Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1922)
- Date
- 1922-11-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fteih 3 Kt. 48 schösse sorgen. So groß auch d!e Summen scheinen mögen, die dafür nötig sind — es wird hier nur ein einmaliges großes Geldopfer verlangt, das Tausende von Glaubensgenossen, die in der Fülle der Papier mark leben, freudigen Herzens leisten werden. Möchten also die Vorstände der Gemeinden mutig ans Werk gehen. Wochenmndschau. Prager Stn-ralen. Was heuie die freie Republik der akademischen Jugend über die Landesgrenzen hinweg in Wirklichkeit noch eint, das ist der Juden« haß. In Deutschland und Oesterreich faßt die nationale Studentenschaft Beschlüsse gegen Aufnahme von Juden, in Warschau demonstrierten die polnischen Studenten für Einführung des uumsrus clausus, um in der Stadt, die 40 Proeznt Juden hat, die Zahl auf 3 Prozent zu reduzieren und in Prag proklamieren die jungen Herren, die ansonst nur einzeln die Vorlesungen schwänzen, offiziell den Studentenstreik, weil ihnen die jüdische Nase des neuen Rektors nicht gefällt. Weder sie noch wir dürsten nämlich in der Lage sein, noch sonstwas vom Judentum des als Gelehrter sich großen Rufes erfreuenden Herrn Professor Dr. Steinherz zu verzeichnen. Kann man das Treiben der „Kommilitonen" in Berlin, Lemberg, Wien uud Warschau noch einigermaßen begreifen und sich mit Ort und Zeit erklären, so fällt es schwer, einen Einblick in die Psyche der akademischen Radaubrüder, der Hüter des Deutschtums in der böhmischen Hauptstadt, zu gewinnen. In Deutschland und Oesterreich, wo es heute gar keine Gelegenheit mehr zu militärischen Großtaten gibt, muß sich die akademische Sturmgarde auf diesem von keiner Besatzung beengten Gebiete austoben und im Kampfe gegen eine imaginäre Judrngefahr billige Lorbeeren holen. In Warschau, wo eben in einer wütenden Wahlschlachi ein Block nationaler Minderheiten mit Hilfe jüdischer Stimmen und jüdischer Intelligenz sich seine stark bedrohten nationalen und parlamentarischen Rechte einigermaßen zu sichern wußte, liegen die Dinge für den Pöbel im Studentenwichs noch wett verlockender. In Prag aber, wo das Deutschtum wirklich von schweren Gefahren umdräut ist, wo es für die national gesinnten Deutschen, wahrhaft nationale friedliche Arbeit in Fälle gibt, hatten sich die Herren in diesem kritischen Momente den Luxus einer wüsten Zum Wochenabscknilt rwi. Kurze Bemerkungen zumWochenabschnitte*)- VonRabb. Dr.Felix Kanter in Zwittan (Mähren). „Und Gott stand neben ihm" — dazu bemerkt Raschi V'ibp'j, ihn (Jakob) zu bewachen. Diese scheinbar willkürliche und überflüssige Bemerkung bezieht sich auf die vorhergehende Bemerkung RaschtS. „Die Engel Gottes stiegen auf und ab" — dazu bemerkt Raschi: Die Engel, die Jakob begleitet haben, stiegen auf und andere Engel stiegen hinab, um ihn auf feinem sernern Wege zu begleiten. Während dieses Auf- und AbsteigenS blieb Jakob iedensallS ganz ohne Schutz Deshalb stand Gott neben ihm, um ihn zu beschützen. „Und Jakob erwachte aus feinem Schlafe und sprach: Gott ist an diesem Orte und ich habe es nicht aewußt" Was wäre, wenn er es ja gewußt hätte? Und warum empfand dann Jakob so viel Ehrfurcht vor diesem Orte ("ni xiv nv. . . XTD? Könnte er •) Nach verschiedenen onBB«nvrstt. ■_ft« Hetze gegen die Juden, gegen die besten und natürlichsten Verbündeten im friedlichen Vertetdlgungskampf für deutsche Sprache und Kultur, ous Klugheit wie aus nationalem Empfinden versagen sollen. Wäre ihnen erstere eigen, sie hätten sich mit der Berufung eines St ein herz als mit einem Siege des deutschen Gedankens im Stillen gefreut; wären sie wirklich vom nationalen Empfinden beseelt, sie hätten jetzt ihrer deutschfeindlichen Umgebung nicht dieses häßliche Schauspiel deutscher Uneinigkeit und Gehässigkeit geboten. Sie geistige Not in Sotvlrt'Niißland. Wir haben