Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1922)
- Date
- 1922-12-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bette «. Kr. 50 Der ASraeW. 14 Dezember IM» nommen werden. Es ist bezeichnend, daß selbst die „Neue Freie Presse", die überall ols Judenblatt verschrieen wird, bet der Berichterstattung über den Goldregen aus Amerika nichts davon weiß, daß es sich zum großen Teil um jüdische Gelder handelt. Staatliche, kirchliche und jüdische Gemeinschaft. Bon Dr. B. Cohen in Berlin. (Fortsetzung.) 4. Unserer Thora aber will man es verübeln, daß sie uns Juden, einem einigen, gleichgesinnten Volte, das entschlossen war, „naaßeh wemschma" auszurufen, eine Staaisverfassung gibt, deren Fundament ganz im Gebiet des Geistigen liegt, des Religionslebens, des Wortes, das unser ganzes Volk Hellen Tages gehört hat! Sind nicht alle Vorbedingungen zu einem solchen Staate gegeben? a) Die Thora sieht ihr Volk als etnrassig an, und als Merkmal dieser Raffe den Gottesgehorsam der Vater. Mit welchem Rechte? So mag die außenstehende Wissenschaft fragen. Es bleibt aber Tatsache, daß der Gesetzgeber des Judentums, oder, in der Leugner Sprache, der „Redaetor aller Redaetoren" der Pentateuchurkunden, au diese Voraussetzung glaubt. Sonst hätte er gewisse Gesetze und Berichte, die ohne diese Voraussetzung unverständlich bleiben, von seinem Jnterpolationswerk, wie die Leugner sagen, ausschließen muffen. Er ist ja sonst nicht verlegen darum. — „Ex. 3.) Der Gott Abrahams, Jsaks und Jakobs schickt mich zu euch." — (Deut.) „Nur an euren Vätern fand Gott Wohlgefallen." — „Die Lehre, die uns Moscheh ge- - boten, ist der Gemeinde Jakobs Erbteil, (ib.) — Sind das nicht Worte, welche das Bewußtsein der Volkseinheit in die Herzen ihrer Leser zu pflanzen die völlig einzige Bestimmung haben? Betrachten wir in diesem Sinne die Gesetze über die Erhaltung dieser Einheit, so fragen wir unwillkürlich: Wem wollte dieser Gesetzgeber diese Volkseinheit einreden? Die Antwort lautet: Diese Einheit bestand tatsächlichihr Merkmal allerdings ist ein ethisches, nämlich Gottesgehorfam. d) Deshalb, also infolge dieser Einheit vertraut der Gesetzgeber sein Werk dem ganzen Volke an, aber nicht einer bevorzugten Kaste. Ja, selbst die Möglichkeit des Emporwachsens einer solchen aus dem Priesterstande wird durch Ausschließung des letzteren vom Bodenbesitze unterbunden. Der Priester ist von Gott eingesetzt und dient dem Volke durch Opfer- Handlungähnlich später der Gesetzeslehrer. o) Infolge dieser Eigenschaft, eine Volkslehre zu sein, weist sie die obengenannten Unterschiede von den Priesterreltgionen aus. ä) So ist (vergl. 1) trotz möglicher Mannigfaltigkeit der gefühlsmäßigen, im engeren Sinne religiösen Veranlagung des Volksindtviduums die geistige Gleichförmigkeit der Volksgemeinde angebahnt und also der Boden gegeben für einen Staat der Gotteslehre.' Das Volk der gesetzestreuen Juden schart sich um seinen göttlichen Gesetzgeber. Zavvat-Msang «na llusgavg. « * t: Anfang UhrjMin. D ir»82 rturn! 