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Der Israelit · 1923-01-04 · Heft 1 (4.1.1923) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 1 (4.1.1923)
Date
1923-01-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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fedttn A «r. 1 MNWNWMWWMLMLWLM^AMNM^ Sie engere Leitung -er Agudas Zttroel. Nach den in Breslau stattgichMen Wahlen setzt sich die engere Leitung wie folgt zusammen: Geschäftsführender Ausschuß: Rabbiner I. Baumgarten, Wien. „ Beer Friedmann, „ Mb. Hornstein, „ „ Dr. P. Kohn, „ Wolf Pappenheim, „ „ A. Katz, Nitra. I. M. Lewin, Warschau. M.' Achapira, „ Jakob Trokenheim, „ D-r. Isaak Breuer, Frankfurt a. M.!Tr. V. Ehrmann, „ „ Jako^ Strauß, „ „ Jacob Rosenheim, „ „ Leo Wreschner, / „ „ „ M. M. Epstein, Slobodko (Litauen). „ I. Zierelsohn, Chisinau (Beßarabien). Kommerzialrat S. Bondi-Wien, stellv. Mitglied, Kallman Pappenheim, Wien, „ „ David Schlesinger, „ „ „ Heinrich Eisemann, Franks, a. M. „ „ ' Julius Holländer, „ „ ,, Das aus den Herren Solicitor Landau, O. Frost, W. Schiff,, P. Landau und Harry Goodman als Honorary Secretary bestehende Exekutiv bureau in Londwn wurde wiedergewählt. Sr. med. Mendel Löb SSerhey. s« feiner fünften Iahrzeit am 8. Keves. Eine der markantesten Gestalten des östlichen Judentums unseres Zeitalters war der vor 5 Jahren in Riga verstorbene Dr. Scherhey. Mendel Lob Scherhey war am 18. November 1848 in Rittaven, Gonv. Kowno (Litauen) geboren. Sein Vater — Joel Scholom — war Talmudgelehrter und sein ganzes Leben war ausschließlich der jüdischen Wissenschaft gewidmet. Auch Mendel Löb Scherhey studierte eifrig den Talmud, zuerst unter Leitung seines Vaters und nachher in der Jeschtwo zu Tels (Göuv. Kowno). , In seinem 17. Lebensjahr war er schon in seiner Vaterstadt und Umgebung als besonders tüchtiger Talmudist allbekannt und in diesem frühen Alter schon erhielt er „Smichoh" (Rabbinatrautorisation). So ausgezeichnet, nahm er sehr häufig Anteil an „Dine Thora", wobei er als Jüngling mit Autoritäten der damaligen Rabbinerwelt zusammenkam und sich durch große Kenntnisse im Talmud und klare Logik auszeichnete. Zu dieser Zeit starb sein Vater (45 Jahre alt). Da entschloß sich Mendel Löb, nachdem er noch einige Jahre eifrig dem Talmudstudium und anderen jüdischen Wissenschaften oblegen hatte, 1870 nach Berlin zu gehen, um dort Medizin zu studieren, da er von Kindesjahren an großes Interesse für Naturwissenschaft hatte. Noch ohne genügendes profanes Wissen und ohne Mittel, mit der moralischen Verpflichtung, für seine Mutter und unmündigen Geschwister zu sorgen, gelang es ihm in Berlin dank seiner enormen Talmudkenntnisse mit den berühmtesten jüdischen Gelehrten in Fühlung zu kommen. Diese, besonders aber Dr. Esriel Hildesheimer verschafften ihm Unterrichtsstunden, um seine Existenz zu fristen. In kaum zwei Jahren war Mendel Löb Scherhey so weit vorbereitet, daß er sich am 8. Mai 1872 als Studierender der Medizin bei der Berliner Friedrich-Wilhelms- Universität immatrikulieren lassen konnte,' am 21. März 1876 bestand er das ^sntanisu phy* sieran und am 19. Februar 1878 beendete er fein Studium mit Auszeichnung? Seine Dokiördtssertätton> die er am 15. August. 