Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1922)
- Date
- 1922-12-28
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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a. m. 26 ftänöntffe mir seine Zuftimmmtg auch m diesen Dirrajen nicht versagen wird. Dr. Isaak Breuer. Eine offizielle ErMnng -er Landeskanzlei der tschecho-flovakischen Srihodorie. Obwohl tvir von gegnerischer Seite wegen decsogenannten tschecho -- slowakischen „Jssur" gegen die zionistische Organisation mehrfach andere mpelt wurden, haben wir bisher in diesen Ugudah-Blättern (nebenbei bemerkt: das einzige offizielle Organ der Agudas Iisroel in 'Deutschland) eine Stellungnahme uns Vorbehalten, nicht nur, weil die ganze Angelegenheit direkt nichts mit der Agudah zu tun hat, sondern auch deshalb, weil die tschecho-slvvakische Larrdeskanzlei selber auch noch nicht ihre im Eltul gefaßten Beschlüsse bisher veröffentlicht hat. Neuerdings hat nun das Oberrabbinat in Amsterdam -an den Präsidentett der t,checho-slov-akischen Orthodoxie, Herrn -Oberrabbiner Weber, eine kollegiale Anfrage über 'Umfang und Bedeutung der Stellungnahme der tschocho-fflovakischsn orthodoxen Rabbiner zu Zionismus und Misrachi, wie sie in der jüngsten Zeit betätigt wurde. Mellt. Herr Oberrabbincr Weber antwortete daraus in einem ausführlichen Expose, welches wir zur Klärung der Situation und als wichtiges Aktenstück in dieser Frage im folgenden Wiedergaben: Bratislava, am 13. Kislew 5683. Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner! Euer Ehnoürdeu hochgeschätzte Zuschrift vvin 4. Kislew l. I., die Ew. Ehrivürden im Namen und Aufträge mehrerer gesetzestreuer Oberrabbiner Hollands in einer hochwichtigen Klallangelegeicheit an nnw zu richten die Freundlichkeir hatten, bin ich, infolge Abwesenheit einiger Tage vom Hanse, erst heute in der Lage, achtungsvoll zu beantworten, ^ch bin dessen sicher, daß Mo. Ehrwürden aus dieier verengerten Erlviderung auf meine, den glaubensfestcn holländischen Rabbinern entqegengebrachte Ehrerbietung keine ungünstigen Schlüsse folgern werden. Ich möchte gleich eingangs meines Schreibens für« konstatieren, daß die in der am Ist. Clul v. I. in Bratislava stattgefundenen Vollversammlung der slowakischen Rabbiner gefaßten Beschlüsse einzig und allein für unsere engere Heimat, für die Slowakei, Geltung haben und ausschließlich für die Jereinr dieses 'Landes verpflichtende Kraft besitzen. Mit dieser Feststellung wäre eigentlich jeder weiteren Fragestellung in Ihrem interessanten Schreiben der Boden entzogen und jedes Wott der weiteren Diskussion abgeschnitten. Jedoch^ ich mochte nichr den Verdacht auf mir lasten lauen, daß ich einer von solch hochgeschätzter Seite gewünschten Aufklärung geschickt aus dem Wege zu gchen bestrebt bin. Ich will daher Ew. Ehrwürden ftei und offen die Beweggründe beleuchten, von denen die Rabbinerversammlung am Ist. Elul sich hat leiten lassen und im Lichte dieser Beleuchtung sollen alle im Zusammenhänge nrit derselben gestellten Fragen befriedigende Antwort findeir. Ich schicke voraus, daß die in der gegnerischen In- und Auslandspreise in verhetzender Absicht verbreiteten Nachrichten, wonach die Rabbinerversammlmrg ihre Kompetenz überschritten, oder gar einer gesetzwidrigen und strafbaren Handlung sich schuldig gemacht hätte, vollkommen unwahr uno aics der Lust gegriffen sind. Die Rabbinerversammlung bat sich streng an die religionsgesetzliche Seite der ihr zur Beratung gestellten Ängelegenh'üten gehalten Md dementsprechend auch ihre Beschlüsse erbracht, und ist die ganze Aktion in erster Reihe als