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Der Israelit · 1923-02-08 · Heft 6 (8.2.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 6 (8.2.1923)
Date
1923-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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-.Februar 1082 Bericht Ex. 5, D f, auf den seine Bemerkung LWer das Opfer in der Wüste hinderst, und aus dem seine Wölke Wasser zieht. Wer eine ganz kleine, ganz winzige Unklarheit bleibt noch bestehen: Wenn Aegypten dem Gotte Israels, der ein re gen spendend er Gewittergott ist, fremd ist und ihm daher dort nicht geopfert werden kann, wieso müssen da die Israeliten, um diesem Gott zu opfern, ausgerechnet in die Wüste hin anszieh en, wo doch auch kein Regen fällt? In Aegypten gibt es ja wenigstens Wasser und zwar viel Wasser. In der Wüste dagegen ist kein Regen und kein Wasser. Warum hat da der Wetterwolkeugott nicht wenigstens ein Auge zugedrückt, warum hat er es vorgezogen, sämtliche Augen zuzild rücken und sich in der regen- und wasserlosen Wüste ein Opfer Mn-, gen lassen? Sehr einfach: Weil er ein Opfer des Intellekts zu bringen willens war für des Verfassers Wölkendunst. Aehnlich steht es mit folgendem Argument des Herrn D. Er behauptet (S. 282), daß, Moses den Namen Sch. aus Israel völlig ausgerottet habe, und er beweist es u. a. damit, daß „sich mit Schaddai zusammerrgesetzte Namen in. Israel wohl ftubeu, aber nur bis zur Generation v o r Moses, von da ab aber mit einem Schlage verschwinden. Die Berichte aus Moses Zeit kennen nur mehr Söhne des Amischaddai, Zurischaddai und wenn hierhergehörig Schedeur (Nnm. 1, 2, 7, 10)." So iveit der Verfasser. Er macht sich beit Scherz, den Eindruck zu erwecken, als ob die Bibel in v o r m o s a i s ch e r Zeit Dutzende von Namen nenne, die mit Schaddai zusammengesetzt sind, und als ob diese Namen dann in mosaischer Zeit „mit einem Schlage verschwinden." Wer die Wahrheit ist, daß. diese Namen überhaupt erst in mosaischer Zeit austauchen, ja daß die Bibel nur diese drei von Moses selbst im zweiten Jahr nach dem Auszug aus Aegypten zu Stammesfürsten er- .wählten Männer SchlumieL ben Zurischadvai, Elizur ben Schedeur und Achieser ben Amischaddai nennt, deren Namen zu Schaddai in Beziehung stehen, und daß' sich außer diesen dreien überhaupt keine solchen Namen in der Bibel finden. Herr T. macht sich iwch einen zweiten Scherz, indem er beteuert, daß die Berichte aus Moses Zeit „nur mehr Söhne" der mit Sch. verbundenen Namen kennen. Warum hebt er das hervor? Um den Anschein hervorzurnfen, als ob der Grund, warum nur die Väter der drei zitierten Stmnmesfürsten, aber nicht diese selbst einen solchen Namen trugen, einzig und allein der gewesen sein könne, daß die Stam- und mit guten Gründen dagegen verteidigt der Verfasser die prinzipielle Vereinbarkeit von Wissenschaft mit dem Glaubest an eine Autorität. Der 2. Band enthält die „GefchichtSphilosophie" von Franz Sawicki, sie will „eine Einführung in die geschichtsphilosophischen Probleme und ein Baustein zu der auf der Höhe modernen Wissens stehenden christlichen GeschichtSphilosophie der Zukunft" sein. Die allgemeinen Darlegungen sind auch hier durch ihre Uebersichtltchkeit und ihre leicht faßliche Form geeignet, den Zweck der Einführung in die Wissenschaft zu erfüllen. Die bedeutsame Tatsache, daß erst der in der jüdischen Offenbarung wurzelnde Gedanke der Einheit des Menschengeschlechts den Boden für eine der heidnischen Antike prinzipiell überlegenen Geschichtsauffassung, für eine Weltgeschichte im eigentlichen Sinne geschaffen hat, wird gebührend gewürdigt. Die Unzulänglichkeit der naturalistischen Weltanschauung wird überzeugend dargetan. Als immanenter Endzweck der Geschichte wird der Mensch und die Verwirklichung seines BollkommenheitSideals, als transzendenter die Verherrlichung GottcS und die Begründung des Reiches Gottes auf Erden bezeichnet. Aber mehr noch als in Len anderen Abschnitten offenbart sich hier, wo eS sich um den Sinn Ler Geschichte handelt, die einseitig auf das Christentum eingestellte Anschauungsweise des Verfassers. Der Mittelpunkt, auf den hin und von dem aus die Geschichte sich bewegt, ist ihm