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Der Israelit · 1922-11-30 · Heft 48 (30.11.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 48 (30.11.1922)
Date
1922-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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UMe L nx. Der Israeli:. AvM Allerdings fordern sie, -aß in Zukunft den Stu denten unter irgend einer Form die Mitbeteilizung an der Wahl eines Rektors und eine Stellungnahme hierzu rrmözliht werde. Da auch die liberalen deutschen Studenten dieser Ansicht find, bärste eS auf dieser Basis zu einer Einigung kommen. Die tschechische Presse verurteilt bis auf wenige Ausnahmen das Vorgehen der deutsche nationalen Studenten und erklärt, Rektor Stein- Herz dürfe dem Drucke unreifer Elemente nicht nachgeben. Der dem Präsidenten nahestehende „Lzas" schreibt in einem Leitartikel: „Die nationalistischen Studenten haben nicht nur das Programm, sondern auch die Methode ihrer Brüder im Reiche sich angeeignet, indem sie zu Gewalttätigkeiten greifen. Sie werden sich aber irren, wenn sie sich auf unsere Untätigkeit und Gleichmütigkeit verlassen. Die Kraft, wird die republikanische Tschechoslowakei haben, um hier Ordnung zu machen." Molen. llniiöifdie w»!sener?ieliung. 29. Nov. Im Transport-Kinderheim auf Genscha, wo jüdische Waisenkinder bis zu ihrer Uebersahrt nach Amerika Verpflegung finden, herrschen in religiöser Hinsicht und bezüglich der jüdischen Erziehung böse Verhältnisse. Auf Veranlassung eines Vertreters der amerikanischen Komitees, dem die Kinder selbst über den unjüdifchen Geist im Hause geklagt hatten, wurde ein angesehener Rabbiner mit der Aufsicht und der religiösen Belehrung der Kinder betraut. Nun brach eine förmliche Revolution unter dem Lehrerpersonal gegen die „rabdinische Aufsicht" aus, aus welchem Grunde von Amerika aus die Einsetzung eines Ehrengerichteangeordnet wurde. Dieses Ehrengericht war abr so zusammengesetzt, daß seine Entscheidung von vornherein feststand. Sie lautete dahin, daß der Rabbiner zu Unrecht eingesetzt sei und daß sich seine Aufsicht lediglich auf die rituelle Küchensührung beschränken müsse. Es ist zu hoffen, daß die amerikanischen Geldgeber mehr Verständnis für die Forderung einer jüdischen Erziehung der Krieg'Swaisen zeigen werden. Daklennackilese. Marschau, 35. Nov. Nachdem der Minderheitsblock und mit ihm der jüdisch-nationale Block mit unerwarteten Triumphen aus der Wahlschlacht hervorgegangen ist, kann die Wahlkampagne, die Prilutzki fast auf eigene Faust betrieben hat, nicht sehr tragisch genommen werden. Immerhin hat sich hier und da diese Abbröcklungsarbeit zum Schaden des Ganzen bemerkbar gemacht. So hat dir Orthodoxie durch diese Zersplitterung, in Lodz, Radom und Lukow Mandate verloren. Auf alle Fälle ist der Beitrag der Agllda zum Hauptgewinn des Blocks so bedeutend, daß die moralische Wirkung nicht auSbleiben kann. Wie sich jetzt überblicken läßt, wird sich die Konstellation der jüdischen Parteien wie folgt gestalten: Abgesehen von Ostgalizirn sind 30 jüdische Deputierte gewählt und zwar 5 Orthodoxe, 4 Mtsrachisten, 7 Ztonsten, 2 Unparteiisch?, 1 Httachduth, 1 Sozialist. Man hat auch ursprünglich nur mit 20 jüdischen Mandaten gerechnet, von denen 2 den Volkisten zufallen sollten. Nach Ausscheidung der Volkisten auS dem Block wagte man natürlich nicht mehr, mit dieser Zahl zu rechnen. Um so erfreulicher ist nun dieser Sieg bei einem Kampfe