vor kurzem auf den ungeheuren geistigen Notstand in den jüdischen Kreisen in Sowjet-Nußlands htngewtesen. Die Verstaatlichung des Druckereiwesens und das damit verknüpfte Verbot der Herstellung irgendwelcher religiöser Bücher droht zu einer geistig religiösen Verelendung des Heranwachsenden Geschlechts zu führen. Der Warschauer „Jud" schreibt nun im Anschluß an diese unsere Ausführungen folgendes: „Es ist gewiß, kein Zweifel, daß für das religiöse Judentum in Rußland eines der wichtigsten Bedürfnisse das Buch ist. Man kann dort in der Tat nichts bekommen, weder ein Chumisch, noch ein Siddur, kein Machsor, kein Tenach und kein Luach, geschweige denn Mischnah- oder Talmudausgaben. Wir kennen das russische Judentum genau. Wenn nur Seforim vorhanden sein würden, so würden sie sicher Mittel und Wege finden, um die Jugend, ohne mit den Gesetzen in Konflikt zu kommen, in die Thora einzuführen. Jeder Vater würde das seinige tun und in jeder Gemeinde würden sich genug Juden finden, die mit Feuereifer die Lösung der opferreichen Aufgabe des ^'22? VN22V1 auf sich nehmen würden. Darum ist es vor allen Dingen notwendig, jüdische Bücher nach Rußland zu schicken, und es sollte die „Agudas. Jisroel" nicht zögern, dieser Aufgabe sich zu widmen. Die Möglichkeit, - die Bücher nach Rußland zu schicken, wird zweifellos vorhanden sein. Die Agudas Jisroel sollte eine große Büchersammlung in allen Ländern veranstalten und gleichzeitig die Wege des zweckmäßigen Transportes eingehend Prüfen. Die polnische Aguda, die der russischen Grenze näher ist, könnte in der Angelegenheit sehr wohl die Initiative ergreifen." Soweit der „Jud". Daß eine Sammlung von Seforim in den verschiedenen Ländern gegenwärtig besonders ertragreich sein würde, möchten wir bezweifeln. Das Terrain ist ziemlich abgegrast und die Not an Seforim macht sich, wenn auch nicht in dem denn nicht alles einfach — geträumt haben, ebensogut wie man von andern Sachen träumt? Allein, ein gewöhnlicher Traum — das stand fest — war hier ausgeschlossen.^ 'Tnviü 0*1*6 j'Xiv f'x, der Mensch träumt nur von dem, woran er tagsüber gedacht. Was er nicht gesehen und nicht kennt, davon kann der Mensch nicht träumen. Deshalb empfand Jakob so viel Ehrfurcht vor diesem Orte. Er sprach: Wahrlich, Gott ist an dieser Stätte, denn ’njn* »6 '2ZM, ich habe es nicht gemutzt. Ein gewöhnlicher Traum ist demnach hier ausgeschlossen. deshalb "m" na ivx'i xin —- „Und es war am Morgen und stehe da, war Lea". Dazu bemerkt der Midrasch: dni ,-6 nix xvn, „Die ganze Nackt sprach er sie mit Rahel an, sie ging darauf ein". Jakob machte eS ihr zum Vorwurf, worauf sie ihm zur Antwort gab: n'Zv nrxi nrxn T2X hix 'in *p vö "ui,/ 6, „Hat denn nicht dein Vater dich gefragt, ob du sein erstgeborener Sohn Emu seiest und du gabst ihm zur Antwort: ich bin es?" Diese Antwort war nicht so schnippisch wie es den Anschein hat. Laban batte zwei Töchter, Lea und Rahel. Nun, so bemerkt Raschi, hietz es allgemein rutopm ^run, der Aelteste Rebekkas werde die Aelteste Labans und der Jüngere Rebekkas werde die Jüngste Laban r heiraten. Daher entschuldigte sich Leo, indem sie sprach: Du hast dich doch deinem Vater gegenüber auf Grund der von dir erworbenen Erstgeburt als Erstgeborener bezeichnet. Bist du nun der Erstgeborene (der Aelteste), so bist du doch mir bestimmt, wozu also deine Vorwürfe? Laban war über die Flucht Jakobs aufs höchste empört. Er bezeichnete diese Flucht als m rQ3J, alS l eine besondere Hinterlist (’22*? r» njjrn) und als solche ' 30 November 1832. katastrophalen Umfange, wie in Rußland, mehr oder minder doch überall geltend. Es müßte also unseres Erachtens doch schon an den Neudruck von Massenauflagen, speziell für russischen Bedarf, gedacht werden, und wir sollten glauben, daß dies am besten in polnischen Druckereien geschehen könnte. Dann könnten von dort aus, sobald