Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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IS^Fsebruar 1LW , '..... . . ft^." fü35^Ttj|rfjöSt|i§e^~10!3K$eK:'ittJ!erbeit"^g®I^ schaftlich"; auAgieschlossen ü&er gemieden,.;. Ms dasseWe ist — ein Schüler der Oberrealschule wollte sich das LMn nehmen usw. laut Mitteilung der „Münchn. PoU( und ^anderer Vaher. Zeitilngen), so wird man sich doch nicht entschließen können, eigene. jüdis che Volksschulen zu gründen. Wr werden die Forderung der jüdischen Volksschule solange erheben, Ns sie restlos erfüllt ist. Neue Bolksschulstelleu sind in den letzten Jahren entstanden in Bad . Brückenau, Marktbreit a. M., Nürnberg (orthodoxe Gemeinde: 4 Stellen) und Würzbürg: drei Stellen. Weitere. jüdische Volksschulen müssen errichtet werden in: Aschaffenburg (2 Stellen), Schweinfurt, Blad Kissingen, Hammelburg, Mellrichstadt, Neustadt a. S., Laudenbach und Geroda (sämtlich in Unterfranken); Koburg, Bamberg und Bayreuth (Oberfranken); Erlangen und Neustadt a. Msch (Mittelfvanken); Augsburg mit) Memmingen (Schwiaben); Landau (2 Stellen), Neustadt, Kaiserslautern, Zweibrücken (Pfalz). Die meisten Bolksschulstellen befinden sich auf dem Lande; aber auch in verschiedenen Städten Bayerns bestehen bereits jüdische Volksschulen . zur .größten Freude der. Gemeinde, .der, Schüler und der Lehrer, so in Ansbach, Gunzenhausen, Treuchtlingen, RegensbUrg, Weiden und Kitzingen. Den Gemeinden aber möchte ich in letzter Stunde zurufen: „Legt fest den Grund, fügt Stein auf Stein, Mit Winkelmaß und Senkel: Ihr baut das Haus nicht euch allein, . Ihr baut es auch dem Enkel!" ch * Es liegen zur. Zeit zwei Entschließungeu bayrischer Regierungen vor, die in diesem Zusammenhang interessieren und daher hier mitgeteilt sein mögen. Regierung von A.: . . . „Die Regierung ist genötigt, mehrere ganz schwach besuchte Schulen aufzuheben und deren Lehrkräfte auf etwa neu zu gründende Lehrstellen einzuteilen. Freie Stellen sind überhaupt nicht vorhanden. Im übrigen darf in absehbarer Zeit mit einer näheren Regelung der Äustellungsverhältnisfe der jüdischen Lehrer durch das Ministerium gerechnet, werden." (5. 2. 1923.) R e gi e run g vo n. B.: „Jnsolange die israelitische Kultusgemeinde. 3ß keinen Antrag auf Errichtung einer israelitischen Volksschule in 36 gestellt und sich zur Uebernahme des Sachbedarfs bereit erklärt, kann Ihrem Gesuch nicht nähergetreten werden." (31. 1. 1923.) Es liegt also lediglich an den jüdischen Gemeinden/ wenn die jüdischen Lehrer verkümmern und. dem Untergang geweiht sind. Die jüdischen ' ^GemeiriLÄr häben Mark (zMidauserid. Mark) 'ÄsSachbedarf zu leisten, während das ganze Gehalt des Lehrers vom Staate bestritten, wird. Eine schönere und loyalere ' Einrichtung des bayerischen Staates kann man sich nicht denken. Und das in Bayern, das . durch Antisemitismus verschrieen ist. Auf Grund der bestehenden Verhältnisse und der Gleichgültigkeit der Gemeinden muß vielmehr behauptet werden) daß der Antisemitismus — so paradox es auch klingen mag — Äuf Seiten der jüdischen Gemeinden zu suchen ist. iß* „jüdische Bon Rabbiner Dr. S. Kaatz in Hindeuburg O. S 3. Der exegetische Hochtourist pflückt auf demselben Wege (S. 286) noch ein anderes am Rande eines schwindelnden Abgrundes gewachsenes Alpenblümlein, indem er den Satz Ps. 42. 10 „Ich will sprechen zu Gott, der mein Fels ist" mit dem Latein der Ueberzeugung elnes Watdmanns übersetzt: „Ich will sprechen zu meinem Gott, zum Gott des Felsens!" Und da, wenn baagolo ein Wagen ist, biswan koriw ein Schlitten sein muß, so kann, wie Herr T. mit der kühlen Sicherheit eines Gletschers konstatiert, in dem vorangehenden Satz Ps. 42. 