Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1923)
- Date
- 1923-01-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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<Bei#g 4. fte»_'__ band unter dem ebenso geheimnisvollen Namen Ku-Klux-Klan als treuer Bundesgenosse anzusprcchen sei, indem er auch den Kampf gegen Juden und Judentum auf sein mysteriöses Panier geschrieben hätte. Vielleicht könnte ihm sogar die weltrettende und völkerbefreiende Aufgabe zufallen, dem ebenfalls von Amerika aus geleiteten jüdischen Geheimbund „die Weisen von Zion" den Garaus zu machen. Geheimbund gegen Geheimbund! . . . Irgend jemand hat aber die Freude der Deutschvölkischen am neuen Bundesgenoffen jenseits des Atlantus gründlich verdorben. . Er hat es in Wiener Zeitungen verraten und es ist nunfort kein Geheimnis mehr, daß das Ku- Klux-Klan noch mehr als die Juden die Deutschen haßt und oen Kampf gegen das Deutschtum in Amerika zu seinen ersten Obliegenheiten zäh't. Der Verband selbst hat an den „New-Aork Herald" ein Schreiben gerichtet, in welchem er gegen die Zulassung ker deutschen Sprache als Lehrgegenstand an der Universität Paterson protestiert. Dte Steuben-Gefellschaft, ein deutscher kultureller Verband, wird beschuldigt, die politische Macht in Amerika anzustreöen und dieses Land für Deutschland in Anspruch zu nehmen. Für den Fall der Einführung der deutschen Sprache an der Hochschule werden Terrorakte angedroht. Das macht uns den Verband mit dem entsetzlichen Namen gewiß nicht sympathischer. Aber die Völkischen unsereS schwer leidenden, nach Frieden und Ruhe lechzenden Vaterlandes sollten dadurch zur Vorsicht gemahnt werden gegenüber der Internationale des Judenhasses. Dieser Judenhaß geht in vielen Fällen Hand in Hand mit Deutscherhaß, wofern er nicht — wie in Böhmen — gar eine Deckadresse für die erbitterten Bekämpfer des Deutschtums ist. Staatliche, kirchliche und jüdische Gemeinschaft. Von Dr. B. Cohen in Berlin. (Fortsetzung.) 9. Doch die in der jüdischen Ueberhumanität liegende Inkonsequenz wird von der Thora und Talmud scharf verurteilt. Korah und seine Rotte waren, laut midraschischer Darstellung, nicht das Gesetz, sondern die für das Gesetz nötige Executivgewalt abzuschütteln bestrebt, da sie in dem Menschengeiste speziell dem jüdischen Bolksgetste eine über jede, Wtllenshilfe ewig erhabene Kraft supponierten. Daß im Laufe der Generationen diese Gotteskraft auf erlesene Geister sich beschränken und zuletzt den Menschen völlig entschwinden müßte, weil der Mensch eben ein reingetstiges Wesen ohne erbliche Degenerationssüwächung ist, das leugnete Korachs Anhang. Dieselbe Menschenüberschätzung lag nach oberwähntem Midrasch auch den Unterlassungssünden der josuanischen Zeit und Sauls Schonung gegen Amalek zugrunde. Daß ein sittlich toter Menschenschlag einen gesunden vergiften könnte, wollten sie nicht glauben. Gott schickte die Söhne Korachs nicht in den Tod, sondern an einen Ort, von wo sie das Gehinnom stets vor Augen zu haben, d. h. das Zentrum des entropischen Weltenverfalls, dessen Existenz sie verblendet geleugnet und dem sie so neue Menschen- Nahrung in den Rachen getrieben, ewig zu betrachten verdammt sind. Ebenso schickt Gott Sein Gesetzesvolk zur Strafe für die falsche Duldsamkeit nicht ins Verderben, sondern ins Galuth, wo es aus der Warte der Ewigkeit die' verfallenden Kulturen solange zu betrachten verdammt ist, bis es einsehen gelernt hat, daß auch das edelste Kulturgut nicht ohne ein exekutiv wirkendes Lebensregelungssystem, nicht ohne einen Talmud grwahrt bleibt. Erst dann ist auch der Korachskinder ungestümer Optimismus besiegt. Erst dann verstummen die