ein erbitterter Aufschrei des gequälten religiösen Gewissens gegen die durch den Zionismus geplante Dethronisierung unseres heiligen Glaubens zu betrachten und als unerschütterlicher -Entschluß der Träger der Thora anzuseben, die, unserer heiligen Emünab zustesügte scho'ähliche Beleidigung, wie ne seit Menschengedenken nicht vorgekmmnen, kräftigst abzmvehren. Bei aller Umschreibung und Bemäntelung ist und bleibt die Grundlage des modernen Zionismus (nichts anderes, als) die Abschaltung unserer heiligen Religion, als bestimmenden Faktors im Judentum und bildet den Wesenskern seines Programms die Anschauung, daß das Bekenntnis zn'.n jüdischen Glauben völlig irrelevant und das laute und vhrasenhaste Bekennen zur indischen Nationalität den Begriff des Judentums erschöpft. Nun erlaube ich mir die Frage, kann und darf die Gesamtheit der Rabbiner, deren religiöses Verantwortungsgefühl so hoch entwickelt ist. wie bei uns, angesichts der gefahrdrohenden Erscheinung, daß in den Wirbel der zionistischen Ideenwelt immer weitere und auch fromme Kreise geigen werden, für die Dauer rrrhig die Hände in den Schoß legen und dem sittlichen Verderben fteien Laus lassen? Sind die Rabbirrer als Träger des Thoragedankens nicht vielmehr verpflichtet, mit aller ihnen zu Gebote stehenden Macht die Unterwaschung der Grundlagen des Judentums zu verhindern und der Verbreitung gefährlicher Anschauungen Einhalt zu gebieten? Gewiß, der Misrachi hat seinen Eintritt in die, die Religion negierende Zionistische Organisation mit der Begründung vollzogen, dem nattonalen Judentum dienen zu wollen, bei gleichzeitiger wirksamer Wahrnahlnuug der Interessen der jüdischen Religion. Wmnit begründet aber der Misrachi sein konsequentes Ausharren in einer Gemeinschaft, durch die, wie es heute schon jeden. Klarsehenden offenkundig sein muß, dem Judentnme blutwenig genützt, der Gtaubeustreue in den jüdischen Massen hingegen riesiger Schaden zugefügt wird. Wo, um des Himmels willen, ist es dem Misrachi gelungen, die durch die zionistische Ideologie verursachte Irreligiosität zu verhindern und wo auf der ganzen Wett hat der Zionismus auch nur die leiseste Rücksicht auf seinen glaubenstreuen Flügel walten lassen, nicht den jüdischen Glauben in agressivster Weise heranszufordern? Das Gegenteil ist geschehen, das Mitgehen des Misrachi mit dem Zionismus durch dick und dünn wurde vom letzteren dazu iuißüraucht, jeden Protest, der den Zionismus perhorreszierenden Jereim gegen die Vergewaltigung unserer Emünah zu ersticken und mundtot zu machen. Unter Deckung der Misrachi wurde ein verheerendes Feuer der Zerstörung gegen die Gesetzestreue eröffnet und alle Träger der Thora als die Verteidiger der jüdischen Tradition scharf ins Ziel genommen. Nie und nirgends ist der Misrachi aktiv gegen das zionistische Treiben ausgetreten, immer nnd überall hat er durch seine Passivität die religionsseindliche Auswirkung des Zionismus gefördett. In Ercz Jisroel, in unserem .heiligen Laude, das dreimal im Tage den Gegenstand unseres inbrünstigen Gebetes bildet, schreitet die Entweihung ungehemmt sott, die Stabilisierung der unreligiösen Institutionen, der sittlich und nwralisch defekten Einrichtungen, schlägt in dem geheiligten Llhnenbvden immer festere Wurzel, in den hebräischen Avikorses- Schulen wird, der entschiedenen Verwahrung der Geonim in Jeruschulojim zum Trotze, eine geistige Atmosphäre geschaffen, aus der in gegensetzlicher Richtung zum Sinaizeitalter, wo es heißt: vrv u'j B'-ip jüdische Kinder als Bürgen für die dauerhaft entjüdischte, religionsseinbliche zionnistisch-orientierte