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Der Israelit · 1922-12-14 · Heft 50 (14.12.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 50 (14.12.1922)
Date
1922-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Arraeltt. fit. 50 Sette 5 14. Dezember IS» _ ■ uns nur lächerlich. Die Milde Praxis des Ministers wird nur die Pogromstiwmung begünstigen. Unser Volk muß von diesem fremden Blut gereinigt werden.—Auch Abg. Loenartz (Zentr.) glaubt, die Wohnungsnot werde in Berlin durch die Einwanderung außerordentlich verschärft. Inzwischen wird eine Verfügung des Ministers des Innern bekannt, wonach in Zukunft am 15. Januar, am 15. April, am 15. Juli und am 15. Oktober jedes Jahres Nachweisungen über die im abgelaufenen Vierteljahre in den einzelnen Regierungsbezirken angeordneten und dw. chgeiführten Ausweisungen lästiger Ausländer aus dem preußischen Staatsgebiet einzureichen sind. Für die Zeit vom 1. Juli bis zum 1. Oktober d. I. ist die Nachwetsung umgehend nachträglich vorzulegenin jedem Falle ist Fehl« anzeige erforderlich. Am Schlüsse der Nachweifung ist eine zahlenmäßige Ueberstcht zu geben, wieviel Angehörige der einzelnen fremden Staaten von den im Laufe des Berichtkvierteljahres angeordneten und tatsächlich durchgeführten Ausweisungen betroffen worden sind. (Sb he auch Wochenrundschau.) ver fierr Oberregierungsrat und Sie Miiölmorötiebe. &eitin, 29. Nov. In dem Organ des Zentralvereins, den „Blättern für Deutschtum und Judentum" Nr. 21 vom 28. September d. Js. lesen wir folgendes: Bor einiger Zeit verschwand in Groschowitz bei Oppeln ein 14 jähriger Oberrealschüler und, wie so oft, wurde auch diesmal der Anloß benutzt, um das alte Nttualmärchen neu austeben zu lassen. Zwar wurde die Leiche des Kindes bald darauf mit einer Schußwunde vorgefunden, und da selbst die verblendetsten Anhänger jener Mordmythe nicht glauben, daß ein Rttualmord mit der Schußwaffe verübt wird, so beruhigten sich die völkischen Gemüter für diesmal. Der Fall hatte aber eine bemerkenswerte politische Weiterung. Bei der Staatsanwaltschaft in Breslau lief eine amtliche Zuschrift ein, in welcher die dringende Aufklärung dieses Falles gefordert und allen Ernstes darauf hingewiesen wurde, laß das Verschwinden des Knaben kurze Zeit vor Ostern vi-lleicht auf gewisse Zusammenhänge mit einem Rttualmord schließen lasse. Der Unterzeichner dieser Zuschrift war der stellvertretende Regierungspräsident von Horn. Der Zentralverein wandte sich hierauf an den Minister des Innern, gab seinem Befremden darüber Ausdruck, daß ein hoher Regierungßbeamter sich nicht scheue, die Judenhetze derart zu fördern, und bat, dem betreffenden Herrn entsprechende Weisungen zuteil werden zu lassen. Auf das Schreiben erhielt der Verein am 14. d. Mts. eine Antwort des Innenministers Severing, in der dieser mittetlt, daß er die Stellungnahme des Herrn v. Horn scharf verurteile und Gelegenheit genommen habe, dem Oberregierungsrat, der jetzt in Königsberg weilt, das Geeignete zu eröffnen. NeereLitaMih. Mürrröerg, 11. Nov. Vom Bunde jüdischer Frontsoldaten wird uns geschrieben: Die Zuverlässigkeit der amtlichen Zahlen über die „Juden im Heer" dürfte durch nachstehenden Bericht eine eigenartige Beleuchtung erfahren: HI. Bataillon, Infanterie-Regiment No. 88, „König Konstantin von Griechenland", Reservestellung am Kanon enberg-Abreuvoir (Protzenschlucht/Küchenschlucht). An einem bestimmten Tage der Woche (30. Januar 1916 bis 5. Februar 1916) hatten sämtliche Kompaanien laut Divisionsbefehl zu melden, wieviel Juden sich an dem beirrffend?n Tage in der Kompagnie befänden. Ich war zufällig im Unterstand der 12. Kompagnie anwesend, als der Kompagniesckreiber telefonisch „Fehlanzeige" meldete. Ich erkundigte mich daraufhin auch bei den übrigen Kompagnien (9., 10., II.Mnd erfuhr dort, daß auch von diesen „Fehlanzeige" gemeldet worden sei. Ich gehörte der 9. Kompagnie an, mit mir noch 2 andere Juden. In der 10. Kompagnie war kein Jude, dagegen in der 11. zwei und in der 12. drei, im ganzen Bataillon also acht! Und trotzdem ist nicht ein einziger gemeldet worden. Als ich nach der Ursache forschte, ermittelte ich, daß die Herren Feldwebel nicht im klaren darüber waren, was das Wort „mosaischen Glaubens" bedeute. Wörtlich hieß es im Divisionsbefehl: „Angehörige mos. Glaubens". Der Feldwebel der 12. Kompagnie hatte sogar „mes." gelesen und kombinierte sich „mesopotamischenGlaubens". Aus dieser Unwissenheit der Feldwebel entstanden die Fehlanzeigen. Meiner Bitte um nachträgliche Berichtigung wurde nicht stattgegeben, mit der Begründung, daß „gemeldet" eben „gemeldet" sei. Oesterreich. Protest Ser wiener ttuttusgemelnSe gegen Sie anfifemififdie tiefes. Wie«, 10. Dez. In der letzten Sitzung des VertreterkolegiumS des Vorstandes der Wiener jüdischen Kultusgemetnde hatten die jüdischnationalen Vertreter den Antrag gestellt, bei der Regierung Verwahrung gegen das überhandnehmende Treiben der deutschnationalen Studenten und eines Teiles der Hochschulbehörden, zu erheben. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. In Ausführung dieses Beschusses erschienen gestern die Herren Präsident Prof. Dr. Pick, Vizepräsident Dr. Friedmann und Oberrabbiner Dr. Chajes beim Bundeskanzler Dr. Seipel. Die Deputation gab dem Regierungschef gegenüber den Gefühlen der jüdischen Bevölkerung Ausdruck und führte aus, das eine Stellungnahme der Regienicht nur im Jntereffe der jüdischen Bevölkerung, sondern auch im Interesse des Staates gefordert werden müffe, dessen Ansehen im Auslande durch dieses kulturwidrkge Gehaben geschädigt wird. Der Bundeskanzler Dr. Seipel, welcher auf die Ausführungen der Herren mit besonderem Ernste einging) stellte die Herausgabe eines Commun'qurs über den Inhalt der Aussprache in Aussicht und dankte den Herren für ihr Erscheinen. Molen. Line eigentümliche Srl6dhofsge[<hi(hte. Warschau- 10. Dez. Hier ist der Rabbiner aus Siawotiee, einem Städtchen aus Biala, angelangt, um bei den Behörden in Sachen seiner Gemeinde vorstellig zu werden. Im genannten Städtchen befindet sich seit undenklichen Zeiten der jüdische Friedhof unweit des Ortes. In ein dem Friedhof nahegelegenes Haus ist vor einiger Zeit ein Arzt eingezogen, dem die an srinem Fenster vorüberziehenden Leichenzüge auf die Nerven gehen. Er protestierte wiederholt, mit dem Erfolge, daß die Ortsbehörden tatsächlich den jüdischen Begräbnisplatz schlossen, und zwar angeblich aus hygienischen Gründen. Die Gemeinde erhielt einen Termin von zwei Wochen, innerhalb dessen sie sich einen andern Friedhof anzalegen hätte. Alle Gesuche um Rücknahme dieses unerhörten Beschlusses wurden kategorisch abgelehnt. Leider haben die Bemühungen auch in Lublin nur zu einer Verlängerung der Frist, aber nicht zur Aufhebung des Verbotes geführt. Nun weilt der Rabbiner in unserer Stadt, um die Sache seiner Gemeinde vor die höchsten Instanzen zu bringen. Hoffentlich mit besserem Erfolg. Ote „Wische Koalition.'7 Warschau, 11. Dez. lieber die Interessengemeinschaft der jüdischen Fraktion oder, wie man jetzt sagt, der jüdischen Koalition im Landtag sprechen sich die polnischen Zeitungen wie auch die jüdischen Deputierten, so auch Herr Grünbaum, ungefähr wie folgt auS: Der innere Kampf zwischen den jüdischen Richtungen und Anschauungen wird nicht aufhören, aber er bleibt ein interner Kampf, der nicht auf die Straße hinausgetragen wird, wo eine Mehrheit dominiert, die mit allem anderen eher als m t jüdischen Jntereffen rechnet. Auf die Frage, wie sich aber d'e Deputierten verhalten würden, wenn jüdische Fragen von prinzipieller Bedeutung, die eine Einigung unzulässig erscheinen lassen, dem Parlamente vorllegen, meinte Herr Grünbaum, daß für solche Fragen der Jüdische Nationalrat als oberste jüdische Repräsentanz entscheidend sein müsse. An diese höchste Instanz könnten auch die Tet'e der Koalition appellieren, die sich von den anderen jüdischen Richtungen majorisiert fühlen. — Es ist nicht erfindlich, wie sich die Herren die Zusammensetzung einer solchen oberen Instanz für interne jüdische religiöse Angelegenketten denken! eine große Aufgabe für die „jüdische Srahtion" im Landtag. Warschau, 12. Dez. Eine der ersten und vornehmsten Aufgaben der jüdischen Deputierten tm Landtag wird es sein, den zehntausenden von Juden in Polen, die aus rein formalen Gründen als Fremde betrachtet werden, Recht und Heimat zu sichern. Zehntausende von Juden stammen aus Rußland, Lettland, Litauen oder Ukraine, wohnen aber seit undenklichen Zeiten in Polen, wo auch ihre Kinder und Enkel geboren sind. All diese Familien bk finden sich in einer*unsicheren Lage die praktischsten Fest>Geschenke. Prüfen Sie Auswahl und Preiswürdigkeit an unseren Lägern Seide —- Samt — Wolle -— Baumwolle. ROBINSOHN

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