Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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&** 2 Nr. 7 schweren Kampf um ihr religiöses Recht zu führen. Neben dem Schächtverbot, das die schweizerischen Juden zwingt, wenn sie bet Einhaltung der Speisegesetze aus den Fleischgenuß nicht verzichten wollen, sich unter den heute doppelt schwierigen Verhältnissen vom Auslande her mit Fleisch zu versorgen, ist es der Schreibzwang am Sabbat in der Schule, der darauf angelegt ist, für die treu zum Religionsgesetz haltenden Juden der Schweiz eine seelische Not zu schaffen, die nachgerade unerträglich ist. Wiederum ein Beweis dafür, wie Recht und Freiheit und Liebe in Verkennung und in Mißdeutung ihrer letzten Zwecke in ihr Gegenteil Umschlagen, können. Aus angeblicher Liebe zum Tiere wird 10000 Bürgern der. Fleischgenuß entzogen oder erschwert, aus angeblicher Gleichheit wird jungen Kindern in der Schule die Religion aus dem Herzen geriffen und werden deren Eltern in eine Gewiffensnot ohne gleichen gebracht. DaS freie Zürich geht in diesem edlen Bestreben den anderen Kantonen voran. Nachdem bisher von Zeit zu Zeit noch einzelne und generelle Dispense von der Schreibarbeit am Sabbat, stets nach langwierigen Verhandlungen, erreicht werden konnten, ist j?tzt ein Beschluß der Zürtcher-Zentralschulpflege bekanntgegeben worden, der ganz diktatorisch verfügt, daß mit Beginn des neuen Schuljahres sämtliche israelitischen Schüler ohne Ausüahme sich am Sabbat an den Schreibarbeiten beteiligen müssen. Da das kommende Schuljahr schon im April beginnt, so bleibt nicht viel Zeit übrig, der drohenden Gefahr entgegenzutreten. Wie an anderer Stelle unseres Blattes mitgeteilt, gehen die Bemühungen der Vertreter der Züricher Gemeinden nach zwei Richtungen hin: 1. Rekurs gegen den drakonischen Beschluß einzulegen, und 2. Errichtung von jüdischen Schulen, eventuell durch Anschluß an bestehende Privatschulen. Zu letzterem Zwecke wird jetzt in Zürich aus dem Wege von Rundfragen das nötige Material gesammelt. Die bisherigen Erfahrungen in der Schweiz vermögen uns bezüglich des ersten Punktes nicht sehr optimistisch zu stimmen. Die hochmögenden republikanischen und sozialistischen Gewalthaber (wir erleben genau das gleiche auch in Sachsen) lassen sich von den „religiösen Schwächen" dieses oder jenes Bevölkerungsteiles in ihrer Politik der starken Hand nicht irre machen. Gleichheit muß sein. Und wenn es auch, nm mit Heinrich Heine zu reden, die Einhettsknute ist, mit der Seele und Gewissen gläubiger Menschen ohne Unterschied bearbeitet werden!... Um so intensiver sollte man bem anderen Plane nachgehen, - Helfen können in der Tat heute,'da wie dorr, nur eigene jüdische Schulen! Die kosten Geld, viel Geld, aber -die Erziehung der Jugend, die Sicherstellung unserer jüdischen Zukunft, ist es wert, daß die jüdische Opferfreude h«er bis zum Höchsten und Letzten geht. Freilich wird, wenn das Unternehmen aus der Idee in die Praxis tritt, das Zusammengehen der verschiedenen Gemeinden und Richtungen eine Grenze finden müssen. Doch darüber wird erst später zu sprechen fein. Für jetzt gilt es in der Tat für die schweizerischen Juden, eine feste Einheitsfront zu bilden, zur Abwehr religiöser Entrechtung und zur geistigen Selbsthilfe auf dem Wege der jüdischen Schule. Der Erste und Einzige.... In einem maßlos überschwänglichen Nachruf üuf den verstorbenen Führer der hebräischen Kultur in Palästina, Elieser ben Ieh uda, wird, von D- Judelowitz im „Doar Hajom" geschildert, wie der Verstorbene in allem, was mit der Kultur und geistigen Entwicklung Palästinas zusammenhängt, der Erste und Einzige war. Er war auch, der Erste, so entfährt es Judelowitz in der Hitze des Gefechtes, der bewiesen hat, daß man „guter, ausgezeichneter Jude im vollsten Sinne des Wortes seinkannauch ohne Religion und der diese Doktrin des religionslosen Judentums in ein System gebracht hat." Er war auch der Erste unter den Kämpfern