Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1922)
- Date
- 1922-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4. Kt. 4f »er JSraelit. 23 November 18« König verpflichtet, nicht aber dem empirischen Volke." Soweit der Verfasser, -er also zum Eidbruch aufretzt, ihn geradezu als eine Pflicht für einen rassenreknen Deutschen erklärt. Er beschimpft die Deutsche Republik und ist erfreulicher Weise so ehrlich, zu erklären, daß der Lüttwitzer „Husareustretch" die Regierung stürzen und die Republik aufheben und nicht, wie man damals erklärte, die Regierung vor dem Bolschewismus schützen sollte. Daß er den preußischen Offizier schmählich beschimpft, indem er ihm die eigenen Anschauungen über den Eidbruch imputiert, dies möge das Offizierskorps, das doch wahrlich nicht aus einer Bande ehrloser Verbrecher besteht, mit dem Vers, ausmachen, daß er Reich und Verfassung beschimpft und nicht undeutlich den Abfall propagiert, darum mag das Reich sich kümmern. Daß aber Herr Blüh er mit seinen „korrumpierten Gedankengängen", wie sie sich in der Verherrlichung des Meineids so glänzend offenbaren, von den korrumpierten Gedanken gangen des Judentums spricht, wie es in dem vom Verlag brigelrgten „Waschzettel" heißt, dem der Vers, wohl nicht fernsteht, beweist, wie bei ihm die Korruption zur Natur geworden ist. Spottet seiner selbst und weiß nicht wie! Rezensieren wollte ich .das Schmachwerk nicht, aber eine „Zensur" will ich nicht zurückhalten.' Schund! Mnschenschöpfung und Raiurwiffenfchafi. Bon SanitätSrat Dr. A. Stern in Frankfurt a. M. Die Zuschrift des Herrn Hermann Cohn in No. 44 auf meinen kleinen Artikel in No. 43 des Israelit, in welchem ich darauf htngewiesen habe, daß Wiffenschaft und Entwicklungstheorie zur Annahme einer ursprünglichen Doppelgeschlechtlichkeit des Urmenschenwesens gelangten, wie diese das Thorawort andeutet, giebt mir Veranlassung, auf den Gegenstand zurückzukommen. Herr Cohn warnt vor irrtümlicher Auffassung des Versuchs, den Thorabericht und Haeckels biogenetisches Grundgesetz „in Einklang zu bringen." Ein solcher Versuch ist in jenem Artikel nicht unternommen. Wenn aber sogar Herr Cohn, der über die Materie offenbar gut unterrichtet ist, doch einen solchen Versuch herausgrlesen hat und sogar „Erklärungen" des Haeckelismus aus der Bibel oder durch die Bibel darin sieht, so muß ich nochmals das Wort zur Klar^ stellung nehmen. Es ist streng zu unterscheiden zwischen wahrer Naturwissenschaft, als Feststelein Wörtchen mit dreinredrn dürfen und ihre yewichrige Stimme über „Sein oder Nichtsein" gewisser jahrlausende alter, bewährter Vorschriften abgebev. MaimonideS z. B. — bekanntlich ein genialer Arzt und Hygieniker — würde gewiß ob solchen Beginnens nyip reißen und nnr ojn» .12'» ansttmmen? Kennt Dtenemann genau die Schriften des v»2vi, ist er 'p2 in r»"vr und cpc®? Und weiß er wie die moderne Eruährungswissenschüft über die altjüdischen Ernährungsvor. schriften urteilt? Bewunderungswürdig, ge« nialprophetisch, unerreicht" . . . Ich verweise ihn z. B. aus eine Abhandlung in der „Mediz. Rundschau 1912" über das Verbot, Fleisch und Mtlchzvsammen zu gen letzen in der altjüdischen Lehre*) (i'jra ieo). Auch der „Israelit" hat'e seinerzeit einen kurzen Bericht (Mai 1912) darüber gebracht. Ebenso empfehle ich tbm meine „Zahn- und Mundhygiene im Talmud, Midrasch und bet den Kommentatoren" (Forlschr. d. Medizin 1817/18, Nr. 31) zum genauen Studium. In der jetzt eingegangenen „Allg. Zeitung des Judentums", Jahrg. 