die dringendste russische Nachfrage befriedigt ist, auch andere Länder versorgt werden. Henry Fords ~ antisemitische Spionage. Die Zeit ist wohl noch nicht gekommen, schreibt I. L. Doltdanskh in der New-Iorker „Jewish Gazette", da dir geheime Hand wird aufgedeckt werden können, welche die antisemitische Propaganda in Europa und Amerika zu gleicher Zeir so geschickt lenkt, daß es den Anschein erwecke, als ob die Juden in der ganzen Welt durch ihr Verhalten die Feindschaft aller Völker sich zugezogen haben. In Amerika ist eS der Liebling der Wiener „Neuen Freien Presse", Henry Ford, dessen ungezählte Millionen in den Dienst des Judenhasses gestellt werden. Es ist daher zu begrüßen, wenn gerade von nichtjüöischer Seite der Versuch gemacht wird, in das unterirdische Treiben des internationalen Antisemitismus hineinzuleuchten. Diese selbstlose, dankenswerte Aufgabe hat die verbreitete englische Zeitschrift „Hearst International" auf 'sich genommen. Seit dem Monat Juni erscheinen in dieser Zeitschrift aus der Feder ihres Hauptmitarbeiters Norman Hopegood eine Reche von Artikeln, welche die sensationellsten Enthüllungen über die antisemitische Verschwörung gegen das amerikanische Judentum bringen. Nicht Meinungen allein äußert hier Mr. Hopegood, und nicht unverbürgte Gerüchte nach dem Hörensagen werden hier wiedergegeben. Jede Behauptung wird durch faksimilierte Dokumente bekräftigt. Hopegood liefert eine wahre Naturgeschichte des Fordschen Antisemitismus und geleitet ihn von seinem Entstehen angefangen bis zu seiner heutigen Entwicklungsstufe. Die erste antisemitische Aeußerung Henry Fords richtet sich gegen seine beiden Begleiter auf seinem inzwischen dem allgemeinen Hohn zum Opfer gefallenen Frtedensschtff, Libald und S. S. Daniels, einen Bruder des gewesenen Staatssekretärs für Martnewesen. Kaum wurde Fords antisemitischer Sport bekannt, wurde er von einem ganzen Schwarm von Nichtstuern und Geschäflsantisemiten umgeben, die von den Millionen Fords profitieren wollten. Das erste war die Gründung eins großen Sptonagebüreaus, von wüchem aus eia bezeichnet sie auch die Heilige Schrift (2^> rx 2pp' 2::>i 1"3l.) Worin bestand denn diese Hinterlist oder Täuschung? Laban mag die Flucht Jakobs schmerzlich empfunden haben, aber dies berechtigte ihn noch lauae nicht, diese Flucht als Hinterlist zw bezeichnen. Allein, man beachte genau den Wortlaut des vorhergehenden Wochenabschnittes. Sowohl Jfak als Rebekka waren dafür, datz Jakob sich zu Laban begebe. Allein Jsuk gebraucht den Ausdruck „Flucht" überhaupt nicht. Jakob soll nur zu Laban gehen und dort eine der Töchter Labans ehelichen. Hat er dort sein Weib gefunden, dann mag er dort auch ruhig bleiben. Rebekka hingegen spricht ausschltetzlich von einer „Flucht" So1? *5# "12). Diese „Flucht" soll nur von kurzer auer sein (e'inx ow') und in der Absicht geschehen, recht bald den Rückgang anzutreten -j-nx ncn 2w np) •JOB.) Der Aufenthalt bet Laban soll durchaus einen provisorischen Charakter haben und möglichst begrenzt und beschränkt fein. Dies nun hat Jakob dem Laban verheimlicht. Er gab als Ziel und Zweck seines Aufenthaltes bet Laban den Wunsch seines Vaters (eine Frau zu suchen), nicht aber den Rat seiner Mutter an. Mit andern Worten: Jakob verheimlichte Laban, datz er ein Flüchtling suur auf kurze Zeit) sei, so datz Laban in der Annahme lebte, Jakob werde bei ihm dauernd bleiben. Daher die Empörung und Entrüstung Labans, die darin bestand 'h Tin 'bz by xn N12 »2, „datz er ihm nicht gesagt hat, datz er ein Flüchtling iei" (der die Absicht hat, sobald als möglich den Rückzug anzutreten). Eine andere Erklärung lauter: Jakob hat bei jedem Anlatz gedroht, er werde die Flucht ergreifen. Auch bei jedem nichtigen Anlatz f^2 - wegen Nichts) pflegte er zu sagen, er werde entfliehen und — er entfloh trotzdem nicht.‘ Dadurch gewöhnte sich Laban