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Der Israelit · 1922-11-23 · Heft 47 (23.11.1922) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 47 (23.11.1922)
Date
1922-11-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«rltr S. Nr 38 einem Gremium, dessen realer Einfluß nicht überschätzt werden darf. Es gilt unser Land, es gilt unser Volk, es gilt beides in Einem : Was heute in unserem Lande vorgeht, ist keine territoriale Frage eines bestimmten und verhältnismäßig geringen Teiles der Gola. In unserem Lande kämpft heute Jakob mit Esans Genius, der den thorafremden Zionismus beseelt. Ob Jakob wieder Jtsroel wird: In unserem Lande wird es entschieden. Arabien bedroht gleich Laban unser Leben. Aber der Zionismus bedroht das Leben unseres Lebens. Das mag die Gola wissen. Und danach handeln. Erklärung des Senttal-Süros der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinden in der Slowakai. Wir haben unseren Lesern bereits vrn dem Asjur berichtet, den der Munkaczer Rabbiner gemeinsam mit einigen anderen Rabbiner über die Aguda ausgesprochen hat. Wir haben es nicht für nötig gefunden, hier näher auf die Begründung dieses Jssurs einzugehen, da wir bei dem Leserkreise unserer Blätter nicht erst nötig haben, die Hauptanklage des erwähnten Rabbiners gegen die Aguda - allzugroße Shnipathie für den Zionismus und den Misrachi — zu entkräften. Wenn wir Entlastungszeugen nötig hätten, so genügte es, als o"iy die Berliner „Jüdische Presse" und „Jüdische Rundschau" zu nennen. Indessen hat die Handlungsweise des Munkaczer Rabbiners die slovakische orthodoxe Landeskanzlei zu nachstehender Erklärung veranlaßt, deren Inhalt als ein hocherfreuliches Symptom für die innere Geschlossenheit unserer Gesinnungsgenossen in der Slodakei, auch unseren Leserkreis interessieren dürfte. Die Redaktton. Bon unberufener Seite ist. im vergangenen Sommer eine kleine Versammlung, von einigen Rabbinern und Rabbinatsassessoren nach Tschapp, einem Btäbtdjen in der Blomafei einberufen worden, in welcher kurzer Hand ein Jssur über die orthodoxe Weltorganisation „Agudas Jisroel" ausgesprochen wurde. Tie.Agudas Jisroel ist, wie bekannt, mit der ausgesprochenen Tendenz gegründet, alle jüdischen Gegenwartsaufgaben im Sinne der Thora zu lösen und hat sich Chisuck HadaA whoemuno zum höchsten Ziele gesetzt. Der größte Teil der Gdole Jisroel der Welt haben die Agudas Jisroel-Organisation als Zusammenschluß der Orthodoxie als eine dringende Notwendigkeit erkannt, um die schweren Gefahren, welche durch unjüdische Strömungen, vorwiegend durch die zionistische Bewegung dein thorarreuen Judentum drohen, zu paralysieren und die schweren Schäden, die bereits Emuno senu hackdauscho. verursacht wurden, zu heilen. Ein Teil, der Gedolim, hinwieder, das soll rückhaltlos anerkannt werden, steht noch abseits und bekundet der Agudo gegenüber eine neutrale Haltung. - Tie slowakische Landesrepräsentauz, als die legale Vertretung der Orthodoxie, hat in ihren konstituierenden Sitzungen mit Zustimmung auch der Agudogegner den einstimmigen Beschluß gefaßt, daß der Anschluß an die Agudo unter der Bedingung zu gestatten sei, daß in Gemeinden, wo der Ortsrabbiner die Bildung einer Agudogruppe nicht wünscht, diese auch unbedingt unterbleiben muß. Dieser Beschluß ist auch strikte durchgeführt worden, und es ist uns kein einziger Ort bekannt, wo gegen den Willen des Ortsrabbiners auch nur der Versuch einer Gründung gemacht wurde. Wenigstens ist der Leitung der Landeskanzlei, die über die gewissenhafte Durchführung der gefaßten Beschlüsse zu wachen hat, kein Verstoß gemeldet worden. Tjanun an oben erwähnter Versammlung auch einige slowakische Rabbiner teilnahmen und den ominösen Jssur mitunterzeichn eteir, hat sich die Lei- ' ..