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Der Israelit · 1922-12-28 · Heft 52 (28.12.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 52 (28.12.1922)
Date
1922-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ä8. Lszsmber 1682_ lungen nahmen einen ruhigen und würdigen Verlauf. Die Redner wiesen darauf hin, daß der Rektor selbst daö Vertrauen der jüdischen Studentenschaft zur Objektivität des obersten Würdenträgers der Universität erschüttert und zuletzt vernichtet hat. Der Rektor hat der deutsch-nationalen Studentenfch'ft erklärt, daß er die von ihren Vertretern überreichten Forderungen nach der Einführung eines Numerus clausus für Professoren und Studenten jüdischer Abstammung als „geeignete G r ün d läge für w eitere Verhandlungen" ansehe, womit er sich auf die Seite einer Studentengruppe gestellt hat. Er hat seine Solidarität mit einer Gruppe von Studenten, die ihrem Programm nach auf Rassenantisemittsm us eingeschworen ist, vor aller Oeffentlichkeit bekundet. Der Rektor hat aber noch ein Uebriges getan. Ueber alle Rücksichten seiner Stellung hat er in einem Artikel in der „Reichspost" den Versuch gemacht, die jüdische Studentenschaft in einer Art und Weise zu beschimpfen und zu beleidigen, wie dies vorher niemals geschehen ist. > Alle Redner betonten einmütig, daß die jüdische Studentenschaft erschlossen ist, gegen alle Versuche, sie unter Ausnahmsbesttmmungen zu stellen und sie zu Bürgern zweiter Kategorie herabzudrücken, den schärfsten Kampf aufzunehmen. Sie kann sich mit Recht an die ganze Kulturwelt mit der Forderung um Beistand in ihrem Kampfe wenden. Die jüdische Studentenschaft wird aber auch den Beweis erbringen, daß sie anständiger und mit anderen Mitteln als. ihre Gegner um ihr Recht zu kämpfen versteht. Eine Resolution, die sich im Rahmen dieser Ausführungen hält, wurde in beiden Versamm, lungen einstimmig angenommen. Eine weitere Resolution fordert den jüdischen Hochschulausschuß auf, diejenigen Mittel zu ergreifen, die geeignet erscheinen, alle Anschläge auf die Rechte der jüdischen Studentenschaft abzuwehren. Zu diesem Zwecke soll auch in der nächsten Zeit ein allg em ein er Student entag d er jüdischen Studentenschaft einberufen werden. veraubung auk Sem Wiener öenfralfrleöhof. Wie«, 14. Dez. Seit Monaten nehmen die Klagen über Diebstahle am Zentralfriedhof überhand. Die Zustände sind derart, daß sie Abhilfe heischen. Aus dem Friedhof gibt es nur zwei Torwächter, da das Wächterpersonal reduziert ist. Sicherheltsweche ist aus dem weiten Gelände nicht stationiert. Der Polizeibezirksleiter von Simmering, Hofrat Dr. Reimer, hat schon seit solcher Verdacht gewesen wäre „und sein Geist wurde belebt". Zweimal, so bemerkt die Maffora, kommt der Ausdruck nni („steige herab") vor; einmal in diesem Wochenabschntite (‘flayxi bx ’bx rm). und einmal in Jesaja (aifnyn nx rnawm rm). Dies will sagen: Der Mensch lasse sich von der Sünde nicht verleitenseinen religiösen Standpunkt nie und nimmer verlassen- Tut er's einmal, beginnt einmal der Niedergang, dann ist er unrettbar verloren (arnyn nx roapni rm). Immer höher steigen soll der Mensch in der Erkenntnis Gottes: auch in dieser Hinsicht gilt Stillstand gleich Rückstand.