Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1. tzeöMtye oder hervorragende Mitglieder der Organisation der Ermordung durch Hergabe eines Autös Vorschub geleistet haben. Der Bund verfolge die s chärfste Bekämpfung des Judentums. Auf die Satzungen eines Vereins komme es allein nicht an, sondern auf seine Betätigung. Das sei für den preußischen Minister entscheidend gewesen. Derselbe Ton, der aus dem Räthenaü-Prozeß herausklang, ist es gewesen, der das deutsche Volk in Gefahr bringt. Von dem Gauleiter Bade sind in einem geheimen Zirkular Handfeuerwaffen gefordert worden. Geschäftsführer Roth hat in der bekannten Versammlung im Zirkus Busch gegen Rathenau gehetzt und ihn als Kandidaten des Auslandes bezeichnet. Auch Grenz, der den Attentäter auf Harden anstiftete, war Mitglied des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundeß. Nach der Auffassung des Regierungsvertreters war der preußische Minister befugt, den Bund äufzulösrn, denn die Anwürse, die in jenen Versammlungen gegen Regierungsmitglieder erhoben wurden, waren so schwer, daß die Atmoshüre entgiftet werden mußte. Das Verbot stellt eine vorbeugende Verwaltungsmaßnahme dar, um nicht weiter die Möglichkeit zu neuen Verleumdungen in den Versammlungen des Bundes zu geben. Die Vertreter der anderen Regierungen schlossen sich diesen Ausführungen an und so bleibt der Schutz- und Lrutzbund nach wie vor aufgelöst. Hoffentlich werden die Versuche 'zur Entgiftung der Atmosphäre fortgesetzt. Vereinigung gefefcesfreußr iüflifcfier Lehrer. Ilerkiu, 2l).. Jan. Am Donnerstag, den 18. Januar fand die Generalversammlung der „Bereinigung gesetzestreuer jüdischer Lehrer Berlins" statt. Auf der Taaesordnung stand: 1. Bericht des Vorsitzenden, 2. Neuwahl des Vorstandes, 3. (im Rahmen des später zu erwähnenden Geschichtskursus), Referat des Herrn Bernhard Levi: „Die Patriarchenzeit." Ter Vorsitzende, Herr Dr. S. Halberstadt, gab einen kurzen Ueberblick über das abgelaufene Vereinsjahr. Es wurden neun Vorträge, darunter ein Lichtbildervortrag, gehalten. Innerhalb der Vereinigung wurde unter Leitung des Herrn Bibliothekars Dr. Stern eine Arbeitsgemeinschaft für jüdische Geschichte ins Leben gerufen, an der sich fast alle Mitglieder mit regem Interesse beteiligten. Zum Schluffe dankte der Vorsitzende allen Kollegen, die durch hingebungsvolle Arbeit zur Hebung des Vereins beigetragen haben. Herr Sinasohn erstattet den Kassenbericht, worauf ihm Decharge erteilt wird. Man schritt zur Neuwahl des Vorstandes. Durch Aufruf wurden die seithertgen Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Dr. Siegöert Halberstadt, 1. Vorsitzender) Dr. Singermann, 2. Vorsitzender) Max David, 1. Schriftführer) Frl. Rösa Brüll, 2. Schriftführerin) Max Sinasohn, Kassier. Herr Bernhard Levi erhält jetzt das Wort zu seinem lEeferät: „DiePatriarchenzeit." Der Redner bemüht sich, an Hand der neuzeitlichen Ausgrabungen die biblischen Berichte über die Zeit der Urväter zu beleuchten und zu bestätigen. Der Vorirag fand den Beifall der Versammlung. Wir hoffen, daß die erste wohlgeluttge Sitzung ein günstiges Vorzeichen für das kommende Vereinsjahr bilden möge. 3ü9tfche Srontfotöafen. Alerkiu, 23. Jan. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gedenkt den Opfern der Berliner Gemeinde als sichtbares Zeichen des Dankes ein schlichtes, würdiges Denkmal auf dem Ehrenfelde des Friedhofes in Wetßenfte zu errichten, und wendet sich daher an die Berliner Juden in der Ueberzeugung, daß es jedem Einzelnen von ihnen ein Herzensbedürfnis sein wird, zu diesem Zwecke Der Mraeltt. pietätvollen Gedenkens nach seinen Kräften beizutragen. Zahlungen werden als „Beitrag zum Kriegerdenkmal" erbeten an Oberstabsarzt Ö. L. a. D. Geheimer Sanitätsrat Dr. Ludwig Hahn, Postscheckkonto Berlin NW. 7, Nr. 141964. Konferenz 9er thoratreuen Lehranstalten. Men, 24. Jan. Wie bereits kurz mitgeietlt, tagte hier der „Verband der thoratreuen Lehranstalten und Lehrer in Wien." Dem ersten Referate lagen in der Hauptsache folgende Thesen zu Grunde: 1. Die heutige Versammlung der Wiener gesetzestreuen Lehranstalten und Bethausvcreine spricht die Notwendigkeit der Gründung eines „Waad ^uctjinucl)" (Erziehungsrates) aus. 2. Ausgabe des Erziehungsrates ist, für die streng jüdische Erziehung der männlichen und weiblichen Jugend zu sorgen, überall dort, wo dieses Ziel hon außen oder innen gefährdet ist, mit allen gesetzlich niöglichen Mitteln einzugreisen. 3. Die Lösung dieser Aufgabe wird angestrebt: a) durch Förderung der bereits bestehenoenJessode Hathora- und Talmud Thora-Schulen) b) durch Errichtung von Parallelklassen an diesen bestehenden Anstalten; c) durch Eröffnung neuer Schulen. __ 4. Sowohl die Errichtung neuer schulen als auch der Ausbau der bestehenden hängt in erster Linie vom Vorhandensein geeigneter Lehrkräfte ab, weshalb dem Erziehungsrat die Errichtung einer Bildungsanstalt für Meiamöl'.' (Lehrer) empfohlen wird. Bis zur Verwirklichung dieses Projektes soll dem Lehrermangel dadurch abgeholsen werden, daß der Erziehungsrat genügend vorgebildete Jeschiwa-Bachurim zur Ergreifung des Lehrerberufes aneisert, besonders dadurch, daß er ihnen eine geachtete soziale Stellung und wirtschaftliche Versorgung zusichert. 5. Ilm unser Erziehungsideal allen jüdischen Kreisen empfehlen zu können, soll der Waad Hachinuch eine Liste aller schulpflichtigen jüdischen Knaben und Mädchen Mens anlegen, diese mit dem Schülerverzeichnisse der bestehenden Thora-Lehranstalten ver- ' gleichen und jene Eltern, deren Kinder iroch keine der bestehenden Anstalten besuchen, durch eine populäre, leicht verständliche Broschüre, oder wenn möglich gar durch persönliche Intervention, aus die Wohltaten unserer Schulen aufmerksam zu machen. 6. Es sollen allen Eltern der schulpflichtigen Kinder die Abschriften jener Erlässe. durch den Erziehungsrat zukommen, durch welche selbe vomChillul Schabbos oder vom Besuche des Jugendgottesdienstes in Tempeln, welche nach orthodoxer Ansicht nicht einwandfrei sind, als auch dom Beten in der Schule (bei Knaben) ohne Kopfbedeckung abgehalten werden können. Nach einer lebhaften Debatte referiert Herr Leopold Lederer über die finanzielle Grundlage des orthodoxen Schulwesens. Die finanzielle Lage ist infolge der fehlenden Pflichtumlagen keine gesicherte. Er entwirft dann ein Bild von der Sanierungsarbeit für die von ihm geleitete „I es so de hatora." Es müsse reichlich Propaganda getrieben werden, besonders darauf gesehen werden, daß in den orthodoxen Bethäusern reichlich für die Schulen gespendet und auch recht viele Stiftungen für diese Zwecke gemacht werden. Es muß durch die Spenden wie durch erhöhte Beiträge der Wohlhabenden erreicht werden, daß Kinder unbemittelter Eltern gänzlich kostenlos unterrichtet werden. Das System der Selbsteinschätzung der Eltern habe zu guten Resultaten geführt. Der Referent macht noch Vorschläge bezüglich der Steuerletstung und schließt mit der Bemerkung, daß man bei aller Dankbarkeit für die Beiträge aus Amerika, nicht vergessen dürfe, daß das Geschick des orthodoxen Schulwesens