen die verschiedenartigsten Stimmen der modernen Palästinabewegung. Int seelischen Resonanz schwingen einer Persönlichkeit treffen sich die entgegengesetztesten, die lauten und die *) Band I. Erschienen Im Jüdischen Verlag, Berlin Gottesreiche gebannt hat. -Denn das Judentum ist eine Religion des Lebens und der freudigsten Lebensbejahung, vielleicht die Religion des stärksten Optimismus, weil eS den sinnvoll waltenden Geist im Welten, getrtebe nicht leugnet, nicht tötet, sondern stärkt und belebt. .Wer soll »ober dazu berufen sein, deS Geistes Banner fiegreich durchs Erdendasein zu tragen? ES ist jenes Wesen, welches baS Endglied bildet in der langen Kette der Gattungen, jenes Sinnbild höchster irdischer Vollendung, der Mensch, der nicht, wie alle andern Geschöpfe durch Gottes Wort ins Dasein gerufen, sondern den Gottes Meisterhand selbst gebildet ei«* nx ü'.n'm nLw, onxrr nx dvt^x xi2v. Diese beiden Auffassungen vom Menschbegriff stehen sich grundsätzlich gegenüber, sie wurzeln in der Verschiedenheit der Weltanschauungen. Unsere große erhabene Anschauung van dem "Menschen als dem Träger und Bollführer göttlichen Willens, jene hohe geradezu dünkelhast überschätzend scheinende Meinung von ihm, alS dem Ebenbilde Gottes, was die mm durch die doppelte Hervorhebung gerade so nachdrucksvoll betont, — und jenes anspruchslose, gleichsam wegwerfende UrteUMjer lhn in den mechanischen Weltsystemen der -modernen Wiffenschaft, wo man ihm einen geradezu noch leeren Winkel in der Schöpfung zugewiesen hat. Denken sie wirklich höher und edler als wir, jene / offenbar so Anspruchslosen und Bescheidenen im Kreise der Wiffenschaft? (Schluß folgt.) ftittcrr Wünsche. bc$ jüdischen Volkes nach der morgenlärtdischen Heimat. Der Zeitgeist des l9. Jahrhunderts beeinflußt feilt Denken ebenso wie die Rudimente der altjüdischen Kulturtradition, soweit Herzt sie kannte, Neben eurer klaren, exakten Erkenntnis der nächst- und fernstliegew den politischen Ziele erfüllt das Buch eine Ueberschütznng der diplomatischen, nurpolitischen «Arbeit; sie ist charakteristisch für die Anschauungen des 19. Jahrhunderts. Worte' innigsten Gottglaubens, Worte der Ehrfurcht vorder religiösen Tradition liest man in diesen erschütternden Bekenntnissen eines Juden, der: soeben sein Volk sich neu entdeckt hat; aber einige Seiten früher oder später läßt der Zeitgeist beniettjen Theodor Herzl Worte der Abkehr sprechen. Die überlieferten Welt- und Lebens-- anschauungen des jüdischen Volkes sind etwas, das unterliegen muß vor den wissenschaftlicherr und technischen Errungenschaften der modernen Zivilisation . . . Typisches 19. Jahrhundert. Herzls Tagebücher sind deshalb überaus charakteristisch für die Verschiedenartig- -feit bet Strömungen in der modernen P a l ä st i n a b e w e g u n g. In den Aufzeichnungen des führender: Einzelner: rverden, präziser formuliert, die gleichen Wahrheiten und die ' gleichen Jrrtümer, das Ewige und das Zeitliche ebenso ausgesunden wie im ungeformten Denkerr der geführten Masse. Theodor Herzls Persönlichkeit kann nicht verstanden werden ohne eine genaue Kerrntnis der erfolgreicher: und der verfehlter: 'Aeußerungen der politischen, der wirtschaftlichen und der religiösen Palästinabewegung. Und die neuerliche, gegenwärtige Jnangriffnahrne des Jischnw Erez Jisrael ist undenkbar ohne die Hingabe Theodor Herzls an sein Volk. II. Irr der modernen Palästinabewegnrrg lasseir sich drei Strömungen unterscheiden: eine politische, eine wirtschaftliche und eine religiöse.. Zumeist fließen sie nebeneinander und ineirrander, aber zuweilen erfüllt eine von ihnen stärker den:: je das Denken aller Juden, die eine Renaissance des Volkes' im alten Lande Jisrael erhoffen. Bon Strömungen, nicht von Parteiungen ist hier die Rede: denn in jeder Partei und Organisation gibt es Inden, denen die politische Befreiung des Volkes und des Landes am wesentlichsten ist, gibt es Jude::, welche die Schaffung einer sicheren wirtschaftlichen Basis in Erez Jisrael als primärste Voraussetzung! zu allem Anderen ansehen. Und Irr allen Parteien und Organisationen gibt es gläubige Menschen, welche eilt Helles Wiedererstrahlen der jüdischen Neschomoh erwarte::, eine wiedererreichte Gottnähe des Am hakadosch, in diesen Tagen der Besinnung und der Mkehr von Europa. Drei Strömung'en der Chibath Zion gibt es in allen Teilerr der Nation, welche Jeruscholajim nicht vergiessen haben. Aber in den Parteien sind sie ungleich vertreten: die Menschen mit ausgeprägt politischen oder wirtschaftlichen oder religiösen Aufbauinteressen überwiegen in der einen Partei und sind