Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1923)
- Date
- 1923-02-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. Februar l9iB Ser F»raem. «r. 6 GM« ü Zentralbehörde in dauernder Fühlung mit allen k jüdischen Lehr- und ErziehungKanstalten im Lande bleiben. Man sieht, das Erziehungsamt hat die Wichtigkeit der Stunde wohl verstanden und die Sache richtig angefaßt. So darf man seiner energischen Arbeit besten Erfolg chünschen tm Interesse des gesamten Judentums.?rem9sngesetze. Warschau, 1. Februar. In der rechten Presse wird von jeher eine starke Agitation gegen die jüdischen Rückwanderer aus Rußland geführt. Es handelt sich um zwei Kategorien- -um Durchwanderer, die auf dem Wege nach Amerika sich hier um die nötigen Ausreisepaptere bemühen, und um solche, die, früher polnische Bürger, jetzt um ihre Wiederaufnahme in den polnischen Staatsverband eingekommen sind. In beiden Fällen, besonders im zweiteren, machen die Behörden große Schwierigkeiten und von oben ergehet ein Befehl nach dem andern, daß die Ein- oder Durchwanderer, wenn sie bis zu einem bestimmten Datum ihre Dokumente noch nicht beisammen haben sollten, das Land zu verlassen hätten. Auf Intervention der jüdischen Deputierten konnten bis jetzt die Termine immer noch verlängert werden, wogegen sich aber jetzt die gesamte reaktionäre Presse austehnt, und leider mit Erfolg. Eine Bekanntmachung des Ministeriums besagt, daß, entgegen vielfachen Zeitungsberichten, der Ausweisungstermin auf den 1. März festgesetzt bleibt. Ausnahmen seien nur für gewisse Gruppen von Emigranten vorgesehen, bei denen der längere Aufenthalt durch besondere Verhältnisse bedingt und gerechtfertigt ist. Sulgarten. Aus Bulgarien. Soflia, 3. Febr. Großrabbiner Dr. M. Freier hat ein jüdisches Seminar gegründet, das er zu einer Hochschule für jüdische Wissenschaft im Orient auszugestalten beabsichtigt. Bis jetzt sind zwei Lehrkurse im Gang: 1. für Lehrer und Lehrerinnen, welche die hebräische Sprache schon beherrschen und für andere junge Leute, die schon die nötigen Vorkenntnisse im Hebräischen haben. Der Unterricht erstreckt sich über T'nach und Mischnah. Gleichzeitig doziert Dr. Zemach über mittelalterliche Dichter und der Inspektor für das hebr. Schulwesen von ganz Bulgarien, Zimchon, über Pädagogik. In diesem Kurs ist Hebräisch die Unterrichtssprache. 2. Für Lehrer, die noch kein Hebräisch verstehen, beschränkt sich vorerst der Unterricht auf Hebräisch, Geschichte und Geographie Palästinas. Die Beteiligung ist in den beiden Kursen eine sehr lebhafte. Hier, wie überhaupt in einem großen Teil deS Orients, ist die Leichenbestattung ohne Sarg üblich. Dr. Freier hat einen Antrag dem Borstandskollegium vorgelegt, wonach die Bestattung im Sarge zur allgemeinen Einführung empfohlen wurde. Der Antrag wurde angenommen. Arnerika. Die Bibliothek 3es bubaroifeer Rabbi. Arw-Y-rk, 8. Jan. Im Rew-Dorker ^Morgenjournal" ^berichtet Benzion Katz über das Schicksal derLubawitzer Bücherei. Im Jahre 1915 wurde mfolge der Kriegswirren die Büchersammlung des alten Rabbi Schneersohn, in zwanzig Kasten verpackt, aus Lubawitz nach Moskau überführt. Die Ladung erreichte aber ihr Ziel nicht und lag lange Jahre auf verschiedenen Stationen umher bis sie endlich im Keller eines Museums vorübergehende Unterkunft fand. Bei der ungeheuren Seforimnot, die heute überall, besonders im Osten herrscht, wäre es sehnlich zu wünschen, _ daß die Bücher, unter denen sich wertvolle und k seltene Exemplare, auch bedeutsame Manuskripte I r befinden, für das Thorastudtüm nutzbar^ gemacht werden. Auf alle Fälle wären sie doch in den Lehrhäuftrn Litauens richtiger am Platz als in einem finsteren Keller Rußlands. In amerikanischen wie Warschauer Zeitungen werden die Lubawttzer Chassidim aufgefordert, zur Befreiung und Nutzbarmachung der Lubawitzer Bücherei ihre ganze Kraft einzusetzen. Ein Wunsch, dem wir uns gern anschließen. Vermischtes. Stuttgart, 27. Jan. Heute abend veranstaltete die hiesige Agudas Jisroel-Gruppe wieder