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Der Israelit · 1922-12-28 · Heft 52 (28.12.1922) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 52 (28.12.1922)
Date
1922-12-28
Page
– (sequence 29)
Language
German
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- 28 fretembet 1922. jRjtaj t Nr. SS ®i»He 2. . -neu erwmDeneS LandMck, ,^schiwas Msn" «nzeweiht. Sine Unterredung E. KirWraün. (Aus dem Warschauer „Knrjev Pokski".) JnsolFe des in einem zionistischen Organe erschienenen Dementis der Nachricht von der Auslösung des Minderheitsblockes, begab sich ein Mitarbeiter unseres Blattes zunr Anführer der Orchodoren (Aguda) Deputierten Herrn Elias Kirschbraun, der ihm folgendes erklärte: Der Minderheitsblock wurde ausschließlich auf tue Dauer der Wahlen geschlossen. Er war ein Akt der Selbstwehr gegen die uns bekirrzende Wahlordination und hatte einen rein technischen Charakter, aber keinesfalls einen programmatischen. Int Moment der Beendigung der Wahlen hörte der Block zu existieren auf. Keine einzige Partei, die zu dresern technisches Block gehörte, hat ikgenvwelche Verpflichtung übernommen. Sie werden dccher separate rnrabhängige Klubs im Sejm bilden. Wie wird das Verhältnis dieser Klubs zueinander sein? fragte unser Mitarbeiter. Diese Frage wurde eben aus der Samstag- und Smrniagsihung unserer Deputierten unv Senatoren, die aus der Blockliste gewählt wurden, besprochen. Es wurde projektiert eine BerftLndigungskommission auf die Dauer der Wahlen des Sejm- und Srnatpräsidenten und des Präsidenten des Staates zu schaffen.' Ein endgültiger Beschlrrß wurde nicht gefaßt. Es erhoben sich Stimmen „pro" und „contra". Sind Sie Herr Abgeordnete für diese Kommission? ■ Nein, ich bin gegen — erklärte Herr Kirschbamn'. Befürchten Sie "feine zionistische Hegemonie im Jüdischen Klubs, die dpch beabsichtigt ist? Bisher habe ich feine Neigung in dieser Richtung seitens der Zionisten Bewerft Sollte jedoch ein ähnlicher .Versuch gemacht werden, so werden wir gering' Kraft finden, um denselben zrrrlickznweisen. Wie wird die Politik der Orthodoxen im neuen Sejm sein? Unsere Politik wird in der Bahn unserer ^Tradition geführt werden mit dem Endziele: die Lösung der Juoenfrage in Polen auf , dem Wege der gegenseitigen Verständigung hetbeizuBhten. Wir werden im neuen Sejm eine Verständigungspolitif führen und zur Beseitigung der Mißverständnisse zwischen der polnischen und Wischen Gesellschaft streben, was sicherlich viel zunr Wöhle unseres gemeinsamen Vaterlandes beitragen wird. Unsere parlamentarische -Lvsnna ist: die faktische Inkraftsetzung der Märzkonstitution. Wir erachten auch eine Novelle zum Sonntagsruhegesetz als unbedingt erforderlich, um den Juden, me ant Samstag feiern, die Arbeit am Sonntag zu erlauben. Wir, jüdische Orthodoxen — behauptet Herr Kirschbraun — glauben, daß unsere Losung bei den maßgebenden Faktoren Unterstützung finden wird. Zum Schluß möchte ich bemerken, daß ifür uns — der Minderheitsblock nicht mehr existiert. Frankfurt a. M. Zu Ehren des früh' verstorbenen Mitgründers der hiesigen Jugendgruppe, Herrn H.ngv Weinberg, ist in den Räumen der Jugendgruppe eine Leihbibliothek als Hugo Weinberg- Stiftung eingerichtet, die mit der zunehmenden Teuerung der Bücher in steigendem Maße fteguentiert wich. Die Leihbibliothek zählt bis jetzt ca. 300 Bünde und bis zur Eüveiterung ans die Muniftzenz aller derjenigen Kreise angewiesen, welche dem wichtigen Gebiete der Jugenderziehung durch wichtige .gute Lektüre WerstMwrns entgegenbringen. Wiesbaden^ Aut 28. Kislev fand im Hotel Bristol eine wohlgelungene Wrnuckafeier der hiesigen Jugendgrnppe statt, an welcher auch eine Reihe Mit- Kieder der herrachbatten Gruppen Mainz und Frankfurt teilnahmen. Neben der vorzüglichen Festrede des Herrn Rechtsanwalts Dr. Sulzberger über die Bedeutung des