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Der Israelit · 1922-11-23 · Heft 47 (23.11.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 47 (23.11.1922)
Date
1922-11-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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M. Novembern v die auf Entrechtung der nationalen Minoritäten ausging, in den breiten Rahmen des Minderheitsblockes geradezu getrieben. Es blieb ihnen keineandere Wahl, wollten sie es nicht riskieren, bei der für diesen Zweck zugestutzten Wahlordnung gänzlich mit leeren Händen aus den Wahlen herauszukommen und so vollkommen unvertreten und wehrlos einer nationalen, judenfeindlichen Politik ausgefetzt zu sein. Nur' so kann man sich das Verhalten der Juden, insbesondere unserer in politischer Beziehung stets mäßigen und klug abwägenden Gesinnungsgenossen, der polnischen „Agudas Jisroel", erklären, das zu manntg'achen Erörterungen Anlaß gegeben hat. Es ist die Not des täglichen Abwehrkampfes gegen Rechtsverkürzung, was die polnische Aguda in das Wahlbündnis mit den soeben noch bitter befehdeten Zionisten und diese in den Block mit den vielverleumdeten orthodoxen „Verrätern" zur Rechten hinein getrieben hat. Gewiß würden bet getrenntem Vorgehen wohl kaum 5 oder S agudisttsche Sejmabgeordnete und zwei oder drei agudistische Senatoren gewählt worden sein — trotzdem haben die Zionisten zweifellos schon reim numerisch das bessere Wahlgeschäft gemacht. Die orthodoxen Massen scheinen dem Ruf ihrer Führer gewissenhaft gefolgt zu sein und haben überüll auch den grimmigsten Feinden der Orthodoxie unter der Flagge des „jüdisch-nationalen Minderheitsblocks" in den parlamentarischen Sattel verholfen. Ob durch diese das religiöse Prinzip der politischen Zweckmäßigkeit unterordnende Taktik die Sache der orthodoxen Weltanschauung in Polen auf die Dauer gefördert worden ist, muß die Zukunft lehren. Eine Gefahr in religiöser wie in politischer Hinsicht, war dieses Bündnis unter allen Umständen. Gemildert wird d^le Gefahr, wenn die von den orthodoxen Vertretern wiederholt betonte und unterstrichene Auffassung vom Minderheitsblock als einem rein technischen Zusammengehen auf der Basis der gegenseitigen Wahlhilfe, in die Wirklichkeit übersetzt werden sollte. Jedenfalls: ZK Stimmen in einem Parlamente, in dem sich die führenden Parteien ungefähr die Wage halten und 13 Stimmen in einem S enate, dem höhere Entscheidungen Vorbehalten bleiben, fallen sehr ins Gewicht. Und die Juden werden diese Macht nicht mißbrauchen, dafür bürgt schon die ansehnliche Zahl der positiv Denkenden, die neben den ausgesprochen Gesetzestreuen in beiden Häusern vertreten ist. Die jüdischen Deputierten werden zeigen, wie man am naiionalen Wieder- Aufbau Polens kräftig und segensvoll Mitarbeiten kann, ohne „nationale Politik" in dem Sinne Anraten seiner Mutter Rebekka. Aber Jsak konnte es unmöglich wissen und schrieb daher diese nv2N seinem Sohne Jakob zu. Dies dürfte ungefähr der Sinn des zitterten Midrasch sein. Kleines Feuilleton. „Ahawo". Bon Hermann Seckbach. Unbestreitbar: Der Dollar beherrscht die Well, die Börse, die Geschäftswelt in der Preisfestsetzung, jede Häuslichkeit im Großen und Kleinen. Ueberall erklingt die Frage: wie steht „er" heute? Ja. meine kleine kaum „Dreijährige" ruft mir entgegen: Papa, ich will „Dolla" haben I Und unentwegt nimmt der Dollar seinen Weg bis ins Gotteshaus. Neulich stand nicht weit von mir ein Betender, von dem ich weiß, daß er gewohnt ist, mit„Kawono" seine Tefilloh zu verrichten. Doch — höre ich recht, sein D'fop. TO war kaum dem Mund entfahren und schon ist er mit seinem Nachbar im. Gespräch bet den Dollarkursen, die ihn ohne Zweifel schon am Schluffe der NTO nsw sehr beschäftigten. Im Ernst, wir nehmen nicht nur unS und unseren Kindern immer mehr die Ruhe, die gesunde Lebensfreude, sondern unsere Gedanken erfassen beinahe nicht mehr die Liebe, die wir unsrem Schöpfer entgegenzubringen haben: ron>ö?vs> \ytb. Wie schnell entfließen diese Worte unserem Munde. Und doch! Seien wir uns dessen klar) je eher wir die Schlacken, die sich lähmend auf unsere Empfindungen SDe* ZSraeUt. V ' ~ zu treiben, daß alles, was nicht nach Raffe, Glauben und