2 „Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott, wann werde ich gelangen und erscheinen vor Gottes Angesicht?" mit dem „lebendigen Gott" nur der „Herr des Berges" (S. 286) gemeint sein. Es ist ein jämmerlicher Witz, bet Unkundigen die Meinung hervorzurufen, daß der Tempel des Gottes Israels, nach dem der Psalmist sich sehnt, nicht in Jerusalem, sondern auf den Gletschern des Hermon gestanden habe! 4. Der Verfasier behauptet, daß alles, was er aus der Bibel über den Gott „des nördlichen Gletschergebirges" erschlaffen habe, seine „glänzendste Bestätigung" aus den Keilschriften der Assyrer und Babylonier erhalte (S. 286). Obwohl nun bekanntlich daS ketlschriftliche Assyrien-Babylonien bet entsprechender Phantasie- und Willensrichtung das Land der unbegrenzten Bewetsmöglichkeiten ist, ist doch das, was Herr T. hier behauptet, überbabylonisch. Die Wahrheit ist nämlich folgende: Im Assyrischen hat, wie bereits oben bemerkt wurde, die Vokabel saölu die Bedeutung hoch, erhaben; sie heißt demgemäß auch Berg, Herr usw. Daher werden alle assyrischen Götzen in den Keilschriften mit sadu d. b. Herr oder Berg bezeichnet. Ob sie ■ " Ro/7. , MardÄ, Bel, Amürrü, NinIb, E-,M, Afur, Anü usw. heißen, allen diesen Götzen wird in den Keilschriften das Attribut sadu ober sadu rabbu „großer Herr" oder „großer Berg" beigelegt, wie das in den einschlägigen Werken u. a. in den assyrischen Handwörterbüchern von Delitzsch und Muß-Arnolt groß und breit zu lesen ist. Herr T. weiß das ganz genau. Da aber die Leser, für die er schreibt, ihm nicht auf die Finger sehen können, so verheimlicht er daS, sagt Hopla und das Kunststück ist fertig und der große Bellachini legt lächelnd auf den Tisch deS Hauses die „glänzende Bestätigung" nieder. 5. Es ist unmöglich, hier alle Kunststücke auszuzählen, durch die sich der Verfasser mit seinem exegetischen Eispickel den Weg zu den Gletschern bahnt. Ich will seine liebliche Methode nur noch an einem einzigen Beispiel illustrieren: Ein Glied in der Kette seiner Beweise, daß unter Sch. der Hermon zu verstehen sei, bildet u. a. der Nachweis, daß Jes. 19. 6 *yiXö 'H1R* nicht zu übersetzen sei „die Nile MtzraimS" sondern „die milchweißen (!) Gletscherftröme" (S-284). Wie beweist er dis? Etwa durch Joel 7. 12, wo von den „Städten MtzraiMs" die Rede ist? O nein, denn diesen Satz, der allein schon genügt hätte, seine gletschertge Mozaur-These über den Haufen zu werfen, unterschlägt er natürlich seinen Lesern. Erbahnt sich einen andern Weg, um für die Vokabel mozaur eine ihm erwünschte Deutung zu gewinnen, und macht uns dadurch mit philosophischen Entdeckungen bekannt, dte zu den köstlichsten Teilen seines Buches gehören. Er behauptet, daß mozaur, arabisch mdr, im Semitischen „das weißliche Gerinnen einer Flüssigkeit" bedeutet. Wie meint er das? Wenn dte Flüssigkeit weiß ist, so kann sie doch, wenn sie gerinnt, nur weißlich gerinnen. Ist sie aber rot oder grün, so kann sie doch nur rötlich oder grünlich gerinnen und nicht weißlich?! Der Verfasser fährt fort: »So bezeichnet arab. mdr das Gerinnen der Milch zu weißen Klümpchen." Wie meint er das? Da doch die Milch weiß ist, kann sie denn da anders gerinnen als zu weißen Klümpchen?! Der Verfasser fährt fort: „(So bez-ichnet) im nachbiblifchen Hebräisch “JTö das Wetßgerinnen des Eierklars." Was ist Eterklar? Das Wort ist mir unbekannt. Es scheint ein Ersatz für Eiweiß zu sein. Warum sagt er aber nicht Eiweiß? Und wie meint er das? Kann denn Eiweiß anders als weiß gerinnen?! O Herr Torcyner weiß ganz genau, was er will. Dte Sache liegt nämlich so: mozaur, arab. mdr bezeichnet im Semitischen das Slchzusammenziehen, die Einengung, die Bedrängnis, daher auch die Belagerung und auf Flüssigkeiten angewandt das G ezu verstehen, dürfte wohl abseits liegen. Ebenso abseits liegen dürste wohl die Bemerkung deS v"ni:ii^v bedeutet nßt. Wesentlich erscheint dagegen die Lesart des ö"*n: vriD*> twi» rwlr» sn inot? vsv. Also nicht aus Furcht für uns, sondern doch mit Rücksicht auf den nr warnt uns die min. ftft die Lesart des 0*8*1 (Fürth 1763) verbürgt? Berliner (1. Ausgabe) führt sie nicht an. L. L. Andacht des modernen Juden. iTUf Bon Hermann Chon in Hamburg. Unter obigem Titel bringt die letzte Nummer der „C B. Zeitung" des Organs des „Central-BeretnS deutscher Bürger jüdischen Glaubens" einen von einem Hans Adolf Margolius geschriebenen Artikel, dessen Inhalt jeden denkenden und gläubigen Juden mit Abscheu und Bitterkeit erfüllen mutz. Mit Abscheu, weil daS uralte und ewig neu sich manifestierende Wallen Gottes