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Der Israelit · 1922-11-30 · Heft 48 (30.11.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 48 (30.11.1922)
Date
1922-11-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 48. Der JSraeltt 30. November 1922 Personalien. Meran, 23. Nov. Der bekannte Restaurateur Jakob Bermann aus Bad Reichenhall, ist am 11. November in Meran nach langer schwerer Krankheit verschieden. Die Beerdigung fand am Montag, den 13. d. MtS. unter zahlreicher Beteiligung statt. Herr Rabbiner Grünwakd widmete ihm eittett tiefempfundenen Nachruf. Der Verstorbene htnterläßt Gattin und drei Kinder. n"32tai Hungen (Oberhessen), 24. Nov. Eine unserer besten Frauen htt uns der Tod mitten aus blühendem Leben entrissen. Frau Mathi'de Lö b, geb. Gernsheim, mar ein Musterbild von Treue, Tapferkeit und Tüchtigkeit, wahre Helferin ihres Gauen, liebreiche und zielbewußte Mutter und Erzieherin ihrer Kinder, zärtliche Verwandte und Freundin aller, die gleich ihr geraden Wesens und offenen Charakters dem Guten und Rechten dienten. Von ihrem kurzen 42 jährigen Lebensalter gehörten 17 Jahre der treuesten aufopferndsten Pflichterfüllung an der Seite ihres Mannes in Haus und Geschäft. Ihren Kindern suchte fie das Beste zu geben, was eine Mutter geben kann: Bildung und Lauterkeit der Gesinnung, den Nebenmenschen, die ihre Freundschaft suchten oder ihrer Hilfe bedurfte», ein liebevolles, mitempsindendes Herz. So wird ihr Bild unverwischltch im ehrenden Andenken ihres Kreises fortteben. An der Bahre, die von einer großen Trauerveriammlung aus Nah und Fern umringt war, entwarf Herr Lehrer Stein, Hangen, ein ergreifendes Leb usbild der Frühverstorbenen, dem noch Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., herzliche Wo te letzten Dankes im Namen der Familie aufügie. rr'^Tv Vriefkasieu. L. L. Wir nehmen gern Anlaß, richtigzustellen, daß es im Artikel ,,Dte guten Drei", heißen muß: Die Thora ist durch den Dritten der Geschwister (Moses) gegeben worden (nicht durch 'drei). B. Nr. 10Ö in LVürzburg Senden Sie uns 81,25 Mk. I. R. Wien H. Wir bedauern, gebundene Jayrß&r.ß« des „Israelit" nicht abgeben za können. Vermischtes. Berlin, 15. Nov. Der „Hammer" ist auf Grund des § 21 deö Ges. tzös zum Schutze der Republik bis zum i5. Januar 1923 verboten worden. Berlin, 25. Nov. Die Bereinigung Jüdischer Akademiker zu Berlin (t. B. I. A.) gibt bekannt, daß am Dier.srag, den 5. Dezember, im Lehreroereinshaus Alexander str. 4 t, im kleinen Festsaai ein ö sfe nt l ich er Vortrag des Herrn Dr. Narhrn Birnbaum über „Judentum oder Zeitgeist" stattfinder. Beginn präzise 8.15 Uhr. Berlin, 24. Non. Wie aus Posen gemeldet wird, Hst dsr dortige Oberrobbrner Dr. Froiwann befchioffen, die chm zuteil gewordene Berufung nach Verttn abmlehnen, weil er die Posener Gemeinde nicht verlaff:n will. Nürnberg, 23. Nov. Die israelitische Kultusgemernde ließ am Sonntag den Gedenkstein einweihen, den sie ihren im Kriege gefallenen 178 Söhnen aus der Südseite des israelitischen Friedhofs hat erricd'.en laffen. Die Gedächrnisrede hielt Rabbiner Dr. Freuüenrhal, Justizrat H ed svrach im Namen des Vorstandes der KultuSgemeinde. An der Hand ftai.stiicher