Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1922)
- Date
- 1922-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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KG. Roviemder 1SW großes, weitverzweigtes Sprtzelsyftem gegen hervorragende, im öffentlichen Leben stehende Juden ins Werk gesetzt wurde. Henry Ford ist wohl ein äußerst tüchtiger Geschäftsmann, in politischen Dingen jedoch naiv und unerfahren wie ein Kind und läßt sich leicht von seinen neuen Freunden am Gängelband führen. Hier einige Fälle: Der Richter Julian Mack wird von Chicago nach New-Aork versetzt. Solche Transferierungen kommen alle Tage vor, aber Mack ist auch ein Führer der amerikanischen Zionisten und da ist . es wohl klar, daß diese Versetzung irgendwie mit der „jüdischen Verschwörung" zusammenhängt. Ebenso klar ist es, daß das Fordsche Spionagebureau seine Detektivs ausschickt, um jeden Schritt Macks zu überwachen und jede seiner Handlungen auszukundschaften. Dr. Weizmann und Prof. Einstein kommen nach Amerika. Beide sind Männer von Weltruf. Es ist daher offenbar, daß ihre Amerikareise in engstem Zusammenhang mit einer Verschwörung der Juden der Welt gegen ihre nichtjüdischen Mitmenschen steht. Von dem ersten Moment an, da diese beiden ihren Fuß auf amerikanischen Boden setzten, werden sie von den Ford Spionen wie von ihrem Schatten verfolgt. Louis Dr. Brandeis ist Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Was liegt da näher, als daß er gleichfalls feine Hand in der jüdischen Verschwörung habe. Eine Gruppe von Geheimagenten wird ihm auf den Hals gehetzt. Jemand bringt das Gerücht auf, daß Brandets durch eine geheime Telephonlinie direkt mit Wilson und dem Weißen Haus verbunden sei. Es kostet schwere tausende Dollar, bis die Detektivs auf der Suche nach dem geheimen Telephondraht die Feststellung machen müssen, daß ein'solcher Draht überhaupt nicht existiert. Um diese Zeit erscheint wie ein äsuo ex machina, Brasul aus dem Plan. Brasul hat für diese Zwecke die besten Empfehlungen, denn er war der Erfinder des Rttualmordmärchens gegen Mendel Beilis. Brasul hörte, daß Ford Besitzer ungezählter Millionen sei und jede antisemitische Hetze mit Gold bezahlt. Und Brasul zeigt bald, daß er etwas zu verkaufen habe. Er erzählte die schauerlichsten Dinge von der jüdischfuturistischen Verschwörung gegen die christliche Welt. Ford glaubt es und bezahlt gut, und die Lügen Brasuls erscheinen tu großer Aufmachung in dem Wochenblatt Fords; „Dearborn Independent". Brasul, der gleich einige Freunde aus Rußland mttbrachte, importierte auch die gefälschten Protokolle der sogenannten „Weisen von Zion". Zuerst bieten sie dieses Machwerk reichen jüdischen Organisationen an, indem sie sich bereit erklären, die Sache gegen hohes Schwetgib« Hsraelik. > geld zu unterdrücken. Die Juden warfen die Verkäufer der berüchtigten Fälscherbroschüre hinaus. Ford aber beißt sofort an, kauft sie für eine große Summe ab und versendet Abdrücke dieser niederträchtigsten Erfindung in Millionen von Exemplaren. Fast kein Amerikaner mit christlich klingendem Namen, keine patriotische Organisation wurde verschont, alle erhielten ein Exemplar dieser „Protokolle" und auch die Regierungsstellen wurden mit solchen Exemplaren überschwemmt. Die russischen Agenten und die amerikanisch-patriotisch schillernden Vereinigungen verfolgten mit der Verbreitung dieser Hetzschriften den Zweck nachzuwetsen, daß der Bolschewismus nur ein Mittel des Judentums sei, die übrige Welt zu unterdrücken. Mr. Hopegood weist nach, daß dieselben Leute, die schon zur Zeit des Krieges als Beamte des staatlichen Kundschafterdienstes sich als Antisemiten erwiesen haben, heute bezahlte Angestellte Henry Fords, beziehungsweise seines antisemitischen Bureaus sind. Korrespondenzen u ßacbricbten. Deutsches Reich. Sür Sie öeroiifensfreiheif in Sachfen- Dresden, is. Nov. