Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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&ttte Ä. Nr. 7 Der ASrarlit. 16 Februar 1923 ' rinnen. Das kann und darf er aber nicht dulden, denn er will und er muß auf feine milchweißen (!) Gletscherströme hinausschwimmen, um auf den Gipfel des Hermon zu gelangen. Daher schiebt er, als ob feine Leser sich auf öem Jahrmarkt zu Ninive in Barnums Bude befänden, überall unversehens das Wort weiß ein, damit der harmlose Zuschauer nicht merke, daß rnor-Lnr, arab. mär gerinnen bedeutet, sondern zu dem Glauben gebracht werde, daß es die Bedeutung weiß habe. Daher spricht er vom „weißlichen" Gerinnen, von „weißen" Klümpchen, und daher sagt er nicht Eiweiß, sondern Eierklar, denn auch die arglosesten Gemüter wären stutzig geworden, wenn sie einen Satz gelesen hätten: „Das Weißgerinnen des Eiweiß." Man würde meinen, daß eine solche Methode nicht zu überbieten sei. O nein! Sie wird noch über boten durch eine unmittelbar darauf folgende Exegese, die sich auf den Propheten Nabum bezieht. Nahum verkündet die Belagerung und die Zerstörung Nineves und sagt' 3. 14 „Ns mozaur, Wasser für die Belagerung schöpfe dir. . ." Diese Uebersetzung kann und darf Herr T. nicht dulden, denn wo blieben da seine milchweißen Gletscherströme? Ja aber wie läßt sich das Belagerungswasser in Milch verwandeln? Für Herrn T. ist das eine Kleinigkeit. Er denkt frei nach Goethe: „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Da majim heißt Millich, so heißt mozaur Kalk", und mutig' wie ein Mameluck übersetzt er: „Kalkmilch schöpfe dir!" Ausgerechnet Kalkmilch! Was ist daS für ein Getränk? Ich habe mich erkundigt und erfahren, daß es eine medizinische Mischung ist, die zur Desinfektion gebraucht wird. Auch gut! Aber woraus schöpft man Kalkmilch? Fragen Sie nicht so viel! Was geht daS Herrn Torezyner an? Braucht er sich die Köpfe der Bewohner von Nineve zu zerbrechen? Braucht er sich die melkende Kuh seiner Kalkmich entführen, daS weiß gewonnene Eterklar seiner Thesen weggießen, die Gletscherspiegel seiner Hochgebirge zertreten, seine Bulkanxötler rauben und die blumigen Theorien seiner „Anfänge der Religion Israels" zerpflücken zu lasten? Ich muß nun obbrechen. Habe ich doch die Geduld der Lrser schon lange genug in Anspruch genommen. Die Beispiele, an denen ich die Methods des Herrn T. beleuchtet habe, dürften genügen. Das Buch starrt von Sinnlosigkeiten. Bei allem Geist, all?m Scharfsinn, allen Kenntnisten, über die der Berfaffer verfügt, ist seine Schrift mit ihrem Mangel an Ernst und mit ihrer anfgeschminkten Gelehrsamkeit, eitel Blendwerde zu einer sozialistischen — „was ich schon seit langem behauptet habe. Darüber werden vielen Konservatioen, die vermeinen, sie in richtigen Bahnen hallen zu können, bald die Augen ausgehen". Und zuguterletzt, am 12. November 1897, als die Antisemiten in der Stichwahl gegen einen Koweroaliven gestimmt hatten, in der Prtegnitz, schreibt Waldersee: „Sie zeigen, was sie sind — schlimmere Leute als die Sozialdemokraten". Zu diesem Ergebnis kam Stöckers Freund, der dem Antisemitismus ehedem Vorschub geleistet hatte. Q3D Sabbat-Anfang and Hingang. trfcjDtPb rQ«?. Ort: Anfang Datum Ausgang Äkln. IE SS8S Ul^r Mtn. Frankfurt a. M. 5 20 17. 