Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1923)
- Date
- 1923-02-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 6 Der Israeli». Ukraine an SowjetruWand verhandelte, verließ, von drei Männern, vermutlich MenschewikiA, überfallen. Es wurde eine Anzahl Schüsse auf ihn ahgjegeben, wobei Urizki tot zu Boden sank — —" So lautete die kurze Notiz. ,^Jch wußte, daß er so enden mußte," sagte endlich Kopvlow, „es ist schade um ihn, er war ein ganzer Kerl! So opfert Rußland seinen Besten dahin, früher wie heute . . „Und trotzdem wollen Sie nach Rußland zurück?" „Keine Idee," wehrte sich Kopolow, „ich gehe nach Litauen, ins Städtchen zurück. Tort kann ich an einer jüdischen Schule wirken. Ich habe genug erfahren — um jungen Menschen zu sagen, was sie nicht tun sollen ..." „Und können Sie es mit Ihrer UeberzeuWng in Dingen der Religion vereinigen?" konnte ich mich nicht enthalten zu fragen. „Ja!" antwortete er in einem Tone, der einen Zweifel an der Ehrlichkeit nicht zuließ. ,Hch habe in all den Jahren, besonders während des Krieges, in der Schweiz und in Paris gerade genug erlebt, um mich ganz auf mich selbst zu besinnen. Im Geiste habe ich die alte Heimat längst wieder und werde jetzt ganz zu dem zurückkehren, wovon ich, einstens ausgeganaen An . . . Werde jungen Seelen die Pein oes müßigen Suchens auf fremden Wegen ersparen ..." Ich wünschte ihm aufrichtig Glück zu seinem Vorhaben und — daß er auch noch ganz und unversehrt das finde, was er mit im Vergangenen wurzelnden Seele suchte . . . So traf ich die Drei aus dem „Klub Liberias" wieder. Kinderecke, Sebrülsche EpruchwMeil- Will dich einer am schlimmsten bekritteln. Beginnt er mit Komplimenten und Titeln. * Ein jeder Doktor sollte eilen, Bor allen Dingen sich selber zu heilen. * Einem Brunnen gleicht der Weltenlauf; Die Eimer fahren hinab, herauf; Der volse steigt, der leere finkt. Der eine spendet, der andere trinkt; Und dieser steigt und jener fallt — Das wechselt wie die Güter der Welt. * Sitzt dir das Messer an der Kehle, Was bist du für eine fromme Seele! Gelübde tust du ungemessen; Und kommst du davon — so ist alles vetgrssrn. * Jähzorn macht den Weisen dumm, Jähzorn den Propheten stumm. * Gespräch. Der Mensch: Der Löwe frißt, wen er erschlagen; Das tut Sie nicht, Frau Schlange, kann Sie mir wohl sagen. Warum Sie sticht? Eie Schlange: Tu' er nicht so sittlich entrüstet! Geh' er zu seinen zweibein'gen Verwandten Und frage den ersten Denunzianten, Weshalb es ihn nach Opfern gelüstet. Räffellöiung- Die Lösung des Rätsels im „JSraeltt" Nr. 3 lautet: "TIP nis Richtige Lösungen sandten ein: Ascher und Perez Kleinberg, Bottrop (Wests.); Israel,Schächter, BoöLczow (Galizien),- Joseph Samuel Vogel, Frankfurt a. M.; Bella Wetnreb, Frankfurt a. M.; Jechiel Scheuer Hirsch Natan Kltger Lodz sPolen); Ch. I. Bogen, Karlsruhe; M. Seiner, Karlsruhe; Frieda Sorfer, Langendorf,- Felix Fr eilich, Gelnieza. Personalien. Moßbach, 31. Jan. Unter sehr großer Beteiligung der hiesigen Kultusgemeinde und Ortsbevölkerung, sowie einer stattlichen Anzahl auswärtiger Freunde wurde heute unser ältestes Gemeinde-Mitglied Heinrich Simon zu Grabe gebracht. Ein Mann von echt« jüdischer Frömmigkeit, mit einem bescheidenen Sinn und vornehmer Denkungsart ist mit ihm in das Reich der Ewigkeit gegangen. Bet der Beerdigung hob Herr Lehrer Neustädter die Verdienste des Verstorbenen hervor und ermahnte die jüngere Generation, dem frommen Beispiele des 80jährtgen zu folgen und ebenso eifrig im Besuche des Gottesdienstes zu sein, wie eS der Senior der Gemeinde bis fast zu seinem Ende gewesen. Mit Simon ist einer der letzten alten Schlages einer weit bekannten und echtjüdischen Gemeinde dahtngegangen, was einen bemerkbaren Verlust für das gesamte Judentum bedeutet. n"33t2n. Posen, 24. Jan. Unsere Gemeinde ist durch den Heimgang Abraham Ltpskis in tiefe Trauer versetzt worden. Wir werden den frommen, trefflichen Mann im Vorstande des n'3 n"vn3, des Lötzschen Altenheims, der ’p"n und in der Ritual-Kommission schmerzlich vermissen. Mit regem Verständnis nahm er an den v"2> jnsm v'-np'lp und beim