1878 öffentlich an der obenbesagten Universität verteidigte, heißt: MeVer die Feststellung und Bedeutung der Lymphdrüsen im Rückenmark." Diese Dissertation erregte Aussehen in der medizinischen Welt und wird in vielen Handbüchern der Physiologie angeführt. Die Universitätsprofessoren machten' ihm den Vorschlag, auf dem Gebiete der Physiologie weiter zu arbeiten. Auf Wunsch seiner Mutter kehrte er aber nach Rußland-zurück, um dort als Arzt tätig zu sein. —- Von 1878—1882 lebte er in Petersburg, arbeitete daselbst in verschiedenen Kliniken und ließ sich dort 1885 als" praktischer Arzt nieder, wo er auch Gelegenheit genug fand,, für die Interessen seiner Glaubensgenossen tätig zu sein. Es rst allgemein bekannt, daß nach der Ermordung des Kaisers Alexander II. für die Juden in Rußland bittere Jahre kamen und Dr. Scherhey widmete in dieser kritischen Zeit einen Teil seiner Tätigkeit dem jüdischen gesellschaftlichen Leben an Hand des verstorbenen Baron Horace Ginsburg. Die Arbeit diente der Verbesserung der jüdischen Lage in Rußland, zu welchem Zwecke auch verschiedene Rabbinerkongresse in Petersburg stattfanden. Dank seiner Beziehungen zu Prof. D. Chwolson gelang es ihm, diesen zu bewegen, sich in RegierungSkretsen eifrig für jüdische Fragen etnzusetzen. In den Sommermonaten der achtziger Jahre suchte er den Riga-Strand auf, wö°er sich als Badearzt einer besonders großen Praxis erfreute und bald ließ er sich von seinen Freunden bewegen, seinen Wohnsitz ganz nach Riga zu verlegen, wo er bis 1915, hochgeachtet in allen Kreisen lebte und im öffentlichen jüdischen Leven wirkte. I n Jahre 1905 mußte er wegen eiues Leidens seine Praxis wesentlich einfckränken, aber unbeschränkt blieb sein geistiges Schaffen Beld verfaßte er sein Werk „Meschiw Nefesch", das ihn in die Reihe der besten zeitgenössischen Talmud-Kenner versetzt. — 1907 und 1908, durch sein Leiden zum Aufenthalt in^deutschen Kurorten gezwungen, kommt er in Fühlung mit jüdischen Gelehrten Deutschlands und anderer Ländert Als sich bald sein Gesundheitszustand besserte, nimmt er seine Tätigkeit wieder voll auf und zwar die ärztliche sowohl wie die literarische und talmudisch wissenschaftliche. Von verschiedenen Rabbinern Deutschlands, Rußlands und Hollands werden Fragen an ihn gerichtet, und führend •„ wirkt er in den örtlichen Vereinen („Jagdil Thora", „Machsike Hadas"). Besonders ist er aber in Riga, Dwtnsk und anderen Städten für die Jeschtwaus in'Slobodko-Kowno tätig. Im Jahre 1912 nimmt er regen Anteil an ders„Agudas Jisroel-Konferenz" in Kattowitz, und wird zum Mitglied des Haupt-Komitees gewählt. Bis zum Kriege arbeitet er in Riga eifrig für die „Aguda". Im Iahte 1914 kommt wieder in der russischen Retchsduma die „Schechitafrage" auf die Tagesordnung, und Scherhey ruft sofort eine Kommission, ins Leben, die mit dem ganzen wissenschaftlichen Rüstezeug die Verteidigung der Schechita in die Hand nimmt und wirksam durchführt. Im Juli 1915 verläßt er der Kriegsverhältnisse wegen Riga und zieht nach der Wohnstadt seiner Tochter — Konotop (Ukraine). Etwas mehr als zwei Jahre arbeitet er dort erfolgreich als Arzt, nimmt Anteil an allen öffentlichen jüdischen Arbeiten