eine sehr anregende und lehrreiche Versammlung. Herr Redakteur Schachnowitz aus Frnnksurt a. M. sprach über „Geistige und politische Strömungen im deutschen Judentum der Neuzeit". Er besprach die wesentlichsten Bewegungen des Liberalismus, Zionismus und der Orthodoxie. Unbewußt der Borläuser des liberalen Judentums sei Moses Mendelsohn gewesen, der durch seine Bibelübersetzung dem deutschen Judentum die deutsche Sprache, damit auch die Emanzipation brachte. Deren Folge war jedoch die Assimilation, die die „Wissenschaft" der Zunz, Graetz, sowie die praktische Reform der Getaer, Hotdheim, Jacobsohn auf dem Wege zum Taufbecken nicht aufhalien konnten. Wir haben uns daher verehr ungsvoll vor dem prophetischen Blick der großen Rabbinen zu beupen, die mit allen Mitteln die AnsklärungSbewegurig bekämpften. Der Liberalismus mußte schon deshalb Fiasko machen, weil eS nach dem Verlassen des Schulchan Aruch keine Norm wehr gäbe, und der Weg ins Uferlose die notwendige Folge sei. Der Zionismus, ursprünglich als die Idee der „Chowwe Zion" nichts anderes als die Sehnsucht Israels nach Zion und das Bestreben nach echt jüdischer Anfiedlung, habe den religiösen Charakter immermehr verloren, bis er sich in den Gegensatz zur Orthodoxie stellte. Die Orthodoxie dagegen enthalte vom Liberalismus den Humanitätsgedanken, worin jener zu gipfeln vorgibt, in dem *\y'-b nnns’i, sowie vom Zionismus di!e Sehnsucht nach dem Lande der Väter, schließe daher alle ethischen Werte des Judentums in sich ein. Reicher wohlrerdientcr Beifall lohnte den Redner und wird die Veranstaltung dazu beitragen, die Interessen der Agudoh, sowie des gesetzestreuen Judentums in Unserer Gemeinde zu fördern. Dr. A. Gieße», 3. Febr. Der deutsch-nationale Landtagsabgeordnete Werner, der den Wahlkreis Hessen- Nassau verttttt, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Er war ein verbissener Antisemit, der mit seinem Auftreten an die Abg. Ahlward und Böckl erinnerte. Mönche«, 12. Januar. Man schreibt uns aus München: Bon der Israelitischen KultuSgemeinde in München, dem jüd. Frauenbund und den Münchener Logen wurde eine Berufsberatung und ein Arbeitsnachweis gegründet. Der starke Zuspruch Arbeitsuchender beweist die Notwendigkeit Erstrebt wird eine möglichstindividuelle Vermittelung von Männern, Frauen, Knaben und Mädchen in der Stadt oder auf dem Lande. Von Eltern und Kindern wird gelernte Arbeit immer noch unterschätzt. Es ist notwendig, unsere Heranwachsende Jugend auf den Wert der Facharbelt htnzuwetsen damit die Befriedigung nicht nur im schnellen Verdienst, sondern in der Qualitätsarbeit gesucht wird. Wir bitten daher Ellern, Lehrer und tm Wohlfahrtswesen stehende Personen sich an unsere Centralstelle zu wenden. München, 8. Januar. Am letzten Donnerstag abend kamen mehrere Nationalsozialisten in eine jüdische Speisehalle in der Klenzestraße und führten sich nach den Angaben der Angestellten unter Schimpsworten auf die Juden ungebührlich auf. Nach Verständigung der Polizeiwache erschien ein Schutzmann, der von drei Nationalsozialisten die Persönlichkeit feststellte } die übrigen hatten sich bereits entfernt. Gegen die drei wurde Strafanzeige erstattet. Petersburg, 3ö. Jan. In ihrer letzten Sitzung erwählte die Petersburger Akademie der Wissenschaften eine Anzahl Ehrenmitglieder. Zu den Gewählten gehört auch Ptoftffor Einstein. Frankfurter Kerichtr. „Der Irankfnrter Hhettovranb". Der nächste Beschichtsv ortrag im Me kor Chajim (Langestr. 