vereinzelt irr der anderen. Nicht rrur die Z n s a m m euarbeit aller am Aufbau Erez Jisraels ideell und materiell Beteiligten ist das Erstrebenswerte; vor allem Anderen sollte es in das Bewußtsein aller palästinaKrichteten Inden eingehen, daß die Neukonstitniernng einer jüdischen Gesellschaft in Erez Jisrael zum Scheitern verurteilt ist, wenn man sie hauptsächlich als politisch-wirtschaftliches Kolonisationswerk ansieht und nicht weiß, daß es 'gilt, dem ungestümen Drängen der jüdischen Seele nach Befreiung der Welt, daß es gilt, dem ungehemmten Gottesdienste einer gläubigen jüdischen Nation in Erez Jisrael Raum zu schaffen. Mer ebenso einseitig und verhängnisvoll ist die Blickrichtung Derjenigen, welche an die unumgänglichen politischen und wirtschaftlichen vvt«vdsetzuuAen des! . Ro. *. Gettt » Ii sch n w Erez Jisrael vergessen oder sie bagatellisieren. In biefen Dagerr soll ja Ernst gemacht werden mit der Erfüllung der uralten Mizwas Jischnw. Erez Jisroel urrd deshalb muß der politische und wirtschaftliche Weg in das' Land gebahnt und befreit werden. Wie dieser Gedanke bei Theodor Herzl allmählich Gestalt gewonnen hat, davon erzählen die Aufzeichnungen seiner Tagebücher, mit gleichermaßen schlichten wie stolzen Worten. III. Theodor Herzl ist der Begründer des moderrren, in der Anfangszeit vorwiegend politischen Zionismus. In der zionistischen Organisation hat sich aber zu allen Zeiten neben der politischen und wirtschaftlichen, eine religiöse Palästinabewegung geregt. Die Stimmen dieser gläubigen Zronisten blieben ebenso vereinzelt wie die gottzügewandten Steller: irr Herzls Tagebüchern. A b e r s i e s i n d vorhanden. In diesen AnfzeichMngen eines Menschen, der eine seltene Fernsicht besaß, vermengen sich die religiösen Bekenntnisse eines gläubigen Juden mit Worten der zivilisationsstolzen Abkehr von der: Traditionen der Väter. Ebenso steht es mit dex Zionistischen Organisation. Chassidim und Apikorsim sind in ihr; zrr allen Zeiten hat es im jüdischer: Volk Ehassidim und Apikorsim gegeben. Man soll nicht Herzls Tagebücher die Aufzeichnungen eines Ungläubigen nennen: ein inniges, gottnahes Wort wiegt mehr als Seiten des vom Zeitgeist beeinflußten Jrrtrrms. Und man soll nicht glauben, daß bis in alle Ewigkeit Apikorsim, Opfer der religiösen .Assimilation, in der Zrorristischen Organisation führend und tonangebend sein werden: ein innerlich religiöser, gesetzestreuer Zionist in ihr ist eine sicherere Gewähr für den Zukunftschcrrakter der ziorristischen Palästinäbewegung als das Geschrei eines Haufens europäisierter Inder:. Die politisch-wirtschaftliche Not seines Volkes veranlaßte Herzl, zu ihm znrückznkehren. Er „erkannte die Leere und die NuAosigkeit der Bestrebungen zur Abwehr des Antisemitismus". „Mit Deklamationen auf dem Papier oder irr geschlossenen Zirkeln ist da nicht das mindeste getan." . Mer rwch erschütterte nicht das Volk eine aufströmende Sehrrsucht, das Europa der Progrome zu verlassen und irr der orientalischen Heimat sich geistig und körperlich zu sammeln. Herzl wußte, daß es jahrzehntelang gleichgültig und träge bleiben würde: „Den Inden ist vorläufig noch nicht zu helfen. Wenn einer ihnen das gelobte Land zeigte, würderr sie ihn verhöhnen. Denn sie sind verkommen. Dennoch weiß ich, wo es liegt: in uns! . . . Aber wir müssen noch tiefer herunterkommen, noch mehr beschimpft, arrgespuckt, verhöhnt, geprügelt, geplündert und erschlagen werden, bis wir für diese Idee reif sind." Was den Leserkreis dieser Zeitschrift .am meisten interessieren dürfte, sind die Aeußeruugen, die Herzl zu den religiösen Notwendigkeiten des Palästinawerkes niederschreibt. Herzl war in diesen und auch in manchen anderen Fragen ganz Kind seiner Zeit. Er hält die naturwissenschaftliche Aufklärurrg für einen der größten Fortschritte des Menschengeiftes. Aber er verspürt bisweiler: dennoch in sich die heimliche Regung, dem Gotte Israels so zu dienen, wie es feiner.Väter geheiligte Ueberliesernng verlangte. Zur Zeit, als er körperlich müde, aber Mistig bis zum Uebermaß angespannt seine gruMegende Schrift, den ^,Juden staut" konzipierte, fühlte er in sich die Notwendigkeit, in die Synagoge zu gehe::. Er schreibt in seinen Tagebüchern: „Ich ging zum erstenmal in den Ternpel der rue de la Victoire, fand den Gottesdienst wieder feierlich und rührend. «Vieles erinnerte mich an meine Jugend, den Tempel in der Tabakgasse in Pest." Niemals Verließ ihn das Bewußtsein, daß das Palästinawerk nur dann gelingen kann, wenn religiöse Ariobkräft» zur Gestaltung frfojjefc

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