5683 AuS gang Min. Frankfurt a» M. Berlin .... München . Tölu... Stuttgart Breslau Nürnberg &amhnte 4 3 4 4 4 4 45 05 35 30 10 16. Dez. 26. KtStew 5 4 5 5 5 5 15 42 06 20 16 vt e) Die Einzelheiten der jüdischen Lebensregelung sind nicht dazu angetan, oberflächliche Verehrer der Lehre zu so dauernder Befolgung anzuspornen, daß sie den Eintritt in die Stammesgemeinschaft Israels wünschen würden. Mission zwischen Andersgläubigen treibt das Judentum nicht, infolgedessen ist den Außenstehenden kein anderer Weg zu seiner Erforschung gegeben, als der des sentimentalen Betrachtens' jüdischen Lebens und des Sichvertiefens in jüdische Lehren. Diese Beschränkung der geistigen Arbeit aus die im eigenen Volksleben Stehenden ist der Schutz gegen das Nachlassen der obengenannten geistigen und rassischen (im unbestrittensten Sinne des Wortes) Einheit Israels. k) Der göttliche Gesetzgeber führt, vor allen geistigen und religiösen Befreiungstaten, sein Volk aus schmählicher Knechtschaft in eine Einöde, um ihm die alleinige Abhängigkeit von Gott ad oculos zu führen, und von dort, sofort nachdem es tu das Gesetz eingelebt ist, in ein Land, das Er als nur für die Befolger dieses Gesetzes segensreich bezeichnet, ja, dessen Besitz Er von dessen treuer Befolgung abhängig macht. Auch der Talmud, erhofft vom Erlöser der Zukunft für Israel zunächst nur ein hieniediges He;l, das aber seiner ewigen Bestimmung Verwirklichungsmöglichkeiten sichern soll, nämlich nur Befreiung vom geistigen und kulturellen Joche der „Reiche", d. t. der auf unjüdische Moralmaxtmen ausgebauten Staaten. Die Befreiung aus Aegypten fordert also den Staatsbau von der Thora- „ein Volk aus einem Volke" zu nehmen, dazu bedarf es eben eines ganzen Complexes von „Gesetzen und redlichen Rechten", die nicht auf die Regelung des Einzellebens oder gar nur der religiös-gefühlvollen Seite desselben sich beschränken, "sondern Volk und Land der Lehre untertan machen, die für beide das Lebenselement bildet. Gehorcht das Volk seinem Gotte nicht mehr, so „genießt das Land die verlorenen Sabbate", während seine Bebauer in der Ferne schmachten. g) Der Jude, die jüdische Gemeinschaft, die jüdische Lehre und das jüdische Land bilden also eine ohne Nachteil für jedes Glied des Ganzen nicht lösbare Gemeinschaft. Warum erkennt man diese sieben Tatsachen nicht als Rechtfertigung dafür an, daß der jüdische Gesetzgeber seine religiöse Lehre zum Grundrechte seines Staates macht? 5. Für diese Ablehnung ist eine phychologische Erklärung, wenn auch nicht eine logische Rechtfertigung in der Stellung zu suchen, welche die unter 2) erwähnten Staatsorganismen zu den Außenstehenden eingenommen haben oder einzunehmen drohen. Im Jahre 1917 ging durch die norddeutsche Presse ein Rauschen des Unwillens über ein Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe, daS gegen die Möglichkeit einer dauernden Verstaatlichung des sozialen und g-istigen Kulturlebens nach dem Kriege eifert und alle Träger der gegenwärtigen Kultur zum Zusammenstehen gegen einen solchen Stagnationsprozeß aufmuntert. Diesen Unwillen, der sich für den angeblich durch den Hirtenbrief gestörten Burgfrieden ins Zeug legt, nahmen nicht blos die Urheber des Schreibens, sondern auch der neutrale Beobachter nicht zur Kenntnis. Der Blick über den Horizont der eigenen Volksfamilte wird durch den zur religiös und kulturell homogenen Gemeinde gewordenen Nationalstaat unbewußt gewaltsam eingeengt. Jenseits der Grenze sieht das Auge ihres Bürgers nur minderwertige Menschen. Eine Gefangenenbehandlnng, wie sie überall im Kriege vorgekommen ist, hat die phychologische Voraussetzung, daß man im gefangenen Feinde den Menschenbruder zu sehen aufgehört hat) das aber bringt nur derjenige Mensch fertig, der im Staate des eigenen Volkes den Staat zu sehen, ihn als Erfüllung aller kulturellen und geistigen Bestimmung der Menschheit zu betrachten gewohnt ist, jenseits dessen zu streben nicht erlaubt ist. Auf diese Wundr