18), findet diesen Sonntag, 11. ds., 6 Uhr abends statt. Er behandelt das Thema: „Nachwehen der Sabbatai-Zwi-Bewegungund die geistige Entwicklung in j Frankfurt bis zum großen Gh^ettobrand e." Judentum und Staat. Die Versammlung des Zentralveretns deutscher StaatsbürgerJüdtschen Glaubens am Montag abend im großen Saal des Volksbildungsheimes verlies im Ganzen sehr ruhig. Von den anwesenden Deutschvölkischen, die sich durch gelegentliche Zwischenrufe in empfehlende Erinnerung brachten, hatte trotz wiederholter Aufforderung des Vorsitzenden > keiner gewagt, das Podium zu betreten und stet und \ offen seine Meinung zu äußern. * Der Redner des Abends, Herr Rabbiner Dr. F r e u - d e n t h a l, Nürnberg, verbreitete sich in gewiß nicht neu anmutenden, aber in dieser gemischten Versammlung nicht wirkungslos verhallenden Ausführungen über hie dem Juden von Gefühl und Religion eingepflanzte Vaterlandsliebe, die seit dem babylonischen Exil bis auf die heutigen Tage sich selbst da zum Segen bewährt hat, wo Staat und Gesellschaft darauf angelegt waren dem Juden diese Vaterlandsliebe, aus dem Herzen zu reißen. . Auch unser Zukunft, das messtanische Ideal, hot aber Menschen Glück zum Ziele ohne Unterschied von Art uüd Raffe. Der Redner verwahrte sich scharf argen die Brhauptung, die Juden seien die Verbreiter des Bolschewismus und wendet sich gegen etneAeußerung des bayerischen Ministerpräsidenten und noch schärfer gegen Hitler und Konsorten in der Partei der Nationalsozialisten. Er nennt dieses Treiben mit Recht einen Verrat am Vaterlande. Der stürmische Beifall zeigte, daß das Publikum zum größten Teil mit dem Redner einverstanden war. In der Diskussion, sprach sich ein Vertreter der Sozialdemokratie, Herr R o e h l e, ebenso lls gegen den Antisemitismus aus. Ein Kommunist, Ntchijude, gab feiner Eniäuschung Ausdruck, daß die Versammlung nicht lchärfer und nicht entschiedener gegen die Deutsch-völkischen Stellung genommen hätte, was er jetzt nachholte. Der Antisemitismus sei nur ein Köder für die Dummen, um sie in die Falle der reakrionären Umstürzler zu locken. Zu Beginn der Versammlung harte der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe, Herr Dr. Mainzer, namens der Ber- . fammlung und der deutschen Judenheit mit Worten der Entrüstung gegen die französische Gewaltpolitik Protest erhoben. Die Versammlung hatte, von den wenigen Zwischenrufen abgesehen, einen harmonischen Verlauf. Henerakverjammknng des WeKor ßhazim. Die diesjährige General-Versammlung des Mekor Chajim, der tm nächsten Jahre auf sein 60jährigeS Bestehen zurückblicken kann, fand vergangenen Sonntag im Vereinslokale statt. Der Bericht des Vorstandes gab ein umfangreiches Bild von den Leistungen des Vereins, der säst'700 Mitglieder zählt und wohl als arößter Lernverein Deutschlands bezeichnet werden kann. Die lebhafte Diskussion, die sich u. a. auch auf die Erhöhung des Mitgltedsbeitrages erstreckte, zeigte, baß auch dem geschäftlichen Teil des Vereins von Eeften der Mitglieder großes Jntereffe entgegengebracht wird. Nach siattgehabier Wahl setzt sich die Verwaltung zusammen aus den Herren Nath. Hamburger (Präses), Gabr. Plaut (Schriftf.), Dr. Lindenbaum (Kassier), sowie den Herren Jos. Sänger, Nath. Eschwege, Albert Ries und den Jugenddelegierten Fritz Stern und Berth. Heidingsfeld. Wirtschaftsfond des jüdische« Weamlenvundes. Anläßlich der 160. Sitzung der „Bereinigung israel. Lehrer in Frankfurt a. M." hat ein ungenanntes Mitglied, im Hinblick auf die katastrophale Lage der jü-. bischen Beamten, dem Vorsitzenden des „Jüd. Beamtenbundes Herrn Dr. I. Höxter in Frankfurt a. M., der in erster Reihe für die rechtliche und wirtschaftliche Stellung der Beamten kämpft, eine namhafte Summe als „Dr. Julius Höxier Fonds" (Wlrtschaftsfonds des Jüd. Beamtenbundes) zur Verfügung gestellt. Der Stifter will dem Jüd. Beamtenbund j Mittel an die Hand geben, um die wirtschaftliche Befferstellung der jüd. Beamten durchzusetzen. Er hofft, daß viele seinem Beispiel folgen, gleich ihm den Beamten ihrem verzweifelten Existenzkämpfe beistehen und durch große Zuwendungen an den Fonds den jüd. Beamtenstand mitsamt den Gemeinden vor dem Untergang bewahren.! 8SHÜBANN 2 Theater | 7 Vs Uhr. 71/, Uhr. JDer Löwenringkamp! mit dem E sensationellen Februar- Programm. J Jeden Sonntag Nachmittag 3 Uhr: 2 GROSSE FAMILIENVORSTELLUNG fl bei kleinen Preisen. flron-FniBltfflrt WpjtlklflllQP Lena Düveke,MaxVogel W eimUdUbt; Beginn pünktlich 7 7, Uhr. Wiener Kaiiee Weinrestaurant Kapelle Gyallay Ferl. Ia Speisen «.Getränke. I