Weltanschauung hervorgehen sollen. Einer der bestinformierten Misrachiführer ist aus der Exekutive mit der Motivierung ausgetreten» daß hei dom gegenwärtigen Verhältnisse des Misrachi zur Zionistischen -Organisation die traditionstreue Entwicklung im Heiligen Lande gefährdet erscheint. Wer nun geglaubt Hatz daß dieser Austritt eines üb erzeug ungstteuen Führers ein Signal zur Um- und Einkehr der Misrachisten bedeutet und das endliche Ab rücken des Misrachi vonr Zionismus zur Folge haben wird, ist einem Irrtum zum Opfer gefallen. Der Austritt ist einfach totgeschwiegen worden, damit das religiöse Gewissen der frommen Misrachisten nicht wachgerüttelt und nicht unangenehme Konseyuenzen nach sich ziehen soll. Ich fürchte, daß das Gewissen der Frommen zu spät erwachen wird, denn wer die Ereignisse der letzten Monate munteren Auges beglettet und die Sprache des Weltgeschehens zu begreifen vermag, kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß es nicht ausgeschlossen, daß schon in absehbarer Zukunft der ganze Zionismus als tteibendes Element im Judentume der «Vergangenheit angehvren wird. Und da erst wird es jedem offenkundig werden, wie die Vorteile, die dem Judentume durch den Zionismus gebrackst wurden, gleich Null und die Riffe und Wunden, die der jüdischen Religion geschlagen wurden, fast unheilbar sind. Die Schuld hiesür wird in erster Reihe jene Kreise tteffen, die, die wahre Situation fälschlich beurteilend, wegen vermeintlicher jüdischer Jntereffen die Kraft der Verteidigung der wahren Jereim aus der ganzen Linie geschwächt haben. Ich bin in der Lage, Go. Ehrwürden zur Erhärtung meiner Ausführungen mit einem Beispiele zu dienen, wie es in der Geschichte unseres Landes beispiellos dasteht. In der Tschechoslowakei hat der Zionismus auf die Gemüter derart verwirrend gewirkt, alle Begriffe über Religion und Judentum derart gettübt, daß die staatsamtliche Statistik elf katholische NationaljuDen in Prag auszuweisen vermochte, das heißt der Nationalität nach sind diese Herren Juden, dem Glaubensbekenntnis nach Katholiken. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wenn diese Begriffsverwirrung weiterschreitel, die katholische Kirchenbehörde in Prag sich veranlaßt sehen wird, gegen die Verjudung de- Katholizismus Einspruch zu erheben. Es ist nun klar, das; von irgendeiner Seite der Judenheit rechtzeitig gegen die Katholizisierung des Judentums entschiedene Verwahrung eingelegt werden muß. Von Seite des Zionismus kann dies nicht erwattet.werden, da derselbe logischerweise das Erscheinen der elf katholischen Inden auf dem Plan in Konsequenz. 88 Dezember 1923 - feiner Neutralität in Glaubensdingen als best.vollständigen Sieg. der werbenden Kraft des von ihm verkündeten Gedankens betrachtet, daß das nationale Moment den eigentlichen Juden darstellt. Der Misrachi entfaltet bei uns eine fieberhafte Tätigkeit. Die meisten seiner Führer zeichnen sich durch die rührigste Agilität aus. Alles wird ausgeboten, um die Aufmerksamkeit und das Jntereffe der Masten nicht ab flauen zu lasten. Jede Woche werden Konferenzen abgehalten; in jedern Orte gibt es eine kleine oder größere Ortsgruppe, der es obliegt, die Ereignisse in der Gemeinde in Evidenz zu halten. Die Lösung jeder jüdischen Frage soll vorn Gesichtspunkte des Zioüismus beeinflußt werden. Alles und.jeder soll in den Dienst eines angeblich höheren Zieles gestellt werden. Unter dem Schlagtoorte der Demokratisierung der Kultusgemeinden soll die Leitung derselben den Händen altbewährter gesinnungstreuer Männer entrissen und ungestümen, zu Abenteuern