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Der Israelit · 1923-01-18 · Heft 3 (18.1.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 3 (18.1.1923)
Date
1923-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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18. Jaüttckk ' seiner treuen NtthSnglichkeit am Gesetze stören, ihm die Freude und die Treue verbittern mit ihrer Devise: Scheidung der. Wissenschaft vom Glauben und Leben haben sie ja auch von vornherein auf den Eingang ihrer Wissenschaft ins Leben verzichtet, haben fie das innere und äußere Leben des Juden dem Nebel und der Nacht Überantwortet, eben damit aber auch das Licht der Wissenschaft zum bedeutungslosen Raketenschein eines eitlen Spielwerks verurteilt — die jüdische Wissenschaft soll der fruchtreiche Boden des jüdischen Lebens sein und so lange fie es war, hatte fie auch die erste Stelle im Leben, ihre Wissenschaft aber ist der Moder aus den Sarkophagen verwitterter Leicken, der über die Steppen der Gegenwart dahinstäubt. —" Die sechs Jahrzehnte, die seitdem in die Lande gegangen, brachten die lebendige Bestätigung der hier gesprochenen Worte. - Man kann d:eMffenschaft des Judentums nicht einmal, nach dem bekannten Sprichworts, „an ihren Früchten erkennen", denn sie hat keine. Ihr Einfluß auf das Leben ist gleich null. Sehen wir uns heute noch einmal das Programm der ersten Kulturschule an, so haben wir darin die drei toten Punkte, das tote Doppelgeleise, aus dem der Karren der „jüdischen Wissenschaft" rostet... Die historische Erforschung war mit Graetz abgeschlossen. Was da folgte: Brann, Elbogen, Baeck — es ist nur eine schwache GraeArachlese. Philosophisch ist auf dem langen Wege von Geiger zu Seligmann keine einzige neue Idee aufgetaucht. Man zehrt vom Alten und auch die „Richtlinien" find nur die naturgemäße, fast automatische Weiterentwicklung der damals aufgestellten Maximen, ohne Spur von neuen, originellen Gedanken. Freilich hat sich auf Umwegen die sog. „Philosophie des Judentums" in ein ganz andres Lager hinübergerettet, in das jüdisch.nationale und bekam dort ein ganz anderes Gesicht. Sie ist vom Rationalistischen der Zunz- und Geiger» schule in das Romantische der Buber, Brod, Klausner u. a, übergegangen und hat auf dem Wege über den Chassidismus schon die Luftlinie nach Nazareth gefunden... eine Entwicklung, die nicht ohne weiteres vorauszusehen war. Der Weg der Philologie hat aber zu Erscheinungen und Zielen geführt, die in jüdischen Kreisen sehr nachdenklich stimmte. Die Btbelkrittk, wenn man von den nationalen Schulen in Palästina, wo sie noch mit Liebe betrieben wird, abfieht, überließ man doch in den letzten Jahren als Domäne den christlichen Gelehrten, wo sie, voraussetzungslos und schrankenlos wie sie sich gab, bis zur „Groben Täuschung" des eben verstorbenen Friedrich Delitzsch, jenseits der Trabt-. Oer gßratN. tionen aller Religionen und Kulturen, gedeihen konnte. Diese lltzte HimmelLstürmeret löste einen Schrei der Entrüstung nicht allein in der jüdischen Welt aus. Allein so ganz ist die Linie von der „voraussetzungslosen Exegese" der damaligen Wissenschaft bis zu der „Großen Täuschung" unserer Zeit doch nicht zu verkennen. Fragen wir uns heute, ob es sich überhaupt verlohnt, eine „Wissenschaft drs Judentums" zu treiben, d. h. jüdische Geschichte zu studieren, unS in die Phi'osophie des Judentums zu vertiefen, uns philologischen Texlstudien htnzugeben, so lautet die Antwort trotz allem, Ja! Allein es muß eine jüdische Wissenschaft des Judentums sein, in dem Sinne, daß fie nicht das Primäre ist, daß wir nicht von der Wissenschaft ausgehen, um die Wahrheit zu suchen. Die Wahrheiten brauchen nicht erst gesucht zu werden, sie stehen in ihrem ewigen Gehalte erhaben über Zeit und Raum da, und wir gehen von dieser Wahrheit aus, um uns die Wissenschaft zu erlangen, d. h. das Wissen um die inneren Zusammenhänge dieser uns beseelenden ewigen Wahrheiten. Haben wir solchergestalt eine jüdische Wissenschaft des Judentums, dann ist, wie es Hirsch willdie jüdische Wissenschaft wieder wie ehemals der fruchtreiche Boden