1918, habe ich in einer Abhandlung über „markante talmudische Sprüche über die alltäglichen Ernährungsweisen" manches darüber angedeutet. Ich möchte mich nicht wiederholen ... Nur das will ich konstatieren: Die strikte Befolgung der göttlichen Ernährungsvorschristen hat zum großen Teil dazu beigetragen, datz wir Juden trotz der Zetten Ungemach, trotz Verfolgung und Bedrängnis, immer noch existieren und nicht degenerieren wie die anderen Völker des Altertums, welche schon längst von der Btldfläche verschwunden find. (Vgl. auch diesbezüglich mein „GefundheitSrückstcht der Aesthetik". Antwort an Herrn Dr. med. Sternerg, Berlin. Dieselbe Zeitschrift 1913.) lung nnd Erkenntnis an Tatsachen und Gesetzen, und zwischen naturwissenschaftlichen Hypothesen, als Versuchen der Erklärung von Weltanschauung und Weltgeschehen. Die anatomisch-beschreibende Embryologie als Naturwissenschaft läßt eine vergleichende Betrachtung mit dem Thorate;te und dessen autoritativer Ausdeutung ohne Weiteres zu. Der überzeugungstreue Jude wird solche Betrachtungen von seinem unverrückbaren Thorastandpunkte aus anstellen und seine Ueberzeugung nicht von dem Resultat seiner Betrachtung abhängig machen. So haben es Israels große Lehrer allezeit gehalten. Theorien aber und Hypothesen, wie die Entwickelungstheorie, haben nur zeitliche Geltung. Das Judentum hat im Laufe feiner Geschichte gar manche Theorie entstehen, blühen und Ver. sinken sehen. Auch die Darwin-Haeckelsche Lehre ist vielfach korrigiert, ja gänzlich verworfen und durch andere Theorieen ersetzt (Neovitalismus rc.) worden. Sie steht zur Thora im striktesten Gegensatz und ist in keinerlei Einklang damit zu bringen: In der Thora: Weltschöpfung durch Gott aus nichts: PKb — bei Haeckel: generatio aequivoca, d. h. atheistische Entstehung der organischen Welt aus der toten Materie/ in der Thora: fertige Schöpfung der Pflanzen- und Tierarten nach ihrer individuellen Eigenart Wd1?/ — bei Haeckel allmähliche Entstehung und Entwickelung einer Art aus einer anderen. Ich habe daher klar in meinem Artikel geschrieben: „Ja sogar der Darwinianer und Haeckelianer wird unsere Uebersetzung und Deutung des Bibelworts mit Interesse lesen." Ich habe nur darzutun versucht, wie diese modernen Theoretiker auf dem Wege der Spekulation zur hypothetischen Annahme eines Urmenschenwesens gelangen, welches das Thorawort schon vor Jahrtausenden als schöpfungsgeschtchtliches Faktum erklärt. eomzponäenre« «. Eta&rlcMeii. Deutsches Kelch. Kein fflahifcampf in Berlin. Uerttn, 17. Nav. Das von den Liberalen besonders heiß er- Und das ist eben der w a h r e Sinn des V8 '2 D'tpx sb nnso2 'nvs> irrm nbnvn bs '»l ^pn TSBn 'n m Diese einzigartigen Vorschriften sind es auch, welche den geringen Anteil der Juden an Erkrankungen refp. Todesfällen bei Epidemien 2t. verursachen, das wird allgemein anerkannt. VonSden jüdischen Familien-, Ehe- und Sexualvorschrtften gilt dasselbe. Sie sind und bleiben e w i g mustergültig, da sie nur vrnpn nra verkündet sind. (Bgl. unter vielen anderen nur: „Perverse GeschlechtSempfindung rc.", „Mediz. Rundschau 1911", Nr. 13, ebenso die große Abhandlung deSs. 19 l2, Nr. 3 betitelt: „Die geschlechtliche Hygiene in der altjüdischen Literatur": schließlich auch in der' „Zeitschrift für Sexualwiss-nschaft", Bd. 6, Heft 7: „Altjüdische Sexual- Politik" (1919). Deswegen heitzt eS auch bei rwij? in 'ins: nw ILM 2712 'NI VNXN vmx. Und noch eins: den Ausspruch cth m pxvvv mp 'ivo pflege ich dahin allegorisch zu erklären; die Hände, welche es wagen, die VNtp '■©d zu verbessern, zu reformieren, sind xvv. und Kip' xats Xvv . . . Sie führen zum ip’]>2 ib-,2, zur nxoita.-Denn d,e Vorschrift der p"mn sind vx ’^m2 . . . Wer daran zu rühren sich erdreistet, der verbrennt sich selber daran. Also Scherz oder Ernst? (Hebräisch-chaldäische Altertümer im British' Museum). Das Brittsh-Museum in London wurde dieser Tage um eine bedeutende Kollektion archäologischer Antiquitäten bereichert, die in der Umgegend der assyrischen^ Stadt Ur (TelEk-Obeid) gefunden wurden, von wo, nach der Bibel, Abraham auSging, Besitz vom Lande Kanaan zu ergreifen. Außer einer großen Menge von Gräbern, sehnte Kompromiß ist nunmehr zustande gekommen, es wird eine einheitliche Liste aufgestellt, sodaß sich Konservative und