Chanucka für unsere Gegenwart brachte das Programm eine Reihe ernster und heiterer wohlgelungener Darbietungen, welche Zeugnisse dafür ablegten, daß unsere Jugendgruppe auch die Pflege echt Mischer Geselligkeit versteht. Der Reinertrag der Veranstaltung — gegen 25.000 Mk. — wurde dem Waisenfonds der Agudcrs Jisroel überwiesen. Die künstlerische Leitung der Veranstaltung lag in der bewährten Hand vor: Frau Rabb. Dr. Bondi-Mainz. Besonderer Dank gebührt noch der Fi«na Ebbe, die in freundlicher Weise benötigtes Silbergerät zur Verfügung stellte, sowie Herrn Neustadt für überlassene DeSrraMnsgegerrstände. Herr Wtzler hat in aufopfernder Weise sich dem Gelingen dies Abends gewidnwt und fand an den Vorstandsmitgliedern der Wiesbadener Orts- und Jugendaruvpe die notwendige Hilfe. \ Der iüfllfdie nationalral- Warfcha«, 16. Dez. Der provisorische jüdische Nationalrat für Pole» hat den Beschluß gefaßt, sich aufzulöfen und an seine Stelle einen neuen Nationalrat etnzusetzen, dem sämtliche Kandidaten, die auf den jüdischen Listen figurierten,, sowohl diejenigen, die gewählt wurden, als. auch die nicht gewählt wurden und auf sich 5000 Stimmen vereinigt haben, als Mitglieder anzugehören hätten. Die Konstituierung des neuen Nattonalrates ist bereits vollzogen worden. Gegenwärtig werden Verhandlungen mit den übrigen jüdischen Gruppen, die aus den nationalen Mtnderheitsblocks mttfignrierten, geführt, um sie zur Delegierung ihrer Vertreter zu veranlassen. Somit wird der Nationalrat das offizielle Organ zur Vertretung der jüdischen Interessen in Polen werden. Als erste Aufgabe wird die Erkämpfung der national-personalen Autonomie mit dem Rechte einer eigenen jüdischen Selbstverwaltung und allen Angelegenheiten der nationalen Kultur, sozialen Fürsorge, religiösen Angelegenheiten u. dgl. bezeichnet. Stimmt* Ein jüöiffftes Pregorsan für Litauen Kswrts, 13. Dezember. Nach sechsmonatlicher Pause ist am Freitag, den 8. Dezember wieder eine Nummer des orthodoxen Blattes das „Jtdische Leben" erschienen. In einem Aufruf an leitender Stelle teilt die Redaktion mit, daß lediglich aus materiellen, finanziellen Schwierigkeiten die Einstellung des Blattes erfolgt ist, und daß diese Zwischenpause die unabweisliche Lebensnotwendigkeit eines eigenen Organes erst recht mit aller Deultchkeit hervorgetan hätte. Nun tritt die Zeitung mit einem stammenden Appell an alle gutgesinnten Juden in Stadt und Land heran, die Möglichkeit, d. h. die finanzielle Basis für das Wettererscheinen des Blattes zu sichern. Wie mitgeteilt wird, sind Rundschreiben nach allen Gemeinden ergangen, um ein Minimum von Abonnenten, die die Existenz des Blattes verbürgen, sicher zu stellen. Die erschienene Nummer ist zunächst ein Zeichen, daß die Leiter nicht die Flinte ins Korn geworfen haben, sondern daß fte ^vielmehr in Bereitschaft stehen, mit gleicher Arbeitsfreud, mit gleicher Liebe und Begeisterung wie früher die Arbeit wieder aufzunehmen. Ist bis zum 15. Dezember die nötige Zahl der Abonnenten aufgebracht, dann bedeutet die jetzt erschienene Nummer die Einleitung einer neuen Äera für die jüdische orthodoxe Presse in Litauen, die ein halbes Jahr lang von allen Setten schmerzlich genug vermißt wurde, deren Fehlen Lücken geschlagen hat, die kaum noch gutzumachen sind. Als Mitarbeiter des mit erneuter Kraft erwachenden Blattes werden u. a. genannt: die Rabbiner Poppel und Feivelsohn, Dr. Rachmilewttsch, Schuster und Schereschewski in Litauen/ Dr. Birnbaum, Dr. Deutschländer, Dr. Wohlgemuth, Rabbiner I. Weinberg, S. Schachnowttz in Deutschland/ Golombek, Amerika/ Dr. Benzion Feßler, England/ Dr. Nimzewitsch, Polen/ Dr. P. Kohn, Oesterreich u. v. m. Wir möchten auch unsererseits der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß die Zeitung, an der das gesamte orthodoxe Judentum das größte Interesse hat, zu