Nationalität zum alten Polenvolke gehört, politisch und sozial bis zur völligen Entrechtung niedergehalten wird. Damit kann die parlamentarische Arbeit der Juden über die Politik hinaus auch noch auf kulturellem und sittlichem Gebiete von höchster Bedeutung werden. Mische FrontMatea und deutsch-völkischer Truhbund Die Münchener Ortsgruppe des Bundes jüdischer Frontsoldaten erläßt in Münchener Zeitungen mit Hinblick auf die alle einende Not und gegeneinander aufwiegelnde Hetze eine zum Frieden mahnende Erklärung, in der es unter anderem heißt: „Vergessen sind die 12000 jüdischen Kämpfer, die für das Vaterland gefallen sind, und deren Zahl im Verhältnis der Zahl der ntchtjüdischen Gefallenen durchaus entspricht. Vergessen find die Leistungen jüdischer Männer für deutsche Kunst, Wissenschaft und Technik. Vergossen ist die Dpferfreudtgkett, mit der die jüdischen Mitbürger ihre Volksgenossen in schlimmster Zeit unterstützt haben. — Es ist himmelschreiendes Unrecht, wenn täglich versucht wird, Männern von ehrlicher, vaterländischer Gesinnung die Ehre abzuschneiden! — Wir wissen, daß Deutschland nur genesen kann, wenn alle Kräfte, die am Wiederaufbau Mitarbeiten wollen, sich zu gemeinsamem Handeln vereinigen. Der Antisemitismus hemmt den Wiederaufbau und schändet den deutschen Namen im In. und AuSlande." Der Schuldige fühlt sich betroffen, und sieht sich der deutsch-völkische Schutz- und Trutzbund veranlaßt, in einer „Gegenerklärung" die Kundgebung der jüdischen Frontsoldaten Punkt für Punkt zu „widerlegen." Zu- Punkt 1. beruft er sich auf Aussagen vieler Heimaturlauber 1915, die mit dem jüdischen Verhalten an der Front unzufrieden waren. (Als ob jemand daran gezweifelt hätte, daß es schon 1915 und auch an der Front Antisemiten gab?) Zu Punkt 2 verwahrt er sich gegen die jüdischen Leistungen für Kunst und Wissenschaft, zu Punkt 3 dagegen, daß von jüdischer Seite Deutsche als „Volksgenossen" angeredet werden und so weiter mit Grazie-Deutlicher hätte der deusch-völkische Schutz- und Trutzbund wahrlich seinen kulturellen und sittlichen Tiefstand nicht dartun können 1 MineidssHwarmer und Zudenhetzer. Bon Pros. Dr. A. Srtlzhach in Frankfurt a. M. Nicht eine Rezension will ich schreiben, sie wüßte den mir zur Verfügung gestellten Raum legen, entfernen, je eher wir unS bewußt find, daß alles Irdische vergänglich, desto leichter wird es sein, die erhabenen, einfachen Formen zu finden, die uns ohne „Dollar" die Schönheit der Gotteswelt erkennen lassen. Und dann: Wenn selbst im Gotteshaus die Ahawo, die uns mit n"2pn verbindet, durch Materielles getrübt wird, wie. vermag da das jüdische Haus das Mikdosch meat zu verwirklichen? Es ist ein geflügeltes Wort „die schwere Zeit"! Denken wir aber zurück an den langen Leidensweg unserer Vorfahren, denken wir zurück an die echt jüdische Weise unserer Väter und an die vorbildlich einfache Art unserer mit „unmodernem" Scheitel bedeckten Mütter. Sie haben in viel entbehrungsreicheren Zeiten die wahrhafte Ahawo zu Gott in sich getragen und versucht, sie den Kindern einzu« pflanzen, daß sie es vermochten, sich vom Materiellen loszulösen. Ist die Grundlage der verinnerlichten Ahawo zu Gott vorhanden, dann wird erst das Schicksal der einzelnen Gottesgeschöpfe uns ganz anders nabekommen und wir werden manches Menschenleid ganz anders erfassen. Mttdenken, Mttsühlen, Mitleids», das werden Erzieher sein auf diesem Wege: N2.1U2 iöjp \ycb. Scherz oder Ernst? Von Prof. Dr. med. Ratner, z. Zt. in Wiesbaden. Herr Rabbiner Dr.Dienem a n n zu Offenbach a. M. kündigt in dem „Blatte für das liberale Judentum" eine „Reform der traditionellen Speisegefetze" an . . . Sein noch weiter links stehender Berliner Kollege .Dr. Benzion Kc ller-mann, ein getreuer Adept Hermann Cohens, hatte sich allerdings die Sache bereits vor mehreren Jahren viel bequemer gemacht. Er ver- No. 47. Sette 3. überschreiten. Einen Ausschnitt nur will ich geben, der über die Tendenz des Buches*), das mir heute vorltegt, hinlänglich Aufklärung bringen wird, einen Ausschnitt, der uns die Bedeutung des Hakenkreuz-Symbols erklärt, dem der Vers, ganz besonders zugetan ist. Die 86068810 Judaica, die Ablösung der Juden von den Wtitsvölkern hat