1. s 85 Berlin .... & 15 Febr. Adar ö 08 München . . . 5 80 6 17 «ln. 5 3o 6 85 Stuttgart. . . & 80 ( 29 BreSlan . . . — - — - StSrnbera. . . 5 15 e 18 - - - - werk. Es fehlt ihr das-' was eine Wissenschaft^, liche Leistung adelt, auch' wenn sie irrt-die furcht vor der Wahrheit, vor der schlichten, sensationslosen, heiligen Wahrheit. Diese allerneueste „jüdische Wissenschaft" ist ein Dokument der Unjüoischkeit und der Unwiffenschaftltchkeit. Lorrespondenre« «. Oachricdttk ^eutTdfe» Reich. Nmerikanllckie ttüifsgel9er für DeuffdilanB. Berlin, 8. Februar. Wie unseren Lesern bereits bekannt, hat das amerikanische Joint Distribution Committee für die deutschen in Not befindlichen wissenschaftlichen und humanitären Anstalten sehr namhafte Spenden nach Deutschland überwiesen. Während die Verteilung für die wissenschaftlichen Institute bereits erledigt ist, wird eine solche für die humanitären Anstalten vorbereitet. Auf Wunsch des amerikanischen Komitees soll diese Verteilung durch Vermittlung der Gemeindeverbände stattfinden. Zu diesem Zwecke hat ein von Landesoerbänoen der deutschen Spnagogengemeinden gegründeter „Reichswohlfahrtsausschuß" ein besonders Komitee eingesetzt, das um Delegierte des „Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemetnden", sowie um solche aus der „Z entralwohlfahrtsstelle" vermehrt worden ist, zu denen noch ein Vertreter der deutschen Abteilung des „Joint" hinzukommt. Wie wir hören, wird von diesem Ausschuß in den nächsten Tagen an alle Krankenhäuser, Waisenanstalten, Altersheime und sonstigen Wohlfahrtsanstalten ein Fragebogen verschickt werden, von dessen genauester Beantwortung die zu bewilligende Summe abhängen wird. In den Ausschuß wurden seitens der Landesverbände der deutschen Synaqogenverbände delegiert: die Herren Dr. Freund, Kammergerichtsrat Wolf, Dr. Sandler, sowie Rechtsanwalt Klee, Moritz A. Loeb, Prof. Türck, sämtlich in Berlin und zwei auswärtige Mitglieder, von dem Landesverband gesetzestreuer Gemeinden: Dr. Meier Hildesheimer in Berlin und schließlich von der „Zentralwohlfahrtsftelle": die Herren Ca spart und Dr. Moses. 6egm Mer. München, 1. Febr. Ministerpräsident v. Knilltng, der heute im Finanzausschuß über die Angelegenheit Hitler sprach, sagte u.a.: die nationalistische Bewegung sei seit längerer Zeit in ein für die öffentliche Ordnung gefährliches Fahrwasser geraten. Durch den Ausnahmezustand sei der Allgemeinheit der Ernst her Lage klargemacht worden. Nur durch ihn habe sie auf die die öffentliche Ordnung bedrohenden Gefahren aufmerksam gemacht werden können. Wäre der Ausnahmezustand nicht verhängt worden, so hätten die geringsten Zufälle Anlaß zu einem verderblichen Brand geben können, und dies hätte eine schärfste Gefährdung der nationalen Einheitsfront bedentet. Bayerns Ansehen und guter Ruf wären endgültig erledigt gewesen. Der Ausnahmezustand sei fürsorglicher Weise auf das rechtsrheinische Bayern ausgedehnt worden, weil auch an anderen Orten Zusammenstöße mit Nationalsozialisten befürchtet werden mußten. Der Ministerpräsident schloß: „Weg mit der Zwietracht im Innern! Der Feind steht drüben am Rhein! Wenn er uns nicht einig sieht, streckt er die Fangarme noch, weiter über das Land. Jeder, wahre Deutsche darf jetzt nur einer Partei .angehören, der'gemeinsamen des ^aterlandesr!"