des jüdischen Lebens. Wocheimmdschau. Wie kann unseren notleidenden jüdischen Wohlsahris-Zirstitulionen geholfen werden? Zu der vor kurzem hier stattgehMeu eindrucksvollen Tagung der konfessionellen und interkonfessionellen Anstalten von Hessen und der Provinz Hessen-Nassauwird uns noch von Herrn Hermann 'S e ck b a ch geschrieben: Es luitrb;* offen und klar zum Ausdruck gebracht, was zürn Teil den mit beit Verhältnissen vertrauten Personen schon längst bewußt war: „Es ist unvereinbar .mit dem caritativen Gedanken, daß die auf freier Liebestätigkeit beruhenden Anstalten sich selbst überlassen bleiben. Es muß alles seitens des Staates oder der Körperschaften getan werden, durch Erstattung der wirklichen Selbstkosten die Anstalten lebensfähig zu erhalten!" Mit einem Gefühl großer Befriedigung konnte man da hören, daß diese Grundsätze bei den in Betracht kommenden Behörden Anerkennung gefnnden haben, und daß nicht nur die -Selbstkosten von diesen Stellen erstattet werden, sondern es wurden Zuschüsse bewilligt, die Anschaffungen ans einige Zeit hinaus zur Sicherung der Betriebe ermöglichten. No. 3. Seite 8. In welchem Zustand Hefmdm sich demgegenüber die j ü dischen Anstalten und Wohltätigkettsvereine! Wir haben die wundervollen Errurtgenschaften der Friedenszeit; alles, was uns da mit Gemiluth-Ehesed-Gedanken erfüllte, sah man verlvirklicht, und werfeit wir nun einen Blick Hutter die. Kulissen dieser Liebeswerke, so kann es uns weh ums Herz werden. Ter oben vorgezeichnete Weg der allgemeinen Anstalten ist zum größten Teil nicht gangbar, weil die Hilfsbedürftigen, dem jüdischen Grundsatz entsprechend, von „überall her" sich rekrutieren und so nicht ohne weiteres ivie bei den öffentlichen Anstalten von den in Betracht kommenden Behörden dauernd übernommen werden. Da heißt es einerseits Landesanstalt, andererseits bei Ausländern Ausweisung. Und haben schon die bestehenden Institutionen ihre Last, wie ist es da möglich, iteuen wichtigen Anforderungen nachzukommen? Tie Antwort auf all diese Fragen muß heute lauten: 'Zeiteinstellung! Wir kommen nicht weiter mit der allgemeinen Redewendung : „Es geht hält allen so". 'Damit dürfte otc 7^2 mchr NÄV jau. Was uns helfen kann, ist Ueberträgnng der obigen für nichtjndische Anstalten giltigen Grundsätze -auf unsere Verhältnisse. In erster Linie: Selbsthilfe, dann aber Zusammenschluß zur Förderung' gemeinsamer Interessen. Es muß Nipp und Nar zutage treten, wie weit die Möglichkeit besteht, zum allerlvenigsten die Selbstkosten zu beschaffen, und wie weit Wege zur" Herbeischaffung dieser Mittel betreten werden müssen. Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, wie dies leider schon geschehen ist, daß überaus nötige Jttstitittionen ihre Pforten schließen tnüssen. Gewiß hat jeder den Kopf mehr als voll, aber soll deshalb eine Gleichgültigkeit aufkommen, die unsere jüdischen Werke Zusammenstürzen läßt? Nie und nimmer möge dies der Fall sein! Ich wende mich an all die, die berufen sind, Beschützer und Helfer den Schutzlosen zu sein, mit der eindringlichen Bitte, sich mit' den Vorschlägen zu 'befassen. Ich weiche mich an unsere Jugend, die heute mit Eifer an den sozialen BestrÄung'en teilnimmt: „Ueberzeugt Ettch von der geschilderten Not und schart Euch um die, denen die stets hilfsbereite Hand vnfängt, müde zu werden!" Möge dieser 'Ruf nicht verhallen? Der amerikanische »Verbündete.- Nicht etwa die Zurückziehung der amerikanischen Rheinarmee war es, was die Deutschvölkischen in Helle Begeisterung für Amerika brachte, sondern die Feststellung, daß der dort zum Entsetzen aller freier Bürger waltenden Geheimverde» selben an der Bewältigung ihrer eigentlichen Aufgaben betätigen, wie dies bet den exakteren Wissenschaften der Physik, Chemie und Physiologie schon längere Zeit der Füll-ist." »In Anknüpfung an Gedanken der Einleitung schließe ich mein Buch über das Werden der Organismen noch mit einem kurzen Nachwort an den Leser, der mir durch die verschiedenen Gebiete der Biologie gefolgt ist. Wenn er jetzt zum Schluß auf die mitgeteilteu Ergebnisse der experimentellen Forschung