Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1922)
- Date
- 1922-11-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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16. November IM »er Mraütt. Br, 46 Grttr 5 tritt für den nationalen Block ein, dem er eine historische Bedeutung zuspricht. Er erhofft vom Zusammengehen ansehnliche Wahlerfolge und meint, die reaktionäre Wahlordnung hätte auf diese Weise, wenn sie zur Einigkeit und zum Zusammengehen der Parteien und Minderheiten führte, ihr Gutes, es sei aber zu unterstreichen, daß der Block der Minderheiten rein technischer Art fei. Er rechnet auch mit den Volkisten ab und weist auf die wahren Gründe ihres ablehnenden Verhaltens hin. Herr I. M. Lewin vertritt den Standpunkt der Aguda. Abgeordneter Mendelsohn erstattet Bericht über die bisherige Tätigkeit der jüdischen Fraktion im Sejm und hofft, daß mit der Vermehrung ihrer Zahl auch ihre Kraft wachsen werde. Herr Silberstein spricht im Namen der orthodoxen Arbeiter. Mit einer Schlußrede -es Gltner Raw schloß die Versammlung, mit dem festen Beschluffe, für die sogenannte Liste Nr. 16 zu stimmen. Mauen. Joinl-öeKllligurigeri kür Rußland- Koivrro, 8. November. Das Joint Distribution Komitee hat der Jüdisch-russischen Htlfsgesellschaft 40 Milliarden Rubel zum Ankauf von Brennmaterialien für die Ukraine zur Verfügung gestelltaußerdem wurden 2000 Dollar für das pädagogische Institut in Charcow, 5000 Dollar für Kleider und Stiefel, 5000 Dollar für Schulutensilien und 12000 Dollar monatlich für Erhöhung des Budgets der Nahrungsmittelabteilung bewilligt. jgUtmänien* Progromaoifafionen in Rumänien- Ankarest, 5. November. Die Czernowitzer „Ostjüdische Zeitung" berichtet von judenfeindlichen Exzessen im altrumänischen Gebiete, die auch auf die Bukowina ükergreifen. Solche Exzeffe sollen in Jassy, Barlat, Buceu und anderen Städten der Moldau stattgefunden haben und zumeist von studentischen Kreisen ausgehen. Die Regierung erklärt amtlich, daß die verantwortlichen Hetzer strenge Bestrafungen zu gewärtigen hätten. In einer Rede, die der Ministerpräsident Br atianu dieser Tage in Cluj gehalten hat, erklärte er ebenfalls, daß alle antisemitischen Tendenzen rücksichtslos unterdrückt werden würden. Dagegen könnten die Minoritäten im Lande nichts anderes erwarten, als volle Gleichberechtigung. Die weitergehenden Forderungen ai f nationale Autonomie seien unerfüllbar. (&n®lanb. Die nJafilberoegung in England- Jüdische Kandidaten. — Antisemitische Strömungen. Das Palästina-Mandat. — Eine erstaunliche Rede Bonar Laws. London, 9. November. - Die Wahlbewegung hat mit Macht eingesetzt Unter den Kandidaten der verschiedenen Parteien befinden sich etwa 20 Juden, von denen allerdings nur eine kleine Anzahl Aussicht hat, gewählt zu werden. Dazu gehören Sir Philipp Sassoon, Lionel de Rothschild, A. Mond, Samuel Samuel, E. S. Montagu.Z Was der Wahlbewegung jedoch diesmal einen besonders aufregenden Charakter für die englische Judenhett gibt, ist einerseits der stark hervortretende Antisemitismus, der abgesehen von der „Morning Post" auch durch eine ganze Reihe von Prcvinzblättern in der schamlosesten Weise verbreitet wird, andererseits die immerhin nicht leicht zu nehmende Agidation gegen das Palästinamandat. Diese Agitation stützt sich'auf die trotz aller