-* (Lebhafter-Beifall.) GMVNverrh Eine Rolhlrfiilö-Töt. Me». 7. Febr. Das vor kurzem von den Sitzungen des Aktions-Komitees aus Berlin zurückgekehrte österreichische WUtgUieb des A. C.-Jng> Robert Stricker berichtete in einer zionistischen Versammlung in Men, daß sich Baron Ed? m u n d Rothschild in Paris formell, verpflichtet hat, die g e s a m-t e Summedie noch - zur vollständigen Durchführung des bekannten. Projektes des Ing. Ruthenberg zur Ausnützung der Wasserkräfte Palästinas für die Elektrifizierung des Landes , fehlt, vv rzustr ecken. Auf:, diese - Weise ist die Durchführung des für die, Entwick" lung Palästinas so ungcheuer wichtigen Pro--, jektes gesichert. Zusammenschluß Ser Harpaforufftfrfien JuOenheif mit der Orthodoxen LandesorganK fation 3er Sfonahei- Wie». 9. Febr. Die seit längerer Zeit zwischen der orth. Landesorganisation und denVertretern.der Podkarpatskorussischen Judenheit und. den - staatlichen Behörden gepflogenen: Verhandlungen sind nun zum Abschluß gelangt. Am 11. Jan. fand in Uzhorod eine Versammlung der 21 angeschlossenen Müttergemeinden (im ganzen gibt es in Podkarpatskoruß 24), deren Anschlußprotoko lle von den Generalversammlungen der betreffenden Gemeinden dem zuständigen Gouvernement -bereits unterbreitet wurden, statt. Das Präsidium der Landeskanzlet wurde vom Gouverneur in längerer- Audienz empfangjen, in welcher die staatsrechtliche Seite des' Anschlusses den Gegenstand eingehender Beratung bildete. Die Landesrepräsentanz und der Berwaltungsausschuß wurden durch gewählte 10 Rabbiner und 15 Laien in die Repräsentanz, respektive -3 Rabbiner und 5 Bale Batim in den Verwaltungsaus schuß kreiert, welcher die legale Vertretung von Podkarpatskoruß, bilden. Ein dreigliedriges provisorisches Komitee wurde eingesetzt, dessen Aufgabe es ist, die technische Durchführung der Vertretung der Landeskanzlei durch Errichtung einer ^Positur in die Wege zu leiten. Der Gouverneur gab: seiner Beftiedigung darüber Ausdruck, daß nunmchr die Konsolidierung der jüd. Gemeinden in Podkarpatskoruß gleich derjenigen Slovenskoszum Wbhle des Staates und der nahezu-Vs Million orth. Juden des Landes mit Sicherheit zu erwarten?- sei. Ungarn. Die „Erroachenden Ungarn". 8. Febr. Seitdem Ivan Heijas zu. Begmnrdieses Jahres in einer- Berfamrrilungpcher..^„Erwachenden Ungarn" das Jahr 1923 als das Jahr der unter seiner Führung zu erfolgenden Erlösung Ungarns -vvrnv?jMWe^-Ioch:r;UViv-4»M der Fremdherrschaft bezeichnete, zeigen verschiedenen Gruppen der „Erwischenden" eine gesteigerte Aktivität. In der letzten Vor zwei - Tagen stattgefundenen Versammlung der „Er--, wachenden Ungarn" im achten Budapester Bezirk erklärten die Redner, daß sie auch..vor der Regierung keine Angst haben und sich in der Durchführung ihres Vorhabens nicht beirrenlassen werden. In den Pwvinzversammlungen wird rund heraus damit gedroht, daß zunächst die gesamte Provinz von Juden und Scheinchristen gesäubert werden wird und daßdarmein Marsch nach Budapest - angetreten werden.- soll, wo. eine Ba r t h o l o m ä.u s n a ch.t veranstaltet werben soll,. Unter der-.'se!W.chas. Oxif, ginal zurüDchsn - wird.