Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1922)
- Date
- 1922-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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mtat l itt si »et KSrsettr. 21. Dezember ISA Schutztruppen dieser inneren Feinde erheben, wollte man im bislang besetzten Judäa die Voraussetzungen für den geistigen Wiederaufbau schaffen - man mußte zunächst unabwelslich den alten Staatsrahmen in seiner früheren Reinheit wiederherstellen, d. h. die Fremdherrschaft abschütteln, wollte man Hellenismus und Hellenisten den Boden entziehen. Dann aber setzte auf reingefegtem Grunde die innere peifiige Wiederausbauarbeit sofort mit aller Kraft und mit aller Liebe ein, die sich das jüdische Volk für seine Heiligtümer bewahrt hatte. Unter diesem Gesichtwinkel versteht man zweierlei, erstens denverzweifelten, aussichtslosen Kampf selbst, dann das Chanuckadatum. Der Kampf schien aussichtslos. Aber was blieb auch anders übrig? Schweigend die Hände in den Schoß legen, wäre geistiger Selbstmord gewesen. D'p *M1 nönrc- Der offene Kampf mit der Uebermacht bot zwar nicht die geringste Aussicht auf Erfolg, aber die Makkabäer sagten sich ungefähr wie die „Aussätzigen" im bekannten Kapitel der „Könige": "121 TOT K125 moK DM nöW i:nai Tjo amm* „Lassen wir den Dingen ihren Lauf, so sterben wir des Hungers, geistigen Hungers, da gehen wir schon lieber dem Feinde entgegen und setzen uns dem Schwerte aus!" Daß ein niegekanntes Gotteswunder ihnen, den „Schwachen und Wenigen", den Sieg verleihen würde über die „Mächtigen und Bielen" durften sie nur leise hoffen, aber entscheidend war diese Hoffnung nicht. Man versteht auch, warum aus dem bald dreißigjährigen Makkabäerkrieg gerade der an sich nicht allzubedeutende Steg in den Anfangskämpsen, der 25.Kislew, herausgegriffen und zum Anlaß des ewigen Gedenkens gemacht wird. Denn hier, nach der Schlacht bei Modin, konnte der Tempel gereinigt werden und damit war fürs nächste alles erreicht. Der Kampf nach außen ging weiter, aber der Rahmen war wieder da. Als am Abend des 25. Kislew im neugeweihten Tempel die Menorah wieder erstrahlte, hatte der geistige Wiederaufbau begonnen. Mit schwachen Kräften, aber sie wuchsen, diese Kräfte, wie das Oelrestchen im Behälter der Lampe. Der Kamps, aus geistigen Motiven gegen geistige Gefahren geführt, hatte mit einem geistigen Sieg vorerst seinen Abschluß gefunden. Die Priesterhelden waren im Grunde doch mehr Priester denn Helden. Und wie sie am Abend nach der Schlacht im ES find nur Agrarier und Dienstmädchen zugelassen, und die Einreiseerlaubnis muß von LerKanadtschen Regierung ausgestellt sein. Biele besitzen aber nur ein „Affidavit" (eine Aufforderung zur Einreise) von einem .Rotary Public". Das genügt nicht. Die Etnreis-. erlaubntS von der Regierung muß also ern telegraphisch von hier auS eingeholt werden. Selbst wenn d«eS gelingt, dauert es immer mehrere Wochen und ist mit großen Kosten verbunden, denn die Dampfer der „White Star Lines", die für Kanada in Betracht kommen, verkehren nur alle drei Wochen. AuS diesen in großen Umriffen gegebenen Einzelheiten mag der Fernstehende ersehen, welche Aufgaben denen obliegen, die in den ElnfchiffungShäfen dazu berufen sind, den Emig'anten mit Rot und Tat beizustehen. Eine schwere, aber noch dankbare Arbeit. Sie ist uns als religiöse Pflicht mit auf den Weg g-geben: „Ihr sollt den Fremden lieben, denn ihr seid selber einmal Fremde gewesen" und „Ihr sollt die Seeleuverfaffung des Fremden kennen lernen"! Sabbai-änsang «na Msgang. ppo rav- Ortr Anfang Datum AuSgang Uhr Min. 5688 Uhr Min. Frankfurt a. M. Berlin .... 