und bereitet ein Werk über „Darke Hamtschne" von Frankel vor. Allein schon» Anfang 1917 verschlimmert sich sein altes Leiden derart, daß er sein neues Werk, vollkommen durchdacht, nickt mehr zu Pvp'er bringen konnte, und am 23. Dezember 1917 — 8. Teves — hauchte er seine reine Seele aus. Ein gesegnetes durch jüdische Arbeit geweihtes Leben hatte aufgehört. In, seinen Taten hat er sich selbst das schönste unvergängliche Denkmal' errichtet. „Agudas JiSroel" schuldet ihm ewigen Dank. Isstk'e8oeflsmmlung 9e§ enMchen DJirffchaffsausfrfiuffes für PaläfTfna. «Hoado», 23. Dez. In einer unter Vorsitz von, Sir Älsred Mond stattgehabten Sitzung wurde der mit Spannung erwartete erste Bericht Über die bisherige Wirksamkeit des sogenannten „Economie Board för Palestine" erstattet. Bon den ausgegebenen 100.000 ShareS sind 87.5000 von den Mitgliedern des Board übernommen worden, der Rest ist noch zu haben. Mit 15 000 Pfund hat sich der Ausschuß an dem Kapital der Palästina-Salz-Kompagnie beteiligt, die bet Athltt Salz auf dem Wege, der Kondensation des Seewassers, erzeugt. Etwa 3000 Pfund sind in eine WarenhauKgesellschaft in Jaffa und Haifa gesteckt worden, 6000 Pfund in eine. Mrkehrsgesellschäft für Transporte auf dem Toten Meer. Das Wichtigste ist eine Be* teiligung von 25.000 Pfund an einer mit dem Joint und anderen Korporationen gegründeten Kreditbank für Kooperativgenossenschaften. Südlich wird sich die Gesellschaft an der Finanzierung des Palästina-Pavillons auf der geplanten britischen Weltausstellung beteiligen. Der / Bericht wurde beifällig ausgenommen, dabei jedoch die Hoffnung ausgesprochen, daß man im nächsten Jahre über noch größere Erfolge zu berichten haben werde. Die öaftl der luden ln PalMrrs Jerusalem, 28. Dez. Wie verlautet, hat die Volkszählung, in Palästina 120,000 Juden und kaum 400)800Araber ergeben. -Die Juden würden daher zirka 25 pCt., d. h. fast rin Viertel der Bevölkerung äüsmachen, nicht wie von arabischer Seite bisher behauptet wurde, daß die Juden höchstens 10 pCt., d. h. ein Fünftel der gesamten Bevölkerung bilden. __ (I. P. M Spendenlisten: * Schulwerk. A n s bäch: . Dr. Braver 5000, NN. 1000. Ranschchanveschfponve. Alzenau: 100. Berlin: 475. Dorndorf: 1000. . Frankfurt: 13250. Fulda: 1650. Fürth:.4505. . H a lb e r st a d t: 4968. Hamburg: 550. - Karlsruhe: 3656. ' Köln: 455.. Königsberg: 450. Linden-Ruhr: 500. M.iltenberg: 500. . München: 1000. . . . - Nürnberg: 520. Oldenburg: 312. Schwabach: 510. Sprendlingen: 190. Walsdorf: 1'00. Mainz: 1930. Kere« Hajischm»: Ansbach: Dr. Brader 7000. Berlin: Sally Weil 1000? Düsseldorf: S. Lichtigfeld 2000. F r a n k f u r t a. M.; dch. Frl. Markus 300. Groß-Bieberau: H. Sulzbacher 130. H a lb e r st a d t: Verlob. Berta Tannenberg u. Jos. Neuhaus 5000. Helden be r g e n: dch. Lehrer Bronckhorst 815. Karlsruhe: Rabb. Dr. Schiffer 1000, W. Möllmann 2000. Mainz: dch. H. L. Cahir 15000. Miltenberg: Ww. Willy Grii-nstein 5A). Ncw-York: Dr. Jung 8250. .a. N ico lai: Max Meißler 1000.; Tie feno,rt: M. Levestein 1000. ~ tat* Berantwortliche Redaktion: Rabbiner Dr. P. Kohn, Dr. S-- Ehrmann. — Druck von Rupert Banmbach, KranPnod «n

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