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Der Israelit · 1922-12-07 · Heft 49 (7.12.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 49 (7.12.1922)
Date
1922-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 40 (Seftt 6 7. Dezember iwü_: Reichsbesoldungssrdnung festzusetzen. Um den Fehlbetrag des Rechnungsjahres zu decken, ist der Vorstand genötigt, 100 pCt. der für das laufende Jahr ausgeschriebenen Steuern als Nachtr agssteuer zu erheben. Der Vorstand hat bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß bei einer im preußischen Kultusministerium vor kurzem stattgehabten Besprechung über die Finanznöte der Kirchengemeinden ohne Widerspruch sestgestellt worden fti, daß derartige außerordentliche Umlagen nach den Ktrchensteuergesetzen absolut rechtsgültig seien und daß dasselbe auch für die Synagogengemeinden gelte, sofern die Gemeindesatzungen nicht unzweideutig eine gegenteilige Bestimmung enthalten. Die Gemeinde hat sich inzwischen genötigt gesehen, einen Kredit von 10 Mibionen bei zwei Banken üufzunehmen und läßt die Beschaffung weiterer Betriebsmittel, evtl, auf dem Wege der Ausgabe von Oöltgattonen durch eine Sachverständigenkommission Prüfen. TI cherho-Monrakei. Parlament unS Studentenffreik- Srag, 24. Nov. Sämtliche deutsche Parteien des tschechoslowakischen Parlaments beschäfftigten sich heute mit dem Studentenstreik an der Präger deutschen Universität und einigten sich darauf, ein gemeinsames Kommuntqus folgenden Inhalts herauszugeben: „Auf Grund des gestrigen Beschlusses des akademischen Senats und über Anregung aus seinen Kreisen traien heute Vertreter sämtlicher deutscher Parteien zu einer Beratung zusammen, in der allseitig der Bereitwilligkeit Ausdruck gegeben wurde, durch Einflußnahme auf die verschiedenen Studentengruppen einen ungestörten Studienbetrieb an der deutschen Universität zu erzielen." Dieser Beschluß soll den deutsch-völkischen Studenten den Rückzug erleichtern, die aber, wie eine in deutschnationalen Provtnzblättern von Streikenden veröffentlichte Kundgebung beweist, es scheinbar auf einen Bruch ankommen lassen wollen. Es heißt in dieser Kundgebung u. a., die jetzigen liberalen Machthaber der Prager deutschen Universität würden aus der Prager deutschen Universität eine jüdisch-zionistische machen. Es sei dafür gesorgt, daß die deutschvölkischen Hochschüler an reichsdeutschen Hochschulen Ausnahme finden und das laufende Semester dort ungerechnet erhalten. Sie, die Studenten, beharren nach wie vor auf dem Rücktritt des jüdischen Rektors Samuel Steinherz. — Also unversöhnlicher Haß bis in alle Zeiten! UvlLerr. Die Wahlen und die Orthodoxie- Warschau, 39. Nov. Dle Leitung der polnischen Landesorganisation der „Agudas Jisroel" erläßt einen längeren Aufruf an ihre Mitglieder und Freunde, worin sie einen Rückblick aus die erfolgreich durchgeführte Wahlbewegung wirft und zur weiteren kraftvollen Arbeit auffordert. Die Wahlergebnisse hätten die unbedingte Notwendigkeit der Mtnderheitsblockbildung erwiesen. Auch die unabhängige Orthodoxie, obgleich die Zahl der in die parlamentarischen Körperschaften einziehenden Vertreter bei weitem nicht ihrer Stärke und Anhängerzahl entspricht, könne mit dem Ergebnis zufrieden sein. Nachdem jetzt der Block der Minderheiten liquidiert sei, dem von vornherein nur ein technischer Charakter innegewohnt habe, werden sich die orthodoxen Abgeordneten im Sejm und Senat zu einer Fraktion zusammenfinden, die ihrerseits mit den Fraktionen der andern jüdischen Parteien einen parlamentarischen Klub zu bilden beabsichtigen. Auf diese Weise werde dle Orthodoxie völlig unabhängig Vorgehen können, ohne daß es an der nötigen Fühlung mit den übrigen jüdischen Der Israelis. ___ jüdischen Gruppen in allgemeinen jüdischen Angelegenheiten fehlen werde/ Selbstverständlich werde man in allem, was die Grundsätze der Orthodoxie betreffe, nicht um Haaresbreite Konzessionen machen und man werde auch die auf Verständigung mit der nichtjüdtschen Bevölkerungsmehrhrit