Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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U Februar 'Drei Momente sind,e^, -die in der NächikriegMit ganz besonders darauf hingewirkt haben, die Lagie des! Mischm Volkes in der ' TiasPora imnr-er kritischer zu gestalten. Es ist vor allem das allgemeine Mrtschaftselend, die bis zum Wahnsinn gesteigerte Gegensätzlichkeit zwischen Uebdrfluß und Lebensnot, der Zu- ' .sammendruch aller wirtschaftlichen Stetigkeit, was den MhrVoden abgibt für die judenfeindliche Gtlmmung. Zu dieser allgemeinen, schon zur Selb stütz rstänidlichkeit gewordenen Ursache der gesteigerten Judenfeindschaft, die ja von jeher nur eine Form des sozialen Klassenhasses war, tritt aber als besonders erschwerender Faktor das Hochkommen des politischen Nationa lismus bei allen Völkern der Welt. Was Zollschan in seinem gwßen Werke über die Nllgeheure Gefahr des jüdischen Nationalisnms für die Lage der Tiasporajudenheit vor 2 Jahren ansgeführt hat, dürfte heute auch dem Blindesten klar sein. Tie Judenheit hat alle Ursache,. bei gewissenhafter Festhaltung ihres tief im Religiösen wurzelnden h i ft o r i - scheu NationaWewußtseins sich von jeder politischen Auswirbrng dieses nationalen Bewußtseins in den Ländern der Diaspora fern zu halten, und den Exzessen, die auf diesem Gebiete von jugendlichen und alten Stürmern tagtäglich begangen werden, mit Energie entgegenzutreten. . * Das dritte Moment, das sich dem Betrachter aufdrängt, hat ungeachtet aller ErklärunMversnche etwas Mystisches' an sich. Diß> in den Ländern Mitteleuropas hervorragende Exponenten der Umsturzbewegung,. des äußersten geistigen und politischen Bolschewismus, Juden waren, das läßt sich zwar aus historischen Erwägungen kausal erklären, aber diese Erklärung beweist immer nur die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit der Datsache, niemals über, warum sie W irklich werden mußte. Daß Drotzki, Bela tun, Kurt Eis ner in der Tat die Rolle gespielt haben, die sie spielten, bleibt, wenn Man das Ereignis in seiner Dreiheit ins Angle faßt, ein Mysterium, ein Mysterium von ungeheurer Tragik, dessen Folgen die jüdische Gesamtheit schon mit einer Fülle von Blut und Dränen btzzahlt hat. Wir '.müssen diese Tragik des Geschehens Vom Standpunkte itnserer jüdischen Weltanschauung aus in Demut hinnehmen. Mer in unsrem eigenen Innern haben wir uns darüber klar zu werden, daß es für däs jüdische BoK im ganzen wie für alle seine Individuen nur ein einziges Heil- und Schntzmittel für den gefahrvollen Gang durch die Weltgeschichte gibt: W i e Treue zum Gottes wo rt und die Hingabe aller Kräfte au den Dienst eines in diesem ****** MW«W»W Der Z»r«lL sich vollziehenden IugenderziehungsWerkes. - , Der Antisemitismus ist nur durch eines überwindbar: Durch den Hauch aus Kindermunde, der in den jüdischen Lehrhäusern in Ehadoriin und Dalinud Dhora, in Jeschüvah und Beshmnidrasch zum Himmel emporsteigt! Sin Dokument jiidischer Mchfienliede. Der unter dem Namen Central Relief bekannte amerikanische Hilfsausschuß, der unter dem Vorsitz von Leon Kamaiky die gesetzestreuen Kreise Amerikas auf die Initiative Morris Engelmanns hin zur tatkräftigen Hilfeleistung für das kriegesverwüstete Mitteleuropa aufrief, erstattet soeben einen zusammenfassenden Bericht über seine Tätigkeit vom 8. Oktober 1914 bis bis zum 15. Dezember 1922. Es ist bekannt, daß das Central Relief als Vertretung der amerikanischen Orthodoxie sich bald nach Beginn seiner Tätigkeit mit den Komitees der liberalen Kreise und dem sogenannten People's Relief, das die Sozialisten vertritt, zu einem gemeinsamen Hilfsausschuß, dem sogenannten „Joint" zusammenschloß. Solange es in erster Reihe galt, dem unmittelbaren Krtegselend abzuhelfen, und das Bedürfnis der geistigen Wtederaufrichtung des Wiederaufbaues der zerstörten oder notletleidenden Thorastätten dahinter zurücktrat, war diese Bereinigung sachgemäß und konnte sich auch ohne Reibungen in die Tat umsetzen. Im Laufe der Entwicklung trat indessen die Notwendigkeit selbständiger Arbeit für das Centralrelief, soweit es sich um kulturelle Bedürfnisse handelt, immer mehr hervor. Leider mußte man von