jüdischen Widersprüche gegen die religtonsgesetzliche MokLsbeherrschung, also ein executiveS Der jjf&niem. NMslebensregelungsprin.zip,' erst dann wird der Jude einsehen: Der Thora st a a t ist eine Notwendigkeit. In diesem Lichte erhellt auch der Sinn eines anderen Midrasch: Der Psalm der Korachskinder? — so fragt der Midrasch. — Müßten d!e Korachskinder nicht Klagelieder anstimmen über den Ausgang ihrer Bewegung? Nein, ist die Antwort. Eine Magd verlor in einem Brunnen einen irdenen Krug. Sie saß verzweifelt am Rande des Brunnens. Da ließ auch die königliche Magd einen Krug sich aus der Hand entgleiten, und zwar einen goldenen, Da frohlockte die arme Magd. Ob ihrer Schadenfreude zurechtgewiesen, antwortete sie „Jetzt wird man so eifrig nach dem goldnen Krug den Brunnen durchsuchen, daß auch mein irdener gefunden werden muß!" Ebenso frohlockten beim Versinken des heiligen Gottestempels die Korachskinder, weil nunmehr sie hofften, beim Wiederaustüuchen der Herrlichkeit würde auch der versunkene Glanz ihres Vaterhauses neu erstrahlen. Ja, die unentwegten Mensch env er< rauer, auch sie werden nicht anders belehrt und gebess ert, als durch ein betrachtendes Mrterleben deS von ihnen angertchteten Verderbs Als ganz Israel diesem ^Schicksale anheimfiel, dursten darum auch sie hoffen, daß nunmehr auch der goldenen gesamtmenschheitlichen Vernunft die Augen geöffnet würden, — wenn auch durch ein in jahrhundertlanger Allmählich keit aufstrahlendes Llcht, — übrr die Notwendigkeit, die ihre eigene irdene Vernunft geleugnet und nun eingesehen, die Notwendigkeit eines göttlichen Staates. 10. Ist der jüdische Gottesstaat nun wirklich ein so transzendentzukünftiges Werbeziel der Leidensgeschichte Israels und ist jeder Versuch seiner diesseitigen, irdischen Verwirklichung aus anderem als kasteiendem Wege eine Herabwürdigung oder eine Unmöglichkeit? Er ist, seiner Beschaffenheit nach, wie die Thora ihn gepredigt und viele Generationen im heiligen Lande ihn gehalten haben, ein Staat im heutigen, weltlichen Sinne des Wortes. Das eschatologische Idealbild erst, das die Thora und die Prophetie ans Ende der Tage verweist, ist das einer internationalen, Gott huldigenden Menschengemeinde. Solange andere Sprachgemeinschaften sich bewußt abschließen, setzt der Jude in die Thora seinen Voiksstolz. Es wird aber eine Zeit kommen, daß auch wir Bekehrte annehmen werden dürfen/ man darf „Gerim erst zur Zeit des Maschtach" annehmen. Erst wenn der Nationalitätswahn sich überlebt oder überschlagen hat,-die Menschheit scheint das Letztere zu wählen,-erst dann kann auch die Thora ihre Gemeinschaft des unschönen Gewandes des Nationalismus entkleiden, und „Völker werden zu ihr strömen und in ihrem Sichte wandeln." Während also einige Glaubensgemeinschaften der nichtjüdtschen Welt, einige „Kirchen", insbesondere die protestantischen, auf eine zukünftige Erweiterung und Verweltlichung ihrer Macht hoffen, vertraut der jüdischen Staat aus die dereinstige Vergeistigung seines und jedes Herrschens. Solange aber dieses Ziel nicht erreicht ist, sehen wir die beiden genannten Gemeinschaften jede den ihr charakteristischen Weg wandeln. a) Die Kirchen, z. B. die römische Kirche ist ihrer stets erstrebten und oft innegehabten weltlichen Macht seit der Hochblüte des Nationalismus beraubt und sucht das für ihr Zuammenhalten notwendige Minimum dieser rdischen Gewalt dadurch zu ersetzen, daß sie ihre geistigen und kulturellen Errungenschaften pflegt und ihre Dasetnsnotwendtgkeit in dieser nnenkulturarmen Nattonalitätenwelt frtedenerstrebend bewähren und beweisen will. — b) Die Staaten, z. B. der französische und früher der preußische, suchen