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Der Israelit · 1923-01-04 · Heft 1 (4.1.1923) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 1 (4.1.1923)
Date
1923-01-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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;a; $amn>. i-, WÄ r t. Hier merkte man ein; Feuer der Begeisterung, das typisch ist; für die Vertreter der östlichen Judenheit. Er forderte als eine Hauptleistung der Agudas Jisroel den Aufbau .Pal äst i n a s, aber ein Aufbau, sagte er, der Bestand Haben soll, kann nur möglich sein, im Sinne der Thauro. So wie wir dem Sinai den Rücken wenden, gehen wir ins Golusleben Mizrajims zurück. Ohne Thauro "kein Judentum, kein Palästina! Hier liegt die ungeheure Bedeutung der Ausbreitung der Agudas Jisroel . für die Zukunft Israels. Wenn von dieser Stelle aus die-Grüße eines Rabbiners Chajim Sonnenfeld von begeistertem „Jechi" begleitet werden, dann weiß man, daß das Einzig mögliche Judentum, das Thorajudentum, nicht erstorben, ist, sondern lebt und weiterleben wird. Die Ausführungen dieses Redners wurden mit allerstärkstem Beifall ausgenommen. — Rabb. Dr. A u erb a ch -Halberstadt, als Vertreter. der deutschen Landesorganisation, erinnerte daran, daß die Gründung der Agudas Jisroel vor " zehn Jahren ein Versuch war, .und daß es als ein außerordentlicher -Erfolg bezeichnet werden muß, wenn die Bewegung derartige Kreise gezogen hat, wie die Ausführungen seiner Barr- . redner es - gezeigt haben. Das Studium der Thora ist, wieder zur Ehrenarbeit jedes einzelnen Jehudi geworden und schon beginnt der Name „Am Hoorez" wieder zum Schimpfnamen zu werden. Gerade wir in Deutschland dürfen nicht ruhen, wir müssen arbeiten und immer wieder arbeiten, müssen hinausziehen aufs flache Land, insbesondere den kleinen Gemeinden geistige Nahrung bringen, denn die Höhe des Gedankenfluges muß auch sie fortreißen und zur Mitarbeit an unserem großen Werke heranziehen. Mit Herrn Abelmann, dem Vertreter ' von Beßarabien (Rumänien), und der Ukraine, kam wieder der Osten zu Worte, und das Temperament des Redners riß die Versammlung zu begeisterten Beifallskundgebungen hin.-Abelmanns Ausführungen bezogen sich, insbesondere auf die jüdische Erziehung, und er erinnerte barem* daß Rabbi Jochanan den Sakai, .als er sich eine Gnade ausbitten sollte, nicht Erez Jisroel oder Jerusalem besonders, sondern das Lehrhaus in Jabne gefordert habe. Der Redner brachte gleichzeitig die Grüße der beßarabischen Landesorganisation und ihres Präsidenten, des allverehrten Oberrabbiners Z i r e l s o h n -Kischineff und erwähnte dabei, daß die beßarabische Landesorganisation ‘ beschlossen, hat, zu Ehren ihres Vorsitzenden eine Kolonie, zunächst f ü r 200 F a m i l i e n in Erez I i's r o e l z u g r ü n d e n. . Hieraufergriff- Rabbiner K a l.- manowitz aus Rakow (1 km vom der russischen Grenze entfernt) das Wort und überbrachte die Grüße seiner beiden Auftraggeber, des Chofez Chajim und Rabbiner CH. O. Grodzenski aus Wilna, welche der Versammlung ihre Segenswünsche entbieten. Einen starken- 'Eindruck machte der Teil seiner Reoe, in welchem er von den Leiden beichtete, welche tr tagtäglich bei unseren Brüdern aus "Rußland vor Augen sieht, Leiden nicht nur materieller Art, sondern auch seelische Nöte, weil sie lieber sauf ihr letztes Stückchen Brot verzichten, als auf die Ausübung ihrer religiösen »Ueberzengung, auf ihr geistiges Brot, die Thora. Wie unendlich viel Agudas Jisroel in Wilna geleistet hat, beweist Redner aus der Tatsache, daß vor der Tätigkeit der dortigen Landesorganisation nach Kriegsende tausende von Kindern dort im Zentrum der Thora ohne die primitivsten jüdischen Kenntnisse ausgewachsen waren und erst wieder