neigenden jugendlichen Elementen ausgeliefert werden. Trotz dieser intensiven Bet-äti-- gungslust des Misrachi, der zugleich die Gewähr gegen ein Mgleiten von den Bahnen der Tradition zu bieten versvrach, wurde auch von dieser Seite bei dem Bekanntwerden der elf katholischen Inders kein einziges Wort der Abwehr geäußert, nicht der leiseste Protest kundgegeben und haben auch keine einzige Geste des Unbehagens merken lasten. Dr. Brodh, der Oberrabbiner von Prag, Präsident der tschechoslowakischen Misrachi--Landesorganisation. der seiner Antipathie gegen die orthodoxen Rabbiner der Slowakei bei jeder Gelegenheit in derbsten Worten Ausdruck gibt (er nennt sie in Zeitungsartikeln öffentlich „Kleriker und Dunkelmänner"), er schleudert ihnen die schwere Beleidigung ins Gesicht (ich zitiere wörtlich), „daß sie immer gefehlt, wo es galt, religiöse Jntereffen wahrzunehmen, es sei denn, daß es ihre materiellen Ziele erforderten," dieser unversöhnliche Gegner der slowakischen Orthodoxie, der oberste Hüter jener Stadt bbnn ha rcnp-i wo durch die elf katholischen Juden die tödliche Verwundung des ganzen Tvnrr Begriffes erfolgte, hat sich um die ganze Angelegenheit nicht gekümmert, mit keiner einzigen Silbe einein mißfälligen Unbehagen Ausdruck gegeben. In Mährisch-Ostrau hat vor kurzern der dritte tschecho-slowa'kische Zionistentag stattge fanden und alle Wett hat erwartet, daß endlich da eine laute Absage an die elf (acholischen Bale-Battm Prags erfolgen werde, das ist aber nicht geschehen. Dagegen wurde in einstimmigem Chor über die orthodoxe Rabbinerversammlung, bei der von den achtzig amtierenden Rabbinern der Slowakei zirka fünfzig anwesend waren, die anderen — mit einigen Ausnahmen — schriftlich die Zustimmung gegeben, der Stab gebrochen. Wie Dr. Brodh, sich stolz an die Brust schlagend, der Oeffentlichkeit mitteilt, hat der Kongreß einstimmig den Beschluß erbracht (meine Feder sträubt sich, es niederzuschreiben), die staatliche Gewalt gegen die orthodoxen Rabbiner anzurufen. Nun gestatten mir Gv. Ehrwürden die Frage, ob solches in Holland möglich wäre? Bei dem Lob, das Wo. Ehrwürden der Gesetzes treue der hqlländischen Misrachisten gezollt, scheint mir dies ausgeschlossen. Ich bin überzeugt, wenn Ew. Ehrwürden das Bild, das ich von den hierländischen Verhältnissen wahrheitsgetteu entworfen, weiteren Kreisen Ihres Landes zugänglich machen würden, die Erregtheit der frommen Misrachisten bis zum Siedepunkt sich steigern würde, aber nicht gegen die Rabbiner der Slowakei, sondern gegen jene Kreise, die die Rabbiner zu diesen Maßregeln gezwungen haben. Schließlich möchte ich Ew. Ehrwürden den Umstand zur Eftvägung anheim stellen, daß die slowakischen Rabbiner, die von den ftüheren Gedolim datz heilige Vermächtnis überliefert bekommen, "np ">d "iv '■'dd p» mno mwn s"V laut dem es jedem gläubigen Juden strengstens untersagt ist, Mitglied nrchtorthodoxer Organisationen zu werden, gegen den Anschluß an die die Religion gefährdende Zionistische Organisation ihr kräftiges räbbinischeS Veto einlegen mutzten. Genehmigen Gv. Ehrwürden den Ausdruck meiner Hochachtung uiit gesrnnilngstreuem Mischen Gruße: Oberrabbiner Weber, Präses der orth. Landeskanzlei. StaW der jüdischen Wetter in Palästina. Die Zahl der Mischen Arbeiter in Palästina beträgt nach der neuesten Zählung 16544, davon entfallen aus Jerusalein 4597 Tel Awiw 3757 Jaffa 1392 Haifa 1851 Tiberias 365 Petach-TWoah 452 Rischon-Lzivn 253 Der Rest verteilt sich auf die kleineren Kolonien. Rischon-Lzion. Hier wurde von Seiten der f«st ausschließlich thorattenen Jemenitengruppe ein