und der vergleichenden Beobachtung.zirrückbUckt, wenn er zugleich auch in der kritischen Analyse der Grundlehren von Darwin mit mir und anderen Naturforschern und Philosophen, die schon früher AehnlicheS geäußert haben, übereinstimmi, wird er erstaunt sein, wie fast ein Menschen alter hindurch sich die Biologie von der Zufalls» und Seieklionshypothese hat beherrschen lassen. Vielleicht wird ihm als Weg zur Erklärung die Andeutung dienen, -aß DarwtnS Lehre zu vielen Er» scheiuungen der modernen Entwicklung und -eS modernen GelsieSlebchs innere Berührungspunkte darbtetet. Das NützlichkeitSpriuzip, die Ueberzeugung von der Notwendigkeit unbeschränkter merkantiler und sozialer Konkurrenz, materialistische Richtungen der Philosophie find Mächte, die auch ohne Darwin eine große Rolle in der neuzeitlichen Entwicklung der Menschen gespielt habe». Wer schon unter ihrem Einfluß stand, begrüßte gern den Darwinismus als eine wissenschaftliche Bestätigung ihm schon anderweit vertrauter, liebgewordener Ideen. Er konnte jetzt sich selbst gleichsam im Spiegel der-Wissenschaft schauen. Die Aneregung der Lehre Darwins, die mit ihren Unbestimmtheiten so vieldeutig ist, gestattete auch eine sehr Weifeittge «Verwendung aus anderen Gebieten des wirtschaftlichen, des sozialen und drS politischen Lebens, «u» ihr konnte jeder, wie an» einem delphischen OrutUspiuch, je nachdem »S ihm erwünscht war, seine Nutzanwendungen auf soziale, politische, hygienische, medizinische und andere Fragen ziehen und fich zur Bekräftigung seiner Behauptungen auf die Wissenschaft -er darwinisttsch umgeprägten Biologie mit ihren unabänder lichen Naturgesetzen berufen. Wenn nun aber diese vermeintlichen Gesetze keine solchen sind, sollten da bei ihrer vielseitigen Nutzanwendung auf andere Gebiete nicht auch soziale Gefahren bestehen können? Man glaube doch nicht, daß die menschliche Gesellschaft ein halbes jahrhundertlang Redewendungen, wie unerbittlicher Kampf ums Dasein, Auslese des Passenden, des Nützlichen, des Zweckmäßigen, Vervollkommnung durch Zuchtwahl re., in ihrer Ueberträgnng auf die ver» schiedensten Gebiete, wie tägliches Brot, gebrauchen kann, ohne in der ganzen Richtung ihrer Ideenbildung tiefer ' und nachhaltiger beeinflußt zu werden! Der Nachweis für diese Behauptung würde sich nicht schwer aus vielen Erscheinungen der Steuzeit gewinnen lassen. Eben darum greift die Entscheidung über Wahrheit und Irrtum deS Darwinismus auch wett über den Rahmen der biologischen Wissenschaften hinaus. Ich beschränke mich darauf, diese« Gesichtspunkt hier noch angedeutet zu haben. ES liegt mir fern, in einem Buche, in dem ich die Frage nach dem Werden der Organismen vom Standpunkt und innerhalb der Grenzen des Naturforschers mit den ihm eigenen Methoden behandelt und den Irrtum der Zufalls» und Selektionstheorie oufzuklären versucht habe, da- Gebiet der biologischen Wissenschaft zu überschreiten." * Chaldäer auf der politischen Tribüne) Zur Ueberraschung deS politischen Publikums und Ö auch der meisten ZeitungSiefer hat fich bet der renz von Lausanne eine Abordnung der Dy roßt halbster etngefunden, dir nicht» weniger als bie I Wiederaufrichtung des alten assyrischen Staates verlangten. Nach der überreichten Denkschrift sollen noch 1.700.O00 Angehörige de» assyrtschchaldäischen Volkes existieren, von denen eine'/, Million in der Nähe deS bekannten Petroleumortes Mofful wohnen. Etwa 130.000, fo behauptet die Denkschrift, Übten in verhältnismäßiger Unabhängigkeit auf türkischem Gebiet und hätten im Weltkrieg auf Seiten der Alliierten gekämpft. Als Lohn dafür sei ihnen die Autonomie ihreS Landes versprochen worden. DaS Auftauchen dieser Forderung ist jedenfalls charakteristisch für die starke Bewegung, die in den alten Orient hineingekommen ist. Zabbat-Hnlsilg and Hurgaig. rav- C 111 An fang Min. ' D 1V2S atu« Au« Uhr Frankfurt a. M- 4 33 üO. 3. 3 30 Berlin .... 4 25 Jan. Scheb t ö 16 München . . 4 30 5 38 «öl». . . . 4 30 5 'm Stuttgart. . 4 4» 3 47 vre-lan . . - - - - «ürnderg. 4 3b s 35 chnnchnrn. — — — —

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