legten damals die Bischöfe die Hand in ihrem Schreiben. Das wahlberechtigte Staatsbewußtsein der Nation darf nicht zu einem Auserwahltheitsstolze werden, den der Bürger gegen die Rechte der auswärtigen Mitmenschen ausspielt. In den deutschen Staaten ist die Staatsvergötterung noch nie so weit gediehen wie z. B. in Frankreichein schwereres Blut ist hier in dieser wie in mancher anderen Hinsicht den Ueber-Konsequenzen, den Auswüchsen. des Nationalismus im Aufblühen hinderlich gewesen. Aber der Krieg, der nicht nur das deutsche Land, sondern auch das Geistesleben darin so isoliert und etngekreist hat, ist zur Ursache von mancherlei, gesetzlichen und ungesetzlichen, bewußten und unbewußten, sichtbaren und unsichtbaren Verstaatlichungen geworden, vor deren Fortdauer zu warnen, das Recht und die Pflicht der geistigen Führer internationaler Glaubensgemeinschaften ist. In diesem Willen, das Menschheit'Bindende im Strudel des Völkermordens nicht verloren gehen zu lassen, wußten sich die Bischöfe zu Rechte einig mit allen freunden der Kulturgerade der wirkliche Deutsche will nicht zuerst Deutscher, sondern zuerst Mensch sein. Es würde ihn vielleicht empören, wollte man ihm zumuten, sein Mrnschheitsbewußtsein dem Staate zu opfern. GortsetzuW folgt.) eomrpsvtlenre« v. VaMlcdken. Derrlsttzes Retrtz. Die Ofijudenöebaffe im Landtage. Aerlirr, 12. Dez. Zu der Ostjudendebatte, über die wir bereits berichteten, ist noch folgendes nachzutragen: Nach den bereits mitgeteilten scharfen Reden der Abg. Kühler und v. Eynern sprach Ftschbeck von den Demokraten, der wohl in einigen Punkten dem Vorredner beipflichtet, im übrigen aber strenge Unterscheidung wünscht zwischen anständigen Ausländern und schädlichen Elementen. Abg. Dr. Bredt (Wirtschastspartei tritt den antisemitischen Ausführungen v. Eymras entgegen. Äbg. Dr. Oscar Cohn (Soz.) macht auf die Verdienste der Ostjuden im Weltkriege aufmerksam: Die Ostjuden haben sich in den Dienst der deutschen Okkupattonsbehörden gestellt. Ohne sie wäre die Versorgung von Heer und Heimat unmöglich geworden, Wenn man vbn jüdischem Einfluß bei den Bolschewisten svrichr, so bemerke ich, baß unter den führenden Bolschewisten Juden in leitender Stellung in verschwindend geringer Zahl vorhanden sind. Der Aufruf der Obersten Heeresleitung an die Ostjuden hat die Hinrichtung hunderter vo.n Ostjuden durch die Russen verschuldet. Jetzt soll ein deutsches wirtschaftliches Interesse die Vorbedingung für AusenthaltSbewilligung sein: daß ist zu engherzig. Man mutz dafür sorgen, hie unlauteren Elemente von der Straße wegzunehmen, von Schtebergeschäften fernzuhalten und der Arbeit zuzuführen. Die deutsche Arbeiterschaft mutz aber immer an den gesunden internationalen Grundsätzen festhalten. Der Judengegner Paul de Lagarde hat gesagt, die Kraft dieser Ostjuden liegt in der Zucht und Opferfreudigkeit. Daran sollten die Deutschnattonalen selbst denken. Jeder glaubt, über die Ostjuden herziehen zu können und hat keine Ahnung von ihren Kuimrwerten. Abg. Biester (Deutsch-Hannoveraner) sieht in der Oftjudenfrage in oücccrfter Linie eine Wohnungsfrage. Abg. Dr. Quast-Faslom (Deutschnationa!) polemisiert gegen Scholem und Cohn. Er sagt u. a.: „AuS Polen und Oesterreich dringen, nachdem sich die österreichische Regierung antisemitisch eingestellt hat, zumal aus Galizien immer stärkere Ströme von Ostjuden zu uns herein. Demgegenüber gilt es, uns wieder auf unser Deutschtum zu besinnen. Mit der Anrufung des Völkerbundes machen wir