vornherein und muß man bis zu einem gewissen Grade auch heute noch mit der Tatsache rechnen, daß die ganze Beurteilungsweise und die Verteilungsmethode des Sonderkomitees für kulturelle Zwecke, in dem sich Rabbi Metr Berlin maßgebenden Einstuß zu verschaffen wußte, stark unter misrachtsttschen Parteitendenzen arbeitete, was zu vielfachen Beschwerden aus dem Osten Anlaß gegeben hat. In der letzten Zeit tritt indessen auch in diesem Punkte immer stärker das deutliche Bemühen der leitenden Persönlichkeiten hervor, diese Einseitigkeit zu überwinden und die unabhängige Orthodoxie des Ostens vor weiterer Benachteiligung bei dem Wiederaufbau ihres Erziehungswesens, ihrer Jeschiwos und Talmud Thoraanstalten zu schützen. Das Hauptverdtenst daran, daß eine günstige Entwicklung in dieser Hinsicht wahrzunehmen ist, muß man dem obengenannten Herrn Morris Engelmann zuschreiben, der sich auf seinen zahlreichen Europareisen in engste Fühlung mit allen Kreisen der Orthodoxie, auch mit denjenigen der Aguda zu setzen No. 5. Seite 8 .wußte, und dadurch mancherlei Mißbräuche aufdeckte und beseitigte. Vieles bleibt auf diesem Wege noch zu tun übrig, denn es giebt Länder, in denen die misrachisttschen Parteiführer mit einer der besten Sache würdigen Hartnäckigkeit ihren Monopolanspruch auf die amerikanischen Unterstützungsgelder zu verteidigen wissen. Jedenfalls kann man den Rechenschaftsbericht des Central Relief nicht ohne ein Gefühl tiefster Anerkennung und Bewunderung für die amerikanischen Gesinnungsgenossen sich vor Augen führen. Ueber zehn Millionen Dollar, ein Fünftel des ganzen vom Joint aufgebrachten Betrages, hat das Central Relief zusammengebracht und verausgabt, und es ist bemerkenswert,, daß dieser Betrag nicht etwa von einzelnen begüterten Persönlichkeiten, sondern von 80900 Spendern, also aus der breiten Maffe des Mittelstandes, zufammengekommen ist. An Verwaltungsspesen hat der ganze Apparat nicht mehr als rund 300000 Dollar gekostet. Wie wenig in geldlicher Hinsicht die Selbständigkeit des Komitees, deren Entwicklung sich wohl erst in den Anfängen befindet, bisher praktisch werden konnte, erhellt allerdings aus der Tatsache, daß von den 10 Millionen Dollar, 8,8 Millionen durch Vermittlung des Joint Distribution Comittees gegangen sind. Aus dem Berichte geht hervor, daß sich die führenden Persönlichkeiten über die Aufgaben der Zukunft keineswegs im Unklaren sind. Sie reden in warmen Worten der amerikanischen Orthodoxie die Notwendigkeit ans Herz, in ihrer Opferfreudigkeit nicht zu erlahmen, und damit nicht nur Osteuropa, sondern ihre eigene Zukunft zu retten. Schön sagt der Schatzmeister Harry Fischet in dieser Hinsicht folgendes: „Wir dürfen die kulturelle und religiöse Verantwortlichkeit nicht verhehlen, die auf den Schultern der amerikanischen Judenheit ruht. Wir müssen so schnell als möglich die zerstörten Erziehungsinstitutionen in dem vom Kriege verwüsteten Länder wieder aufbauen. Die osteuropäische Judenheit, die in den Jahrhunderten der Vergangenheit, das Licht Israels gewesen ist und von deren geistiger Führerschaft und religiösem Abglanz die Juden in allen Ländern der Diaspora gelebt haben, muß fortfahren, die Feuersäule zu sein, durch die Israel auf seinem Pfade geführt wird." Staatliche, kirchliche und jüdische Gemeinschaft. Von Dr. B. Cohen in Berlin. Die Thora aber wurde in der Wüste offenbart. Nur sie ist das Gegebene,- Volk, Land und nach zurück. Alle Bemühungen, ihn für die Arbeit tu der zionistischen Organisation in früherem Matze zurückzügeminnen, schienen jedoch vergebens. Auf dem Masten Kongreffe sah man ihn nicht mehr, und man mutzte in den letzten Jahren kaum noch, ob und in welchem Matze er sich noch überhaupt mit der zionistischen Sache verwoben fühlte. Bei AuSbruch des Krieges mutzte Nordau als deutscher Staaisangehörtaer, obwohl in Budapest geboren, Frankreich verlassen und lebte als Flüchtling in Spanien, von wo er vor wenigen Jahren nach der Stadt, die ihm zur geistigen Heimat geworden, zurückkehrte, um Hierselbst jetzt auch feine letzte Ruhe zu finden. Er war zuletzt ein etwas stiller Mann geworben nach einem Leben voller Kampf und Arbeit, Hoffnuna und Enttäuschung. Er wird von einem grotzeu Kreise als Wahrheitsfucher ewig verehrt bleiben. Wir aber wissen es: von d er Wahrheit, von der einzigen jüdischen Wahrheit hatte sich Max Nordau schon zu Anfang seines geistiaen Ausstieges entfernt, wieviel Seelenkampf und Enttäuschung wäre ihm sonst erspart geblieben! * * Ueber feine Lebensgeschichte sprach sich Nordau vor kurzem einem Vertreter der Wiener „M Z." gegenüber u. a. wie folgt aus: „Meine Mutier hatte nur einen recht kurzen Stammbaum aufzuweisen. Sie hieß Sara Rosalie Nelkin und war 1813 in Riga geboren. 