gerichteten innerpolitischen Tendenzen der Orthodoxie mit aller Schärfe zur Geltung zu bringen wtffen. Es gelte jetzt mit aller Klarheit zu zeigen, daß das durch die politischen Notwendigkeiten erzwungene Zusammengehen mit anderen jüdischen Gruppen bet den Wahlen keinerlei Einfluß auf die Prinzipientreue der polnischen Orthodoxie ausgeübt habe. Nach wie vor werde man mit rücksichtsloser Entschiedenheit den religionslosen Nationalismus zu bekämpfen haben. Endlich hebt der Aufruf hervor, daß die Ewigkeitsldeale, deren Träger die Aguda ist, unabhängig von politischen Siegen und Mißerfolgen den geistigen Inhalt der gesamten Organisationsarbert ausmachen müßten, und daß sie auch die genügende Kraft besäßen, um über alle Schwierigkeiten der Tagesarbeit htnwegzuhelfen. In diesem Zusammenhang muß bemerkt werden, daß das enge Wahlbündnis der polnischen Aguda mit den Zionisten auch innerhalb der polnischen Agudas Jisroel selber keine allgemeine Begeisterung erweckt hat. So veröffentlicht im „Jud" Rabbiner Horowitz einen Aufsatz, der sich insbesondere mit den o st g a l i z i s ch e n Verhältnissen beschäftigt und die Befürchtung ausspricht, daß in dem kommenden jüdischen Klub die Orthodoxie infolge ihres Verhalten im Wahlkampfe sehr leicht in ein Abhängigkeitsverbättnis zu der zionistischen Mehrheit geraten könne. In einer späteren Nummer des gleichen Blattes wird demgegenüber darauf hingewtesen, daß gerade umgekehrt der ganze zionistische Sieg in Ostgalizien den orthodoxen Stimmen zu verdanken sei und daß sich diese Tatsache unbedingt auch in dem Verhalten der zionistischen Abgeordneten auswirken müffe. Nur die zukünftige Erfahrung im Sejm wird zeigen können, welche von diesen Heiden Ansichten das Richtigere trifft. Die Eröffnung des Senates und des Sejms ist inzwischen in feierlicher Weise vor sich gegangen. Endgültige Beschlüsse über die Bildung und Verfassung des tu Aussicht genommenen Sejmklubs liegen noch nicht vor. eine Zuboentlon der ÖJarfcftauer Semeinde für das wiener Rabbinerfeminar. Warschau, 30. Nov. Als eine geschichtlich und kulturhistorisch bedeutsame Tatsache ist aus der letzten Sitzung der Warschauer Gemeindeverwaltung eine Bewilligung von elner Million österreichischer Kronen zu verzeichnen, die von den Warschauer Dosoren dem Wiener Nabb inersemin ar in Würdigung der Notlage, in der sich diese Anstalt befindet, gewährt worden ist. Hamburg, 28. Nov. Am .nie» »n 7QL> starb nach kurzem Krankenlager Frau Henriette Löbenstein. Sie hatte sich einen großen Bekanntenkreis durch thr^ Likbevswürdigkeit erworben. Jhe Wohltätigkeit wie auch Gastfreundschaft konnte keine Grenzen und war es bewunderungserregend, mit welcher Opsersreudtgkeit sie alles hingab. Sie entbehrte um Andere zu erfreuen. Bei der Bestattung konnte man sehen, welche große Beliebtheit sie allgemein genoß. n"3X3n. Jttlinae«, 28 Nov. Im hohen Alter von 85 fahren starb am 25. Cheschwan Frau Vabelte Weil dahier. Mil ihr ist eine echte Vn rtfK duhingegangen, wie sie in unserer Zeit immer seltener werden. Von vielen Schicksalsschlägen getroffen, hat sie doch nie ihr Gortvertrauen verloren und noch in ihrer letzten Stunde versuchte sie das Minchagebet zu verrichten. Ebenso groß war auch die Liebe der Verstorbenen zu ihren Angehörigenja zu allen Menschen. Ihr Haus verließ niemand, ohne mit irgend einer Gabe beschenkt zu werden. Besonders freute sie sich, arme Wanderer bewirten zu können. Darum trauern mit den Htmerülikbenen an ihrer Bahre alle, die sie kannten, und zeigte sich dieses auch bet der Beerdigungan der nicht nur alle unsere Glaubensgenoffen, sondern auch viele christlichen Ortsbewohner teilnahmen. Herr Lehrer Herz, ein Freund der Familie, ernwalf am Grabein von Herzen zu Herzen gehenden Worten ein getreues Bild der Verstorbenen. n'Mafl. Leipzig, 28. Nov. Am 3. swn (am 35. Oktober d. Js.), schied Medizinpraktikanr Max Sachs V'jtt, plötzlich aus dem Leben. Ein junges Leben hat seinen iahen Abschluß gefunden, das zu den reichsten und