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Der Israelit · 1923-01-04 · Heft 1 (4.1.1923) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 1 (4.1.1923)
Date
1923-01-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Beile 2. Jtr.i '■■■■■ ■ I .11 ■■ W.,l ,> Tie erstarkenden Landesorganisationen habett durch Herausgabe zweier Tageszeitungen (Warschau und Kowno) dreier Wochenschriften (Jerusalem, Riga uird Wien) und einer Reihe vierzehntägig erscheinender Zeitungen (Frankfurt, London, New-Pork, Diglenu (Warschau), Unser Weg, Wien) sich die Sprachrohre geschaffen, um die jüdischen Volksmassen agudistisch zu orientieren. Tust die Leitung trotz dieser günstigen , Voraussetzungen nicht noch größere propagandistische und organisatorische Erfolge aufzuweisen hatte, liegt daran, daß das Verständnis dafür, daß... man auch für Organisation und Propaganda "gewaltiger materieller Mittel benötigt, innerhalb der Orthodoxie noch nicht genügend durchgiegriffen hat. Der geschäftsführende Ausschuß bestand aus 7 Herren und zwar in Wien mrs den Herren Rabb. Tr. P. Kohn, Wolf Pappenheim, A. I. Hornstein, David Schreiber und in dessen Stellvertretung Herr Rabb. Peer Friedmann (Sohn des Czortkower Rebbe) und drei Herren in Frankfurt: Jacob Rosenheim, Jacob Strauß, Leo' Wreschner, denen die Herren Dr. Isaak Breuer und Dr. S. Ehrmänn als Ersatzmänner mit beratender Stimme zur Seite standen. Das Verhältnis zwischen Wien und Frankfurt war immer ausgezeichnet, die Arbeitsteilung war im großen ganzen so, daß die Initiative in Organisationsfragen mehr in Wien war, in politischen Angelegenheiten in Frankfurt a. M., wobei betont werden muß, daß selbstverständlich alle Schritte nur im Einverständnis des gesamten geschäftsführenden Ausschusses unternorümen wurden. Der Sitz des Büros war in Wien. Tie oben geschilderte Organisationsarbeit hätte noch wesentlich erweitert werden können, insbesondere hätte man gerne dem Wünsche der südamerikanischen Landesorganisation um Entsendung von Delegationen Folge geleistet, wenn nicht der Mangel an materiellen Mitteln und der noch größere Mangel an -geeigneten Menschen cs verhindert hätte. . lieber die politische Tätigkeit derAguoa- Leitung, die in genauem Einklang mit den Beschlüssen des Zentralrates und Rabb. Rates, in den Hauptstädten der an Erez Jisroel interessierten Mächte, insbesondere in London sich abipielte, erstattete der Referent einen genauen zusammenfassenden Bericht.. Tie Haupttatsachen sind der Öffentlichkeit bekannt. Was die innerpolitischen Schritte betrifft,, so sind die einzelnen Landesorganisationen, die die weitgehendste Autonomie haben, wohl nach Beratung mit der Leitung, jedoch im großen ganzen selbständig vorgegangen. Was die soziale' Arb eit betrifft, so hebt der Berichterstatter besonders die große russische Hilfsaktion hervor, in welcher die Leitung die Initiative ergriffen hat. Alle Landesorganisationen, besonders aber die palästinensische, die polnische, die deutsche, die schweizerische und die slowakische, - haben sich hervorragend an der Aktion beteiligt, sodaß unseren hungernden Brüdern eine wesentliche Hilfe geboten werden konnte,. was unzählige rührende Briefe zum Ueberfluß bestätigen. Ter Berichterstatter legt aber Wert darauf, festzustellen, daß die" religiöse und geistige Rot unserer Brüder in Rußland die materielle und physische bei weitem übersteigt, und es Aufgabe von Agudas Jisroel sei, beit Bitten unserer unglücklichen Brüder nach Tefillin, Ehumoschim und Siddurim ebenso ein mitleidvolles Ohr und Herz zu schenken, als ihrem Flehen und Bitten nach Brot und Kleidungsstücken. Zum Schluß möchte der Berichterstatter die Bedeutung der Agudas Jisroel dadurch richtig messen, daß er die Frage aufwirft, wie nun die jüdische' Welt ausschauen mürbe ot)ne Agudas Jisroel, wie die Versuchungen, Leiden und die Kämpfe der orthodoxen Judenheit sich gestaltet hätten, falls