4 4 05 223. Dez. 4. Lebet 5 4 20 45 München . . . 4 15 5 12 Cöl«. 4 30 5 20 Stuttgart. . 4 30 5 18 Breslau . . — - — — Nnrnber». . . 4 10 5 06 Hanchnrs. - - - — Tempel tränendes Auges um das neuerstrahlende Licht der Menorah standen, da waren sie ganz gewiß keine Makkabäer im Sinne von „Makkab", keine Hammermenschen, sondern einfache jüdische Menschen, denen es nur darauf ankam, die Fahne zu entfalten und hoch zu halten, auf der geschrieben stand: '' 'K2 "p£2! Bon dem Moment an, da die Makkabäereptgonen später den geistigen Ausgangspunkt des Befreiungskrieges vergaßen und im Hochgefühle ererbter. Macht, mit den Lorbeeren großer Väter umkränzt, ohne Not statt der Fahne das Schwert schwangen, von Ruhm und Größe träumten, da waren sie eben keine Makkabäer mehr, keine Führer und Lehrer, waren nur noch einfache Machthaber, deren auf die Faust gestutzte Politik in den Abgrund führte. Schon die zweite Generation zeigt uns statt der um die Fahne geeinten Brüder den Bruderkampf in seinen häßlichsten blutigsten Formen, eine Periode der schmerzlichen Nachwehen und Nachwirkungen, die wir uns gern aus der Makkabäergeschichte hinwegdenken würden. Aber zum Glück waren jetzt schon die wahren Helden da, die auf dem von den ersten Makkabäern geschaffenen Grunde in aller Ruhe und Stille den Wiederaufbau aufnahmen und mit sicherer, fester Hand durch alle Fährniffe bis zu Ende leiteten: Die „Peruschim" bis zum großen R. Jochanan, der die von den ersten Makkabäern gerettete Lehre durch die Leiden und Trümmer der Zerstörung und des Staatszusammenbruches führt. Diese wahren berufenen Sachwalter des Makkabäererbes, die unbekümmert um Kriegslärm und der Parteien Haß und Hader, den Sieg ausbauien und uns die Fahne des -p£2 ’ö in die Hand drückten für den weiteren leidvollen Golusmarsch, so daß wir heute noch am winzigen Flämmchen das große Lichtwunder der Zeiten feiern dürfen.- Und der ewigwirkende jüdische Geist hat uns zwei Jahrtausende später unter gleichen Kämpfen und Gefahren wiederum die tapferen Baumeister erstehen lassen, dieMakkabäergeneräle unserer letzten Jahrhunderte, deren Werke und Siege noch weiter auszubauen heute unsere vornehmste und heiligste Psitcht ist. Und fehlen uns in diesem verwaisten Geschlechte die Männer von gleicher Kraft, gleichem Können und unerschütterlichem Willen, dann müssen wir mit gemeinsam er Kraft mittels der AgudaorgaMsationen, mit Hilfe von Vereinen und Gruppen gemeinsam schaffen, was der Einzelne nicht vermag. Segnend breitet der alte Matisjahu seine Priesterhände über die jungen Söhne aller Zeiten, die mit der Kraft und der Frische, dem Schwung und der frohen Hoffnung der Jugend für Gott und seine Lehre ins Feld ziehender Alten Segen begleitet uns an die Arbeit zum Wiederaufbau des jüdischen Hauses im Geiste der Thora und Tradition. ‘ Und leuchtet nns bei dieser Arbeit der Name Makkabt voran, so hat dieser Name für uns nichts von Hammer, nichts von Faust, Schwert und Gewalt, sondern es bedeutet: 'K2 ")1ö2 'o! Korrespondenzen «. nacnricmen. Deutsches Reich. Segen Sen flnfifemifismus. Wreskan, 6. Dez. Die Ortsgruppe Breslau