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Der Israelit · 1923-01-18 · Heft 3 (18.1.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 3 (18.1.1923)
Date
1923-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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8 fe 8__ In diesem Stadium des BaApfes konnten auch diejenigen und erst recht diejenigen keine Schonung finden, die ohne für sich die praktischen Konsequenzen daraus zu ziehen, in der Idee am geistigen Umstürze führend beteiligen waren, die —wie Hirsch bitter sagt: — „mit dem Talith über dem Kopfe in der Synagoge stehen und den menschlichen Ursprung alles dessen dozieren, was für uns heilige Stnaioffenbarung ist", die so lehren „als hätten die Späten nicht die Früheren, die Späteren nicht die Späten, die Gemara nicht die Mischna und der Bablt nicht den Jeruschalmt und die Kommentare und die PoSkim beide n'cht verstanden, und als sei das, was auf lebendigster Gegenwart des Judentums beruht und wofür ein Jude, der noch Jude ist, sein und seiner Kinder Glück und Leben einsetzt, nichts als Täuschung mit unwissenschaftlicher Blindheit geschlagener irregehender Jrreleiter." Besser kann man Zacharias Frankel und die Talmudkritik in seinem „Darke hamtschne" nicht charakterisieren, als mit diesen Worten von Hirsch im genannten Jahrgang des Jeschurun. Die Frage wirft sich uns aber heute, nach 100 Jahren jüdischer Wissenschaft, auf: Was hat diese Wissenschaft an greifbaren Resultaten gezeitigt, welchen Einfluß hat sie im Guten oder im Bösen auf die Entwicklung des jüdischen Lebens genommen? Dieser Frage widmet bereits Hirsch in Jeschurun 1862 eine seiner wundervollsten Abhandtungen, betitelt: „Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft." Er schreibt: „... Ueberhaupt aber will es uns bedünkcn, habe das/ waS seit etwa einigen dreißig Jahren angefangen, sich als „Wissenschaft des Judentums" geltend zu machen und sehr geneigt ist, dieses Epitheton in solchem Grade für sich in Anspruch zu nehmen, daß es die Wissenschaft des Judentums überhaupt erst von sich selber datiert und auf^ie geistigen Bestrebungen unserer Vergangenheit mit stolzem Nasenrümpfen als auf die Zeit der Unwiffenschastltchkeit hinabsieht, wir meinen, eS habe diese jüdische Wissenschaft modernsten Datums wenig Aussicht im Volke vopulär zu werden, daß sich an ihr und durch sie wieder das ilW>l DöV 12 erfülle, und man recht bald jung und alt, Kaufmann und Gelehrten, den jüdischen Bankier und seinen Kutscher ia wahrhaftigster geistiger fraternitä und agalitS aus Einem geistigen Born gemeinschaftlich trinken und den jüdisch literarischen Nattonalschatz im Geiste der allerneuesten historisch kritischen Wissenschaftlichkeit sich aneignen und schöpferisch weiter ausbauen sehen werde.— wie noch unsere Großvater mit freudigstem Bewußtsein auf das geistige Arbeiten, auf das „Lernen" ihrer Zeit Hinschauen konnten. Vielmehr scheint die ganze jüdische „Wissenschaftlichkeit" unserer Kleines Willeion. Sie RelatloMsthevrle! im Mimonides. ES fei wir gestattet, nachstehende Zeilen im ,JSraelit" zur Diskussion zu stellen. Meines Erachtens findet sich tm 7nrr 'c V7N.7 ni* mabn B2B7 : ' p*B iw eine überraschende Analogie zu der von ssrof. Einstein ausgestellten Relativitätstheorie vor. Ich setze Einsteins Theorie von der Relativität von Zeit, Raum, Bewegung als dem Leser bekannt uorauS und weise auf angegebene Stellen im B2B7 hin:?ib inrn 7nn da B'2212 nyurn iE pi ■äs »b» nnaa 261 riVp *6 12 f’x mir ^no V?p ^2 ',2^.72 1V2 «mW 12*>,7Ö 122 VtH 12^.7* Ifcfc ÜV’M tiSnb -dum r\» *ppcB> »Äy« one in« bs bv 72^21 bvi bv 722 .u>2tfc*o pKH s'X Und im folgenden Ps'pB lesen wir: -p^yn an ^2'vd •ysöaa Twnir oPiyn vu üppön i:b:b ano nn» bi ^22 .12 BV2 12d.7V KXÖ21 121^.7 111720,7 bbi rnrnr -nöV labni bv 1« tr&s vdliv bv 7N1' in HINS rnbavn. AuS 7^7 p*o geht ganz deutlich hervor, ratz die Bewegung relativ ist in bezug auf das »System" des Beobachters. Hier hetht es nämlich: '12'»p 127W21T 122 ^>»7ir> pH2 WM 'Wl »b 'WUT 'ß7l moipan Mxvb) a^irni i'v bv B'122 nm fiairnn >277 Pa /121 bw *2 w mnr iv» ran» paaian Wn As «eu». Zeit ganz dazu angetan zu sein, von vornherein auf den Familientisch