„ft lütte r? . _ tung der Landeskanzlei veranlaßt gesehen, in einem Schreiben an dieselben auf das ordnungswidrige Zustandekommen der Versammlung aufmerksam zu machen und auf die schädliche Wirkung hinzuweisen, die sich . daraus ergibt, wenn hier zu Lande, wo die Orthodoxie gesetzlich organisiert ist, deren Leitung in jeder Klall-Angelegenheit der Regierung wie auch der jüdischen Oeffentlichkeit verantwortlich ist, in wichtigen Lebensfragen des Chisuck-Hadas bindende Beschlüsse für das Land gefaßt werden, ohne die zustä nd i gen F a kto ren au ch nu r zu v erst ändi gen. Die Leitung der Landeskanzlei hat nun zwei Fragen an die den Jssur unterzeichnenden slowakischen Rabbinen gerichtet: 1. Ist es ein richtiges Vorgehen, daß ein Jssur von einigen Rabbinen ausgesprochen wird, ohne das Rabbinerkomitee und die Landeskanzlei zu benachrichtigen? 2. Ist es zulässig, daß man gegen anerkannte Gdole Thora, die im Kampfe gegen den Zionismus ergraut sind, die Pauschalverdächtigung in die Wielt setzt, daß sie unter der Maske der Aguda versteckte Zionisten seien. Zionistische Ziele unter dem Deckmantel der Agudo fördern? Mit Genugtuung konstatieren wir, daß sämtliche Unterzeichner mit Ausn a h m e v o n z we i e n i hr Bo rge h e n t e i ls mit ihrer Abwesenheit und Unkenntnis d er Sachlage entschuldigen, teils ihren Irrtum e i n g e st e h e n und ihre Unterschrift zurückziehen. Tie zwei Ausnahmen haben ihre Handlungsweise weder gerechtfertigt, noch ihre Unterschrift zurückgezogen, wodurch sie sich in Gegensatz zu allen Rabbinern der Slowakei fetzten. Wir enthalten uns jeden Kommentars über die in Tschapp gefaßten Beschlüsse und sehen von der sachlichen Behandlung der ganzen Angelegenheit schon aus dem Grunde ab, weil die Leitung der Landeskanzlei nicht zur Vertretung der Aguda berufen ist,' vielmehr ist es die formale Seite, welche die herbste Kritik herausfordert, bei deren Außerachtlassung die berechtigten und dringendsten Beschlüsse kompromittiert erscheinen und keine bildende Rechtskraft erlangen können. Es soll hier nachdrücklich betont werden, daß weder das Rabbinerkomitee, noch die Leitung der Landeskanzlei sich das Recht anmaßen, in inneren Angelegenheiten, innerhalb einer orthodoxen Gemeinde eine Meinung zu äußern und, in Fragen, deren Beurteilung das ausschließliche Recht des Ortsrabbiners bilden, sich einzumengen. Das unbestrittene Recht eines Rabbiners, in seiner Gemeinde laut den Vorschriften des Schulchan Aruch Maßnahmen zu treffen, respektive Verbote zu erlassen, darf unter keinen Umständen und von keiner Seite angetastet werden; jedoch ganz anders verhält sich die Sache, wenn einige Rabbiner und Rabbinatsassessoren aut Aufforderung eines unberufenen Faktors und infolge eines von ihm ausgeübten Druckes sich rersammeln, um dem ganzen Land Beschlüsse zu diktieren, ohne mit den zuständigen verantwortlichen Faktoren auch nur in Fühlung zu treten. Gegen eine solche undisziplinierte Vorgangsweise muß eingeschritten werden, und ist hiermit auf Grund obiger Ausführungen und der uns eingegangenen Zuschriften der beteiligten Rabbinen, der in Tschapp gefaßte Beschluß als ungültig anzusehen, und bleibt der legal gefaßte Beschluß, der Landesrepräsentanz, wonach es jedem Rabbiner in der Slowakei zusteht, die Gründung einer Agudo- Gruppe irr feiner Gemeinde zuzulassen oder ab zu lehnen, solange in Kraft bis derselbe nicht auf ordnungsmäßige Weise abgeändert ist. Beschlüsse zu fassen, welche das? g .l n z e L a n d o.e r p f l i ch t e n - eine n.I s s u r ■ Z8. November 1823 aus zu sprechen, den ein jeder Jo re Schomrajim respektieren