ins Lächerliche gezogen wird, und mit Bitterkeit, datz ein solches gedankenloses, oberflächliches Geschwätz von einem Blatte, welches ernst genommen sein will, veröffentlicht wird l, — M. schreibt u. A.:.. „Im letzten Unbewutzten, tragen fie das Bild des gütigen Baters als Bild von ihrem Gott, der sie belohnen und bestrafen kann, dem sie sich ganz tote einem stärker» Wesen anvertrauen. Sie sind die Alten, die „Bauern" unter uns, die von Errungenschaften der Zeit nichts «iffen und nichts wiffen wollen. Aber sie haben ihre Andacht, wenn fie nur überhaupt empfinden! könne». Und neben ihm stcht der „Bürger". Ar weiß um die Errungenschaften seiner Zeit. Er weitz um dte Bedenken des Verstandes gegen Gottes Existenz. Im tiefsten Grunde belächelt er das Bild des gütigen BaterS und hat doch kein anderes Bild an seine Stelle hinzusetzen. Er ist vielleicht im letzten Sinne der eigentliche Gottlose. Und doch hat er Andacht und Ge. bet: Gebet der Traditton. Andacht der Pietät! Er geht alljährlich an den heiligen Tagen in das Gottes» hauS ... weil die Gewohnheit es verlangt. Wir w issen, daß Gott, persönlich oder unpersönlich, kein starres Sein über der Welt bedeutet, dem unsere Wohltat, unsere Reue angelegen find . . . Wir sehnen uns nach ihm als einem steten Werden, als einer ewig jungen Kraft." Also nach M. tragen die Frommen, die „Bauern", das Bild GotteS als gütigen Vaters und Helfers in sich, „wiffen aber nichts von den Errungenschaften der Neuzeit", während die Gottlosen, welche die „Errungenschäften der Neuzeit" kennen und welche wiffen, datz Gott kein wirkliches Wesen bedeutet, aus Tradition beten und aus Pietät andächtig sind. Zu wem beten diese Leute eigentlich und zu wem, oder für was sind sie andächtig? Ein gedankenloseres Sprüchlein ist mir noch kaum vorgekommen! Da haben doch die Frommen, dte Kauern, obgleich sie nach M. nicht die Errungenschaften der Neuzeit kennen, mehr Verstand, weil sie doch wiffen, zu wem sie beten und warum sie andächtig sind. Menschen, dte alljährlich an heiligen Tagen in die Synagoge gehen und beten, obwohl sie nicht an einen Gott glauben; die also den Sinn des BetenS gar nicht begreifen können, und den mechanischen Synagogengana nur machen, weil ihre Eltern eS auch getan haben, stehen auf derselben gedankenlosen Geistesstufe wie jemand, der etwa jedes Jahr zwei Wochen lang täglich zehnmal um den Häuserblock der Synagoge herumspazteri, weil sein Vater es auch getan, der aber nicht wettz, datz sein Vater fich diese Bewegung auf den Rat seines Arztes machte. (Waldersee und die Antisemiten). Datz sich in den Denkwütdigkeiten des Feldmarschalls Grafen Alfred Waldersee allerlei antisemitische Wem düngen finden, kann bet dem Gönner Stöckers nicht Wunder nehmen. Am 11. Oktober 188* verzeichnet er, man mache jetzt den Versuch, den jungen Kaiser als Freund oder wenigstens als keinen Gegner der Juden darzustellen; aber er halte die Abneigung Wilhelms II. gegen das Judentum „füc so festgewurzelt, datz auch Bismarck nichts dagegen tun kann". In diesem Sinne sucht er auch den Kaiser, namentlich zugunsten Stöckers und zuungunsten BletchröderS zu beeinfluffen. besonders als Bismarcks Sturz in Sicht kam. Bald scheint fich jedoch in seiner Seele ein Wandel anzubahnen. Schon am v. November 1890 schreibt er: „Eine heikle Frage wird immer die jüdische bleiben. Der Staat darf auch hier nicht als Verfolger auftreten und Ausschreitungen der Christen gegen die Juden nicht dulde»; er darf aber auch die Juden nicht protegieren, wie er es in seinen Organen unbedingt tut. Den wirksamsten Kampf gegen das Judentum würde cS bedeuten, Wenn darauf hingewirkt werden könnte, datz die Christen daS goldene Kalb weniger anbeten, wieder einfacher in ihrer Lebenshaltung und ihren Neigungen werden. Man darf auch nicht vergessen, datz auch viele Christen in Habgier es den Juden gleichtun und erbarmungslos jeden auSplündero, der in ihre Hände fällt". - Der General bedient fich dann anlätzlich deS ProzeffeS über die»„Judenflinten" äutzerst scharfer Ausdrücke über Ahlwardt und Böcke! und verzeichnet am iS. März 1896, die antisemitische Agitation