des jüdischen Hausvaters zu verzichten, ja dem jüdischen Volksgeist das Interesse und die Lust an jüdischer Wissenschaft aufs Allergründlichste zu verleiden . . . Was hat Jenem gegenüber Dasjenige für Aussichten auf Eingang ins Volksleben, was sich seit einigen dreißig Jahren mit so stolzer Prätension an die Stelle dieser Wissenschaft des Juden gesetzt? Was hat sie getan und geleistet, daß sie in Kreisen, die noch als die lebendigen Söhne dieser lebendigen Juden daftehen und ihre Kinder als Enkel dieses lebendigen Judentums erziehen wollen, daß sie in dem Kreise des jüdischen Volks Begeisterung und Pflege zu finden hoffen dürfte? Was hat sie getan und geleistet, auf daß derjenige, der noch als Jude leben will, in ihr auch nur einen Hauch, auch nur einen Gedanken, auch nur eine Anschauung zu gewinnen hoffen dürfte, die ihn in dieses Leben und durch dieses Leben rwt größerer Klarheit, mit beseligenderer Erkenntnis, mit frischerem, fröhlicherem, opferfreudigerem Mute zu leiten und zu begleiten vermöchte? Hat sie sich in die Tiefe der Sprache des Gotteswortes, der Sprache unserer Väter versenkt und hat daraus die ewigen Uranschauungen des jüdischen Geistes gehoben, auf daß unsere Söhne und Töchter sich mit Luft und Liebe diese Sprache für die Welt ihrer Gedanken und Empfindungen anetgnm und den Baum ihres Geistesleben aus ihren Wurzeln und unter dem Hauche ihres Geistes zn entwickeln und aufblühen zu lassen auch nur die Sehnsucht fühlen dürften, daß sie darum die S P r a ch - Gedanken des göttlichen Wortes für die-Anschauungen ihrer lebendigsten Gegenwart gewinnen, und jüdisch denken und jüdisch empfinden lernen möchten? Hat sie sich in den geschichtlichen und prophetischen Inhalt des Buches der Bücher, in den Inhalt des Schrifttums unserer Welsen versenkt, hat sie daraus die gottoffenbarten Ursprünge und Ziele, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit und Israels, die auf diese Gottoffenbarungen weiter gebauten und entwickelten jüdischen Welt- und Geschichts-Anschauungen zu schöpfen sich auch nur bemüht? Hat sie eS versucht, eine Wissenschaft jüdischer Welt- und Geschichtsanschauungen zu construteren und an der Hand dieser vom Judentume gereichten Gotteswahrheiten die Erscheinungen der Gegenwart, das Ringen und die Erwartungen der Völker samt ihren leitenden Grundsätzen und Anschauungen vom jüdischen Standpunkte zu würdigen, daß ihre Zeitgenossen die Lust ergreifen könnte, ihnen nach in den Schacht des göttlichen Wortes und der Weisheit der Väter hinabzusteigen und sich selbständig, und in Die Hypothese, wonach;die Geschwindigkeit deS Lichtes der Gravitation unterworfen ist, die nach Einstein selber noch nickt als ganz erwiesen erscheint, dürfte gleichfalls zum Teile im B287 angedeutet fein. Siehe 2'2n '7 zu: 'i:iri P)6n 12 b» nai '2 p a 2'' p-fi - B'BYi S22 nur 12« ^202 trütrn ^bno '2 '*n o*;n wa N27N ^in b?bi )b:b) aro [mnira, mm nino ^in arw >2 .1^2 'pbbo mnira mm Allerdings handelt diese letztere Stelle von der Bewegung (Geschwindigkeit) der Sonne selbst, also von der Q u e II c des Lichtes. Ung.-SkaUtz (Slowakei) 3. Jan. 1922. Rabb. Dr. Löwy. Vemeklung zur Sldra. Bon dem '1,1 BIT wird angenommen, das er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, also ffmbegriff der Ewigkeit bedeutet und zwar weil.diese rum« darin enthalten seien. Dieses trifft auch für und mn, doch fehlt für die Zukunft das zweite ' im bv. Meiner Meinung nach läßt sich die Frage auf folgender Weise beantworten. Wir wissen,, daß deS ‘pVtti 1m den 722 zum 7’Jiy verwände!'; wir könnten daher statt '»m auch sagen 'vn und dann würden alle JYMYiK von '\7 und mn und 'w im ctr vertreten sein. M. M Aus dem Kampf für die Wahrheit. Bor kurzem ist in Berlin einer der berühmtesten Biologen, OSkar Hertwig, im 74. Lebensjahre gestorben. Neben seinen unsterblichen Leistungen auf __ 18 ffammc 19», vollen frischen Zügen, aus den Quellen deS Judentums Licht für ihren Geist, Wärme füt ihr Gemüt und Lebenskraft und Mut für ihr lebendigstes, tätiges Mttetngreifen in die lebendige, lebensvolle Gegenwart zu schöpfen? . . ." In den 60 Jahren, die seitdem verflossen sind, hat sich darin nichts geändert und