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat eine Interpellation eingebracht, in der es heißt: Das sächsische Kultusministerium hat durch Verordnung vom 12. August bestimmt, daß an den staatlich nicht anerkannten Feiertagen Lehrern und Schülern in Zukunft in keinem Falle mehr eine Befreiung vom Unterricht zum Zwecke der Teilnahme an religiösen Feiern und religiösen Feierlagshandlungen erteilt werden dürfe. Eine weitere Verordnung verbietet jede Art religiöser Beeinflussung außerhalb des Religionsunterrichts. Diese Maßnahmen widersprechen den Artikeln 135, 149 und 174 der Reichöversaffung. Welche Schritte gedenkt die Reichsregierung zu unternehmen, um die bekenntnistreue Bevölkerung vor Vergewaltigung zu schützen? :; « | i -CT *--3 ' I .; _ fto. 48, Erst? h. Die baöifche SunoSe- Karlsruhe, 20. Nov. Die am 29. Oktober stattgehabte Tagung der badischen Synode verlief ohne jede Sensation. Es galt lediglich der Feststellung des Budgets für das Rechnungsjahr 1922/23, das ohne nennenswerte Aenderung, mit 12 Millionen balancierend,: angenommen wurde. Die Hoffnung der Lehrer und K-iltusbeamten, aus ihren unwürdigen BesoldungSverhältniffen (Monatsgegehälter von M. 10000 für verheiratete Leute!) herauszukommen, wurde enttäuscht, da die Gemeinden, namentlich die Landgemeinden, offenbar ihre begüterten Mitglieder nicht genügend zu fassen vermögen, und das gesetzliche Maximum der kirchlichen Landessteuer viel zu gering ist. So zeigt das badische Land leider, daß für die heutige Not auch Zentralkaffe und straffste Organisation kein genügendes Heilmittel darstellen. Die neue, Verfassung gebende Synode soll anfangs Dezember gewählt werden und noch vor Jahresschluß zusammentreten. Oesterreich. (lach Prager ffiufler- Wie«, 28. Nov. Wie vorauszusehen war, haben die Vorgänge an der Prager Universität bet der Wiener nattotionalen Studentenschaft ein starkes Echo gefunden. Die nationalen Studenten proklamierten für heute den Sympathiestreik und formulierten ihre eigene Forderung dahin, daß unter Hörern wie Lehrern der Wiener Universität die Zahl der Juden 10'/. nicht übersteigen dürfe, auch dürfte kein Jude zum Rektor oder Dekan gewählt werden. Hoffentlich greifen hier die Universttätsbehörden energischer ein als in Prag. _ ® j rheLho-Slorrraket. Der Sfuöenfenftreift in Prag. Trag, 18. Nov. Der Unterrichtsminister, der tschechische Sozialdemokrat Bechyne, hat nun in den Streik an der Prager deutschen Universität eingegriffen und dem Rektor erklärt, daß er die Frist für die Wiederaufnahme der Vorlesungen bis Mittwoch, verlängere. Sollten bis dahin die Vorlesungen nicht ausgenommen sein, wird der Minister die Streichung des Wintersemesters für die deutsche Universität beantragen. Die Verhandlungen des akademischen Fünferrates haben zu keinem rechten Ergebnis geführt, doch scheinen die Deutschnationalen sich gegenüber dem Verbleiben des Rektors Steinherz nicht mehr völlig ablehnend zu verhalten an diese stehenoe Redensart, die als eine Drohung wirken sollte, und legre ihr keine Bedeutung bet. Als aber Jakob seine Drohung aussührtr, war die Ueber» raschung Labans um so größer. Und daher auch seine Empörung. Erblügen. Bon A. Mannheimer in Dettelbach. Es sei mir gestaltet im Anschluß an den Wochenabschnitt einige Erblügen zu beleuchten, die so allgemein verbreitet wie innerlich unhaltbar find. Ihre Tradition geht über Ketten von Geschlechtern, die von ReltgionS wegen die falsche oder gefälschte Wahrheit in sich aufnehmen. Die schiefe Meinung über Juden und Judentum beruht oft gerade aus ihnen, fodaß selbst Bessergestnnte und Wohlmeinende sich nicht vom Banne der Irrlehre freizumachen vermögen. Wir meinen die Behauptung, daß der Patriarch Jakob den Typus eines schlauen, betrügerischen Juden darstelle, daß gewissermaßen dieser TypuS fich im geschichtlichen JSrael wiederspiegle. Wenige Striche genügen, um das falsche Bild als eine häßliche Karrikatur erscheinen zu lassen. Zunächst verschweigt man, daß es sich bei der Erstgeburt nicht um materiellen Segen handelte, sondern um heiüge Ideale, zu denen der Jäger Elan nicht laugte, wohl aber der fromme Jakob, der schlichte