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Der Israelit · 1923-02-08 · Heft 6 (8.2.1923) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 6 (8.2.1923)
Date
1923-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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MMton-dellage m Ar. 6 des „Zsraeüi". Muer dieser Vorberatungsgruppen wohnte Tie dürftige Kleidung, das von schwarzen Bartwich, ich in dieser Nacht als stiller Beobachter bei. j stoppeln bleckte asketische Gesicht sprachen eine Vier drängten sich zur gleichen Zeit zum! deutliche Sprache. Er reckte nervös den Rednerpulte. Während sie sich um diesen j auffallend langen Hals und überreichte mir Rettungsanker stritten, erreichte ihn ein fünfter. f stumm das Empfehlurrgs schreiben eines in Paris Tie Zurückgestoßenen sprachen aber von ihren \ lebenden .'Freundes. Plätzen aus. Ändere sechs protestierten gegen die Einmischung, und des Lärmens war kein Ende. aus dem Klud „Liberias". Bon S. Jzchaki. »' (Schluß). Es waren wohl zwei Stunden vergangen.! Es fing an zu dunkeln. Wahrend Bunimow - sich um die Lampe bemühte, schwiegen die anl deren.!Tias Flüstern des Kochers vereinigte! sich mit dem Tireitakt des Schusterhammers aus! oem Nebenzimmer zu einer sonderbar melanj cholischen Harmonie. Ein starker^Geruch von s undestilliertem Brennspiritus, gemischt mit Taj bakqualm füllte den engen Raum. Es kanien j noch einige, die warm begrüßt wurden. Tie j eigentliche Versammlung sollte erst beginnen, s Ich aber benutzte die erste Gelegenheit, um mich # zu entfernen, für immer ... j Ich jgfittg von dannen, ohne Belehrung und - Bekehrung, aber nicht ohne Achtung vor den! jungen Stürmen:. Ich fühlte in mir keine Tis- Positionen für Umsturzideen, nicht die Spur j vom Revolutionären. Aber der Eindruck dieses j Mends war gleichwohl ein nachhaltiger. Ich; lernte manches verstehen und begreifen. Naj rnentlich das Bild Hofims mit seinem unheim-? lichen Schweigen, seinen brummigen, kürzen Be- \ föinil fiir merkuNgen, feinen festen, energischen. Zügen wich \ pin!°nf>TJ «(T(Tpr .> nicht mehr aus meiner Erinnerung. W!er hatte diese drei Menschenkinder, die Da brach sich ein ftrnger Mann energisch Bahn und nach einiger: Versuchen gelang es ihm, sich Gehör zu verschaffen. „Mr lassen uns nichts aufzw i ngen. Wir wissen, was wir wollen, und werden ftei in unserem Denken und Handeln Meiberr . . . Wir dürfen uns nicht vergewaltigen lassen . . . Wir dürfen es nicht Anlassen, daß das jüdische Volk nrn seine heiligsten Hoffnungen und Ideale beraubt wird . . . Uganda ..." Weiter kam er nicht. Ter Tumult wuchs ins Ungeheure. Man schrie und pfiff. Ich aber; mus?" fragte er. Ich nahm ihn rnit zu Tisch. Während er l aß, schob er alle auf dem Tische liegenden l Zeitungen an sich. Er aß urrd las und mir j schien es, als verschlang er die Zeitungsberichte I noch gieriger als das warme Essen. - l Ich betrachtete ihn verstohlen von der i Seite. Diese unruhigen Blicke, diese rasche, anstoßende Redeweise! Vor allem aber der lange, magere Hals. Nach und nach leuchtete es bei I mir auf. Eine Vermutung, und sie wurde bald j zur klaren Gewißheit: „Klub Libertas" . . . i Als er gegessen und sich satt gelesen hatte, j wurde er gesprächig. j „Was halten Sie vom Bolschewislief auf den Redner zu, ergriff seine Hand und j rief ihm vertraulich zu: ,Herr Bunimow!.. 1 „!Au ch meiner Ansicht?!" erwiderte er geschmeichelt, ohne sein Auditorium ans dem Auge zu lassen. „Nein, oder doch! rveiß es selber nicht. Aber sagen Sie, bitte, was Sie noch vom Klub in der kleinen Hamburger Straße wissen?" drängle ich. Er sah mich erstaunt und etwas unruhig an und beteuerte dann, sich meiner nicht mehr erinnern zu können. lAber ich ließ nicht von chm Er mußte sprechen. Auch für ihn war der Klub noch eine bloße Jngenderinnerung. Freilich noch derselbe Feuereifer, der gleiche Idealismus. Aber r e schwärmen, während es im ergenen 2ager soviel zu arbeiten, zu erhoffen und zu erkämpfen gab?! War schon immer meine Ansicht," bedach in ihrer Eichung, ihrem Wesen so arundj MiOe ich. ,Za, es M für uns Juden, auch verschieden voneinander waren, zusammenge- ^r die Jungen und Jüngsten, eigenen, festen führt? Was' hatte sie verbunden? Der Henker j Boden, achten heiligen Bäterbodeir. — und der j ist nicht irr Uganda, auch nicht in dem s Zion, das Ihr in der Luft gebaut . . . Aber lassen wir das heute . . . Wo ist Kopolow, Der Henker selber, daß sie ihm einen Strick drehten . . . Tie jungen, nützlichen Elemente wurden verdrängt, verftoßeu, sie fanden leider auch den eigenen jüdischen Heimatboden nicht, aber den neutralen Boden, um sich zu organisieren und niederreißend sich zu betätigen. 