man könnte heute noch auf diese Fragen die Hirschsche Antwort wortwörtlich geben: .. Sie hat von allem diesem Nichts getan, sie hat von Allem diesem Ntä ts versucht. Was sich seit einigen dreißig Jahren jüdische Wissenschaft nennt, ist mit Nichten eine'Wissenschaft des Judentums. Fragmente zu einer Wissenschaft vom Judentum, und meist nur vom äußern literarischen Beiwerk des Judentums haben sie geliefert, aber das Judentum selbst, Sprache, Schrifttum, Gesetz des Judentums nach seinem fachlichen Inhalt und Gehalt, nach seiner ^Bedeutung in aller Gegenwart und Zukunft, eine wissenschaftliche Construierung des Judentums vom eigenen inneren Mittelpunkt, heraus fürs jüdische Leben — was lag ferner als dies von ihrem Blick! ... Jene aber, die noch mit Geist und Herz und mit voller Hingebung an dem alten Gesetze und dessen treuen Verwirklichung im Leben hangen, und dessen Wert und gölllich beseligende Frucht tn der Erfüllung erfahren — DiTTO 2iv nicht DiTlöW, nicht aus bloßer Theorie, nur in praktischer Erfüllung geht Begriff und Einsicht tn das „Gute" der göttlichen Gebote auf — wie könnten sie eine Wissenschaft als Wissenschaft des Judentums achten, sie eine W-ffenschaft bei sich und ihren Kindern heimisch machen, die von Dem, woran ihr Geist und Herz hängt, woraus ihr Geist und Herz ihre beste Nahrung zieht und dem sie freudig ihr Leben tn allen seinen Entfaltungen hingeben — töricht Opfer nennes die Theoretiker, Weihe und heiteren -Gewinnst fühlen und begreifen sie es — die von allem Dem nichts enthält, oder, was sie davon berührt, mit dem Hauche des Todes anweht, und zum Eselächter macht! Was soll der praktische Jude mit dieser modernen Wissenschaft? Er müßte ja seinem ganzen häuslichen und bürgerlichen Leben Stillstand gebieten oder vielmehr mindestens provtsort'ch die laxeste Aenderung geben, Geschäft öffnen, koscher und trefah durcheinander werfen, seinen Kindern Thenach und Schulchan Aruch aus den Händen nehmen usw., um erst kritisch zu erforschen, ob denn das Alles wirklich göttliches Gebot, wirklich heilige Verpflichtung, dem auch nur provisorisch sein und seiner Kinder Glück hinzuopfern nicht wirkliche, unverantwortliche Torheit wäre!. . . Er — und ihre Wissenschaft? Ihre Wissenschaft will ihn ja gar nicht, will ihn höchstens in allen Gebieten der wtffenschastlichen Biologie, das heißt der Lehre von der Entwicklung des Lebens, ist Heictwi-, trotzdem er ein Schüler Häckcls war, durch seinen Kamps gegen die ZusallStheorie deS Darwinismus in weiteren naturwiffenschaftlich, philosophisch und religiös interessterten Kreisen l ekannt geworden. Sein großes Werk: »Das Werden der Or g a n i S m e n", eine Fundgrube aründlichst fundierter, aus wiffenschnftlichen Etnzelbeobachrungen und Experimenten herausgewachsener Ideen, hält mit den Grundvrinzipten der materialistisch gerichteten Darwin- Forscher, Hä ckel und WetSmann, furchtbare Abrechnung und ist wohl geeignet, der religiösen Ehrfurcht wiederum de r ihr notwendigen Raum im Weltgebäuse der Wiffenfchafr zu sichern. Einige Sätze auS dem Schlußkapitel dieses großen Werkes, die nach dieser Richtung die Konsequenzen aus d ö Verfassers kritischen Forschungen ziehen, mögen hier folgen: „Durch Uebertragung biologischer Gesichtspunkte auf moralische, ethische und religiöse Gebiete wurde der Versuch unternommen, auf dem Fundament deS Darwinismus eine Art von Naturreligion m begrüpden. Sa nahm die von Darwin ausqehenle, urfprüngtich wissenschaftliche Umwälzung teilweise sogar den Charakter einer religiösen Bewegung an, gewann aber hierbei auch "vielfach Züge deS Fanatismus und der Intoleranz, welche der Wissenschaft als solcher, fremd find. In vielen Beziehungen wird hier ein! ernster Wandel eintreten müssen, und er'wird in demselben Maße rascher eintreten, alS unter den Forschern! und dann allmählich auch in Laienkreisen sich die Erkenntnis Bahn brechen wird, daß die SelektionStheorie und viele auS ihr gezogenen Folgerungen unhaltbar geworden find. Dann wird die biologische Wissenschaft sich wieder der auch ihr gesteckten „Grenzen der NaturerkenntntS" bewußt werden und fich mehr innerhalb! u

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