muß, kann nur von der Vollversammlung sämtlicher Landesrabbiner ausgehen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wurde laut Beschluß des zuständigen Rabbinerkomitees am vergangenen 1L. Elul eine große Plenarversammlung sämtlicher Rabbiner unseres Landes ohne Unterschied und ohne Ausnahme einberufen und sind dort bei Wahrung vollster Redefreiheit und Anhörung aller Meinungen nach eingehender Beratung, auf Grundlage des Schulchan Aruch Beschlüsse gefaßt worden, die im geeigneten Zeitpunkte gemäß der ursprünglichen Beschlußfassung der Oeffentlichkeit bekannt gegeben werden. Im Bewußtsein der Verantwortung werden 'solche ernste Fragen, von den kompetenten Stellen der Orthodoxie mit großer Vorsicht behandelt und im Interesse des Klalls nicht vorzeitig veröffentlicht. Eben aus diesem Verantwortungsgefühl heraus ist die Leitung der Landeskanzlei gezwungen, schweren Herzens dagegen Schritte zu ergreifen, daß die in jüdischen Angelegenheiten bedauerlicher Weise in einem Teile des! Ostwinkels der Republik herrschenden anarchistischen Zustände nicht auf die konsolidierten Verhältnisse der Slowakei übergreifen, vielmehr jener Platz wo im letzten Jahre die Verachtung der Thora und die Erniedrigung ihrer Träger zum Schmerze aller nüchtern denkenden Jereim so große Dimensionen angenommen, isoliert bleibe. Ungern treten wir in dieser heiklen Sache vor die Oeffentlichkeit und erklären, daß wir jede weitere Polemik ablehnen. Möge derjenige, dessen Name Friede bedeutet seinem Volke Frieden gewähren; und den Sendboten schicken, welcher die Herzen der Vater den Kindern und die Herzen der Kinder den Vätern zuwendet, und mögen alle die, die Gottes Willen erfüllen, sich zur Erhöhung der Thora und Gottesfurcht verbinden und vereinigen, und gemeinsam Gott dienen, bis die Stimme gehört wird, die Frieden und Heil kündet, bald in unseren Tagen Amen! Preß bürg, den 16. Cheschwan 5683. Rabbiner Koloman Weber, Vorsitzender der orthodoxen Landeskanzlei. Rabbiner Simon Hirschler, II. Vorsitzender der orthodoxen Landeskanzlei. Zur Frage des Meltkongreffes. Die Wiener „Jüdische Presse" bringt in einer Artikelserie über die Frage des Weltkongresses folgende beachtenswerte Ausführungen des Präsidenten der slov. Landeskanzlei, Koloman Weber, welche sicherlich starken Widerhall in deutschen Agudakreisen finden werden: „Wenn eine der Hauptgefahren darin liegt, daß durch eine Weltkonferenz die Fiktion gestärkt werden könnte, als ob der Zionismus irgendwie legitimiert wäre das jüdische Volk zu vertreten, so genügt es nicht, negativ durch Fernbleiben von der Konferenz gegen diese Unterstellung zu demonstrieren. Es muß vielmehr, falls man auf der Gegenseite die unglückselige Idee seiner Weltkonferenz nicht fallen läßt, unsererseits ein Kongreß all der jüdischen Kreise veranstaltet werden, welche alle jüdischen Fragen vom Standpunkt des ReliktonLgefetzes aus zu lösen versuchen, denen also die Religion der einzige Mittelpunkt des jüdischen Wollens und der jüdischen Zu. sammengehörigkettbildet. Es wird bet einem solchen Kongreß natürlich für die Kreise Raum, die auch das sogenannte nationale Wollen nach Quelle und Umfang einzig und allein an der Religion messen. Es ist vielleicht schon längst unsere Pflicht gewesen, durch eine derartige Zusammenfassung dies klarzustellen, was uns etwa in bezug auf Weltanschauung und in bezug auf Aufstellung praktischer Ziele vom Zionismus trenntso wäre am besten der perfiden Lüge widersprochen worden, als hätte die Orthodoxie, kein Interesse an-Erez Jisroel. Wenn man aber bisher diesen Schritt unterlassen habe, so sei es deshalb geschehen, m\i

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