für „Freigabe des Schemita" und am Ende, so schließt der Dttljyrambos, sei er auch „der Erste auf dem Oelberg", der Erste unter den dort Ruhenden, der „in Witklichkeit nicht tot ist, sondern immer wetterlebt und fortwirken wird." Die Bedeutung Ben Jehudas als Regenerator der hebräischen Sprache in Ehren. Aber Herr Judelowitz darf doch nicht vergessen, daß es früher schon Männer in Jerusalem gab, die so gut Hebräisch schrieben wie Elieser ben Jehuda, wie z. B- Jesajas, die Psalmisten oder ein Salomon ben David, der das „Hohe Lied" verfaßt hat, und noch viele andere Dichter und Denker, Propheten und Lehrer, die die Ehre mit Ben Jehuda teilen, auf dem Oelberge zu schlummern und am Ende doch noch ein wenig Anspruch auf Unsterblichk.eit haben! .... Freilich geht diesen Männern das Verdienst ab, religionsloses Judentum gepredigt .und in ein System gebracht und mit dem Worte der Thora gegen die Thora gekämpft zu haben. Für sie war die Sprache das heilige Gewand für die göttlichen Hochgedanken, denen sie mit* ■ tels des Wortes Platz und Herrschaft im menschlichen Fühlen undTun zu sicherst gedachten. Gewiß, der Vorzug, die Kohle von der Flamme, das Wort vom Gedanken zu lösen, die Sprache in Kampfstellung gegen den Geist zu bringen, dies blieb de n späteren hebräischen Kulturapostel Ben Jehuda Vorbehalten. Allein auch darin war er nicht der Erste! . . . Und ist leider auch nicht der Letzte. Das beweisen am deutlichsten diese geschmacklosen, unhistorifchen, alles jüdische Empfinden verletzenden Ergüsse, gegen die die jüdische Oeffentlichkeit noch schärfer Stellung nehmen müßte, würde es uns nicht aus rein menschlichem Empfinden widerstreben, den Tod eines in seiner Art auf vielfachen Gebieten verdienten Mannes zum Anlaß solcher Auseinandersetzungen zu machen. Gründet jüdische Volksschulen. Aus Bayern wird uns geschrieben: Die finanzielle Lage der jüdischen Gemeinden und damit der Lehrer wird von Tag zu Tag prekärer. Min kommt auch aus München, der größten Gemeinde Bayerns, die unerfreuliche Nachricht, daß die dortige Gemeinde nicht mehr in der Lage ist/ ihre Beamten in voller Höhe zu besolden. Andere Gemeinden werden bald folgen und was dies bedeutet, das wird die Zukunft lehren: Verfall und.Zerfall des Judentums, nach innen und nach außen.- Die Pflanz- und Bildungsstätten von Talmud und Thora werden den Zeitverhältnissen zum Opfer .fallen und kein Mensch wird dies verhindern können. Da gibt es nur einen Ausweg. Durch!g!anz Bayern muß, der Ruf ertönen: „Gründet jüdische Volksschulen!" Tie jüdische Volksschule wird vom Staate übernommen und der Lehrer vom Staate besoldet. Viele Gemeinden sind stolz auf dieses Kleinod, die jüdische Volksschule; sie bildet gerade an den kleinen Orten den Kristallisationspunkt der ganzen Gemeinde. Ortschaften wie Altertheim, Thüngen, Heßdorf, Ursprüngen sind der Geburtsort eines großen Teiles der. Lehrer, wie überhaupt der Kreis llnterfranken eine beträchtliche Zahl von Lehrern für ganz Deutschland stellt. Dagegen stammt beispielsweise aus dem bayerischen Obersranken, dem Sitz des Afsimilantentums und des Antisemitismus, kaum ein einziger Lehrer im ganzen großen deutschen Reich. Wir wollen den Kampf gegen das Assimilantentum in diesem Teil Bayerns nicht ausnehmen, weil er zwecklos ist. Wenn z. B. die Belästigung der jüdischen Schüler im bayerischvberfränkischen Ko bürg (und Umgebung) noch Gin Halver Schekel. Bon Rabbiner Dr. Felix Kanter, Zwrttau (Mähren). Die Lehre vom Halben Schekel, so bemerken unsere Weisen (veröl. Talmud ser. Schekalim 3, Midrasch rav. 12 und Raschi z. St.), fiel unserm Lehrer Moses schwer, d. h. er konnte sie anfangs nicht begreifen. Da zeigte ihm der Herr eine Münze aus Feuer und sprach: 122V' .112, ..So wie diese (Münze) sollen sie (die Israeliten) spenden". „121 jwefy n"2p,i .1X1.1 e-x w P2VV. In der Tat, die Lehre von dem halben Schekel ist nicht so leicht zu begreifen; aber nicht etwa die Lehre als.solche, sondern