*) Keims Willeton. Die Ethik des Judentums. Herr Brofessor Dr. A. Sulzbach, läßt bei „Sänger u. Friedberg", Frankfurt a. M., unter obigem Titel Auszöge aus dem „Buche des Frommen" amen *ibd des R. Jehuda Hachassid erscheinen. Aus den Aushängebogen, die auch tn graphischer Beziehung ein schönes, stattliches Buch versprechen, entnehmen wir mit Genehmigung des Verlegers und des Amors folgende Proben: (§ 17). Das Studium der Thora besteht darin, -atz man sich in sie vertiefe, tn ihren Geist etnzudringen suche, um sein Leben ihren Anweisungen ge- *) Rach den Motiven von Jalknt Hadrusch, 2. Teil. langer Zeit eine Aktion eingeleitet, um den Diebstählen zu steuern. Doch konnte auch dadurch keine Abnahme der Diebstähle erziehlt werden. Die wertvollen Bronzebestandteile der Grüfte und Monumente werden abgenommen. Ja ganze Grabsteine werden gestohlen, die Schrift abgeschltffen, worauf die Steine wieder verkauft und in anderen Grabgruppen wieder aufgestellt werden. Die bronzenen Afschrifttafeln werden nicht mit roher Gewalt, sondern mit fachmännischer Vorsicht losgelöst und entwendet. Zinkgrabaufschriftstafeln werden zerbrochen und weggeschleppt. Bronze und Zink sowie anderes Metall findet bet gewissenlosen Altmetallhändlern, die als notorische Hehler die Diebstähle hauptsächlich fördern, willige Abnahme. Jetzt will man dem Unfug energisch steuern. Das Sdienfter-öefefc. Lemöerg, 14. Dez. Durch das Gesetz über das Schenkwesen werden Tausende von jüdischen Existenzen bedroht. Das Elend der jüdischen Schenker wird von Tag zu Tag größer. Fast in jeder Ortschaft werden täglich den Juden die Schankkonzessionen weggenommen und Christen, deren wirtschaftliche Position derart gut ist, daß sie zu den Reichen gezählt werden, übergeben. So wurde in Kolomea vom Kommissariat ein Vorschlag ausgearbeitet, an Stelle der bis nun bestehenden 100'Schankhäuser nur 17 zu bewilligen. Auf diese Weise würden 83 jüdische Existenzen glatt vernichtet. Aehniiche Vorfälle geschehen in den übrigen Ortschaften und Städten. Fast alle jüdischen Schenker stehen seit Jahrzehnten im Schankgewerbe und sind durch diese Maßnahmen an den Bettelstab gebracht worden, wogegen die christlichen Schenker, denen die Konzessionen weiter überlasten werden, speziell in den kleinen Städten zumeist auch Feldwirtschaft betreiben. Vor einigen Tagen hat beim Handelsministerium eine spezielle Deputation der Organisation der jüdischen Restaurateure und Schenker vorgesprochen und der Minister versprach, die Angelegenheit sobald als möglich zur Zufriedenheit der Organisation zu erledigen. Im Jüdischen Klub wurde nun eine spezielle Kommission beauftragt, sämtliche Verhandlungen mit den maßgebenden Faktoren im Finanzministerium und Ministerrat zu führen und alle nötigen Schritte zur Abwehr des Lrirtschaftlichen Ruins von tausenden jüdische Existenzen zu unternehmen. Ti cheLho Slowakei. Der numerus clausus- ^raß, 14. Dez. Das „Prager Tagblatt" meldet: Die deutschmätz zu führen, um nach ihren Vorschriften zu handeln, denn eS heißt: „Erkenntnis des Guten ist sie denen, die nach ihr handeln" (Pf ill, 10), es heißt abrr nicht: „die sie studieren". Man studiere nicht Schrift und deren Erklärungen eifrig und sei dabei ein ungesitteter Mensch, der sich gegen Ettern, Leh er und Männer, die geistig höher stehen als er, ungebührlich beträgt, sondern man lerne, andere zu belehren, das Verbotene zu meiden, das Gebotene zu üben. Wer fich dem Forschen in der Thora um fremder Zwecke willen hingibt, besser, er wäre nicht geboren, aber wer ThorakenmntS sich angeeignet, fleißig gearbeitet, die Pflichten kennt und sie nicht übt, wehe ihm! Denn er hat fich abgemüht in dieser Welt und die künftige verscherzt. Seine Verantwortung ist noch größer als die des Juden, der nichts gelernt hat und fich^ daher nicht vor der Sünde zu büten weiß, während jener weiß und abstchltich die Pflicht verletzt. Will einer zum Verständnis der Thora gelangen, so mutz er die Worte des Textes sich vergegenwärtigen, daß sie gleichsam buchtend ihm gegenübertreten, und dies geschieht dadurch, daß er die Worte laut liest und fie zu seinem Gehör bringt t Nicht ein leises Flüstern, oder gar ein stummes Ueberbltcken kann ihm den Stoff verinnerlichen. „Steh mit deinen Augen und hör mit deinen Dhren und nimm dir zu Herzen alles, waS ich dir (den Riß des einstigen TempelhauS) zeige!" (JecheSkel 40. 