Angaben, wonach von 100.000 jüdischen HerreSar.gehöriaen 80.000 an der Front gekämpft hätten und 12.000 nicht mehr in die Heimat zurückgekch't seien, stellte er fest, daß der jüdische Soldat ft* oi Vaterlandsliebe von keinem anderen überloesfen ließe. Netv Uork, 15. Nov. In San Franziska starb im vorigen Jahre der Bischof Josef Horowitz. der ein gebürtiger Jude aus Polen mar. Der Bischof ordnete an, daß sein Testament erst im Jahre 1922 geöffnet werde. Dies ist nunmehr geschehen. Als glückliche Erben bezeichnet das Testament zwei polnische Verwandte des Bischofs, die ihrem jüdischen Glauben treu geblieben sind. Der Vorfall hat in klerikalen Kreisen Aufsehen erregt. frankfurter Gerichte. Heffeuttiche Sitzung des Heme'mderales der Synrgogengeweinde Israelitische Weligionsgeseirschast." Die Gemeinde wurde Ende voriger Woche durch die Mitteilung überrascht, daß der Gemeinderat beschloss.'n habe^ von d'r durch die neue Satzung gebognen Möglichkeit Gebrauch machend, erstmals eine öffentliche Sitzung abzuh rlr>.n. Etwa hundert Zuhörer hatten sich eingefunden. Auf der Tagesordnung stand die erste Beratung des Nachtragsetats für das Vierteljahr vom 1. Oktober bis 31 Dezember 1922. das budgetär und steuerlich besonders behandelt werden muß, weil durch die neue Satzung eine Verlegung des Geschäftsjahrbeginnes vom Oktober auf den Januar eingeführt morden ist. Den Vorsitz führte Herr Simon Bock. Am Borstandsiische befanden sich die Herren Emil Gold» schmtdi, MarkaS Hirsch, Jacob Rosenheim. Der vom Vorstand vorgelegte Nachtragsetat für daS letzte Vierteljahr 1922 balanz^ert, wte der Vertreter deS Vorstandes in seiner einleitenden Rede auSführte, mit rund 181/« Millionen Mark, wovon jedoch 7 Millionen (erste Auslagen für MazzoSherstellung) und Millionen (Fürforgekasie) durchlaufende Posten find. Unter den verbleibenden 9V4 Millionen entfallen 7% Millionen auf Gehälter, der Rest auf sachliche Auf- Wendungen. Es entspricht dies also nach dem Stande vom 13. November unter Abzug einer bereits eingestellten Gehaitsreserve von 1 Million einem Geballsetat für das Jrhr von 26 Millionen Mark. Durch die inzwischen eingelretene Erhöhung des Teuerungszuschlages von 49 % auf 120 °/0 erhöhen sich die Gehälter bet den Geweindebeamren für das Jahr auf 39 Millionen Mark. Unter den Ausgabeposten interessiert insbesondere die Bierteijahrsausgabe für die Schule mit 1% Millionen, wovon .nur % Million durch Schulgelder gedeckt sind. Die Gemeinde zahlt also für jedes einzelne Schulkind aus eigenen Mitteln M. 20,000 pro Jahr, vom 15. November an sogar M. 30,000 zu. Nachdem der Vorstand eine Nachsteuer von insgesamt 200% auf die im Jahre 1921122 gezahlte Gemeindesteuer ausgeschrieben hat und Einzahlung bis 25. Dezember verlangt, sind in das Vieiteljahrsbudget 6 Millionen Steuereingänge eingestellt. Es ergibt sich trotzdem noch ein Fehlbetrag von über 2 Millionen Mark, weil bei der Ausschreibung der Steuern der Stand der Besoldung vor dem 1. Ok tober maßgebend gewesen war. Die D ckung füc diesen Fehlbetrag soll durch eine scharfe Erhöhung der Piatzgevühren der Synagoge und durch eine Neuregelung der Schulgeldgebühren für auswärtige Kinder erfolgen. Ein etwaiger Rest soll auf das