'Das Triumphirat in der kleinen HambUpgerstraße ttmr nur ein schwaches Symbol. Aber wer zählte die Hunderte und Taufende aus' allen Konfessionen und Schichten Rußlands, die damals der Druck der Heimat in London, Paris, Genf, Bern etc. zu sammengetrieben? Welche Unsummen von Kraft i Fragen und Marxismus und und Intelligenz hatte das Land, anstatt sie für j Dann versuchte e sich auszunutzen,!gegen sich konzentriert! ^^--- wo Hofim, was wissen Sie von ihnen?" Von beiden wußte Bunimow nicht mehr! bitter, gerächt hat viel. Kopolow hatte viermal die Fakultät get mich ' wirklich nicht wechselt und ungefähr dreimal so oft seine Ideen 1 und Ansichten in der sozialen Frage. Endlich verließ er die Hochschule, um in ein Kontor als Korrespondent einzutreten. Tort hielt er eines Tages dem Chef eine Rede über soziale und wurde vor die Tür waren seitdern verstrichen. In den Wogen der dahinströmenden Zeit, hatte manches, wofür einst das Jugendherzso warm geschlagen, sein Grab gesunden. Auch der. Klub „Libertas" war mir nur noch eine Erinnerung, verblaßt und vertuscht. Dg brachte mir ein Zufall, just wo ich NM wenigsten daran dachte, die Gelegenheit, an den Klub der Freiheit zu denken und von ihm zu sprechen. Es war in Basel zur Zeit des siechsten Kongresses. Am Mlorgen war die bekannte Ostafrikabombe, das Ugandaprojekt, ins Auditorium geworfen worden und sie versetzte alle Gemüter in höchste Erregung. Am Abend erreichte diese Erregung ihren Höhepunkt. Tie Sache wurde nicht verstanden. „Morgen wird zwischen Uganda und Zion gewählt", ging es durch die erregten Reihen . . . Man teilte sich in Fraktionen, Landsmann-, schäften, Gruppen, man beriet, verhandelte und lärmte die ganze Nacht. er eD wieder mit | mehr sprechen Und was halten Sie davon?" — ich ausweichend zurück. Er wurde lebhaft. Sern verfallenes Gesicht bekam leuchtende Farbe und er sprach so rasch, daß ich ihm nur mit Miühe folgen konnte. Er behauptete, die Sachen genau zu kennen. Auch er habe, es war schon lange her, einem revolutionären Klub an'gehört, sei aber später davon abgekommen. Es sei ja alles Schwindel, Lng und Trug! . . . Despoten, Blutsauger, ob sie Nikolaus oder Lenin heißen! . . . Rot sei immer die Farbe Rußlands gewesen, das Rot des Henkerkittels . . . „Mas klingt freilich anders als die Sprache des „Klnb^ Libertas", Herr Kopolow . . .!" Ter Mtann schrak merklich zusammen. „Was wissen Sie von diesem Klub, der mir selbst fast aus dem Gedächtms geschwunden ist? Woher kennen Sre meinen damaligen Namen?" ,^Jch bin ihm einmal in den Weg gelaufen, diesem Klub, nur einmal, es war wohl ein Irrtum . . ." „Ein Irrtum, ja, das war der „Klub Libertas" überhaupt, Lebensirrtum geplagter, wegeverlorener Jünglinge, der sich bei allen, bei dem einen mehr, bei d'em andern weniger Aber auf Sie kann ich entsinnen," beteuerte er ehrlich. „Glaube ich Ihnen gerne — aber wie steht es mit den Anderen, wo ist Bunimow?" ,Hch habe ihn auf meiner Herreise besucht, er wohnt in der Schweiz, wollte mich nicht mehr kennen und von den ftüheren Zeiten nicht Stundengeben und ging errdlich nach Paris. Von da ab verloren sich feine Spuren. Hofim iaber war feinen Prinzipien treu geblieben. Er ging, nachdem er mit eiserner Energie seine Studien vollendet, in die Schweiz um von dort seinem Vaterlande zu dienen. — Vielleicht war er jetzt schon wieder in der Heimat in der geheimen Leitung eines Komitees für „Propaganda der Tat" oder bei der Zwangsarbeit in den sibirischen Bergwerken . . * * * Anderthalb Jahrzehnte waren seitdem verflossen. Die Sturmflut des Krieges und die Mögen der Revolution hatten die Erde gefegt und nicht reingefegt. In Rußland prangte an öffentlichen Gebäuden und an den Mützen von Soldaten und Beamten an Stelle des scharfkralligen Doppeladlers der rote Sowjetstern . . . Alles früher Erlebte lag weit, weit j zurück ... Mn einem Nachmittage klopfte es leise an die Türe meines Arbeitszimmers. Auf mein „Herein" stürzte ein junger Mann ins Zimmer. Ist er jetzt Sozialist oder Zionist?" „Er handelt mit Spitzen, ist wohlgenährt und vermögend und sehr erbittert über . . „Ueber Uganda oder Zion, Weizmann oder gar die Aguda?" fragte ich. „Nein, er ist erbittert über die deutsche j schlechte Valuta, die die schweizerischen Käufer nach Deutschland lockt und ihm das Geschäft verdirbt ..." „Und Hofim?" fragte ich. „Hofim?" Der Gefragte dachte nach. Er konnte sich auf den Namen nicht besinnen. Endlich hatte ers: „Sie meinen wohl Urizki? Wir nannten ihn damals, glaube ich, Hofim, mit abgekürztem Vornamen, aber sicherlich meinen Sie den damaligen Studenten Urizki aus Baku ..." „Urizki?" wiederholte ich in ttefer GrreWng und hielt ihm das Morgenblatt vor. Tr verfärbte sich „Gestern abend wurde in Kiew der Kommissar für soziale und Bildungsarbeit H Urizki, als er das Ministerium verließ, wo er mit dem Hetman Wer den .Anschluß der

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