nach zwei Fronten, gegen die Polen und gegen die jüdischen Volkisten. Zionisten und Mtsrachisten haben je ein Mandat mehr bekommen als ihnen zugedacht war, die Orthodoxie dagegen, gegen die die Prilutzki-Partei das schärfste Geschütz richtete, ein Mandat verloren. Allein der moralische Gewinn ist, wie schon gesagt, wichtiger als die ganze Mandatenjaqd. DaS orthodoxe Mandat ging in Lodz verloren, wo es den Volkisten gelang, 4V00 jüdische Stimmen zu zersplittern und so den Nationalpolen zu einem Siege zu verhelfen. Dem orthodoxen Kandidaten fehlten dort nur 400 Stimmen. In Ostgalizten sind 15 jüdische Deputierte gewählt und zwar: 9 Zionisten, 2 Httachduth, 2 Mtsrachi und 2 Orthodoxe. ES muß bemerkt werden, daß die Aguda in Ostgalizien keine eigenen Kandidaten aufgestellt hat, daß vielmehr die paar Orthodoxen von den anderen Parteien als Konzession an die Gesetzestreuen in die Liste mit hineingenommen wurden. ES ist übrigens auch Aussicht vorhanden, daß Rabbiner Lew in aus Sambvr als Vertreter der Schlome Emune Jsroel in den Senat einzieht. In diesem Falle wird er sein LandtagSmandat niederlegen müssen. Warschau, 22. Nov. Nach und nach kommen Wahlentrechtungen und Terrorakte an jüdischen Wählern an den Tag, die zeigen, mit welchen Mitteln gearbeitet wurde. Im Städtchen Etschischok bei Wilna beispielsweise wußten die Juden bei den Senatswahlen nicht einmal, zu welchem Wahlkreise sie gehörten und ihre Stimme ging der Blockltste verloren. In Radom wurde am Wahltage der Wahlvertraute drS jüdifchnattonalen Blocks Berisch Lengno von'anttsemittschen Burschen angegriffen Mordsucht". Da wir die „rauhen Hände EsauS" so oft zu spüren bekamen in der Beraangenhett wie in der Gegenwart (auch nach dem Weltkriege), s, ist ein kräftiger Hinweis auf die Lehre der „gegessenen Linsensuppe" durchaus am Platze. Sie ist die Geschichte gar vieler „gegessenen Linsensuppen". (Zwei Fülle). Wir lesen im „Vorwärts" 1. In Wiesbaden wird ein Reichsdeutscher von einem französischen Major bis aufs Blut gequält und schließlich niedergeschofsen und noch getreten. Dieser Reichsdeutsche, der inzwischen gestorben ist, heißt — Cohn. 2. Ein Reichsdeutscher wird von einem ostjüdischen Schriftsteller verklagt, weil er ihm die Berfafferschaft deS (antisemitischen) Machwerks „Die Weisen von Hion" nachgesagt hat. Der Angeklagte beruft sich auf eine französische nationalistische Zeitschrift „La yicillc france". Dieser Reichsdeutsche heißt — Graf Reventlow. (Gebt ihn nur halb an . . Der „Zwtebelfisch" bringt folgende Satire auf gewisse Halbjuden: Unser Freund Z. wollte am Sonnabend vor Pfingsten mit einem W(erktagS).Zug von Heidelberg nach Mainz fahren und geriet in eine fürchterliche Wut, als er hörte, der Zug fahre nicht. „Wo ist der Bahninspektor? Ich werde mich beschweren"! Bald umstanden einige hundert Menschen den Delirierenden. „DaS ist ««erhört", schreit er, „daS ist ein Skandal! Der Zug hat werktags zu fahren! Ich beschwere mich unter allen Umständen! Ich verlange Schadenersatz! Der Zug muß heute fahren"! — Stimme aus dem Publikum: „Erlauwe se, eS iS doch heut Schab des"! — Z. rasend: „Das geht mich väterlicherseits garnichtS an"! Kamwemlachrichten. Geburten. Einen Sohn: Paul Teitelmann, (Dokow), Eydtkuhnen. Sabvst-tlnlang and Mrgaag. «L'l fDtf- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrjMtn. ittääl 5683 Uhr Min. Frankfurt a. M. 4 _ 2. 12. 5 15 Berlin .... 4 — Dez. Kislew 4 45 München . . . 