'Ihr Vater wurde häufig beim Spitznamen ,-Ser Preutz", höflicher „Reb Jtztg Preutz" genannt. ^Meine Mutter zog früh mir den Eltern nach Wilna,'Sie ging nachher als Lehrerin nach Warschau und nach Krakau und gelangte später nach Pest, wo fie 1848 von meinem Vater, der dort als Witwer mit vier Kindern lebte, geheiratet wurde. Ich hin am 23. Juli 18i9 tkl P 9 st geboren. Am 11. April 1873 wurde mein Name durch ein Dekret vom ungarischen Minister des Innern in Nordau geändert. Ansere Mutter ging mit mir und meiner Schwester zuerst von Mai 1876 bis Noyembec 1378 nach Parts und nach einer kurzen Rückkehr nach Budapest, übersiedelten wir endgültig 1889 nach Paris, wo die Mutter im Jahre 1900 starb. Mein Vater, Gabriel Süd selb, wurde im Jahre 1799 in Krotoschin, Posen, geboren und ist 1872 in Pest gestorben. Der Name Südfeld wurde von einem Vorwerk bei Krotoschin von meinem Urgroßvater Simcha Südfeld erworben. Die preußische Regierung befahl damals den Juden, Familiennamen anzunehmen, und zwar die Familienväter jeder Familie verschiedene Namen. Bis dahin hatte man nur einen „Rabi Simcha ben Mosche" gekannt. Der älteste Sohn wurde Wiener benannt, weil man die Familie gewöhnlich „die Wiener" nannte. Simcha wurde 1719, sein Vater Mosche 1686 geboren. Mosches Vater, Rabbi Jrffef, überfiedelte nach Krotoschin. Er wurde gewöhnlich mit dem Namen „Min hageruschim mt-Wiena" („einer der Verjagten von Wien") achtungsvoll genannt. Rabbi Joffes war einer-'der ausgewiesenen Juden, tie Kaiser Leopold der Erste seiner spanischen Gattin zuliebe, aus dem Lande verbannte. -" Uebrigens weiß man, daß sich einige von Max Nordaus Vorfahren auch als hebräische Schriftsteller beteiligten. Sein Urgroßvater, Simcha Südfeld, ist der Verfaffer des Werkes „Jeffod sesath iwri". Gabriel Südseld, Max NordauS Vater, schrieb unter dem Titel „Rechoboth habiur" einen Kommentar zu Kobeleth (Prag 1859), sowie „Achusath mereim", eine Abhandlung über moralische Pflichtengegen dteNebenmenscheü (Prag 1835). Außerdem war er ein Mitarbeiter der hebräischen Zeitschrift „Bikure haittim", in deren siebenten Jahrgang er Ur Versetzungen deutscher Gedichte und in deren zehnten Jahrgang er eine Abhandlung über Bkbelexegese veröffentlichte. (Die Einstein - Dtzeorie von Masrnüttides.) Von astronomischer Seite schreibt man uns; In Nr. 3 des „Israel,." befindet sich ein Artikel über „die Relativitätstheorie des Maimonides". Die dort angeführten Stellen aus v-inn mp JittPn besagen m . E. nichts anderes als daß der e"3D“i auf dem Standpunkt der s. Z. und noch bis Kooernikus überall gültigen Epicyheltheorie gestanden hat. Da im 11. und sogar im 12. Jahrhundert von.einer endlichen Gefchivtndtgkett des Lichts nichts bekannt war, — aus dieser beruht aber die Einstein'sche Theorie—konnte man von einer Relativitätstheorie, wie sie gegenwärtig zu definieren ist, gar nichts ahnen. („Spieltalent und Raffe") Houston Stewart Chamberlain hat die Entdeckung gemacht, datz Anton Rubinstein kein Jude war. Dazuerzählt Gustav Ernst in der „Mustkerzeitung" eine kleine Gechichte, die seinerzeit die Runde machte und auch unwidersprochen blteb. Bet einem Aufenthalt in Amster. dam hatte Rubinfteln eine Einladung angenommen. Die Unterhaltung wandte sich auch aus die Juden und die ahnungslosen Wirte äußerten sich wenig freundlich über ihres Gastes Glaubensgenossen. Als Rubinstein ging, bat man ihn um sein Bild zur dauernden Erinnerung an die Ehre, die er dem Hause durch seinen Besuch angetan. Rubinstein versprach eS bereitwilligst. Als es eintraf, stand darunter nichts weiter als: „Anton Rubinstein, russischer Jude!"