durch, die Vertreter von AgUdas Jisroel wurde das Erziehungswesen in die alt-jüdische Bahn gelenkt. Dieses, die Sorge für di.e.Jugend, ist auch dasjenige, was der Chofez-Chajim als . die wichtigste jüdische GegenwartsaUsgabe betrachtet. .Hätten wir nur die Wahl, so müßten wir offen und ehrlich bekennen, lieber Thora ohne Erez Jisroel als Erez Jisroel ohne Thora., Herr Rabbiner Frankel brachte die Grüße, der o st g a l i z i scheu Landesorganisation und führte in geistvoller Anlehnung an ein Psalmwort den Gedanken aus, daß . nur diejenigen Juden berechtigt seien, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen, für welche das Gottesgesetz im Mittelpunkte ihres Lebens stehe und ferner, daß die orthodoxen Massen durch die Ereignisse, der -jüngsten Vergangenheit zu dem Bewußtsein gekommen seien, daß das Thorajudentum und dessen Vertreter nicht bloß im Bethamidrasch ihren Platz zu behaupten hätten, sondern daß jede Lebensäußerung des jüdischen Volkes — and) dasjenige was man Politik nenne — so eminent in der Thora verwurzelt sei, daß auch hier Agudas Jisroel ihre Vertreter in die vorderste Reihe der Kämpfer für jüdische Volksinteressen zu entsenden die Pflicht habe. Alles meinte der Redner, was das jüdische Volk angehe, müsse „mit den hohen Winkeln des Altares verknüpft sein". . 'Das Treuegelöbnis' der Jugend überbrachte in eindrucksvoller Weise Delegierter Fürstenberg ans Hamburg. Das Schlußwort hatte Herr Rabbiner Dr. S.. Breuer-Frankfurt a. M. Er betonte, daß, als er vor einem Jahrzehnt mit zur Gründung - der Agudas Jisroel aufrief, er vor allen! die Absicht gehabt habe, eine Organisation zu gründen, die sich an sozialen Liebeswerken im Sinne der Thora beteiligen solle. Um gegen äußere Gefahren Schutz und Hilfe zu gewähren, sei Agudas Jisroel gegründet worden, leider habe die Entwicklung der 'Dinge es agch nötig gemacht, auch die inneren Gegner zu bekämpfen. Schon in Kattowitz bei der Begründung der Agudas Jisroel habe er vor der Vergiftung des jüdischen Volkes durch den Zionismus gewarnt. Mau habe damals - vielfach diese Warnung überhört. „Einheit des Judentums" ist zu einem Schlagwort geworden und mit Schlagworten lassen sich die Massen leicht blenden. Für den Redner ist Einheit des Judentums dasselbe» wie. Einzigkeit des Judentums, und seine 'Einzigkeit beruht auf seiner einzigen Thauro. Niemand soll von uns abgestoßen werden. Wir wollen unter dem Banner der Einheit des Judentums alle willkommen, heißen, die sich zur wahren Einheit bekennen7 zur Einheit auf dem Boden von Thauro Hakdauschoh. Eine andere Einheit ist unmöglich und niemand kann von uns verlangen, daß wir um Schlagworte willen unsere Einzigkeit aufgeben. Stürmischer Beifall begleitete die Worte des Redners. —. So hätte man noch stundenlang den Red'nern ohne.zu ermüden zuhören können. Es. klang wie eine einzige große Symphonie in' allen möglichen Varianten, die sich immer wieder um das Thema Thauro .Hakdauschoh rankten und einen in tausend Farben schillernden Blütenkranz um das Haupt der Judenheit - wanden. In dieser Stimmung schloß der Vorsitzende, Herr Jacob Rosenheim, indem er noch dem durch Krankheit verhinderten Vorsitzenden der Ortsgruppe, Georg Hermann Loewy, der beim.. Znstandebringen der 'Zentralratssitzung in Breslau hervorragend tätig war, ein von tausendstimmigen Amen begleitetes Refuoh schlemoh gewünscht hatte, die erste Sitzung. (Fortsetzung folgt!) Die wichtigsten Seschlüffe des Zentralrates. L a n d e s o rgau isatio n e u und Ges a m t- Aguda. 1. Die Laudesorgamsatione'n der Agudas Jisroel sind hinsichtlich aller innerp.olitischen und inneren religiösen Angelegenheiten autonom. . - Indessen ist es wünschenswert, daß vor wichtigen, möglicherweise das Interesse anderer Länder berührenden. Beschlüssen mit dem Zen- .trälrat, bezm dein rabbinischen Rat Fühlung gesucht wird. Hg. i Seite 8. 