4 1» 5 08 Cölrr. 4 20 S 20 Stuttgart. . . 4 BO 6 16 Breslarr - . . — - — — Nürnbers- - - 4 10 5 SS HaW»««a. . , — — — — .. fe; . fr und durch Steinwurf so schwer verletzt, daß er bald darauf in Warschau verstarb. Ueberhaupt waren im Radomer Kreise jüdische Wähler so vielfachen Schikanen ausgesetzt, daß sich das Bureau der MinderhettsblockS beschwerdeführend ans Ministerium wendete. Professor Lckvr sankt ... Warschau, 38. Nov. Prof. Schor^ruS Lemberg, der, wie seinerzeit berichtet, von den Warschauer Assimtlanten als Prediger an Stelle von Dr. Posmanski und über die Köpfe der Rabbinatsmitglieder hinweg, zugleich als „Rabbiner der Gemeinde Warschau" gewählt worden ist, hat dankend abgelehnt, dem Rufe zu folgen. Es ehrt den Mann, der auf Ehren und Würden, die nicht vom Vertrauen der maßgebendsten Teile der Gemeinde getragen sind, verzichtet. Hoffentlich sind damit die Versuche der Gemeindestube bis auf Weiteres abgeschlossen. Wenn gerade von der Gemeindestube die Rede ist, sei der Fall Lengno nicht verschwiegen, der von Gefühllosigkeit und Engherzigkeit unserer Verwaltung zeugt. Wie an anderer Stelle berichtet, ist Lengno als Wahlopfer durch Mörderhand gefallen. Vom nationalen Block wurde eine ehrenvolle Beerdigung auf Gemeindekosten gewünscht, in Berücksichtigung der Tatsache, daß der Verstorbene für jüdische Interessen sein Leben geopfert hatte. Die Gemeindeverwaltung ging nicht nur darauf nicht ein, sondern forderte und erhielt auch von der Familie einen hohen Betrag für die Grabstätte. Diese Lieblosigkeit wird in der Warschauer Presse gebührend glossiert. Srüehfe Ser snllsemilllcken Netze- Mlna, 21. Nov. Im Gymnasium zu Lida machten sich unter dem frischen Eindrücke einer Geschichtsstunde, in der Herr Lehrer gegen die Juden wetterte, die polnischen Schüler über ihren jüdischen Mitschüler Osch echows kt her und hängten ihn in aller Form auf. Zum Glück trat gerade ein älterer Schüler aus einer anderen Klaffe dazu und er konnte den Halberstickten noch retten. Zwei Schüler, die Haupträdelsführer, wurden aus dem Gymnasium ausgewiesen, doch ist von einer Maßregelung des LehrerS nichts zu hören. Die Sache hat in Lida und Wilna viel Aufsehen ' erregt. Marren. Rusjug 9er Mlsclien fibaeoröneten aus vem Seim. Kowno, 23. Nov. Nachdem der jüdische Nattonalrat in einer schwach besuchten und ziemlich deprimiert verlaufenen Tagung zu der gegenwärtig besonders unerquicklichen politischen Laxe in Litauen Stellung'genommen hatte, erschienen die zum Sejim gewählten beiden jüdischen Deputierten, deren Mandate von dem Gewaltakt der Annullierung unberührt geblieben waren, am 13. er. in der Eröffnungssitzung des Landtages. Sie gaben eine Erklärung ab, daß die Abgeordneten der Minderheitsnatlonen gegen die ihnen gegenüber ausgeübte Vergewaltigung im Namen des Rechtes scharf protestierten und verließen Hierauf die Sitzung. Die endgültige Wahl eines Ministers für jüdische Angelegenheiten ist vom jüdischen Nattonalrat vorläufig aufgeschoben worden, provisorisch versieht Dr. BrutzkuS den Posten. r„’L -- -- i j. 1 ’i- GnslttNd. Das G(en3 In 9er Ukraine. London, 22. Nov. Der Sekretär des amerikanischen Kinder- Ijilfskomitres, Kapitän Hibben, der soeben aus Rußland zurückgekehrt ist, berichtet, daß die Lebensbedingungen in der Ukraine heute so schlecht sind, wie sie vor einem Jahre an der Wolga waren und daß während des Kaufenden

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