in nnserer eigenen Hand liege. Es wird dann der Erziehungsrat konstituiert, und zwar in der Weise, daß jede Schule je ein Mitglie^ aus dem Vorstand und dem Lehrkörper in oen Erziehungsrat sendet. Uotsn. Die' Mische fiusroanäeruns aus Posen unö Pomerelien Warschau/ 29. Jan. Die Auswanderung der jüdischen Einwohner aus den neupolnischen westlichen Streifen Posen und Pomereüen schreitet vorwärts. Mehrere __ ftr. 5 CtMt B Städte in diesen Kreisen zählen fast keine jüdischen Einwohner mehr. Die polnischen Behörden haben infolgedessen die dortigen jüdischen Gemeinden als aufgelöst erklärt und die denselben gehörenden religiösen und öffentlichen Gebäude konfisziert. Der jüdische Nationalrat in Warschau intervenierte in dieser Angelegenheit beim Unterrichtsminifter, welcher daraufhin eine Verordnung herausgab, daß von einer Konfiskation der erwähnten Gebäude solange abzusehen sei, bis eine spezielle Verordnung darüber erscheinen wird. England. 3abofinshu demissioniert. London, 24. Jan. Jabotinsky hat dem A. K. seinen Rücktritt aus der Exekutive angemeldet. Er gibt vier Gründe für seimn Rücktritt an: 1. Das gleichgültige Verhallen drS A. K. dem Waad halumi gegenüber bei deffen Beschwerden über die Landesregierung. 2. Die Nichtausführung des Kongreßbeschlusses, durch eine Delegation, Herbert Samuel zu einer grundlegenden Aenderung seiner Politik zu veranlassen. 3. Die Ignorierung der Beschwerden über die Anwesenheit von antizionistischen, sogar antisemitischen Beamten in den jüdischen Behörden Palästinas. 4. Die Ablehnung des A. K. durch eine öffentliche Erklärung zu bestätigen, daß es nach wie vor auf dem Boden des Baseler Programmes stehe. Jabotinsky erklärt nicht nur seinen Austritt aus der Exekutive, sondern betrachtet sich auch als aus der zionistischen Organisation ausgeschieden. (Zu diesem Austritt kann man der zionistischen Organisation gratulieren. Red.) Amerika. ~ —- Der Ruf nach den Emigranten. New HZork, 5. Jan. Der nationale Fabrikantenverband weist in einem Memorandum au den Kongreß nach, wie schwer die Industrie jn Amerika unter den drakonischen Einwanderungsgefetzen zu leiden hat. Die Fabrikanten verlangen kategorisch Abänderung und Milderung des Einwanderungsgesetzes. Der mexihanische 5ie9!ungspian. Mew-York, 5. Jan. Das Exekutivkomitee des amerikanisch-jüdischen Kongresses, unter dem Vorsitz von Dr. Stephen Wtse, veröffentlicht eine Mitteilung, wonach auf Grund mehrmonatlicher gründlicher Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen sei, daß bei aller Würdigung des Anerbietens der mexikanischen Regierung die gegenwärtigen Umstände in Mexiko eine irgendwie nennenswerte jüdische Einwanderung unmöglicherscheinen ließen. Eine landwirtschaftliche Ansiedlung würde die Aufwendung gigantischer Geldmittel fordern, zu deren Erlangung keine Aussicht besteht) es müßten daneben erhebliche Summen für Bewässerung re. ausgegeben werden. Keinesfalls könne Mexiko als Zufluchtsort für solche ostjüdische Auswanderer in Betracht kommen, die darauf angewiesen sind, schnell Arbeit zu finden und die sich nicht lange Zeit aus eigenen Mitteln erhalten können. \ i '!_;_j raj ..jal Urrtästina. Der Sabbat in Jerusalem Jerusalem, 15. Jan. Eine Delegation des Vereins „Mischmereth Sabbat", bestehend aus den Rabbinern A b r a - mowiez und Eliaschar und den Herren SlutzktnundSchachor, wurde am9.Januar vom Oberkommissär Herbert Samuel in Audienz empfangen. Der erste Sprecher, Rabbiner Eliaschar, beschwerte sich über die überhandnehmende Sabbatentweihung in den Straßen Jeru-