neue Gefchäfrsjahr übertragen werden. Für das nächste am 1. Januar beginnende Geschäfisjahr stehe die Gemeinde finanziell vor gewaltigen Aufgaben, die nur du-ch eine Aenderung des Geweindestsuersystsms bswöitigt werden könnten. Trotzdem die Beamten ihre Gehälter seit 1. Oktober bereits, monatlich, statt vierteljährlich im voraus empfangen, habe der Vorstand aus Mangel an Betriebsmitteln bereits 7 Millionen Darlehen (davon 4 Millionen unverzinslich, rückzahlbar ab 1925, beiein;elnen Mitgliedern) aufnehmen müffen. Es sei also notwendig, vom neuen Kalenderjahr an vierteljährliche Vorauszahlungen von den Mitgliedern etnzuziehen, die im Durchschnitt mindestens das Zehnfache der Steuersummen des Jahres 1921/22 erbringen müßten, wenn man durchkommen wolle. Das fei auch sehr wohl denkbar, sobald man d e Geldentwertung fett 1921 — dem der Steuererhebung zu Grunde liegenden Ertragsjahr — ins Auge ftsft. Die begüterten Gemekndemitglieder sollten sich schon gelegentlich der jetzt im Dezember eingeforderten Nachzahlung die Notwendigkeit größerer Opfer vor Augen halten und über ihre Steuerpflicht hinaus durch größere freiwillige Leistungen ihre Liebe zur Gemeinde betätigen.^ Nachdem der Vorstandsvertreter noch einzelne Erläuterungen zu den Voranschlägen der verschiedenen Betriebe gegeben hatte, eröffnete der Vorsitzende die Generaldebatte. Zunächst unterzog Herr Hermann Levi die einzelnen Ziffern des Voranschlages einer näheren Betrachtung. Ec findet die Ausgaben für Heizung verhältnismäßig gering, woraus die rechtzeitige Etndeckung mit Heizmaterialien zu schließen sei. An den Ausgaben könne der Gemeinderat nichts Wesentliches sparen, weil sie zum allergrößten Teile aus den Posten für Besoldungen bestehen und diese Hand in Hand mit der staatlichen Besoldungsorbnung j geregelt werden. Immerhin müsse er darauf Hinweisen, daß der Gemeinderat einen rechtlichen Anspruch der Beamten auf dauernde Gleichstellung mit den Staatsbeamten nicht anerkennen könne. Weitere Gebührenerhöhungen für die Synagoge sowohl als für andere Betriebe hält der Redner für unbedingt erforderlich, insbesondere aber müßten die Steuereingänge eine ganze andere Höhe erreichen. Wenn der Borsiand?vertreter ausgesührc habe, daß das neue Jahr zum mindesten eine Verzehnfachung der Steuersumme des vorangegangenen bringen muffe, so könne man mit Fug und Recht erwarten, daß die Gemeinde- Mitglieder angesichts der Entwicklung der Geschäfts- Verhältnisse dieser Forderung glatt entsprechen würden. Rechtsanwalt Dr. Breuer: Es gilt vor allem die Ehrfurcht vor der Million abzulegen und sich von dem trügerischen Schleier der großen Ziffern zu befreien. Tue man das, so werde man finden, daß die Gemeinde heute weit weniger füc dis Besoldung ihrer Beamten und für die Entwicklung ihrer Institutionen aufwende, als vor dem Krieg. Einem solchen Niedergang aber müsse man sich bewußt widersetzen. Entweder wolle man die Gemeinde oder man wolle sie nicht. Jedes Knickern bei der Bemeffung der Gehälter, die notwendig seien, um den Lehrern und Gemeindebeamten ihre Arbettsfreudigkeit zu sichern, tedeute schließlich eine QualitätSverschlechrerung. Die Augen deS ganzen deutschen Judentums,, ja darüber hinaus, der