4). Wenn schon von dem, waS sich meffen und zählen läßt, ein besonderes Aufmerken und zu Herzen nehmen verlangt wird, wieviel mehr von dem Inhalt der Thora, in der so viele wichtige Gesetzespfltchten wie an feinen Fäden hangend nur leise angedeutet sind. Bor allem soll man fich eine fest innezuhallende Zeit für das Forschen in der Thora festsetzen, und zwar für den Tag und für den Abend, wie es heißt: ___*2- ®eUc nationalen Abgeordneten Schollich und Radda haben in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 29. November einen Antrag auf Einfüh. rung des Numerus clausus an der Universität eingebracht. Der Antrag hat folgenden Wortlaut: „Die Regierung^ wird aufgefordert, sobald wie möglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, laut welchem an sämtlichen Hochschulen für die Hörer und Lehrer jüdischer Nationalität der Numerus clausus im Verhältnis der; Bewohnerschaft eingeführt wird." Der Antrag'der von allen deutsch, nationalen Führern, ebenso von den Nationalsozialisten unterschrieben ist, wurde vom Hause abgelehnt. Von den Tschechen stimmte nur der Klerikale Myslivetz für den Antrag, aber erst als die Deutschnationalen an seinen Antisemitismuß apelliert und ihn an seta Versprechen, für diesen Antrag stimmen zu wollen, erinnert hatten. Der Appell an die Nationaldemokraten, für diesen Antrag zu stimmen, weckte nicht das leiseste Echo. Ungarn. ZuSenunrulien in eluj. Budapest, 13. Dez. Anläßlich der Entfernung einer jüdischen Leiche aus dem anatomischen Institut in Cluj (Klausenburg) veranstaltete die antisemitische Studentenschaft eine Demonstration, die in einen regelrechten Pogrom ausartete. Die jüdischen Studenten wurden überfallen und mißhandelt, im Lokal des jüdischen Theaters „Habtmah" wurden solche Verwüstungen angerichtet, daß die Vorstellungen für einige Zeit eine Unterbrechung erleiden müssen und auch das Gebäude deS Jübischen NcuionalverbandeS zerstört. Sodann stürmten die Demonstranten das Lokal der jüdischen Tageszeitung „Uj Kelet", zerstörten die Maschinen und warfen das Schriftmaterial in den nahen Fluß. Der durch die Zerstörung angerichtete Schaden ist sehr groß. (Ziko.) Unrnänlen. pogromaussckireiiungen ln Rumänien. Bukarest, 20. Dez. Die Zeitungen melden über den Ausbruch einer Pogrombewegung in Rumänien, die sich besonders auch gegen jüdische Studenten richtet. Man habe Medizinern sogar ihre Instrumente genommen, wogegen der rumänische Aerzteverein protestierte. In Braffo wurden Freiwilligenbatatllone und Selbstschutz eingertchtet. Das albanische Organ „Zora" schreibt: Die Bewegung sei von Regierungspersön, lichkeiten inszeniert worden. Die Sozialisten hätten das Volk zum Schutz der Juden gegen „Forsche darin lagS und nachts!" (Jos. 1, 8): eS komm* dabei nicht auf das Wieviel an. Gleich, ob der eine viel, der andere wenig fördert, die gute Gesinnung ist das Ausschlaggebende. Bester wenig mit Gottesfurcht, als ein Tage und Nächte hindurch dauerndes Forschen im Gesetze verbunden mit Gesetzesverletzung. Sabbat-Mkang and Mzgang. rot?- Ortr An tförj fang Mtrr. _D atum % 1 -L 1 «A Frankfurt a. M. 8 45 30. ll. 5 25 BsrUrr .... 4 05 Dez. 4 00 München . . . 4 20 5 15 Eölu. 4 10 5 25 Stuttgart. . . 4 30 5 32 «reSlau . . . — - — Nürnberg. . 4 — 5 11 — — - - Samiliennachrichten. Barmizwohfeier. Emanuel, Sohn des Herrn Naftali Blumenthal, Am Tiergarten 18. — Walter, Sohn des Herrn I. Strauß-Guggenhetm, Sandweg ö, Synagoge Friedüerger Anlage.

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