der Stifter des Christentums. Die Kirche ist die „große Beschützerin der Unterdrückten", und die gewöhnliche Form, in der sie politischen Einfluß aus übt, besteht darin, daß sie bestimmte fitllich-reltgiöse Ideen verkündet und im öffentlichen Leben zur Geltung bringt". (S. 165). Die Tatsachen der Geschichte reden eine andere Sprache, und es erübrigt sich wohl, hier Beispiele anzuführen. Die Betrachtunger über da- Jenseits and über die Der JS rselltt. mesfürsten erst nach der Ausrottung bei Namens Sch. geboren seien. Tn nun aber bei der Wahl der Stammesfürsten erft: e i n Jahr nach der angeblichen Ausrottung vergangen war, so müssen nach der Meinung des Herrn Torczyner die Stammesfiirsten Säuglinge gewesen sein! Und in der Tat findet sich in der ganzen Bibel kein Gesetz, welches vorschriebe, daß ein Stamm esfürst Barrnizwa sein muß! 4. Die zweite These des Verfassers lautet (S. 283 f): „ . . Sch. ist der Gott, den vor Mose nicht nur Israels Vorfahren, sondern ganz Palästina in weitestem Umfange verehrt haben." Er sei ein heidnischer Gottesname gewesen, der Gott des Emoriterlandes oder, wie der Verfasser, der uns gern assyrisch-babylonisch kommt, es auch nennt, der Gott des AmurrulandeN Ties beweist er erstens aus' der Bedeutung dieses Gottesnamens und zweitens ans den keilschriftlichen Berichten über die Religion des Emoriterlandes. Betrachten wir seine Beweise. Ich möchte hinsichtlich der Bedeutung des Gottesnamens Sch. voranschicken, daß mein verewigter Lehrer Prof. I. Barth T'Xi darüber in seinem 1891 erschienenen epochalen Werk „Nominalbildung in den semitischen Sprachen" sagt: „Der Stamm von Schaddai und daher auch seine grammatische Form ist noch unerschkossen." Der Name wird von einigen, so von Saadja Gaon und von Raschi auf Grund einer tälmudischen Ausdeutung Ehag. 12 a zu dem Worte ’H „genug" in Beziehung gebracht. Bon den Meisten wird er als „Allmächtiger" gedeutet. Und diese Deutung deckt sich dem Sinne nach mit der Erklärung, welche alle neueren Kommentare und Wörterbücher auf Grund des Assyrischen geben; denn im Assyrischen hat der Stamm mip die Bedeutung h och, e r h ab e n. Daher heißt dort fadu Sonnenaufgang, Berg, Gebirge, Herr, Gebieter, Gipfel, Hoheit. Herr Torczyner gewinnt es bezeichnender Weise über sich, seinen Lesern zu verschweigen, daß Schaddai schon längst zu dem assyrischen sadu in Beziehung gesetzt wird. Er erzählt nur, daß es „an vagen Deutungs- Versuchen. für Sch. bekanntlich nicht fehle," dagegen sei man blind daran vorbeigegangen, daß diese Vokabel auch außerhalb des Gottesnamens vorkomme (S. 283). Er stellt durch Exegese zahlreicher Bibelstellen fest, daß Sch. der Berg, das Hochgebirge im Norden Palästinas sei, von dem die Gletscherflut ins Tal brause, und dann dekretiert er, daß es „gewiß" speziell den Her m o lt "(<&. 286) bezeichne. Frage, ob dorr die Menschheit ebenfalls eine organisierte Gemeinschaft sein wird (S. 225), scheinen mir auch nicht in eine Philosophie der Geschichte zu gehören. Den 3. und 4. Band umfaßt die „Philosophie der Natur" von Joseph S ch we rtschlage r. Schon ein flüchtiger Ueberblick zeigt, daß der Berfaffer den Stoff beherrscht. Gründlich und systematisch, dabei auch klar und übersichtlich wird das Material an Tatsachen und Gesetzen zusammengestellt, welches die moderne Naturwissenschaft erforscht hat. Auf der Physik baut sich dann die Metaphysik auf?denn der Verfasser fußt auf der aristotelisch-scholastischen Philosophie, die er allerdings an vielen Stellen korrigiert und selbständig wetterführt. Im Gegensatz zu Kant behauptet er, der Intellekt allein dringe vor zum Wesender Dinge,zum Transzendenten, dem „Ding an sich", und weil er über die Erscheinung hinausgreift, müsse man ihm auch die Fähigkeit zuschreiben, dem aus die Spur zu kommen, was der Erscheinung zugrunde, was hinter der Erscheinung liegt. Daraus erweist der Berfaffer die Berechtigung einer Metaphysik der Natur, als deren Ziel er bezeichnet, „zu einer einheitlichen, wtffenschaftltch gerechtfertigten und unser KausalitätsbedürfniS befriedigenden, aber auch ethisch annehmbaren Weltanschauung zu gelangen." Hier auf Einzelheiten einzugehen, ist natürlich nur dem