neuem kräftigen Leben auferstehe. erjiefiungsflefeHfcfiaff Jarone. Kowno, 17. Dez. In Ausführung der Beschlüsse vom vorigen Sommer ist nun die Jawnezentrale an die Durchführung ihres Programmes getreten. Das Programm erstreckt sich vornehmlich auf die Erziehungsarbeit in Litauen. Denn auf diesem Gebiete war die Zerstörung der Kriegs- und Nachkriegszeit ganz unbeschreiblich und dementsprechend muß hier eine grandiose Aufbauarbeit einsetzen.' In einem wirksamen Aufruf im „Jüdischen Leben" wird die jüdische Bevölkerung in Litauen aufgefordert, jetzt durch eigene Beiträge die Jawuegesellschaft in den Stand zu setzen, die gegründeten Schulen zu erhalten und neue ins Leben zu rufen. Es war ein Fehler, daß man sich btS jetzt zu sehr auf die ausländische Hilfe verließ. Es ist aber zu hoffen, daß das litauische Judentum es nun als Ehrenpflicht erachtet, diese wichtigste aller Aufgaben, die der Erziehung, selbst in die Hand zu nehmen und der Jawuegesellschaft alle Mittel zu ihrer Lösung zur Verfügung stellen wird. Krhn-et;. Die fllinöerhelfen auf der Laufanner-Konferen?- «Lausarme, 15. Dez. Nachdem die Türkei in der Dardanellrnfrage sich von Rußland getrennt hat und England entgegengekommen ist, scheint dieses dem türkischen Nationalismus in der Frage der Minderheiten entsprechende Zugeständnisse zu machen bereit zu sein. Man dürf e sich also darauf beschränken, der Türkei ähnliche Bestimmungen aufzuerlegen, wie sie für die Minderheiten in den Ostverträgen vorgesehen sind, wobei der Völkerbund als Aufsichtsinstanz vorgesehen wird. Angesichts der freundlichen Beziehungen, die sich nunmehr zwischen der Türket und England entwickeln dürften, haben die Bestrebungen der hier weilenden syrischen und arabischen Delegattonen, in der Mandatfrage die Türket gegen England auszuspielen, wohl kaum mehr Aussicht auf Erfolg. UaMstinM Die DJaffernerforguna Jerusalems. Aerufatem, 7. Dez. Die palästinensische Regierung macht bekannt daß nunmehr die salomonischen Teiche für die Wasserversorgung Jerusalems wieder nutzbar gemacht, also ihrer ursprünglichen Bestimmung wiedergegeben sind. Es hat längere Zeit bedurft, bis es der Abteilung für öffentliche Arbeiten gelungen ist, durch Errichtung eines Pumpwerkes und weitgehende Ausbefferungsarbeiten die Teiche, die seit vielen Jahrhunderten außer Benutzung waren, gebrauchsfähig zu machen. Man nimmt jedoch an, daß das ganze Werk fich nunmehr als dauerhaft und zweckmäßig erweisen wird. Von Ser ftebräifthen llnlverMSl. Aerufake«, 7. Dez. Man beabsichtigt, die philologische Fakultät der hebräischen Universität in Jerusalem kurz vor Pessach zu eröffnen. Für die Vorlesungen sollen folgende Herren gewonnen sein: Die Professoren GinSberg-New-Aork, Margults-Philadelphia, Tobler-Berlin, Kraus- Wten, die Rabbiner Chaim Tschernowitz und Dr. C h a t e s -Wien und Prof. Ie h u d a -Madrid. verkckNeSenes aus Jerusalem. Aerufatem, 5. Dez. Am letzten Sonntag wurden in einer Sitzusig im Hause des Herrn Usstschktn, an der David Ketin, Gerichtskanzler Bentwttsch, Ben Jehuda, Professor Pick und Klausner teilnahmen, Beschlüsse gefaßt über die Gründung einer Abteilung für Geisteswissenschaften an der Universität in Jerusalem. Es sollen alle Vorbereitungen für die baldige Eröffnung der Abteilung in die Wege geleitet werden. In der letzten Sitzung des Waad haleumt erstattete Ben Zevi Bericht über den Stand des Gemeindestatuts. Es werden zur Zeit noch Verhandlungen gepflogen zwischen dem Rabbtnat und Herrn Bentwttsch. Elfteres wünscht, die Aufnahme einer Bestimmung bezüglich der Arrtorisiemng von Rabbinern, ihrer Wahl und ihrer Kompetenzen. Herr Bentwttsch übersandte die Anträge des Rabbinates an das A. E. des Waad haleumt zur Meinungsäußerung. Das A. C. erachtet aber die Anträge des Rabbinates als

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