Widerlegungen immer ^wiederkehrende Behauptung, der britische Steuerzahler werde durch die Balsourpolitik mit dem jüdischnationalen Heim ungebührlich belastet. Zwar hat Churchill schon im vorigen Jahre, als die Steuer erträgniffe in Palästina noch weit geringer waren, bereits von der Tribüne des Parlaments verkündet, daß die Garnison Palästinas (nicht etwa das jüdisch-nationale Heim!) die englischen Steuerzahler noch nicht einen Pence auf jedes Pfund Einkommensteuer koste. Allein das hindert die autisemitischen Hetzblätter nicht, den Wählern fantastische Ziffern von den angeblichen Kosten der Balsourpolitik vorzureden. Neben diesem Argument für den Mann auf der Straße wirkt auf die gebildeteren Kreise die Behauptung, daß die zionistische Politik Englands das Reich in unendliche Kämpfe mit dem Arabertum verwickle und die ohnedies schwierige Orientposition für England unendlich erschwere.. Wie verhält sich diesen Strömungen gegenüber die Regierung Bonar Laws? Zunächst hat der Minister-Präsident am letzten Samstag in Leeds erkürt, daß er sich weder von Mr. Alquith noch von sonstigen unverantwortlichen Personen zu einer Preisgabe der englischen Positionen in Mesopotamien und Palästina drängen lassen werde. Allein bereits an dem darauf folgenden Dienstag hat Bonar Law in einer Londoner Rkde Aenßerungen getan, die wett weniger zuversichtlich klingen. Er sagte unter anderem: „Man vcrlangt von uns, wir sollten Mesopotamien und Palästina verlassen. Ich wünschte, wir wären nie dorthingegangev. Wir werden die Sache gewiß prüfen. Ich war mitverantwortlich dasür, denn ich war. in der Regierung, als die Sache eingeleitet wurde. Wir werden mit vollkommener Unvoreingenommenheit prüfen, aber wir müssen erwägen, — eine Nation mit unseren Traditionen mutz dies immer erwägen — nicht nur, waS im Augenblick am besten rentiert, sondern auch welche Verpflichtungen wir eingegangen find, die wir nicht rentabel gestalten können. Dies bedeutet jedoch nicht, daß ich zugebe, — ich habe die Sache noch nicht gründlich genug geprüft, — daß wir Verpflichtungen haben, die uns dort festhalten." Bonar Law schloß dann, er halte die Anregung für gut, die Sache mit den Vertretern der Dominions zu überlegen. Daß diese Ausführungen im höchsten Grade beunruhigend wirken müssen, ist nicht verwunderlich. Sie sind nicht nur erstaunlich angesichts der doch bisher immer als unerschütterliche Wahrheit betrachteten Tatsache, daß Palästina vermöge seiner Lage zwischen Aegypten und Indien für England strategisch unentbehrlich sei, sondern vor allem auch deswegen, weil der Ministerpräsident sich doch zweifellos Rechenschaft darüber abgelegt haben muß, wie sehr seine Rede die Wucht der panarabtschen Agitation verstärken wird. Dabei soll die feierliche Verpflichtung, die England durch die Balfour-Erklärung doch nun einmal vor aller Welt uno vor der Geschichte einge-- gangen hat, noch garnicht einmal mit in Erwägung gezogen werden. Die Bonar Law'sche Rede wird auf dem Oelberge in Jerusalem sicherlich wie eine Bombe eingefchlagen haben, und man kann nur wünschen, daß sie recht bald im Verlause der weiteren Wahlbewegung widerrufen oder abgeschwächt wird. VEMtttk. Brief aus Jaffa- Jaffa, 1. November. Die Feiertage sind nicht ohne Störungen in Stadt und Land verlaufen, nicht zuletzt von Seiten der jüdischen