teil. Seine besondere Fürsorge galt der Ordnung der großen Bibliothek des "»"ena mit Handexemplaren von R. Akiba Eger Wt. Mit Recht konnte unser Raw, Oberrabbiner Dr. Frekmann, beim icvrr sagen: pmul bv ^>2n pnanPö 871. Möge die fromme Gattin Trost finden im Vertrauen auf n"'ip.i und in der Freude an den. trefilichen Kindern, die im Geiste deS Vaters erzogen, für rum min stets wirken werden. n"35Hn. Treysa, r-3. Jan. Vor mehreren Wochen verstarb in Bad Wildungen unser Lehrer Oppenheim, ein in allen Kreisen beliebter und sich hohen Ansehens erfreuender Mann. Ein unabsehbares Gefolge gab ihm das Geleite zu seiner letzten Ruhestätte. Herr Prov.s Rabbiner Dr. Cohn, Marburg, verlas am Grabe die Kundgebung des teueren Verblichenen, der sich jeglichen Nachruf verbeten hatte, ein Zeichen der ihm im Leben auszeichnenden Bescheidenheit. So unterlasien wir, den Willen des Verstorbenen ehrend, seine Tugenden zu preisen, fein segensreiches Wirken in Schule und Gemeinde zu rühmen und seine Verdienste um Hebung und Förderung der Standesintereffen innerhalb der jüdischen Lehrerwelt Heffens zu schildern. Schmerzbewegt klagen wir: Ipnatn bv bzn rrasiwi. Flieden, 5. Febr. In unserer Gemeinde stehen uns zwei seltene Feiern bevor: Im Juli s. G. w. feiern die Eheleute Maier und Karoline Goldschmidt ihre goldene Hochzeit und im Oktober werden die Eheleute Löb und Molchen Stern f. G. w. die gleiche Feier begehen. Beide Ehepaare erfreuen sich noch körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Möge n"a.i uns diese schönen Tage erleben lasien. Vriefkasten. Lehrer E. B. und andere in Hamburg. Wir werden in der 2. Hälfte dieses Monats nach Festsetzung des März-Abonnements zunächst im „Israelit" selber die Aufforderung zur Zahluna der Gebühren ergehen laflen und lediglich die bis 28. Februar nicht eingegangenen Beträge alsdann vom 1. März an durch Nachnahme einziehen. Damit dürfte Ihren Wünschen wohl Rechnung getragen fein. I. T. in Nürnberg. Wir können Spendenver. zelchntffe unter den heutigen Verhältniffen nicht mehr kostenlos veröffentlichen, müffen vielmehr den Jnseratenraum berechnen. Fil. R. L. in Amsterdam. Wir bedauern, wegen der geringfügigen Verwechslung des i mit y die Anzeige nicht noch einmal wiederholen zu können. Eine solche Wiederholung würde sich auch schlecht ausnehmen. Der andere von Ihnen bemängelte Fehler ist nicht unser Verschulden, sondern ist auf einen Mangel in dem uns eingesandien Manuskript zurückzuführen. Abonnent in Hagen. Wenn sie neu sind, ja. Herrn I. V. in Reinheim. Ai. 1000 für Abonnement verbucht, „ 1000 „ Erez Jisroel, „ 1000 „ Rh. Chaudesch, „ 1000 „ Keren Hajtschuw, „ 1000 „ Rabbi Meter b. H. M. 5000 zusammen. Lehrer G« N. in Mastbach. Vom 1. 1. 22 bis 31. 12. 22 kostet ihr Abonnement 187,60 Mk.; bezahlt sind 394.60 Mk., bleibt ein Rest von 207 Mk., welchen Betrag wir für 1823 gut geschrieben haben. 8. Februar 1823 Vermischtes. * Griesheim b. Darmstadt, 28. Jan. Am V3V n"n feierte die namp man das Fest ihres 100jährtgen Bestehens, zu welcher auch der hiesige Frauenverein, sowie alle dem Verein nicht angehörigen verheirateten Personen der Gemeinde geladen waren. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Joseph, begrüßte die Anwesenden und wies auf die Bedeutung dieses denkwürdigen Tages hin, ausgehend von dem Satze in den Sprüchen unserer: Väter: „Auf drei Dingen besteht die Welt, auf Thora, Gottesdienst und Wohltätigkeit". Nachdem man von der eigentlichen Feier zum gemütlichen Teil übergegavgen war, der in Gesängen und Vorträge« aller Art bestand, trennte man sich in stüher Morgenstunde mit dem Bewußsein, eine herrliche, in langer Erinnerung bleibende Feier verlebt zu haben. Meran (Südttrol), 28. Jan. In Anwesenheit de» größten Teiles der in Südiirol wohnenden Juden und der gegenwärtlß dort weilenden fremden Kurgäste fand am letzten Sonniag die 50jährige Jubiläumsfeier der K önigs w arter-Stiftung und die Grdenktafel-Enthüllung zum ehrenden Andenken des Santtäisrates Dr. Raphael Hausmann V'jft statt. Die Feier begann um 11 Uhr vormittags mit dem Bortrage von Gebeten und Psalmgesängen, worauf