Zeltenbewohner. Esau wird als ein Mann eingeführt, den der halbbltndc Vater liebte, weil »Hinterlist in Es aus Munde war". Das bezeichnet deutlich genug den ganzen Mann. Die Erstgeburt wird ihm nicht „abgewuchert". Er verkauft sie legal, verkauft fie wie der „helle Tag", schwört ausdrücklich, geht davon und „verachtet die Erstgeburt". Er läßt fich -dennoch vom Vater ans» Feld schicken, den Segen zu ergattern sagt kein Wort, kein Sterbenswörtchen von dem Verkauf. Ejauitische Hinterlist und Ehrlichkeit! Durch ein plumpes Manöver bringt Jakob den Vater zur Erkenntnis der wahren Sachlage. Man merkt es von Satz zu Satz, wie die Erkenntnis bei Jsak dämmert. Um aber allen Zweifel zu benehmen, kommt ans Jsaks Mund das gewiß nicht wie ein VerdammungSmt il klingende Wort: „Gam boruch Meh, er sott auch gesegnet bleiben"! Und dies dem ehemaligen Lieb« lingssohne gegenüber. „Jsak erzitterte", nicht über JakobS Täuschung, sondern über die Enttäuschung, welche er selbst an Esau erlebte. „Gam boruch jijeü" trifft den Esau wie ein Donnerschlag. Und Jsak gibt Ihm den „Segen, der ihm gebührt: „Von deinem Schwerte wirst du leben, doch untertänig sein deinem (Idealem dienenden) Bruder. In der Tat ein hübscher „Segen"! Esau spricht von doppeltem Betrug und will diesen mit der Ermordung Jakobs sühnen. Nehmen wir an, eS hätte sich tatsächlich um materielle Güter bet dem Ganzen gehandelt. Wo in aller Welt würde ein Berrug mit Mord zu sühnen sein? Welch' schrecklicher Egoist muß demnach Esau gewesen sein! Und selbst nach 20 Jahren, die Jakob in der Ferne verbrachte, traut er Esau noch zu, daß er bei der ersten Wiederbegmmg „Frau und Kinder erschlagen könnte". Jsak erfährt von dem ganzen Mordplane nichts. Man verschont ihn rücksichtsvoll mit der traurigen Tatsache, daß Esau auf die Stufe eines Mörders htnabgesunken sei. Er erfährt bei Jakobs Abschted nur, daß dieser sich eine Frau von (der eigenen Verwandtschaft holen wolle. In der Manipulatiou mit den Ziegenfellen lag ja nichts anderes als schonende Rückstchtnahme auf den Vater, den man vor allzu grellem Erwachen schützen wollte. Und dennoch lag in dem Worte „dein Bruder kam mit List", ein leiser Borwurf gegen Jakob, Hatz er nicht soviel Mut aufgebracht, unge. schminkt und offen die Wahrheit zu sagen. Unsere heilige Thora zeichnet die Menschen wie sie sind, auch in ihren menschlichen Schwächen und wir können gerne von allem abfehen, was die Tradition Nachteiliges über Esau meldet. Wir halten uns nur an den klaren schlichten Wortlaut, ohne unterzulegen und ohne den Versuch einer „Reinwaschung", obwohl eS menschlich ganz entschuldbar erscheint, der Hinterlist EsauS eine List entgegenzusetzen. (Der Targum OnkeloS gibt das Wort „bemirmoh" mit bechochmoh wieder). Aber den äußersten Fall gesetzt, Jakob hätte einen wirklichen Betrug begangen, wer wäre berechtigt daraus eine Erbsünde Israels zu konstruieren? Eine List ist noch nicht Hinterlist und Betrug. Sonst hätten die Feinde Recht, Bismarck einen geriebenen Gauner zu nennen, weil er eine den Ränken der Zeit gewachsene Diplomatie betrieb. Und sie hätten Recht, ihn, den größten Deutschen als den Typus dieses Volkes zu bezeichnen. UebrtgenS war auch der „grimme Hagen", welcher Siegfried am Brunnen meuchlings niederdolchte, kein Judenstämm« ling, sondern ein germanischer Recke. Es wäre eine dankbare Arbeit für die Deutsch-Völkischen und die L^ute vom Semt-Jmperator, Hägens semitische Abstammung nachzuweisen, nachdem ihnen das bei Kaiser Wilhelm ll. so trefflich „gelungen". Haben fie eS doch herausgesunden, daß der Stifter de- EhristenmmS kein Jude, sondern ein Arier gewesen.*) Unseres Erachtens sollte in biblischen Geschichtsbüchern die Erzählung vom Verkauf der Erstgeburt die Ueberschrtft tragen: „Der betrügerische Esau", „EsauS *) Schreiber dieses behandelte einst vor einem protestantischen Dekan die Erstgeburtsgeschichte in obigem Sinne. Gespannt hörte der Geistliche zu und meinte zuletzt, er habe „die Geschichte noch nie von dieser Seite aus betrachtet".