schönsten Hoffnungen berechtigte. Still nod allzu bescheiden war er seinen geraden Weg bis dahin gegangen. Bis zu Beginn fetneS Studiums im B>Y7ö<*7 JT3, sein profanes Studium zur 'jnx roioö, das min* Lernen zur rcaVö machend, war er zu einem v2N herangrreift, wie man wenige unter seinen Alters- und Standesgenoffkn antrifft. Dieser Werdegang hatte in ihm hervorragende menschliche und jüdische Eigenlchafien herangebildet. So betrauern wir an dieser Bahre nicht allein den Menschen, den hervorragende Eigenschaften zu einem tücht'gen Vertreter seines Berufes prädestinierten, sondern vor allem den trrfflichen, wahrhaft aufrichtigen den überzeugungstrruen jungen jüdischen Akademiker von der Art, wie wir ihrer heute sehr bedürfen. Ansbach, 2. Dez. Durch den Heimgang Rudolf SerbergerS, Kaufmann in Gunzenhausen, hat die Heimatgemeinde des Verstorbenen, das Rabbinal Ansbach, sowie das gesamte bayerische Judentum einen schweren Verlust erlitten. Früh an der Seile seiner Gattin, einer wahrhaften ritkn zur Erkennt nis des orthodoxen Judrnmms gelangt, blieben nim und n^vrr zeitlebens die bestimmenden Elemente seines Lebens. Jahrzehnte stand er innerhalb dcS bayerischen Judentums unrer den vordersten Kämpfern, wenn eS galt für das kostbare, von den Ahnen ererbte Gut einzutreten. Sein Haus war für weite Kreise der Mittelpunkt thaurotreuen Lebens, Jahrzehnte wurde in ihm vor einem größeren Kreise min gelernt. ES gab in Bayern soft keine Bereinigung oder Gemeirschaft innerhalb gesetze« treuer Kreise, der er nicht angehört oder seine Kräfte gewidmet hätte. Sein MättU- Haltes Auftteien verschaffte ihm aber auch die Achtung und Verehrung fernstehender Kreis?. Jahrelang war er erster Kuitusoorstand seiner Heimatgemeinde Noch Gründung deö Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden wurde er in den Rat berufen. Jahrzehntelange gehörte er dem Stadirar Gunzenhausens an. Bet seiner rrYDp fanden die Liebe und Verehrung, die er sich erworben, spontanen Ausdruck. Nachdem Distriktsrabblner Tr. Br ad er, Ansbach, dem Freunde und Mitarbeiter istsergriffene Worte des Abschieds gerveth', sprachen dle Vertreter jüdischer und chriftticher Korporationen. Im Namen der Familie widmete Herr Rabblner Dr. P. Kohn, der aus Wien herbeigeeilt war, dem Freunde und Verwandten Worte des treurn Gedenkens. Nach der Rückkehr vom "p.12 hielt iui Trauerhause Herr Rabbiner Dr. Mannes, Schwabach, einen tiefempfundenen leon. Sein Andenken sei zum Segen. fraitjn. Würzburg, 4. Dez. Gestern wurde Frau Sara Forchheimer peb. Oppenheimer zur letzten Ruhe gebettet. Sie starb, wohr vorbereitet, im Alter von üfecc 77 Jahren. Sie entstammte einer der angesehensten Familien Wüizburgs und war die Gattin deö stl. Levt Forchheimer, der im Dienste der Religion und Wohltätigkeil einen unsterblichen Namen hinterlaffen ha,. Ihr Sohn war der blkarmte scl. Dr. Forchheimer. der als Führer der Würzburger Orthodoxie sich große Verdienste erworben hat. — Die feierliche Beerdigung hatte von allen Schichten der Bevölkerung eine überaus starke Beteiligung aufzuweisen, wie sie selten noch bei einer Frau zu sehen war. Die Heimgegangene hatte in ihrer Bescheidenheit sich zwar Leichenreden testamentarisch verbeten — allein Herr Dr. Hannover, der amtierende Rabbiner, hat kurz über die Bedeutung dieser großen Frau ergreifende Worte gesprochen. Er sprach von den« S-'gen aus »hiem Wege. Segen in dem Sinne, daß ihre Kinder ausgewachsen sind als überzeugte Juden und hilfsbereite Menschen. Nachmittags nach dem Mir.cha - Gottesdienst sprachen im Sterbehause Herr- Ignaz NindSkops iw Aufträge des Israelitischen Frauenveretns, deren 1. Vorsitzende die Heimgegangene seit mehr als 20 Jahren gewesen und dann Herr Das schönste Oranukasjtiel für Kinder und Erwachsene Schnipp-Schnapp von Else Kielmann 8981 trotz der kiinstl. Ausführung enorm billig. Preis Mk. 90.- L. Sänger Verlag, Frankfurt a. M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.

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