des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte am Montag abend nach dem Saale der Gesellschaft der Freunde eine Aufklärungs-Versammlung einberufen. Der Einladung war man so zahlreich gefolgt, daß der Saal schon lange vor Beginn überfüllt war und in der Lessingloge eine Parallelversammlung abgehalten wurde, in der dieselben Redner sprachen. Zuerst sprach Chefredakteur Dr. Alfons Steiger aus Berlin über „Katholizismus und Antisemitismus." Er wies auf das hin, was allen Deutschen gemeinsam ist: das Vaterland und der Glaube an Gott. Der Katholizismus lehne es entschieden ab, wie man seinerzeit in Hannover auf dem deutsch nationalen Parteitage gewollt hat, das Alte Testament als dem „deutschen Geiste widersprechend" auszumerzen. In der antisemitischen Bewegung sehe der deutsche Katholik das 'Bekenntnis, daß ein Schuldiger am Verlust des Weltkrieges gefunden werden müffe. Das Schlagwort von der Verschiedenartigkett der Rassen sei scharf zu bekämpfen, besonders wenn man ihm das Mäntelchen des nationalen Gedankens umhänge. Merkwürdig sei, daß hier die größten Schreier keine Wissenschaftler sind, sondern Dinier und ähnlich heißen. Angesichts aller dieser Wühlereien müsse man die Sammlung aller Orthodoxen an die Spitze stellen und den geschloffenen Kampf gegen den Freigeist. Dazu gehöre natürlich auch gegenseitiges Verständnis. An zweiter Stelle sprach Profeffor Dr. Konrad Ziegler über „Rafseninftinkt und Raffenhaß". Auch er ging vyn der Not unseres Volkes aus, das blutend am Boden liegt. Der Antisemitismus ist heute, wie er dann zeigte, geradezu zu einer Gefahr für den Bestand des Deutschen Reiches geworden. Die Abwehr sei daher mit allen Mitteln erforderlich. Die künstliche Emporzüchtung des Instinktes zum Rassenhaß set vom moralischen wie vom praktischen Standpunkte abzulehnen. Die unvoreingenommene Wissenschaft wisse, daß auf kulturellem Gebiete seit Jahrtausenden Arier und Semiten im Bunde miteinander gewirkt haben. Selbst die griechische Kultur lasse sich nicht isolieren. Die Tatsachen der Geschichte lehren, daß widersinnig ist, die Raffen gegeneinander aufzuhetzen. Die protestantische Kirche lehne den Antisemitismus, abgesehen von ein paar Vertretern des äußersten rechten Flügels, gleichfalls ab. Zum Schluß sprach der Dozent am Rabbinerseminar, Dr. Heinemann, über den „Kampf gegen den jüdischen Geist." Er legte seinen Ausführungen den Gedanken zugrunde, wie der „jüdische Geist" am Aufbau des Vaterlandes und der Welt mitzuarbeiten bemüht ist. Er wies Theater Löwenhof. Haltestelle der Linie 15 u. 18, Hanauer Landstr. 38. Tel, Hansa 2489. Tel. H. 2489. Bühne: Direktor 8. Bergmann, Regie: S. Zucker, Geschäftsleiter: H. Burstin. Aohtnng! Der Direktion ist es gelungen durch große Unkosten am 25., 26. und 27. Dezember 1922 das weltberühmte legendarische Meisterwerk DER DIBDE (pJ22) von Sch. Anski unter persönlicher Leitung des Direktors Samuel Bergmann hier zur Aufführung gelangen zu lassen. Das geehrte Publikum wird höfl. ersucht, sich mit Karten .zu versehen, da nur 200 Sitzplätze vorhanden sind. Während des Spiels ist kein Einlaß! Anfang 8 Uhr. ' Einlaß 715 Uhr. Die gelösten Karten haben nur am selben Tag Gültigkeit. Vorverkauf Hotel Löwenhof, Hanauer Landstr. 38, Telefon Hansa 2489. Telefonisch bestellte Karten müssen bis spätestens 7 Uhr abgeholt werden, andernfalls dieselben anderweitig verkauft werden. Die Direktion.