gesetzestreuen Gesamtheit auf dem Erde«- runde, seien in dieser unendlich schweren Z it auf die Israelitische ReltgionSgesellschaft in Frankfurt a. M. gerichtet. AuS ihrer Blüte und ihrer Aufwärtsentwicklung schöpfe, wie der Redner mehrfach sich zu überzeug-m Gelegenheit hatte, in allen ,Ländern der Kreis der Treuen Kraft und Zuversicht. Um der Gesamtheit willen also müsse die Gemeinde mit äußerster Kraftonipannung auf ihrem Niveau sich erhalten und unentwegt weiterschreiten. Nach den eindrucksvollen Ausführungen deS Redners wird auf Antrag von Pros. Dr. Schüler die Generatdebatte geschloffen und in die Spezialberatung eingetreten. Heinrich E i s e m a n n: Zur Position A. 1 (Gehälter des Rabbinats) sei an die vom Gemeinderat angeregte und vom Vorstand grundsätzlich genehmigte Neuschaffung einer weiteren Dajanstelle und an den damit verknüpften Ausbau eine- Besdtn für bürgerliche Rechtsstreitiakeiten zu erinnern. Die in den Boran'chtrg eingestellten Subventionen für die Israelitische Volksschule und für die Tüoralehranftalt Jeschiwoh, die anscheinend aus je % Million bemessen seien, drängten zu der Frage, ov es nicht an der Zeit sei, beide Anstalten auf den Grmeindeetat zu übernehmen. Im Zusammenhänge damit könne dann auch vielleicht die ins Auge gefaßte einheitliche Gestaltung des Bildungswesens der Gemeinde von der Volksschule b»S zur Jefchiwo mit größerer Entschiedenheit rascher durchaesübrt werden. Der Redner wünscht, daß die vom Vorstand gebildete Sonderkommission für Schulfragen, die sich bisher nur mit der OberreaischnlfragL und mit der Grundschule beschäftigt habe, die Idee der Vereinheitlichung und auch lebrplanmäßig freieren Gestaltung des BUdungs wesens unver» Auf das im Verlage von 8. Sänger erschienene Schuipp-Schnapp-Spiel wird mit Hinblick auf das nahende Chanukafest nochmals hingewiesen. Es ist das schönste Chattukageschenk, das wir unseren Kindern machen können. Es bietet ihnen Zeitvertreib, Anregung, Unterhaltung und Belehrung zugleich Näheres Inserat. SCHUMJlNN- Theater Täglich 7V2 Uhr: Große Dezeniber- Spezialitäten-Programme. jeden Sonntag 3 Uhr: GROSSE FREMDENVORSTELLUNG. Kleine Preise Volles Programm > 1 finas-Fmnkfurt 1 4 Weinklause | Claira Waldolf Tanzpalais I . _ p. . , Das vornehmste A u. das große Dezember- | ,, , , Z Cabaret-Programm. I AbenuiOKal - gp □ □ Wiener Kaffee □ □ | Original-Zigeunerttapelle Banka Pista. ) TheaterLöwenhof Tel. Hansa 2489. Hanauerlandstraße 38. Tägl. Vorstellung der Wiener Dentsch*Jüdis :d82 Dperette unter der Spielleitung des Herrn 8. Äncker Sonnabend, den 3. u. Montag, den 4 Dez.: Die bekannte Operette von dein Leben d. Juden in Spanien •* „§chabl)os Kaudesch“ (oder Chaje, Schmaje.) Operette in 4 Akten von Feinmann. Sonntag, den 3 u. Dienstag, den 5. Dez.: Auf rielseitigen Wunsch wird zum 1. Male id. Saison: „Kol Nldre« in 5 Bildern von Sehenkewitz zur Aufführung gelangen. Mittwoch, den 6. und Donnerstag, den 7. in Karlsruhe (Baden.) Anfang pünktlich 8 Uhr. Anfang pünktlich 8 Uhr. Künstlicher Leiter; D Abramow Geschäftsführer: Knpferfoerg. Karienvorverkauf: Hotel Löwenliof. N. B. Kinder haben ohne Karten keinen Zutritt.

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