2. Die Landesorganisationen ( sind verpflichtet, am Schlüsse jedes Vierteljahres und zwar Ende Kislev, Adar, Siwan, Elul, dem Zentralrat einen zusammensassenden Bericht über die Entwicklung der Ortsgruppen, der Propaganda, der Thoraerziehungsinstitutionen, sowie den Stand schwebender politischer und religiöser Angelegenheiten zu erstatten und das Material zu diesen Berichten regelmäßig von den Ortsgruppen zu beschaffen. Tie Berichte werden zusammengesaßt und auszugsweise, soweit tunlich, allen Landesorganisationen übersandt. Rabbinischer Rat. 1. 'De r rabbinische Rat besteht aus 15 Mitgliedern und 15 Stellvertretern, die von den vereinigten rabbinischen Räten der Landes- Organisationen aus deren Mitte, jedoch ohne Rücksicht auf ihre Landeszugehörigkeit, vielmehr nur nach persönlicher Qualifikation, in geheimer schriftlicher oder mündlicher Abstimmung! auf Lebenszeit gewählt werden. Scheidet ein Mitglied aus dem rabbinischen Rate seiner Landesorganisation aus, so' erlischt auch seine Zugehörigkeit zum rabbinischen Rat der Gesamtaguda.. Der rabbimsche Rat wählt aus seiner Mitte einen ehrenamtlichen rabbinischen Sekretär, dem bezahlte Bürokräfte zur Verfügung gestellt werden können. 'Der Vorsitzendedes rabbinischen Rates wird bei jeder Tagung für die Dauer dieser Tagung von den anwesenden Mitgliedern gewählt. 'Ter Sitz des Sekretariates ist Warschau. Aufgabe des Sekretariates ist die Äufrechterhaltuug dauernder enger Fühlung in allen Aguda-Angelegenheiten zwischen der Leitung einerseits und den Mitgliedern des rabbinischen Rates andererseits. 'Die dem rabbinischen Rat nicht angehörenden Mitglieder der rabbinischen Räte der Landesorganisationen führen oen Namen „Korrespondierende Mitglieder des rabbinischen Rates". 2. Die endgültige Wahl des rabbinischen Rates der Gesamtaguda kann erst bei Gelegenheit der Kenessio gedaulo erfolgen. Damit die Institution sich einlebt, wird zunächst nach den , unter 1 angegebenen Grundsätzen eine rabbinische Kommission von 15 Mitgliedern gewühlt, die bis zur Kenessio gedaulo die Funktionen des künftigen rabbinischen Rates ausübt. Zu r F r a ge d e r I e w i s h A gen c y. 1. Agudas Jisroel legt erneut Verwahrung ein gegen die öffentlich-rechtliche Anerkewnung der zionistischen Organisation als Jewish Agency in dem Mandat für Palästina und fordert für die von ihr vertretenen ü'berlieferuugstreuen Massen, auf deren wirtschaftlichen und rmoralischen Leistungen der Jischuw bis zum heutigen Tage fast gänzlich aufgebaut ist, zum mindesten paritätische Anerkennung. 2. Die 'Entsendung eines Vertreters oder mehrerer Vertreter in die Jewish Agency ist für Agudas , Jisroel nur dann möglich, wenn a) gleichzeitig die im Mandat nur als vorläufig vorgesehene Monopolstellung der zionistischen Organisation für beendet (erklärt wird, b) wenn jede Majorisierung in 'Angelegenheiten, die von den Vertretern der Agudas Jisroel als religiöser Natur oder mit der Religion in Zusammenhang stehend bezeichnet werden, ausgeschlossen wird. Zur Frage des Weltkongresses. „Agudas Jisroel fühlt sich verpflichtet, zu-, nächst die gesammelten Kräfte der Orthodoxie für die Kenessio gedaulo einzusetzen. Nach stattgehabter Kenessio gedaulo ist Agudas Jisroel bereit, ein Votum des inzwischen konstituierten Rabbinischen Rates, darüber herbeizuführen, unter welchen Bedingungen der in der Agudas Jisroel organisierten unabhängigen Orthodoxie die Teilnahme an einer Weltkonferenz der an Erez ^Jisroel interessierten Weltorganisierten für die wirtschaftliche Avbeit in Palästina nröglich ist."

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