die eindrucksvolle Festrede des Rabbiners Josua Grünwald folgte. Rabbiner Grünwald schilderte den schönen Entwicklungsgang der Stiftung bis zur Gründung der Jsr. Kuliusgemrinde für Südiirol in Meran. Während Baron Königswarter das Geld gab, war der geistige Begründer und Förderer des menschenfreundlichen Institutes der allzufrüh verstorbene Arzt und Philanirop, Saniiätsrat Dr. Hausmann. Die Kuliusgemeinde dankt ihre durchwegs konservativ geführten Institutionen der seinerzeit gegründeten Stiftung und der Tätigkeit des gegenwärtigen Vorstandes und des Rabbiners. Nach der mit großem Beifalle aufgenommenen Feftpredigt begab sich das Publikum in den Tempelvorraum zur Enthüllung der Gedenktafel. Kurator Fleischer sprach hier rührende Worte des Gedenkens an Dr. Hausmann, enthüllte die Tafel und übergab dieselbe der Obhut der Kultusgemeinde. Hamburg, 22. Jan. Den ordentlichen Professor für Geographie und Erdkunde, Dr. phil. Passarge, soll die Studentin und Lehrerin Margarete Beckedorff, Mitglied des fortschrittlichen Hochschuiblocks, beleidigt haben. In Beschwerdeschiiften an Rektor und Senat beklagte sie sich, daß der Herr Professor das Bedürfnis fühlt, in seinen Vorträgen und Aussprachen politische Agitation zu treiben. Zum Beispiel habe er geäußert, daß dasjenige Volk einst an der. Spitze marschieren würde, das^ fich gegen die Einflüsse westastatischer Raffen immun zeige. Bei anderer Gelegenheit erinnerte er an das Massaker der Chinesen unter den an der Küste angesiedelten Arabern und verlieh dem Wunsche Ausdruck, ein solches Blutbad möge einmal bei uns unter den Juden entstehen. Der Professor beansprucht für sich das Recht, in bewegten politischen Zeiten solche „Bemerkungen" machen zu dürfenj?) Die Angeklagte B. erinnerte den Profeffor an seinen Vortrag über die Hawai-Inseln, wobei er die Bemerkung machte, daß die Völker nach 100 Jahren Scheiterhaufen für die Juden errichten werden und daß die katholische Kirche Siegerin werden würde. (!) Ein Lehrer und Zuhöhrer Z. habe „Juden raus" gerufen. Der Herr Profeffer habe die Flegelei nicht gerügt. In antisemitischem Sinne habe er an die n i e d r i g e n I n st i n k t e der jungen Zuhöhrer appelliert und Haß- und Rachetnstinkte aufgeftachelt. Der als Zeuge erschienene Dr. phil. Rar hie ns schildert den Professor als einen streitbaren Menschen, der stets das Bedürfnis habe, seine politischen Gegner abfällig zu beurteilen. Deshalb habe er fich von ihm getrennt. Eine andere Lehrerin war schon im Jahre 1918 über die Vortrüge P.'s empört und bestätigte die Angaben der Angeklagten. — DerAmtsanwalt beaniragtzurFreisprechung der Angeklagten wegen Verleumdung, verlangt aber Strafe für eine Beleidigung, da sie in ihren Behauptungen gegen den Herren Profeffor „zuwett gegangen", obgleich sie in Wahrung berechtigter Interessen für sich und ihre Kommilitonen gehandelt habe. Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen Beleidigung zu 3000 Mark Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis. Anschließend folgte die Prioatklage des Frl.Beckedorfs gegen den ProsessorPassarge wegen Beleidigung in der Beschwerdeschrtft des Professors an den Rektor und Senat. Der Herr Professor entschuldigt sich mit'seiner großen Erregtheit und seinem Temperament, die ihn zu starken Ausdrücken verleitet hätten. Das Gericht verurteilt den temperamentvollen Professor ebenfalls zu 3000 Mk. Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis, mit der Begründung, daß der angeschlagene Ton eines Universttäts-Profeffors unwürdig sei. Literarisches. Dnrch's Jahr. Einem starken Bedürfnis und der großen Nachfrage entsprechend, ist eine zweite Auflage des prächtigen Ehrmannschen Buches „Durch's Jahr" bei A. I. Hofmann erschienen. Die Essays, die das ganze jüdische Kalenderjahr begleiten, alle Monate und deren Gedenktage bis jns tiefste mit der Flamme der jüdischen Lebensbetrachtung durchleuchten, haben bei ihrem ersten Erscheinen im Jahre 1900 und in den zwei Jahrzehnten seitdem in solch hohem Maße die jüdischen Herzen erobert, daß die Anzeige ihrer Neuauflage jede weitere Empfehlung überfiüffig macht.