Religionsfeinde, die sich keine Gelegenheit entgehen lassen, um die religiösen Gefühle der Alten zu verletzen. Am Jomkippur konnte man Jünglinge mit brennender Zigarre beobachten und am Strande waren die Kaffeehäuser von jungen Juden gut besetzt. Am tiefsten empörte das Vorgehen der AdminiftraLion von Tel Awiw in einem Falle, der schon an sich traurig genug ist. Am ersten Sukkotabend gab es in der Nähe dieses Viertels einen kleinen Zusammenstoß zwischen einem älteren Herren und einem jüdischen Polizisten. Der Mann regte sich darüber auf, daß der Polizist, ungeachtet des Sabbat, ganz ohne Not mit einer Laterne herumfuchtelte und stellte ihn darob zur Rede, indem er ihn ans das Unwürdige seines Tuns mitten in einer jüdischen Umgebung verwies. Der Polizist fühlt« sich durch diese Vorhaltung beleidigt und zerrte den Herrn ins Revier, wo von den jüdischen Schreibern Protokoll ausgenommen wurde. Daß der Prozeß mit einer Bestrafung des „Schuldigen" enden wvd, ist gewiß, aber das Traurigste ist das Vorkommnis selbst. In Petach Tikwa, der Kolonie, wo sich das alte jüdische Leben bis dahin noch am reinsten erhalten hat, macht sich in allen Kreisen heftige Opposition gegen die der Kolonie aufgezwungenen Friedensgerichte geltend, in denen man einen Verstoß gegen das jüdische Recht und seine Handhabung erblickt, und diese findet ihren Ausdruck in einem im Namen der tf-nnn mp Petach Tikwa veröffentlichten Protest im orthodoxen Organ „Kol Israel". Auch aus der Stadt Haifa gelangen Mitteilungen über herausforderndes Benehmen der radikalen Elemente hierher, was die Freude der Orthodoxen an der Mitarbeit zum Aufbau des Landes stark beeinträchtigt. In der Nähe von Petach Tikwa fand man den bekannten hebräischen Dichter und Schriftsteller I. Z. Rimon mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Landstraße liegen. Er wurde auf dem Wege von Petach Tikwa nach Jaffa von drei Arabern überfallen, die ihn in entsetzlicher, nicht wiederzugebender Weise zurichteten. Es ist Hoffnung vorhanden, daß der Verletzte am Leben erhalten bleibt. Die Araber in Lausanne. Jerusalem, 5. Nov. Eine arabische Delegation verläßt dieser Tage Jerusalem, um über Konstantinopel zur Orientkonferenz nach Lausanne zu reifen. Der Führer der Delegation, Kazim Pascha, erklärte, er werde SG&ünANir. Theater {20 Kapitän Nansen {Z{Z mit seinen dressierten Seelöwen u. das große Novltäteiiprogramm Jeden Sonntag 3 Uhr: GROSSE FREMDEN VORSTELLUNG. Kleine Preise Volles Programm I Weinklause I Tanzpalais 4 Das erste Cabaret I Das vornehmste E Westdeutschlands | Abendlokal | □ Wiener Kaffee □ □ I Original - Zigeunerkapelle Banka Pista. TheaterLöwenhof Tel. Hansa 2489. Hanauerlandstraße 38. Tägl. Vorstellung der Wiener Dentsch-Jüdischen Operette unter der Spielleitung des Herrn S. Zncker Sonnabend den 18. Nov., Sonntag, den 1». Nov- und Mittwoch, den 22. Nov. gelangt in Frankfurt a. M. zur Aufführung: Die komische Operette W Die erste Liebe rn in 4 Akten von Schorr. Montag in Wiesbaden. Dienstes, den 21 Nov. und Donnerstag, den 28. November: _ Zum ersten Male: mm Bar Koebfoa iZlZ Instor. Operette von Adr. Goldfaden. Anfang pünktlich 8 Uhr. Anfang pünktlich 8 Uhr. Künstlicher Leiter: B. Abramow Geschäftsführer: Kupferberff. KartenvoFverkauf: Hotei Löwenhof. N. B. Kinder haben ohne Karten keinen Zutritt.