die Verheißung, die sich an diese Lehre knüpft, und die Wirkung, die die scheinbar geringfügige Spende von einem halben Schekel zu erzielen berufen ist. Der Zweck dieser scheinbar gering, fügigen Spende ist, wie die Heilige Schrift ausdrücklich bemerkt, BD’WW iv27, „als Sühne für eure Seele zu gelten." Eine scheinbar kleine Ursache und eine solch große, ja unermeßliche Wirkung) Ist diese Lehrein der Tat nicht schwer begreiflich? Ist denn die Wirkung der Npi2t tot allgemeinen nicht schwer zu verstehen? Welcher Lohn und welche Verheißungen knüpfen sich denn; nicht an das npiX-Gebot? npix rettet vom Tode, heißt es in den Sprüchen des weisesten Königs; wer npi2t übt, wird sich einst am Anblicke der ,12'2P ergötzen, lehren unsere Weisen, denn so singt der Psalmist 1'2& mnx p12£2 '2X; ferner lehren unsere Weisen: Wer einem Aimen selbst die kleinste Gabe reicht (.iviis), wird dafür sechsfach gesegnet und wer die Pflicht des irr>pv erfüllt, wird dafür mit irdischen Gütern reichlich gesegnet (ilppnriip *>'2B>2 ir»p). Und dieser Lohn und dieser Segen wegen dieser einen ni2tD, die den Namen nplJt führt I Und dabei ist der Begriff ,ipi2t nicht einmal klar präzisiert: man kann.ipixüben durch große Summen und auch durch — bpwn mrne. eimn halben Schekel, der schon infolge seiner Halbheit sicherlich keinen allzugrotzen Betrag präsentiert. Und doch wird dieser halbe Schekel als 1P&2 i&2 bezeichnet, und gilt ausnahmslos für den Reichen sowohk, als auch für den Armen. Ist diese Lehre in der Tat nicht schwer verständlich? Da zeigte ihm Gott n"2 eine Münze aus Feuer. Das Feuer unterscheidet sich von den andern drei Elementen durch seine unberechenbare und unabsehbare Wirkung. Die kleinste Flamme, ein kaum noch glühender Funke, ist imstande, die größten Verheerungen anzusttften und Brände von vernichtender Wirkung hervorzmufen. Darin offenbart sich eben des Feuers Macht und dadurch unterscheidet es sich von den andern Elementen (riliiB' NP21X), zu denen es gehört. Ein kleines Quantum E'de oder ein kleines Quantum Wasser wird immer klein und unbedeutend bleiben — klein und unbedeutend auch tnbezug auf die Wirkung, die sie auSlösen. Anders jedoch das Feuer. Und so. verhält eS sich auch mit der Wirkung der npirr, die kleinste Gabe, ein halber Schekel bloS und die WirkungIst ^unabsehbar und der Lohn unermeßlich. m. Bald gilt er als B2'WB2^ 1B2, bald gilt die npi2t überhaupt als ein Verdienst, das ewig besteht und unvergänglich ist (ij^ may inpiJtl). Das ist der Sinn der Feuermünze, die Gott unserm Lehrer Moses zeigte, eine Lehre, die darin gipfelt, auch im Kleinen Großes zu leisten.*) npl2t, so lehren unsere Wellen, soll man möglich schnell geben, um den Armen nickt lange darauf warten zu lasien. Bekannt ist der Ausspruch eines Rabbi (Sabbat 151b) im Talmud, der seiner Frau befahl, dem Armen mit der Gabe entgegen zu eilen, damit, wenn ihre Kinder einmal in Not geraten, auch ihnen die nötige Hilfe möglichst schnell zuteil werde. ("121 xriB'1 .1'^ D'lpx). Dies, meint R. Elsa Wilner^"2il, ist auch in dem Worte i;ri2i angedeutet. Dieses Wort (121121) kann hin und zurück gelesen werden und immer bedeutet es gleich. Auf diesem Worte steht die,12'22 eines xbixi xvlp. Das will sagen: 127121 („sie sollen geben") mit xf?ixi XDip (schnell und zuvorkommend), denn es könnte doch der umgekehrte Fall eintreten, und zwar 22N21, daß die, die jetzt nehmen, einst geben und die jetzt geben, einst nehmen werden. Daher X^IXI xvlp sei man bet Erfüllung der npi2k Pflicht möglichst schnell und möglichst zuvorkommend. Denn die Armut ist ein ilini ^272 und von ihr heißt eS: "121 "1 ^212» .11.1 121,1 ^22 '2. Bemerkung zu ll'rSLlvv '2- »"ttn bemerkt zu 121 als Grund 2111111VV> '2BV. Wenn man dieseWorte nach; 2 ''Nl'11.1 etwa mit „bösartig" übersetzt, so wäre die Begründung von Hth nicht in Einklang zu bringen mit der ethischen Begründung des BerfeS selbst Brun» Dlixi. Denn '2dv im Sinne von Hach sine» 3»! |;......