begonnen, die Symptome weisen nach Blüher darauf hin) da heißt es nun wörtlich weiter: Ein anderes Symptom für die wachsende 86c688io juüaic» ist das Aufkommen des Hakenkreuzes. Man findet eS überall und es verbreitet sich mit ept« demtscher Sicherheit . . ., es ist eine judenseindliche Rune und ein deutsches Heiiszetchen, auf daS die Juden genau so reagieren wie auf den Anruf „Jude!" . . . Mag die Jüdische Presse mit noch so großem Leicht« mut und Humor über dieses Zeichen sich äußern: eS ist das Pfeifen eines Knaben im nächtlichen Walde, der sich damit von der Angst befreit . . . Früher war eS nur eine Broich?, von seltsamen germanischen Schwärmern getragen, da plötzlich brach sein historischer Tag an: die Soldaten der Lüttwitztruppen, die an jenem Märzmorgen Be»lin stürmten und die jüdische Regierung davonjagten, trugen das Hakenkreuz auf ihren Stahlhelmen. Dieser Tag war der einzige seit dem Anbruch der deutschen Schande, an welchem die Ehre eines Volkes sich zu melden wagte." Der „Husarenstreich" war zwar eine Voreiligkett, er hätte bester vorbereitet sein sollen, aber daß die Berliner wieder einmal sehen konnten, „was noch da ist, an wohlgeratenem Volke und das ist ein Verdienst." „Der Eid auf die Verfassung aber und sein Bruch ist für den Offizier eine leere Fiktion, die nur zeigt, daß man nicht weiß, was ein preußischer Offizier ist. Niemals nämlich kann eine demokratische Verfassung, wie die Weimaer, legitim sein, denn sie beruht gerade auf dem, was nie legettm war . . . Nur die (protestantische Kaiserkrone) und nur diese allein ist für den deutschen Offizier durch die Tat Bismarcks sakrosankt und eidverbtndltch." (Im Buch nicht unterstrichen.) Nur die Franzosen hatten das Recht auf eine Republik, denn sie sei im Augenblick historischer Erregung geschaffen worden. (Logik!) „Die deutsche Republik aber ist ein vöükg unsinniges, geschtchtswtdriges Gebilde, denn sie stammt aus keinem tiefen Erregungszustand schöpferischer Art des ganzen Volkes, sondern aus dem jüdischen Geist . . . Darum ist auch die deutsche Republik als typisches Judenprodukt ohne historische Ehre. Der preußische Offizier hat aber das, Was hier philosophisch (!!) ausgedrückt ist, als unmittelbares Gefühl und als Zucht im Blute. Daher kann ihn der Vorwurf des Eidbruchs an der Repubtk nicht treffen.' Der Offizier ist dem *)HanS Blüher, 8ec688io J udaica. Berlin 1922. Der Weiße Ritter-Verlag. 66 S. kündete mit Emphase von der Kanzel herab, urdi et ort», die sanitären altjüdischen Ernährungsmatzregeln wären durch die „modernen saniiätSvoltzetlichen Verordnungen" total veraltet und überflüssig . . .! Ein Sturm der Entrüstung, erhob sich zwar damals im konservativen Flügel der Gemeinderepräsentanz — ob dieser Unverfrorenheit eines jüdischen Seelsorgers..., man verlangte kategorisch nichts Geringeres als die Entfernung dieses neuen Kirchenlichts auS dem Amte . . . Aber schließlich endete diese seinerzeit skandalöse Gemeindeaffatre mit der Abdankung — deS Vorstands in corpore . . . Und Kellermann — keltert — "pn w — die mm im Sinne der Cohenschen Philofophie in Berlin W. W. weiter . . . Gott schütze das Judentum ... vor solchen Freunden . . . Merkwürdig, daß die reformatorischen Judenbeglücker die kritische Axt gerade an die Grund« pfetler -er mm antegen — unb sozusagen, wie ^2n nK npj^ 8>p2 p1? sind . . . Cäsar Seligmann wollte mit feinen „Richtlinien" vor etwa einem Jahr« zehnt das komplizierte altjüdische Eherecht 0) vereinfachen. (Ich hatte damals aus diesem Anlaß im „Franks. Israel Familtenblatt" einen geharnischten offenen Brief veröffentlicht — und die Absurdität der neuen Orientierung wissenschaftlich aä o.eul08 demonstriert) . . . Ein Schlag tnS Wasser war eS blos ... Und nun lasse»,Dienemann die Selign annschen Lorbeeren nicht schlafen . . . vifficilo 68t 8aiiram non 8crider6 . . . Will Herr Dr. Dtenemann allein sein Erleuchtungswerk vollbringen, oder soll eine Kommission von „Sachverständigen" die Sache in die Hand nehmen — und unS mit einem zeitgemäßen Schulchan Aruch Hilchoth Trephoth beglücken? — Eine Harle Nuß für den Kenner ... Da werden wohl veritable Ernährungsphilologen

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