Zionisten einerseits, Liberale andererseits künftig die Wage halten werden. Die Wahlbeteiligung wird üuf diese Weise natürlich gleich null werden. Lehrerfragödie. Berti«, 15. November. Ein Nachruf des „Vereins isr. Lehrer in der Provinz Pommern für sein Mitglied, den Greifswalder Lehrer Goczewskt, der nach schweren körperlichen Leiden und tiefer Seelennot" gestorben ist, hat folgenden Wortlaut: „Ihm ist jetzt wohl, denn ein Beamtenelend, wie es tragischer nicht sein konnte, hat seinen Abschluß gefunden .. . Die Gemeinde Greifswald zahlte das klägliche Monatsgehalt von 500 Mark. Die Erhöhung wurde abgelehnt,' mit der Drohung, alle Mitglieder treten aus der Gemeinde aus, wurde er geängstigt, und erst das Einschreiten des Regierungspräsidenten zwang die Gemeinde zur Erhöhung auf 1000 Mark monatlich. Der Verewigte ist an Entkräftigung verschieden. Das traurigste an der Sache ist, daß sich nun die gesamte antisemitische Presse Deutschlands des Falles bemächtigt hat, den Nachruf abdruckt und in ihrer gehässigen Art glossiert. Wer trägt dafür die Verantwortung? Gewiß nicht die Lehrer, die in dieser Weise ihren Amts- und Letdensgenossen beweinen. Verein?nr flJahruns der religiösen Interessen des Judentums in KJefffalen, €• v- Mecktinghairse«, 17. Nov. Am Sonntag, den 12. November, fand in Ahaus eine Generalversammlung des „Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen" statt. Der Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. Rubens aus Gelsenkirchm, begrüßte die Versammlung und erteilte Herrn Rabbiner Dr. Silberberg-Recklinghausen das Wort zur Berichterstattung über die Tätigkeit des Vereinsrabbtnats. Mit diesem Berichte verband der Redner ein Referat über den „Landesverband preußischer Synagogengemeinden" und über den „Preußischen Landesverband gesetzestreuer jüdischer Gemeinden". Insbesondere ermahnte er die Gemeindevorstände, ihre Beamten zeitgemäß zu besolden. Dem Rendanten des Vereins, Herrn Fröhlich aus Gelsenkirchen, der den Kassenbericht erstattete, wurde Entlastung erteilt. Hierauf wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, den Vereinsrabbiner in Gruppe X. der staatlichen Besoldungsordnung einzureihen. In Ab- Basen, Tischen mit chaldäischer Inschrift, wurden einige Kunstgegenstände von protzem Werte ausgegraben, darunter der kolossale Kopf eines Löwen mit roter Jasviszunge und Zähnen aus geschickt geschnittenen weißen Meerfchnecken. Die Augen bilden eine Art Mosaik aus Perlmutter und Jaspis. In einem Tempel wurde eine Statue gefunden, drei Stiere darstellend, deren Maul in eine Raubtierklaur auSläust. Diese Stiere hatten goldene Hörner, aber nur ein Horn ist vorhanden, das mit Erdpech gefüllt und mir Gold. Plättchen überzogen ist. Neben den Stieren wurde die besonders charakteristische Figur eines an der Erde kauernden Mannes entdeckt. Es scheint das Bildnis des TempelwächierS zu sein. Diese Gegenstände datieren auS der Zeit vor Abraham, der der Herrschaft der chaldäischeu Götzenwelt daS Ende bereitet. (Die Bibel in Jiddisch). Aus Rew-Aork wird geschrieben: Den 418'Bibel-Uebersetzungen, von denen das Konversationslexikon zu berichten weiß, gesellt sich jcht eine neue zu, nämlich die jtodische Bibel, die soeben das hiesige JargomTageblatt „Der Tag" in Fortsetzungen herausbringt. Samuel Btumgarden, der unter dem Namen Jeohasch schreibt, hat die Ueber. setzung geliefert, der er zwanzig Jahre seines Lebens widmete. UebrtgenS ist es hier nichts Neues, datz die Bibel in Zeitungen gedruckt wird; mehrere westliche Blätter haben damit schon vor einiger Zeit den Anfang gemacht. So neu, wie die New-Aorker Zeitungen meinen, ist übrigens die Idee der jiddischen Bibel garnicht. Schon vor hundert Jahren und später haben die hebräischen Drucke des Ostens komplette BtbelauSgaben geliefert, die neben '"cn p'X mwö und in rrmo auch jüdische Uebersetzung (im Dialekte der Zeit und Gegend) hatten.