durch Wettrüsten ihre Dafeinsgewalt, die bisher wenigstens stellenweise, z. B. in England als notwendiges 16 Harmär 1SM Nebel zur Stützung der Kulturmacht galt, zum „Dogma" und dieses zum Selbstzweck zu machen. Rücksicht auf „Andersdenkende" kennt der so ent. standene Militarismus nicht. Die wirtschaftliche Absperrung währenddes Krieges hat den Staaten auch noch alle wirtschaftliche Macht in die Hand gespielt, und nun können diese eine geistige und leibliche Gewalt über alle ihre Bürger ausüben, die diesem System schließlich-— den letzten Verehrer rauben wird, soweit sie das nicht schon getan hat, und damit die Gewalt deS Nationalstaats oder des Bodenbesitz-Staates erst kulturell und dann reell brechen muß. c) Das jüdische Gemeinwesen hat infolge seiner Menschenliebe, welche ihm den „Berteidigungskampf bis zum Messer" völlig verbot, seinen staatlichen Charakter völlig ringe, büßt. Erst infolge der Galuthleiden hock sich dieses jüdische Herz wieder auf den Mischen Kreis national konzentriert, den auf dem Erdenrunde nur die gemeinsame Lebensregelung durch die Thora Zusammenhalt. Doch auch die sich dieser entziehenden Mitbrüder gehen der Reichweite der jüdischen- Solidarität nicht verloren, solange nicht eine Staatskultur wie die französische oder deutsche sie aus sog. Nur die geordneten Berhältntffe dieser Staaten, die selbst in schlimmster Zeit das Geistesleben vor Verkümmerung bewahrt haben, konnten Deutschland zur Pflanzstätte jüdischen Lebens und seine Sprache zum Organ der jüdischen Orthodoxie der ganzen Welt machen. Innerlich aber kann es keine in allen Beziehungen ausgeprägteren Gegensätze geben als die deutsche und die jüdische Lebens- und Staatsregelung. Hier Kants Gewiffenscultus, hier völlig heteronomer Gottesgehorsam als Grundgesetz des Etnzelwtllens wie auch der Gesamtheit. Das ist aber nur ein Beispiel. Jeder der bestehenden Kulturstaaten hat ein geistiges Fundament, so gut wie er ein kameralisttsches hat. Stets aber muß die im Geistesleben eines Volkes sichtbare Willensrichtung aus dem diesseitigen, dem Handel und Wandel des Volkes heraus begriffen werden, selten umgekehrt/ vielleicht ist S ombarts groß angelegter Versuch, gerade bei uns ein solches Entstehen des Erwerbslebens aus der Religion nachzuweisen, eben nur bet uns, dem Volke der Religion anwendbar. Die oonstantia der Römer, die Ausdauer und Disziplin der Deutschen bis zum Kriege, die passive Wucht der russischen Masse, — das sind Eigenschaften ackerbautreibender Nationen. Die Bequemlichkeit der Polen, Franzosen und Engländer im Geistigen und Moralischen ist eine geschichtliche Folge der früheren Viehzucht und des späteren Kapitalismus dieser Völker. Und die durch so konkrete sichtbare Tatsachen bedingten Nation aleigenschaf ten haben den Grund zur Nationalkultur und zum Staatsgedanken der ntchtjüdtschen Völker gelegt. Wn:tf«Kuiq IM.; Korrespondenzen «. ßacbrlcftien. Deutsches Reich, llcksws. Krankfurt a. M., 10. Januar. Am 25. Dezember faud die übliche Verwaltungsausschußsitzung der A ch a w a in Frankfurt a. M. statt. Aus dem Protokoll ist folgendes hervorzuheben: In der Zusammensetzung des Vorstandes ind im abgelaufenen Jahre mehrfache Aenderungen eingetreten. Durch die dadurch entstandene vtelfache Umbesetzung der Aemter konnte ein glatter Ablauf der Geschäfte im vergangenen Jahre nicht immer erreicht werden. Die Durchführung einer Zusammenlegung der Achawa mit ähnlichen Organisationen hält die Verwaltung unter den gegebenen Zeitverhältntffen für undurchführbar. Allerdings wäre eine. Bemessung und Berteilungsquote in der früheren Höhe heute ein Unding. Cs ist aber der Achawa infolge einer testamentarischen Zu-