keine Organisation gewesen wäre, deren Existenz und einziges Bestreben ist, Klall Jisroel auf Grundlage der Thora und Tradition zusammenzufassen und zu vertreten. Es freut den Berichterstatter festzustellen,daß Agudas Jisroel /in Faktor geworden ist. Die jüdische Welt kann-nicht mehr ohne Agudas Jisroel vorgestellt werden. Selbst wenn alle Führer durch ein unerfokfchliches Schicksal verhindert wärenihre Tätigjkeit fortzusetzen, würde die Idee, die heute in Millionen besonders aber in unserer Jugend in solch ge-' waltiger Stärke lebt, die Männer hervorbringen, welche dieser Idee eine richtige bleibende organisatorische Gestalt und Geltung erkämpfen würden. Im Anschluß an diesen Bericht eröffneten die Herren Rabbiner Katz (Neutra) und Eiß- Zürich eine Diskussion, des Geschäftsberichtes. Während Elfterer auf Grund Persönlicher Kenntnisnahme der Tätigkeit des Wiener Büros dem geschäftsführenden Ausschuß seine vollste Anerkennung aussprach, rügte Letzterer die mangelhafte Fühlungnahme Wiens mit den einzelnen Landesorganisationen. Rosenheim nahm Wien in Schutz und führte die von Eiß vorgebrachten Beschwerden auf den Mangel an materiellen Mitteln zurück, welche erforderlich gewesen -wären, um-die nötige Anzahl ^von Hilfskräften -anzustellen. In Ergänzung hierzu erklärte Wolf Pa pp e n h e i m, daß Wien organi s atorisch und propagandistisch mehr hätte leisten können, wenn man den Mul gefunden hätte, Gelder hierfür zu sammeln, statt das Elend und die Not zu lindern, das in tausendfältiger Gestalt tagtäglich 'von Emigranten aus .aller Herren Länder an die Tore der Wiener Aguda um jüdische Bruderliebe warb. Die Majorität der Versammlung schloß sich den Ausführungen des Herrn 'Dr. I. Breuer an, der vorschlug, weitere Antworten auf die Kritik von seiten des Herrn Eiß bis zu der morgigen Sitzung zu verschieben, um zunächst Gelegenheit zu haben, die Aeußerungen der Vertreter der jetzt noch abwesenden größeren Landesorganisationen Kenntnis zu' nehmen. Nachdem Dr. Pinchas Kohn einige geschäftliche Mitteilungen über die morgige Tagesordnung machte, wurde die Sitzung * gegen 11 Uhr geschlossen. Oöffentliche Sitzung des Zentralrates Dienstag, den 8. Tebeth, vormittag s 10 IX f) r. Schon in den frühen .Morgenstunden entwickelte sich ein lebhaftes Treiben im großen Saale des Vincenzhauses zu Breslau, in welchem die erste öffentliche Sitzung stattfand. Als Vorsitzender eröffnete Herr Jacob Rosenheim- Frankfurt a. M. die Tagung und begrüßte aufs herzlichste die Mitglieder des, Zentralrates sowie die unübersehbare Menge der Gäste. Redner gedachte in inniger.Dankbarkeit des Heimgegangenen Mitbegründers der Agudas Jisroel Rektor David Hoffmann s. A, der die Fülle seines Wissens und seiner Erfahrungen in seiner Eigenschaft als Mitglied des Rabbinischen Rates stets zur Verfügung gestellt hat. Ferner gedachte Redner des leider uns zu früh entrissenen Aron Kober s. A., der besonders durch seine Arbeit - für die Ortsgruppe' Breslau und für Ägndas! Jisroel als Mitglied des! Zentralrates mit dem ihm -eigenen Hislahawus bis zu seinem letzten Lebenstage segensreich gewirkt hat. Namens der Breslauer Orts-'und Jngendg'ruppe begrüßt Herr Dr. Freyhan an Stelle des leider erkrankten ersten Vorsitzenden Bankiers Löwy die Gäste mit dem altjüdischen Spruch: „Bruchim haboim beschem Haschern berachnnchem mibejs haschem." Redner überbrachte auch Grüße von Herrn Gemeinderabbiner D«r. Hoffmaun, der zu seinem Bedauern durch Amtspflichten zu -erscheinen verhindert sei, bei der morgigen öffentlichen Versammlung über sprechen werde. Herr Dr. Pinchas Ko h n berichtete hierauf in großen Zügen über die allgemeine Arbeit der Agudas Jisroel, welche einmal die im Westen und Osten durch den Krieg imb seine Folgen durcheinander gewirbelte Judenheit durch die Einheit der metaphysischien Anschauungen zu -einem lebendigen Organismus zu.vereine.» bestrebt sei, mm so die ursprüngliche .Einheit von „Klal Jisroel wieder herzustellen. fei Agudas Jisroel gegenüber dem gefährdenden Einfluß dermaterialistischen Einstellung zu den Lebenswerten die große Mahnerin zumWiedrrbesinnen auf die ewigen Ideen und die von Gott gereichten Wertmaßstäbe jüdischen Lebens und Handelns. Die Unterstützung der Thorastätten im Osten., die Wiedererweckung der Sehnsucht nach Thora im Westen, die Hilfe für. die materiell und ideell so unendlich schwer bedrückten Brüder in Rußland seien Ruhmesblätter in der bisherigen Geschichte der „Agudas „Jisroel". - Die Berichte der Vertreter der einzelnen Landesorganisationen eröffnete Herr Rabbiner Horovicz mit einem kurzen Ueberblick über die Organisation der Agudas Jisroeb in Erez Jisroel) welche sich in kurzer Zeit zu einem lebenswichtigen Gliede der gesamten Organisation -entwickelt hat und die mit Stolz sich rühmen könne, daß sie ^nit über 900 Pfund hervorragenden Anteil an der Rußlandhilfe genommen habe. Eine wöchentlich erscheinende Zeitung „Kol Jisroel", die Gründung und Erhaltung .einer Mädchenschule, die Gründung eines' Ch aluz i m - H ei m es für orthodoxe Emigranten, der Ankauf zweier Grundstücke find beredte Zeugen für das mit Hilfe insbesondere der deutschen Palästina-Zentrale erstarkende Leben der Agudas Jisroel in Erez Jisroel. Nachdem Herr Rabbiner Horovicz noch über die Mißgriffe der im heiligen Lande herrschenden zionistischen Machthaber und den Abwehxkampf gegen diese Einflüsse berichtet hatte, brachte er warme Begrüßungsschreiben der palästinensischen Aguda-Organe sowie ein solches des Herrn Oberrabbiner Chajim Sonnenfeld zur Verlesung,, das mit stürmischen „Jechi"- Rufen akklamiert wurde. Für die polnische Landesorganisation sprach Sejmabgeordneter Kirschb r a u n. Er wies insbesondere darauf hin, daß die 4 Millionen orthodoxer Juden, die er vertritt und von denen eine halbe Million in der Agudas Jisroel bereits organisiert ist, mit Spannung der weiteren Entwickesung und Ausbreitung der Aguda entgegensehen. * Diese ist es auch, die ihnen . endlich den Rückhalt gewährt, welchen die orthodoxe Judenheit Polens so dringend braucht. Gerade er, Kirschbraun, .der im öffentlichen Leben die" schweren antisemitischen Borwürfe tagaus, tagein zurückzuweisen hat, steht in ununterbrochener Abwehr auf. der Marte, wo es sich darum handelt, die religiöse jüdische Einheit zu retten. Sie muß im Vordergrund allen jüdischen Denkens und . Arbeitens stehen, solange wir in der Diaspora auf den Schutz der?'Völker angewiesen sind. Die jüdischen Massen" Polens wollen ihre Thora retten und deswegen fühlen sie sich mit allen Fasern ihres Herzens, zur Agudas Jisroel hingezogen. Die überaus klaren Ausführungen des Abgeordneten erweckten großes«. Interesse bei der Versammlung. — Einen nicht minderen Eindruck-erzielten die Ausführungen des I. M. -Lewins von Warschau, der Grüße seines Schwiegervaters, des Großrabbinecs Abraham Mordechai Alter (des Gerrer Rebbe) überbrachte. Bis zum letzten Augenblick. war noch die persönliche Anwesenheit des Großrabbiners in Breslau vorgesehen, der infolge der Witterungsberhältnisse jedoch von der Reise Abstand nehmen mußte. Aber das lebhafte Interesse, welches der Rebbe für die Agudas Jisroel hat, wird nicht nur von ihm allein, sondern von den Hunderttaüsenden von Juden, welche seine Gefolgschaft bilden, geteilt. Seit dem Ersten Tage des Bestehens der Agudas Jisroel bis zum heutigen liegt ihm die Ausbreitung der agudistischen Bewegung am Herzen. Besonders interessant waren die Ausführungen Lewins über die großzügige politische AÄeit der, Aguda: die Gründung einer orthodoxen Tageszeitung, welche außerordentlich dazu beiträgt, die Jugend in religiösem Sinne zu beeinflussen und von religiös-nihilistischen Einflüssen fernzuhalten. Mit RaKb. K a tz - Neutra, kam die ts chechoslowakische Landesvrganisation zu

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