Fachmann möglich. Bej merkt sei, daß er die Urzeugung im Häckel'schen j Sinne als mit der Wiffenschaft im Widerspruch stehend aufwetst. ES zeigt die Unzulänglichkeit der Hypothesen über, die Entstehung deS Lebens und die Unmöglichkeit seiner Erklärung ohne die Annahme eines Schöpfers. Der Berfaffer entscheidet sich für die Deszendenzlehre und gegen die Anschauung von der Konstanz der Arten. ES ergibt sich aber daraus eine Zwiespältigkeit in seiner Stellungnahme; denn die EntwtcklungSreihe von dem mineralischen Individuum bis zum Menschen ist _No.S. Satte 8 Ün5 nun wollen wir unS au einigen Beispielen die exegetische Methode, durch die er das alles feststellt, eilt wenig genauer anschen: 1. Herr T. beruft sich, (S. 285) auf ein Wortspiel in Jes. 13, 6 und Joel 1, 15. Jesaja verkündet dort den Untergang Babels durch die Meder und sagt: „Heulet, denn nahe ist der Tag des Ewigen.82'' "VQ "itpr eu kommt wie Verheerung vom Herrn." Joel wiederum verkündet eine furchtbare Heuschreckenplage und sagt: „Wehe Liber den Tag, denn der Tag des Ewigen ist nahe «2' "vv imt> es kommt wie Verheerung vom Herrn." Herr D. zitiert diese Verse und sagt wörtlich: „Hier kann Sch. nicht der Gott sein, mit dessen Verheerung ja Schaddais Verheerung verglichen wird." Man faßt sich an den Kopf. Ist denn der Sinn der zitierteil Verse nicht klar wie der Tag? Kommt denn in ihnerr nicht der tausendmal angewandte Parallelismus der Bersglieder zum Ausdruck, der das Gepräge des biblischeil Stils bildet? Ich frage die Leser: Versteht jemand die Bemerkung des Herril Torczyner? Ist sie nicht offensichtlich ein sinnloses unverständliches Geschwätz? Was will denn Herr T.? O, er weiß , ganz genau, was er will. Er will den Leser einwickeln. In jedein der beiden Verse gehen nämlich die Gottesnamen I. und Sch. parallel nebeneinander her, und es kann itormaler Weise weder eine eigentliche, noch eine uneigentliche vulkanische Spannung ans ihnen herausgeschunbeu werden. Um nun die Anfinerksamkeit des Lesers abzulenken, setzt ihm Herr T. obiges Abrakadabra vor. Er fährt fort: „Sch. ist vielmehr der Berg, das Hochgebirge im Mrden Palästinas, von dem die Gletscherflut zerstörend ins Tal braust." Welche Beziehung die furchtbare Heuschreckenplage mit ihrer vom Propheten geschilderteil nach Wässer lechzenden Trockenheit und Glut zu der von der Phantasie des Herrn- T. hervorgezauberten und daher notwendigerweise brausenden Gletscherflut des Hernron hat, das wissen allein die Vulkan- und Gewitterwolkengötter, die miteinander auf gespanntem, .mit dem Verfasser dagegen auf vertrantem Fuße stehen. Wem aber ist es bekannt, welche Beziehung das gegen Babel heranziehende Heer der Meder zu der Gletscherflnt des Hermoil hat? Dem alten Germanengott Wotan in Walhalla! Tischt doch der Verfasser, indem er verschweigt, daß Jesaja von den: her-anziehenden Herrn der M e b e r spricht, seinen andächtig lauschenden Zuhörern den unsäglichen Schwindel auf, daß in Jes. 13, 3f von u ns i ch t b a v c n Scharen Gottes die Rede sei; „was der Mensch in Gottes Sturmfahrt in der Höhe j keine einheitliche, es sind dazwischen „unbeschreitbare Stufen, mir nicht zu sogen, Abgründe", so die Entstehung des vernünftigen Organismus, des Menschen. Auf ein solches Kompromiß wird sich die Wissenschaft schwerlich einlaflen. Deszendenztheorie ist eben mit dem Glauben an eine von Gott bewirkte Schöpfung kaum zu vereinbaren. Als die objektiv vollkommenste Arbeit dürfte der 5. Band, die „experimentelle Psychologie" von LindworSkv, der ja auch in Fachkreisen großes Ansehen genießt, zu bezeichnen sein. Die ganze Form und Anlage, die souveräne Beherrschung deS Stoffe», die klare und lichtvolle Darstellung verraten den Meister, der strenge Wissenschaftlichkeit mit seiner theistischen Weltanschauung harmonisch zu vereinigen versteht. Sabbat-Anfang und Anrgang. njr» row- O rtr Anfang ShrWrü D Witt atuvr Utosa 1 AuS ܧr] gang Müls Mnnkfnrt a. M- 5 05 10. 24. e so Berlin .... 5 — Febr. Schebat 5 51 München . . . 5 15 0 os Eöl«. . . . - 5 2j 1 25 Stuttgart. . S 15 » 17 Bresla» . - . — — — — Rürnbrrs. . 5 — v 07 **«»**$ . . . — — - —

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